Atalante (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher TitelAtalante
OriginaltitelL’Atalante
ProduktionslandFrankreich
OriginalspracheFranzösisch
Erscheinungsjahr1934
Länge89 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieJean Vigo
DrehbuchJean Vigo,
Albert Riéra
ProduktionJulius L. Nounez
MusikMaurice Jaubert
KameraBoris Kaufman
SchnittLouis Chavance
Besetzung

Atalante (Originaltitel: L’Atalante) ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Jean Vigo aus dem Jahr 1934. Von Kritik und Publikum zunächst abgelehnt, wurde der Film nach dem Zweiten Weltkrieg wiederentdeckt und gilt heute als Meilenstein der Filmgeschichte.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die junge Juliette heiratet Jean, den Kapitän des Binnenfrachters L’Atalante, um ihr Dorf zu verlassen und ihn fortan auf seinen Fahrten zu begleiten. Gemeinsam mit dem eigenwilligen Gehilfen Père Jules und einem namenlosen Schiffsjungen machen sie sich auf den Weg. Das Leben der jungen Eheleute an Bord ist von Liebe, Streit und Versöhnung geprägt. Juliette sehnt sich nach den Verlockungen der Hauptstadt Paris, von denen sie im Radio hört. Als sie endlich in Paris Station machen, erhofft sie sich einen unvergesslichen Abend mit Jean. Doch Père Jules verlässt unter fadenscheinigen Gründen selbst das Schiff, um sich von einer Wahrsagerin aus der Hand lesen zu lassen und die Kneipen der Stadt zu erkunden. Da die Fracht nicht unbewacht bleiben darf, bleibt den beiden nichts anderes übrig, als auf die Rückkehr des Gehilfen zu warten. Als dieser schließlich völlig betrunken an Bord kommt, ist es für die Pläne des Paares zu spät.

Weiter flussabwärts, in einem Vorort von Paris, gibt es schließlich die Gelegenheit zum Besuch eines Tanzlokals. Dort wird Juliette von einem fahrenden Händler umgarnt, der sie zum Tanz auffordert und ihr von der Faszination der Großstadt erzählt. Der eifersüchtige Jean kann sich des Nebenbuhlers zwar erwehren, doch Juliettes Sehnsucht ist nun so groß geworden, dass sie sich in der Nacht heimlich davonschleicht, um mit dem Zug nach Paris zu fahren. Als sie am Ende des Tages an die Anlegestelle zurückkehrt, ist der Frachter verschwunden. Der in seiner Ehre gekränkte Jean hatte den Befehl zum Ablegen gegeben. Juliette ist jetzt auf sich allein gestellt. Nachdem ihr am Bahnhof zu allem Unglück auch noch ihr Geld gestohlen wird, kommt sie schließlich in einer ärmlichen Herberge unter. Die Besatzung der L’Atalante geht derweil ihrer Arbeit nach, doch Jean wirkt zunehmend teilnahmslos und apathisch. Schließlich nimmt Père Jules die Sache in die Hand und begibt sich nach Paris, um Juliette zu suchen. Er findet sie und bringt sie an Bord des Schiffes, wo sich das Paar erleichtert in die Arme fällt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer misslungenen Probevorführung kam der Film im September 1934 unter dem Titel Le Chaland qui passe stark gekürzt in die Kinos. Vigo starb kurz nach der Premiere an einer Blutvergiftung infolge seiner Tuberkuloseerkrankung.[2] Erst im Jahr 1990 gelang es, die ursprüngliche Schnittfassung in weiten Teilen zu rekonstruieren. Diese Fassung wurde auf den 43. Filmfestspielen von Cannes erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die US-amerikanische Videokünstlerin Karen Yasinsky schuf mehrere Animationen, die auf Jean Vigos bahnbrechendem Film beruhen.[4] Sie benutzte Standbilder aus Vigos Film als Ausgangsmaterial und widmete sich in ihrer Arbeit der Rekonstruktion des Narrativen und der Neuschöpfung von Figuren.[5]

Das Lexikon des Internationalen Films schreibt: „Einziger abendfüllender Spielfilm des im Alter von 29 Jahren verstorbenen Jean Vigo, der die an sich banale Geschichte in einer sensiblen Mischung aus Poesie und Wirklichkeit mit sozialem Engagement erzählt. - Sehenswert ab 16.“[6] Der US-Filmkritiker Roger Ebert gab dem Film die Höchstwertung von vier Sternen und nahm ihn in seine Bestenliste Great Movies auf: „Es ist auf vielen Listen der besten Filme aller Zeiten, eine Auszeichnung die vergessen lässt, wie bodenständig es ist, wie direkt in seiner Erzählung einer frischen Ehe mit einem holprigen Start.“[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian von Tschilschke: Ein Roadmovie sui generis: Jean Vigos ‚L’Atalante‘ (1933/34) und der französische Lastkahnfilm der 1920/30er Jahre. In: Transgression und Selbstreflexion. Roadmovies in der Romania. Hrsg. von Kirsten von Hagen, Ansgar Thiele. Stauffenburg, Tübingen 2013 (= Siegener Forschungen zur romanischen Literatur- und Medienwissenschaft 24), ISBN 978-3-86057-516-1, S. 13–38.
  • Marina Warner: L’Atalante. BFI Publishing, London 1993, ISBN 978-1-84457-888-7 (en).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Ergebnis der Sight-&-Sound-Umfrage 2012 von Atalante auf bfi.org.uk, abgerufen am 20. Dezember 2012.
  2. Marie Anderson: Jean Vigos filigrane Filmkunst auf kino-zeit.de, abgerufen am 20. Dezember 2012.
  3. Michael Baute: Bernard Eisenschitzs Film „Les Voyages de L’Atalante“. In: kunst-der-vermittlung.de, abgerufen am 20. Dezember 2012.
  4. Art in General. In: artingeneral.org. Abgerufen am 6. August 2016.
  5. Karen Yasinsky: L’Atalante - kunstaspekte - artaspects. In: kunstaspekte.de. 21. September 2007, abgerufen am 6. August 2016.
  6. Atalante beim Filmdienst. Abgerufen am 29. Oktober 2017.
  7. Roger Ebert: L'Atalante Movie Review & Film Summary (1934) | Roger Ebert. Abgerufen am 29. Oktober 2017 (englisch).