Asterix und der Greif

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Asterix und der Greif (französischer Originaltitel: Astérix et le Griffon) ist der 39. Band der Comicreihe Asterix, der am 21. Oktober 2021 erschienen ist.[1] Wie schon bei den vier Bänden zuvor war Jean-Yves Ferri der Autor und Didier Conrad der Zeichner.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cäsar schickt eine Expedition ins Barbaricum, ein unerforschtes Land östlich von Europa, um dort einen Greif – ein fantastisches Mischwesen, „halb Adler, halb Löwe mit Pferdeohren“ – zu finden, den er zur Erhöhung seines Ruhmes dem römischen Volk präsentieren möchte. Die drei Anführer der Expedition – der Zenturio Brudercus, der Geograf Globulus und der Gladiator Ausdiemaus – sind in der Jagd nach Fabelwesen zwar erfahren, aber glücklos.

Durch seine hellseherischen Fähigkeiten erahnt der Schamane Terrine das Unheil und sendet seinem Freund, dem Druiden Miraculix, einen Traum, aufgrund dessen dieser mit Asterix, Obelix, Idefix und einem Fässchen Zaubertrank ebenfalls ins Barbaricum aufbricht. Dort finden sie Terrine und lernen das Volk der Sarmaten kennen, die – trotz unübersehbarer Parallelen der männlichen Dorfbewohner zu denen des gallischen Dorfes – einen sehr unterschiedlichen Lebensstil pflegen: Während die Frauen in der Tradition der Amazonen als kriegerische Nomadinnen leben, arbeiten die Männer in Haus und Herd und kümmern sich um den Nachwuchs.

Als die Römer in der Nähe gesehen werden, planen die sarmatischen Frauen unter Führung von Matrjoschkowa, der Frau von Terrine, sofort einen Angriff, können aber von Asterix überzeugt werden, zunächst auf „gallische Diplomatie“ zu setzen. Asterix und Obelix gelingt es, die Römer, die gerade dabei sind, ein provisorisches römisches Militärlager zu errichten, zu überraschen. Da die Römer als Geisel aber Kalaschnikowa, eine Nichte des Terrine, als Gefangene mit sich führen, gerät ihre Verhandlungsführung diplomatischer als üblich, endet allerdings im Fiasko, als Obelix unbedacht erwähnt, dass nur der Schamane den Weg zum Greifen kenne.

In der Nacht befragt Terrine seine Schamanentrommel und erkennt, dass er sich selbst ausliefern muss, um Kalaschnikowa zu befreien. Dies misslingt, so dass die Römer nun zwei Geiseln in ihrer Gewalt haben. Bei der Rettungsmission durch die sarmatischen Frauen dürfen Asterix und Obelix als Gäste trotz ihres falschen Geschlechts teilnehmen. Aufgrund der sibirischen Temperaturen ist aber der Zaubertrank gefroren, was zum Verlust seiner Wirkkraft führt. Mit der örtlichen Flora und Fauna gelingt es Miraculix lediglich, eine stärkende Gemüsesuppe zu brauen.

Während sich in der römischen Garnison auf dem unbekannten Terrain erste Verschwörungstheorien ausbreiten, kann Asterix Matrjoschkowa überzeugen, zum Wohle der beiden Geiseln einen offenen Kampf zu vermeiden und auf eine Guerillataktik zu setzen. Durch verschiedene Fallen der beiden gallischen Krieger wird der römische Expeditionstrupp immer weiter geschwächt, bis nur noch die drei Anführer übrig sind, die schließlich einen Betrug des Schamanen Terrine wittern. Aus höchster Gefahr kann dieser von Idefix, der sich während des Abenteuers mit den ortsansässigen Wölfen angefreundet hat, gerettet werden.

