Asmari (Musiker)

Ein Asmari (amharisch አዝማሪ ‘azmari, deutsch ‚Singer‘) ist ein Unterhalter, der singt und traditionelle nordäthiopische Saiteninstrumente spielt. Die Asmaris sind mit mittelalterlichen europäischen Minnesängern oder westafrikanischen Grioten vergleichbar. Allerdings ist die Tätigkeit von einem Asmari im Gegenteil zu den Grioten nicht unbedingt vererbbar. Asmaris können sowohl männlich als auch weiblich sein.[1]
Herkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt mehrere Hypothesen zur Herkunft des Begriffs Asmari. Einigkeit besteht darin, dass der Begriff aus dem Infinitiv des altäthiopischen Verbs mäzämmär (singen) gebildet wurde. Demnach gehören die ursprünglichen Asmaris einer der häufigsten Hypothesen zu denen, die die traditionelle kirchliche Ausbildung abgebrochen und sich der Musik gewidmet haben.[2] Bemerkenswerterweise gab es nie eine Asmari-Gilde, Bruderschaft oder Vereinigung in Äthiopien.[1] Zumeist führten die Asmaris ein Nomadenleben, indem sie von Haus zu Haus, von einem Tej-Bet (amharisch ጠጅ ቤት) zu dem anderen, oder von Feier zu Feier (z. B. Hochzeiten, Geburten etc.) zogen. Manchmal stellte ein Adliger einen oder eine Asmari vorübergehend ein, damit ihn der Musiker auf einer langen Reise begleitete. Neben der Haupttätigkeit eines Unterhalters spielten die Asmaris traditionell noch zahlreiche andere Rollen in der äthiopischen Gesellschaft. Sie galten auch als Hofnarren, Satiriker, Dichter Nachrichtensprecher und politische Agitatoren bzw. Kommentatoren,[1] indem sie über ein Repertoire an historischen Liedern verfügten sowie Loblieder über verschiedene Kaiser und Schlachthelden aufführten.[3] Deswegen wurden sie in Krisenzeiten äthiopischer Geschichte nicht selten verfolgt wie beispielsweise während der italienischen Besatzung Äthiopiens von Ende der 1930er Jahre bis 1941, als zahlreiche Asmaris zum Opfer fielen, denn ihre historischen Lieder riefen zum Zelebrieren äthiopischer Identität und zum Widerstand auf.[3]
Heutzutage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Asmari-Tradition ist immer noch lebendig: 2011 wurde die Anzahl der Asmaris in Addis Abeba auf über 100 geschätzt, etwa doppelt so viele wie in Gondar.[2]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Ashenafi Kebede: The "Azmari", Poet-Musician of Ethiopia. In: The Musical Quarterly. Band 61, Nr. 1, 1975, ISSN 0027-4631, S. 47–57, JSTOR:741683.
- 1 2 Simeneh Betreyohannes Gebremariam: The Azmari Tradition in Addis Ababa: Change and Continuity. In: Northeast African Studies. Band 18, Nr. 1-2, 1. Oktober 2018, ISSN 0740-9133, S. 31–57, doi:10.14321/nortafristud.18.1-2.0031 (scholarlypublishingcollective.org [abgerufen am 25. Dezember 2025]).
- 1 2 Kay Kaufman Shelemay: Ethiopia: Empire and Revolution. In: Afropop Worldwide. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 14. Februar 2007; abgerufen am 1. Januar 2026 (englisch).