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Atari 2600

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Atari 2600
Logo Atari 2600.svg
Atari VCS (späteres Modell von 1980 mit nur vier statt sechs Schaltern) mit dazugehörigem Joystick

Atari 2600 Jr.
Hersteller Atari
Typ stationäre Spielkonsole
Generation 2. Konsolengeneration
Veröffentlichung
JapanJapan Oktober 1982
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten 11. September 1977
EuropaEuropa 1980
Hauptprozessor MOS Technologies 6507
Grafikprozessor Atari TIA
Speichermedien Module
Kassetten (mit dem Starpath Supercharger)
Controller Digitale Joysticks

Trackballs
Lichtpistolen
Tastenblöcke
Paddles
Driving Controllers

Online-Dienst keiner
Verkaufte
Einheiten
ca. 30 Millionen
Erfolgreichstes Spiel Pac-Man (ca. 7 Millionen verkaufte Einheiten)[1]
Vorgänger Atari Home Pong-Konsolen
Nachfolger Atari 5200
Info In Japan als Atari 2800 vermarktet

Das Atari Video Computer System (kurz: Atari VCS) ist eine Heimvideospielkonsole der zweiten Generation, welche 1977 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und am 11. September 1977 in den USA veröffentlicht wurde. Zur einfacheren Unterscheidung von Ataris Nachfolgerkonsolen erfolgte mit der Veröffentlichung des Darth Vader-Modells im Jahre 1982 die Umbenennung in Atari 2600. Ab 1986 wurde eine optisch schlankere und kostengünstigere Variante unter dem Namen Atari 2600 Junior angeboten und bis in die 1990er-Jahre hinein produziert.

Mit dem Atari VCS wurde dem ursprünglich von Magnavox und Fairchild entwickelten Konzept der Trennung von Hard- und Software endgültig zum kommerziellen Durchbruch verholfen. Im Gegensatz zu den rein schaltungstechnisch (festverdrahtet) realisierten Konsolen- und Automatenspielen der damaligen Zeit gab es ein Grundgerät mit einem Mikroprozessor. Die Software (fast ausschließlich Videospiele) wurde in Form eines Speichermoduls (in Deutschland „Spielkassette“ genannt) im geschlossenen Plastikgehäuse in einen Schacht zwischen den Bedienelementen auf der Gehäuseoberseite gesteckt. Die leichte Bedienbarkeit der Technik und nicht zuletzt ein üppiges Angebot an preiswerten Spielen trugen ein weiteres zur großen Verbreitung der Konsole bei, deren Bezeichnung bis zum so genannten Video Game Crash im Jahre 1983 teilweise als Synonym für Videospielekonsole galt.

Mit über 30 Millionen weltweit verkauften Exemplaren[2] ist das Atari VCS die mit Abstand meistverkaufte Spielkonsole ihrer Zeit. Das erfolgreichste Atari 2600-Spiel war Pac-Man mit rund 7 Millionen verkauften Einheiten.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Atari Video Computer System wurde 1977 vorgestellt. Der Verkauf lief bis 1979 schleppend. Atari erwarb daher eine Reihe von Automatenspiel- und Filmlizenzen, darunter Space Invaders, Pac-Man und E.T. Ab Weihnachten 1979 war das Atari 2600 der Renner im Weihnachtsgeschäft, obwohl die Konsole schon zu dieser Zeit technisch veraltet war; insbesondere der mit anderen damaligen Konsolen verglichen extrem kleine RAM von nur 128 Byte war 1979, weil Arbeitsspeicher schon viel günstiger war als zwei Jahre zuvor, veraltet. Eine nennenswerte Erweiterung des Speichers wurde durch das extra erhältliche Modul Starpath Supercharger erreicht, welches sich jedoch wirtschaftlich nicht durchsetzen konnte und daher nur selten genutzt wurde.

Bild des Atari 2800 (japanische Variante des 2600)

Eine Variante des Atari 2600 wurde 1982 in Japan unter dem Namen Atari 2800 veröffentlicht, in den USA eher bekannt als Sears Video Arcade II.