Auch die andere Geisel, Kalaschnikowa, konnte sich mittlerweile selbst befreien, indem sie ihre Attraktivität nutzte, um ihren Bewachern den Kopf zu verdrehen. Da das gesamte Wachpersonal auf der Suche nach Kalaschnikowa verschollen ist, bleibt nur deren Anführer in der Einsamkeit von Barbaricum zurück und freut sich tatsächlich, als er Asterix („endlich ein bekanntes Gesicht“) wiedersieht.

Während es für den Anführer der Wachen ein Happy End im sarmatischen Dorf gibt, muss Obelix seine zarte Liaison mit der Sarmatin Casanowa beenden, und die Gallier kehren wieder nach Hause zurück, wo auch dieses Abenteuer – nicht ohne Wehmut – gefeiert wird.

Besonderes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Figur von Cäsars Geograf Globulus, der die Suche nach dem Greif initiiert, trägt die Züge des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq.
  • Die Gesichtszüge eines der Soldaten aus dem Wachbataillon für Kalaschnikowa sind dem französischen Asterix-Verleger Céleste Surugue nachempfunden, der das mit „Ich fühle mich so geehrt!“ kommentierte.[2]
  • Die Figur des Zenturios Brudercus ist eine Reminiszenz an den US-Schauspieler Brian Dennehy.[3]
  • Der Name des Legionärs Fakenius ist eine Anspielung auf das Phänomen der Fake News und auf die Verschwörungstheorien der Gegenwart. Die pessimistisch gefärbten Zusammenhänge, die er herstellt, verbreiten sich unter den Soldaten „viral“, so dass sie sich dem Kult der Diana zuwenden und nach Weihrauch verlangen.
  • Auf die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuelle COVID-19-Pandemie wird mehrmals angespielt (Immunität, Abstand).
  • Die von einem römischen Legionär aus dem Eis gehauene Statue ist eine Anspielung auf die Diana von Versailles.
  • Im Gegensatz zu den meisten anderen Reiseabenteuern von Asterix und Obelix werden nicht die Vorurteile gegenüber dem gastgebenden Volk karikiert. Aufgrund der Tatsache, dass wenig historische Kenntnisse über die Sarmaten existieren, erklärte Ferri: „Das hat mir erlaubt, Volk und Land so ein bisschen zu erfinden. Ich konnte das frei gestalten.“[4]
  • Asterix und der Greif ist der erste Band der Reihe, der nach dem Tod des Asterix-Zeichners Albert Uderzo im März 2020 erschien. Gleichzeitig ist es der letzte, dessen Entwürfe Uderzo noch vorgelegt worden sind.[5] Als Reminiszenz an Uderzo ist auf dem letzten Bild mit dem traditionellen Festmahl eine weinende Eule (Uderzos Lieblingstier) abgebildet. Ähnlich hatte Uderzo selbst seine Trauer über den Tod seines Freundes und Asterix-Miterfinders René Goscinny im Band Asterix bei den Belgiern mit einem weinenden Hasen illustriert.[2]
  • Zum Ende der Geschichte sind auf einem einzigen Panel die aus bisherigen Bänden bekannten Piraten zu sehen, die in der gesamten Handlung keine Rolle spielen. Eine der müßiggängerischen Figuren trägt die Gesichtszüge des jungen Charles Aznavour, der 2018, also möglicherweise während der Entstehungszeit des Bandes, starb.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Auflage erschien am 21. Oktober 2021 gleichzeitig in 17 Sprachen mit einer Auflage von europaweit 5 Millionen Exemplaren.[6] Davon betrug die bei Egmont Ehapa Media verlegte deutsche Erstauflage in der Übersetzung von Klaus Jöken 1,5 Millionen Exemplare.[1][4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dpa-Meldung beschied sowohl Zeichner als auch Autor „viel Liebe zum Detail“. Dort wurde der Band mit den alten Klassikern der Asterix-Schöpfer Goscinny und Uderzo verglichen: „Die Running Gags, das Geschehen am Bildrand, der stabile Spannungsbogen – das alles knüpft an gute Asterix-Alben aus den 1960er Jahren an.“[4]

