Asti Spumante

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Asti Spumante (auch Astiwein) ist ein süßer italienischer DOCG-Schaumwein mit geringem Alkoholgehalt (7–9,5 Prozent) aus der Muskateller-Rebe und stammt aus dem Weinbaugebiet südlich der Stadt Asti im Piemont. Der Wein erhält seinen Kohlendioxidgehalt aus erster Gärung (Méthode rurale), die zum geeigneten Zeitpunkt durch starkes Herunterkühlen abgebrochen wird. Im Jahr 1865 stellte Carlo Gancia den ersten Asti Spumante her, nachdem er in Reims das Herstellverfahren des Champagner kennengelernt hatte.

Die Erntebeschränkung liegt bei 10 t Beerenmaterial je Hektar. Die Mostausbeute ist auf 75 % limitiert. Daher ergibt sich ein Hektarhöchstertrag von 75 hl/ha. Die Trauben werden nach dem Pressen einer fraktionierten Gärung sowie einem komplexen Filtrierungsvorgang unterworfen, der die natürliche hohe Süße der noch nicht komplett vergorenen Grundweine erhält. Beim Asti Spumante funktioniert die Unterbrechung der Gärung besonders einfach, da die Hefen aufgrund der kargen Hanglagen, auf denen die Muskateller-Reben wachsen, unter Nährstoffmangel leiden. Insbesondere Stickstoff aber auch Kalium und Phosphorsäure fehlt den Hefen. Durch die Filtration wird den Hefen zusätzlich gebundener Stickstoff entzogen und der Gärungsvorgang kommt zum Erliegen.

Aufgrund der großen Mengen, die heutzutage verkauft werden, verschneidet man die noch restsüßen Grundweine (→ Moscato d’Asti) zu großen Mengen, um ein einheitliches Geschmacksbild zu erzeugen. Nach einer gründlichen Gelatine-Tannin-Schönung und anschließender Filtration erfolgt die Schaumerzeugung nach der Méthode Charmat (auch als Cuve-Close oder rein technologisch als Tankgärverfahren bezeichnet). Bei 18–20 °C setzt sich die unterbrochene Gärung nach Zugabe einer Fülldosage fort und wird durch Einhaltung von niedrigen Temperaturen auf mindestens ein bis zwei Monate gestreckt. Nur dadurch kann sich das empfindliche Muskat-Aroma im Wein erhalten. Beim Erreichen von mindestens 3 bar, meist aber 5 bar wird die Gärung durch Absenkung auf 0° C abgebrochen. Unter Beibehaltung des Drucks wird der Wein abermals geschönt und während 10–15 Tagen zur Stabilisierung auf −4 °C gekühlt. Nach einer letzten Filtration (oder Zentrifugation) wird der Wein unter Gegendruck auf Flaschen gezogen.

Ein fertiger Asti Spumante verfügt über einen Alkoholgehalt von 7–9,5 Volumenprozent und über eine Restsüße von 60–100 g/l.

Asti Spumante gilt als eher preiswerter Schaumwein und ist weltweit erhältlich. Zusammen mit dem Stillwein Moscato d’Asti stellen beide Weine nahezu ein Drittel der im Piemont hergestellten Weinmenge. Asti Spumante sollte jung und bei einer Temperatur von 8–10 °C getrunken werden.

Zugelassene Gemeinden[Bearbeiten]

Anbaugebiet bei Costigliole d’Asti

In der Gesetzesvorlage des Jahres 1936 wurden Rebflächen in 45 Gemeinden als zur Herkunftsbezeichnung gehörend definiert: Acqui Terme, Alice Bel Colle, Asti, Bistagno, Bubbio, Calamandrana, Calosso, Camo, Canelli, Cassinasco, Cassine, Castagnole delle Lanze, Castel Boglione, Castel Rocchero, Castelletto Molina, Castelnuovo Belbo, Castiglione Tinella, Cessole, Coazzolo, Cossano Belbo, Costigliole d’Asti, Fontanile, Grognardo, Incisa Scapaccino, Loazzolo, Mango, Maranzana, Moasca, Mombaruzzo, Monastero Bormida, Montabone, Neive, Neviglie, Nizza Monferrato, Quaranti, Ricaldone, Rocchetta Belbo, San Marzano Oliveto, Santo Stefano Belbo, Sessame, Strevi, Terzo, Treiso, Trezzo Tinella, Vesime, Visone.

In Gesetzesnovellen der Jahre 1967 und 1976 kamen noch Flächen in Rocchetta Palafea, Alba, Santa Vittoria d’Alba, Serralunga d’Alba, Castino, Perletto und San Giorgio Scarampi hinzu.

Herstellmengen[Bearbeiten]

Produzierte Mengen in Hektoliter

Weinjahr Provinz Alessandria Provinz Asti Provinz Cuneo
1991/92 243.646
1992/93
1993/94 288.046
1994/95 97.771 254.688 285.476
1995/96 91.783 235.778 247.877
1996/97 102.041 271.356 314.841

Im Mittel werden zur Zeit aus 9.850 Hektar Rebfläche jährlich ca. 529.000 hl Asti Spumante gewonnen, was mehr als 75 Millionen Flaschen zu je 0,7 l entspricht.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Asti spumante – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2006, ISBN 978-3-8338-0691-9.
  •  Burton Anderson: Italiens Weine 2004/05. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2004, ISBN 3-7742-6365-5.
  •  Jacques Orhon: Le nouveau guide des vins d’Italie. Les editions de l’homme, Montreal 2007, ISBN 978-2-7619-2437-5.
  •  Gerhard Troost, Hans Peter Bach, Otto H. Rhein: Sekt, Schaumwein, Perlwein. Eugen Ulmer, Stuttgart 1995, ISBN 3-8001-5818-3.
  •  Pascal Ribéreau-Gayon, Denis Dubourdieu, Bernard Donèche, Aline Lonvaud: Traité d'oenologie, Microbiologie du vin. Vinifications. 5. Auflage. Dunod, Éditions La Vigne, 2004, ISBN 2-10-007301-X.