Dazwischen gab es immer wieder Prototypen. Den Anfang machte das All-in-One-System CX-2000 im Jahr 1981, im gleichen Jahr ein ähnliches System mit der Nummer 2500. Das Atari 2200 (Codename „Bonnie“) von 1983 ist die Vorstufe zum 2600 Junior-Modell. Ataris drahtloses 2700 war bereits marktfertig, die Werbung lief, als in der Qualitätskontrolle die Kombinations-Controller (Joystick und Paddle in einem) durchfielen. Sie hatten eine Reichweite von ca. 300 Metern und hätten somit andere 2700-Konsolen in der Nachbarschaft stören können. Auch Garagentore hätten wohl damit geöffnet werden können – die Technik entspricht weitestgehend der der Funkhandsender. Die Konsole hätte neu entwickelt werden müssen, was aber zu kostspielig geworden wäre, zumal der Markt ohnehin kurz vor dem Crash stand. Letzter Prototyp war 1983 der CX-3000 Graduate Computer, der das 2600 mit Hilfe einer Folientastatur und einem BASIC-Modul zum Heimcomputer ausgebaut hätte. Jedoch bestand die Möglichkeit, dass dieser mit dem hauseigenen Atari-XL-Computer hätte konkurrieren können; das Projekt wurde somit gestoppt.

Ab 1983 stagnierten die Verkäufe und brachen 1984 komplett ein, was nicht zuletzt daran lag daran, dass inzwischen leistungsfähigere und dennoch preisgünstige Heimcomputer, wir z. B. der Atari 800 oder der Commodore 64 verfügbar waren. Starke Konkurrenz bekam das Atari 2600 auch durch die deutlich leistungsfähigeren Konkurrenzkonsolen Intellivision von 1979 und ColecoVision von 1982.

Der Zusammenbruch des Videospielmarktes in den Jahren 1983 und 1984 hatte Atari fast in den Ruin getrieben, da von Seiten des Managements die Erwartungen in die veraltete Konsole zu hoch gesteckt wurden und es keine nennenswerten Weiterentwicklungen gab. Ein weiterer Grund war auch die Überproduktion von Spielemodulen und im Vergleich zur Konkurrenz die schlechte Qualität der Spiele, die sich unter anderem in der schlechten Ausnutzung der ohnedies schwachen Hardware niederschlug. 1984 wurde die Atari, Inc. in die Firmen Atari Corporation (Spielkonsolen & Heimcomputer) und Atari Games (Arcade-Automaten) aufgeteilt.

Als ab ca. 1985 mit dem Nintendo Entertainment System die Spielkonsolen wieder populär wurden, brachte die Atari Corporation 1986 noch eine kostenreduzierte und physisch verkleinerte, aber ansonsten voll kompatible Variante des Atari 2600 unter dem Namen Atari 2600 Junior auf den Markt. Offiziell wurde das Gerät weiter als Atari 2600 bezeichnet. Das Design erinnert an das des später erscheinenden Atari 7800. Kurz davor erschien auch das weitgehend abwärtskompatible Atari 7800 (das 1984 bereits einmal für gut einen Monat verkauft worden war, dann aber wegen der schlechten Marktlage zurückgestellt wurde). In Deutschland wurde das 2600 Junior bis 1991 verkauft, in einigen asiatischen Ländern noch einige Jahre länger.

Als Handheld-Variante des Atari 2600 erschien im Jahre 2016 die Atari Flashback Portable. Im November 2018 erschien mit einjähriger Verspätung das Atari Retro Handheld mit 50 eingebauten Spielen und Holzoptik.[4]

Technische Spezifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • CPU: MOS Technologies 6507, eine 6502-Variante mit von 64 KB auf 8 KB reduziertem Adressraum und ca. 1,19 MHz Taktfrequenz.
  • Video-Prozessor: Atari TIA, nach dem ursprünglichen Codenamen des Projekts auch als Stella bezeichnet (der Name Stella leitete sich ab von der Marke des Fahrrads eines Ingenieurs bei Atari). 128 verschiedene Farben (NTSC), 104 verschiedene Farben (PAL) bzw. acht verschiedene Farben (SECAM), jeweils von 128 theoretischen Farbnummern. Kein Video-RAM; die CPU muss jede einzelne Bildschirmzeile in Echtzeit in einen Zeilenpuffer schreiben, synchron zum Rasterstrahl des Fernsehers. Das Programm muss einen engen zeitlichen Rahmen einhalten, damit die Videoausgabe nicht zusammenbricht. Das System war dadurch sehr schwierig zu programmieren, aber für damalige Verhältnisse extrem flexibel. NTSC-Programme müssen für PAL und SECAM umgeschrieben werden und umgekehrt.
  • Audio-Prozessor: Atari TIA, zwei Stimmen, diverse Wellenformen. Ausgabe in Mono über den Lautsprecher des Fernsehers.
  • RAM: 128 Bytes; manche Spielmodule ab 1983 enthielten zusätzlich nochmals 128 oder mehr Bytes RAM im Modul.
  • Datenträger: ROM-Module. Frühe Module waren nur 2 KB groß, ursprünglich waren nur 4 KB maximal vorgesehen. Ab 1981 enthielten jedoch viele Module eine Zusatzhardware, um mittels Bank Switching größere Speicher adressierbar zu machen. Bis zu 16 KB waren üblich, einige wenige Mehrspielmodule enthielten bis zu 64 KB.
  • Schalter am Gerät: Ein/Aus, schwarz-weiß/Farbe, Schwierigkeitsgrad (linker Spieler), Schwierigkeitsgrad (rechter Spieler), Spielauswahl, Spiel starten. Die Schwierigkeitsgrad-Schalter wurden in späteren Varianten, wie z. B. dem Darth Vader-Modell, verkleinert und auf die Rückseite der Konsole verlegt. Nicht jedes Spiel nutzte alle Schalter; alle Schalter außer Ein/Aus konnten vom Spiel mit beliebigen Bedeutungen belegt werden, da sie vom jeweiligen Programm ausgewertet werden. Bei Moonpatrool konnte man beispielsweise mit den Schwierigkeitsgrad-Schaltern die Musik ein- und ausschalten, da viele Spieler diese als störend empfanden.
  • Schnittstellen: Stromversorgung (3,5-mm-Klinkenbuchse, 9 Volt Gleichstrom, Spitze +/Schaft −), Modulport (24-polige Platinenbuchse im 2,54-mm-Raster), zwei Anschlüsse für Eingabegeräte wie Joysticks und Paddles (9-polige D-Sub-Stecker ohne Schrauben; Steckerform und -belegung wurde im Heimcomputerbereich zum De-facto-Industriestandard), HF-Antennenausgang 75 Ohm, VHF-Kanal per Schiebeschalter wählbar zwischen 2 und 3.