„Wer jedenfalls immer noch meint, bei Asterix handele sich um eines dieser Comic-Heftchen, die man in wenigen Minuten ausgelesen hat, der hat seinen geistigen Limes noch nicht überschritten. Immer wieder finden sich wunderbare Reminiszenzen an Asterix-Klassiker wie "Die große Überfahrt", "Die Trabantenstadt", "Streit um Asterix" sowie Hergés "Tim in Tibet", aber auch an die monumentalen Westernfilme eines John Ford oder eines Howard Hawks.“

Martin Zips: Süddeutsche Zeitung[2]

Die Frankfurter Rundschau lobte den Plot als „gut und zielführend“, wenn auch – „[w]ie oft bei Ferri“ – „etwas überfrachtet“. Asterix habe jedoch „nicht seinen stärksten Auftritt“, denn ohne Zaubertrank verleihe er „der neuen Geschichte kaum Impulse“. Die „Galliergeschichten“ täten aber „immer noch gut“, daher sei auch nicht die Frage, „ob das Heft 39 das Niveau wahrt (das tut es!)“.[7]

Der Tagesspiegel bezeichnete das Album als von Conrad „wie gewohnt handwerklich überzeugend gestaltet“; besonders gelungen sei „die winterliche Atmosphäre in größeren Panels, die oft vor Details überquellen“. Das Szenario sei „reich an Facetten, verzettelt sich hie und da allerdings in Details“. Die Amazonen glänzten „mit Charisma“; Asterix scheine in dem Trubel „[e]twas vernachlässigt“, wohingegen Obelix „mehr Platz zur Entfaltung“ erhalte. Ferri und Conrad sei „ein witziges wie turbulentes neues Abenteuer“ gelungen.[8]

Michael Braun liest den neuen Asterix-Band in literaturkritik.de als eine Heldenreise und als Arbeit am Mythos im Sinne von Hans Blumenberg.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wieder Arbeit für Comics-Übersetzer Klaus Jöken: Im Herbst erscheint „Asterix und der Greif“. In: Literaturübersetzung. Übersetzerportal UEPO.de, 31. März 2021, abgerufen am 25. September 2021: „Von Persien bis Pommern: Der Greif existiert seit 5000 Jahren“
  2. a b c Martin Zips: Asterix und der Greif. Mit Zaubertrank geimpft. In: Kultur. Süddeutsche Zeitung, 21. Oktober 2021, abgerufen am 22. Oktober 2021: „Wann endlich erscheint Asterix angemessen im Format DIN A3? Und wann entdecken auch die deutschen Pinakotheken den Wert dieser Comic-Kunst?“
  3. Mutige Frauen aund starke Gallier in „Asterix und der Greif“ www.wienerzeitung.at, 21. Oktober 2021
  4. a b c dpa: Keilerei in der Taiga: Asterix und Obelix schützen den Greif. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Oktober 2021, abgerufen am 21. Oktober 2021.
  5. Ralph Trommer: Neue Abenteuer für Asterix und Obelix. In: Der Tagesspiegel. 20. Oktober 2020, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  6. Birgit Holzer: „Asterix und der Greif“: Diese Abenteuer erleben die Gallier im neuen Comicband. In: RedaktionsNetzwerk Deutschland. 11. Oktober 2021, abgerufen am 21. Oktober 2021.
  7. Stefan Brändle: Asterix und der Greif: Im wilden Osten www.fr.de, 21. Oktober 2021
  8. Ralph Trommer: Asterix im Land der Amazonen www.tagesspiegel.de, 21. Oktober 2021
  9. Michael Braun: Arbeit am Mythos. Der 39. Asterixband „Asterix und der Greif“ schickt seine Helden nach Osten. In: literaturkritik.de. 6. Dezember 2021 (literaturkritik.de).