Anlageklasse

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Eine Anlageklasse (auch Assetklasse von englisch asset für Anlage) ist eine Gruppe von Anlagen, die aufgrund gemeinsamer Eigenschaften zusammengefasst werden. Dabei fasst man eine Gruppe von Finanzinstrumenten zusammen, die ähnliche finanzwirtschaftliche Eigenschaften haben und sich ähnlich auf dem Markt verhalten. Oft sind Anlagen einer Anlageklasse dengleichen Gesetzen und Regulierungen unterworfen. Mit der Bildung von Anlageklassen wird eine Einteilung von Vermögensobjekten des Kapitalmarktes vorgenommen.

Definition von Anlageklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Anlageklasse beschreibt eine Gruppe von Anlagen mit ähnlichen Werttreibern im Sinne von Ertrags- und Risikofaktoren. Untergeordnet dienen institutionelle Charakteristika, statistische Abweichungen der beobachteten Renditen, Risikohöhe, historische Entwicklung und marktübliche Klassifikationen der Abgrenzung.[1] Es bedarf also zunächst einer Definition von Vergleichskriterien, die allerdings nicht eindeutig sind. Kern-Anlageklassen (engl. core asset classes) haben eine Vielzahl von gemeinsamen Eigenschaften. Dies kann die Korrelation zur Inflationsrate oder Schutz gegenüber Finanzkrisen sein.[2] Aber auch eine ähnliche Regulierungsstruktur.[3]

Von William F. Sharpe wurden drei Kriterien vorgeschlagen: Die verschiedenen Anlageklassen müssen sich gegenseitig ausschließen (man darf eine Anlage nur einer Anlageklasse zuordnen), eine Anlageklasse muss so umfassend sein und eine große Anzahl von Anlagen beinhalten, um innerhalb der Anlageklasse eine Diversifikation zu ermöglichen und schließlich sollen Erträge einzelner Anlageklassen sich voneinander differenzieren (das heißt die Renditen sollen eine niedrige Korrelationen aufweisen).[4]

Zu den klassischen (traditionellen) oder Kern-Anlageklassen zählen Anleihen (auch festverzinsliche Wertpapiere genannt), Aktien und Bargeld.[5][6] Darüber hinaus werden Immobilien oft als weitere Anlageklasse geführt.[3][7]

Es ist umstritten, inwieweit sogenannte alternative Investments eine eigene Anlageklasse darstellen. Diese Anlagen bauen zum Teil auf traditionellen Anlagen auf, unterscheiden sich aber in einigen oder mehreren Werttreibern und sonstigen Kriterien so wesentlich, dass dies eine Abgrenzung rechtfertigt.[8] Beispiele für alternative Anlageklassen sind Private Equity, Hedgefonds und Derivate, aber auch Kunst und Währungsfutures.[9] Rohstoffe (z. B. Gold und Öl) werden als alternative Anlageklasse eingestuft.[10]

Meist werden Derivate der Anlageklasse des Basiswertes zugeordnet, eine Aktienoption wäre nach dieser Auffassung Teil der Anlageklasse Aktien. Private Equity würde zur gleichen Klasse wie Aktien gehören (Oberbegriff Unternehmensbeteiligungen). Hedgefonds würden analog den Derivaten zur Anlageklasse der Wertpapiere zugeordnet, mit denen der Fonds handelt. Andererseits sind Hedgefonds keine eigene Anlageklasse, da sie grundsätzlich in alle Anlageklassen investieren können.[11] Die freie Wahl der Anlageklasse ist ein Merkmal des Hedgefonds.

Unterteilung von Anlageklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oftmals werden Anlageklassen weiter unterteilt, beispielsweise nach Staaten. So teilt sich die Anlageklasse "Aktien" in "Aktien (Deutschland)", "Aktien (USA)" etc.

Beliebte Untergliederungen des Aktienmarktes sind:

Verwendung von Anlageklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlageklassen werden typischerweise zu zwei Zwecken verwendet. Im Bereich der Investmentfonds dienen die Anlageklassen der Beschreibung der Anlagepolitik des Fonds. Ein Aktienfonds legt z. B. in der Anlageklasse "Aktien" an. Vor allem aber findet der Begriff Verwendung in der Portfoliotheorie bzw. daraus abgeleitet in der Asset Allocation, z. B. in der Vermögensverwaltung (engl. "Asset Management"). Ziel ist es hier durch die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen (Risikostreuung) ein gewünschtes Risiko/Rendite-Verhältnis zu erreichen. Hauptartikel ist Asset Allocation.

Sektorbasierte Anlagestrategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auswahl eines oder mehrerer Anlagesektoren ist Teil einer Anlagestrategie. Diese kann zwei verschiedene Ziele verfolgen:

  • Fokussierung (Beschränkung, Konzentration) auf bestimmte Anlagesektoren, in denen der Anleger eine besonders hohe Rendite erwartet oder bei denen er ein geringes Risiko sieht, zum Beispiel weil er mit diesen Bereichen schon Erfahrung hat
  • Diversifikation, der Streuung des Kapitals auf verschiedene Sektoren, um nicht zu sehr von der Entwicklung eines Sektors abhängig zu sein und so das Risiko des Gesamtportfolios zu verringern; siehe Asset Allocation

Beide Strategien lassen sich auch kombinieren. Ein Anleger kann sich zum Beispiel auf europäische Aktien beschränken, seine Investments aber über verschiedene Branchen verteilen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marc Engelbrecht: Asset Allocation im Private Banking. BoD–Books on Demand, 2015, S. 103.
  2. David F. Swensen: Unconventional success: A fundamental approach to personal investment. Simon and Schuster, 2005, S. 35.
  3. a b Frank J. Fabozzi, Harry M. Markowitz (Hrsg.): The theory and practice of investment management. Vol. 118, John Wiley & Sons, 2002, Kapitel 2.
  4. Jürgen Krumnow u. a. (Hrsg.): Gabler Bank-Lexikon: Bank-Börse-Finanzierung. Springer-Verlag, 2013, S. 56.
  5. Jennifer Woods: The Active Asset Allocator: How ETF's Can Supercharge Your Portfolio: How Low-cost ETFs Can Supercharge Your Portfolio. Portfolio, New York 2009, ISBN 978-1-59184-195-1, Kapitel 1.
  6. Jean LP Brunel: Integrated wealth management: The new direction for portfolio managers. Euromoney Books, 2006, S. 121.
  7. Frank J. Fabozzi: Capital Markets: Institutions, Instruments, and Risk Management. MIT Press, 2015, S. 21.
  8. Marc Engelbrecht: Asset Allocation im Private Banking. BoD–Books on Demand, 2015, S. 104.
  9. Greg N. Gregoriou (Hrsg.): Encyclopedia of alternative investments. CRC Press, 2008, S. 16.
  10. Sönke Niefünd: Rohstoffe als alternative Anlageklasse. diplom. de, 2015.
  11. Dirk Sühnholz: Asset Allocation, Risiko-Overlay und Manager-Selektion. Springer Fachmedien, 2010, S. 36.