Asiem El Difraoui

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Abdelasiem (kurz: Asiem) Hassan El Difraoui (arabisch عبد العظيم حسن الدفراوي, DMG ʿAbd al-ʿAẓīm Ḥasan ad-Difrāwī;* 5. April 1965 in Offenbach am Main) ist ein ägyptisch-deutscher Politologe, Volkswirt, Dokumentarfilm- und Buchautor. Er beschäftigt sich besonders mit der arabischen Welt und gilt als Fachmann für dschihadistische Internet-Propaganda.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der American University of Cairo und der School of Oriental and African Studies in London studierte El Difraoui Politik- und Wirtschaftswissenschaften und erwarb einen Bachelor-Abschluss. 1992 erlangte er am Institut d’études politiques de Paris (IEP/„Sciences Po“) den forschungsorientierten Abschluss Diplôme d’études approfondies (DEA) in Politikwissenschaften. 2010 hat er bei Gilles Kepel im Fach Internationale Beziehungen mit seiner Dissertation Al-Qaida par l’image: La prophétie du martyre („Der Jihad der Bilder – eine politische Analyse von Al Qaidas audiovisueller Propaganda“) promoviert.[2]

Als Journalist und Dokumentarfilmautor arbeitete Asiem El Difraoui in Deutschland, der Arabischen Welt, dem Balkan, Asien und vor allem in Frankreich. Von 1992 bis 2008 erstellte er mit seiner Produktionsfirma Impossible Productions verschiedene politische Dokumentationen und Reportagen. Von 2005 bis 2010 war Asiem El Difraoui Lehrbeauftragter am IEP Paris und von 2010 bis Oktober 2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.[2] Er arbeitete dort im Forschungsprojekt „Jihadismus im Internet: Die Internationalisierung von Gewaltdiskursen im World Wide Web.“[3] In dieser Eigenschaft beriet er das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt „Clean IT“ zur Bekämpfung extremistischer Internet-Inhalte.[4] Seit 2012 ist er Senior Fellow am Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik.[2] Seine wissenschaftliche Expertise in der arabischen Welt umfasst insbesondere die Länder Algerien, Ägypten, Irak und Saudi-Arabien. El Difraoui ist seit 2015 Mitherausgeber des Magazins Zenith. Außerdem gehört er zu den Gründern der Candid Foundation in Berlin, die als unabhängige Denkfabrik eine wissenschaftlich fundierte Beschäftigung und einen Dialog mit der islamischen Welt zum Ziel hat.[5]

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Toulon, Vitrine der Front National. Arte, 1998, Autor.
  • Frieden im Baskenland? Arte Reportage, 1998, Autor.[6]
  • Die Belagerung Bagdads. Spiegel-TV, 2003, Autor (mit Peter Hell und Steffen Haug).
  • Osama bin Laden: Der Prophet des Terrors. Spiegel-TV, 2004, Autor (mit Britta Sandberg).[7]
  • Mekka retten: Ein Mann kämpft gegen die Zerstörung seiner Heimat. WDR, 2005, Autor.
  • Die Sprache von Al-Qaida. Arte/WDR, 2008, Autor und Koproduzent (mit Mark Johnston).
  • Tahrir 2011: The Good, the Bad and the Politician. WDR/Canal Plus, 2011, Koproduzent.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La critique du système démocratique par le Front islamique du salut[The critique of the democratic system by the Islamic Salvation Front], in: Gilles Kepel (ed.),Exils et royaumes: Les appartenances au monde arabo-musulman aujourd'hui: études réunies pour Rémy Leveau, Presse de Sciences Po, Paris 1994, pp. 105 ff.
  • mit Stefan Aust: Irak: Geschichte eines modernen Krieges, dtv, München 2004.
  • Jihad.de, Jihadistische Online-Propaganda: Empfehlungen für Gegenmaßnahmen in Deutschland, SWP-Studien 2012/S 05, Februar 2012 (Online abrufbar PDF)
  • mit Oliver Hahn: Der arabische Schwarm im Netz des Medienwandels. Ein Salonstreitgespräch zur Protestkommunikation ziviler Bewegungen in mehr als 140 Zeichen, in: Erik Bettermann und Ronald Grätz (Hg.), Digitale Herausforderung. Außenpolitik und internationale Kommunikation in Zeiten von Web 2.0, Steidl, Berlin 2012.
  • mit Leoni Abel: The Web 2.0 Revolution and Arab Revolutionaries. The role of the new media as political infrastructure in the Arab World, in: Deutsche Welle Media Dialogue 2012. The Arab World: The role of Media in the Arab World’s Transformation Process, Vistas, Berlin 2012.
  • Al-Qaida par l’image: La prophétie du martyre. (Dissertation), PUF, Paris 2013
  • Ein Neues Ägypten? Eine Reise durch ein Land im Aufruhr, Hamburg: Edition Körber-Stiftung 2013, ISBN 978-3-89684-152-0
  • als Herausgeber und Autor mit Carola Richter: Arabische Medien. UVK, Konstanz und München 2015, ISBN 978-3-86764-509-6
  • Asiem El Difraoui, Le djihadisme, in: Que-sais-je, Presses Universitaires de France, Paris, 2016
  • Asiem El Difraoui, The role of culture in preventing and reducing violent extremism, in: moreeurope.org, 2017 (Online abrufbar PDF)
  • mit Milena Uhlmann: Prévention de la radicalisation et déradicalisation : les modèles allemand, britannique et danois, in: Institut français des relations internationales (IFRI) (Hg.), Politique étrangère 2015/4 (Hiver), Justice pénale internationale : un bilan, Paris 2015, ISBN 978-2-36567-453-9

