Assonanz (Lyrik)

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Die Assonanz (von lateinisch assonare „anklingen“; aus lateinisch ad „zu, an“ und sonare „klingen“) ist als vokalischer Halbreim eine Element des Sprachschmucks in Dichtung und Rede, bei dem die eine Silben oder mehrere Silben in entsprechender Position den gleichen vokalischen Laut (Phonem) besitzen, zum Beispiel Schwindsucht / Bindung oder kehren / Segen, aber auch Ledas Schwan / Megastar. Wie beim Reim auch beginnt die Assonanz meist mit einer betonten Silbe.

Die Assonanz galt besonders in den vokalreichen romanischen und keltischen Sprachen neben dem Vollreim als gleichberechtigt. Sie entstand früh in Spanien (Cantar de mío Cid) und verbreitete sich im mittelalterlichen Provenzalischen (La Chanson de Roland). In der althochdeutschen Dichtung tritt sie bei Otfried von Weißenburg aus Reimnot als unreine Vorstufe des Reims neben dem Endsilbenreim auf.

Sie dient in der Lyrik neben oder anstelle andereer Formen des Reimes als Mittel der Versbindung. Die Assonanz wird bereits in althochdeutscher Dichtung bei Otfried von Weißenburg genutzt und war in der Romantik, etwa bei Ludwig Tieck, Achim von Arnim und Clemens Brentano, ein häufig verwendetes Mittel der Lyrik. Als Beispiel die erste Strophe aus Brentanos Rosablankens Traum in dessen Romanzen vom Rosenkranz[1]:

In des ernsten Tales Büschen
Ist die Nachtigall entschlafen,
Mondenschein muß auch verblühen,
Wehet schon der Frühe Atem.

Hier hat man am Versende die Assonanzen Büschen/…blühen und …schlafen/Atem und die Assonanz tritt als Mittel der Versbindung in gleicher Stelle und Funktion wie ein entsprechender Kreuzreim abab auf. Als weiteres Beispiel zeigt Die Gebüsche von Friedrich Schlegel[2], wie relativ unauffällig gegenüber einer entsprechenden Reimbindung durch Assonanz die Verse eines Gedichts verknüpft werden können:

Es wehet kühl und leise
Die Luft durch dunkle Auen,
Und nur der Himmel lächelt
Aus tausend hellen Augen.
Es regt nur Eine Seele
Sich in der Meere Brausen,
Und in den leisen Worten,
Die durch die Blätter rauschen.
So tönt in Welle Welle,
Wo Geister heimlich trauren;
So folgen Worte Worten,
Wo Geister Leben hauchen.
Durch alle Töne tönet
Im bunten Erdentraume
Ein leiser Ton gezogen,
Für den, der heimlich lauschet.

Hier kann dem flüchtigen Leser/Hörer ohne weiteres entgehen, dass alle geraden Zeilen durch zweisilbige Endassonanz …au…e… miteinander verknüpft sind.

Heute erfreut die Assonanz sich — nicht selten in Kombination mit dem vielsilbigen Reim oder der Alliteration — unter anderem im Rap großer Beliebtheit.

Literatur[Bearbeiten]

  • P. G. Adams, S. Cushman: Assonance. In: Roland Greene, Stephen Cushman et al. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Poetry and Poetics. 4. Auflage. Princeton University Press, Princeton 2012, ISBN 978-0-691-13334-8, S. 94 f (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. 2. Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-47902-8, S. 16 f.
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-520-84601-3, S. 51.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Assonanz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rosablankens Traum. In: Clemens Brentano: Romanzen vom Rosenkranz. Hg. von Alphons M. von Steinle. Petrus-Verlag, Trier 1912, S. 13.
  2. Friedrich von Schlegel: Dichtungen. München u.a. 1962, S. 190 f., online.