Spiele und andere Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atari 2600 mit Jr. Pacman
Spielmodul "Demon Attack" (1982)
Atari 2600 mit den verschiedenen Steckmodul-Bauarten für das Gerät

Insgesamt wurden mehr als 1200 Spiele für das Atari 2600 veröffentlicht, die allerdings nicht alle von Atari offiziell lizenziert wurden. Viele Spiele stammten von Atari selbst, ein führender Fremdanbieter wurde nach 1979 Activision.

Einige der bekanntesten Spiele für das Atari 2600 (Auswahl):

1977:

Folgende neun Spiele wurden zusammen mit dem VCS vorgestellt:

1978:

1979:

1980:

1981:

1982:

1983:

1984:

1987:

Noch nicht eingeordnet:

Homebrew[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Screenshot des Atari 2600-Homebrew-Spiels "Thrust"

Nachdem das Atari 2600 schon viele Jahre nicht mehr hergestellt wird, entstehen auch in den 2010er-Jahren noch immer neue Spiele, die von Fans der Konsole selbst programmiert werden. Es handelt sich dabei um sogenannte Homebrew-Spiele (engl. für selbstgebraut). Die meisten werden dabei direkt in der Maschinensprache des 6502-Prozessors geschrieben. Dabei wird die Programmierung eines Spiels für das Atari 2600 aufgrund des geringen Speicherplatzes als sehr anspruchsvoll gesehen.

Die entwickelten Spiele können entweder über einen Emulator gespielt werden, oder die Entwicklung wird auf den Chip einer Cartridge kopiert und direkt über die Konsole gespielt.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1999 erschien die zweiteilige VHS-Dokumentation „Stella at 20“, die die Macher, Manager und Programmierer der Atari 2600-Konsole zu ihrem 20-jährigen Jubiläum zusammenbrachte. Beide Teile sind jeweils etwa 90 Minuten lang.

Emulation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bekannteste Emulator für das VCS dürfte Stella sein, der das System nahezu perfekt emuliert und für viele Systeme (wie z. B. Microsoft Windows, Nintendo DS usw.) erhältlich ist.[5] Selbst innerhalb eines Spieles, Minecraft, wurde ein Emulator für das Atari 2600 erstellt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ben Coulson: The Midnight Tiger: Complete Guide to Atari 2600 Video Games. Upfront Publishing, Leicestershire 2003, ISBN 1-84426-265-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atari 2600 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Top 10 Best-Selling Atari 2600 Games. ign.com, 26. August 2008, abgerufen am 4. Januar 2017.
  2. A Brief History of Game Console Warfare | BusinessWeek. 9. Mai 2007, abgerufen am 10. Mai 2019.
  3. Jeremy Reimer: EA's Madden 2007 sells briskly, but are games gaining on movies? 1. September 2006, abgerufen am 18. Februar 2019 (amerikanisches Englisch).
  4. gambitmag
  5. Stella: „A Multi-Platform Atari 2600 VCS Emulator“. In: stella.sourceforge.net. Abgerufen am 15. Dezember 2016.
  6. Chris Kohler: Super-Hacker Builds Atari 2600 Emulator… In Minecraft. In: WIRED. (wired.com [abgerufen am 15. Dezember 2016]).