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998: Deutsch-Französischer Journalistenpreis in der Sparte „Fernsehen“ für Toulon, Vitrine der Front National.[8]
  • 2004: Bronze World Medal des New York Film and Television Festivals für Die Belagerung Bagdads.[9]
  • 2006: Silver Award in der Sparte „Investigative Reportagen“ des Al Jazeera Documentary Film Festivals für Mekka retten.[10]
  • 2010: Certificate for Creative Excellence beim U.S. International Film & Video Festival für Die Sprache von Al-Qaida.[11]
  • 2012: Enrico-Fulchignoni-Preis der UNESCO (vergeben bei den Filmfestspielen Venedig) für Tahrir 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willy Le Devin: Abdelasiem El Difraoui : «L’Etat islamique veut effrayer, semer la zizanie et recruter en France», in: Libération vom 22. September 2014, abgerufen am 10. Oktober 2014 (französisch)
  2. a b c Fellows (Memento des Originals vom 16. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/medienpolitik.eu – Kurzbiografie auf der Webseite des IfM, abgerufen am 10. Oktober 2014
  3. Jihadismus im Internet (abgeschl.), Projektinformation auf der Webseite der SWP, abgerufen am 10. Oktober 2014
  4. Alexander Wragge: Extremismus im Netz: „Wir sollten den Zugang erschweren“, in: Golem.de vom 31. Oktober 2012, abgerufen am 10. Oktober 2014
  5. Our Founders, Webseite der Candid Foundation, abgerufen am 10. Oktober 2014 (englisch)
  6. L'espoir des Basques = Frieden im Baskenland? Datenbankeintrag auf der Webseite des Institut National de l’Audiovisuel, abgerufen am 10. Oktober 2014 (französisch)
  7. Osama Bin Laden – Der Prophet des Terrors, Pressemeldung zur Erstausstrahlung auf news aktuell vom 15. April 2004, abgerufen am 10. Oktober 2014
  8. Auszeichnungen 1998: Dokus und Reportagen, auf der Webseite von ARTE, abgerufen am 9. Oktober 2014
  9. Winners Showcase, auf der Webseite des New York Festivals, abgerufen am 10. Oktober 2014 (englisch)
  10. إختتام فعاليات مهرجان الجزيرة الدولي الثاني للإنتاج التلفزيوني (Memento des Originals vom 20. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.qataru.com, Meldung vom 31. März 2006, abgerufen am 10. Oktober 2014 (arabisch/englisch)
  11. 5 Documentaries win a Gold in FilmFest, Meldung auf der Webseite des US International Film & Video Festivals vom Mai 2010, abgerufen am 9. Oktober 2014 (englisch)