Atbasch

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Atbasch (auch atbash, hebr. אתבש) ist eine auf dem Hebräischen Alphabet beruhende einfache Methode zur Verschlüsselung bzw. Entschlüsselung eines Textes. Die ursprünglich kabbalistische Methode diente auch dazu, eine in religiösen Texten verborgen geglaubte Bedeutung offenzulegen.

Der Name Atbasch leitet sich ab von den beiden ersten und letzten Buchstaben des hebräischen Schriftsystems (A-T-B-Sch) und illustriert zugleich das Vorgehen, bei dem der erste Buchstabe (Aleph) vertauscht wird mit dem letzten Buchstaben (Taw), der zweite Buchstabe (Beth) vertauscht wird mit dem vorletzten Buchstaben (Schin), usw.

Der Atbasch-Wert bezeichnet den numerischen Wert des entsprechenden Gegenzeichens, da hebräische Schriftzeichen zugleich einen Zahlenwert haben: Aleph (1) und Taw (400) haben den Atbasch-Wert 400 und 1.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Chiffrierscheibe für umgekehrte Caesar-Verschlüsselung

Atbasch gehört zu den einfachen monoalphabetischen Substitutions-Verfahren und ist eine Variante der Caesar-Verschlüsselung (umgekehrte oder revertierte Caesar-Verschlüsselung).

Eine Besonderheit ist, dass Atbasch ein involutorisches Verfahren ist, also Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsmethode identisch sind. Daher genügt es, die Atbasch-Substitution ein zweites Mal auf den Geheimtext anzuwenden, um wieder den Ursprungstext zu erhalten.

Da das Atbasch ein festes Verfahren ist und keinerlei schlüsselabhängige Variationen zulässt, ist eine kryptographische Sicherheit praktisch nicht vorhanden.

ATBaSch[Bearbeiten]

Prinzip des Atbasch, angewandt auf das Lateinische Alphabet:

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Z Y X W V U T S R Q P O N M L K J I H G F E D C B A

Atbasch des Hebräischen Alphabets und seine deutsche Transkription:
(Namensgebend sind die beiden ersten zu vertauschenden Buchstabenpaare: Aleph mit Taw und Beth mit Sch.)

A
Aleph
א
B
Beth
ב
G
Gimel
ג
D
Daleth
ד
H
He
ה
W,V,F,Y
Waw
ו
Z
Zajin
ז
H
Chet
ח
T
Tet
ט
I,J
Jod
י
K
Kaph
כ ך
L
Lamed
ל
M
Mem
מ ם
N
Nun
נ ן
X
Samech
ס
O
Ajin
ע
P
Pe
פ ף
Z
Sade
צ ץ
Q
Koph
ק
R
Resch
ר
Sch,S
Sin
ש
T
Taw
ת
T
Taw
ת
Sch,S
Sin
ש
R
Resch
ר
Q
Koph
ק
Z
Sade
צ ץ
P
Pe
פ ף
O
Ajin
ע
X
Samech
ס
N
Nun
נ ן
M
Mem
מ ם
L
Lamed
ל
K
Kaph
כ ך
I,J
Jod
י
T
Tet
ט
H
Chet
ח
Z
Zajin
ז
W,V,F,Y
Waw
ו
H
He
ה
D
Daleth
ד
G
Gimel
ג
B
Beth
ב
A
Aleph
א

Beispiel:

Aus „Baphomet“ (ב פ ו מ ת) lässt sich auf diese Weise „Sophia“ (ש ו פ י א) bilden. Dies wurde auch als kryptologisches Rätsel in dem Roman Sakrileg (The Da Vinci Code) benutzt.

Variante ALBaM[Bearbeiten]

Prinzip des Albam, angewandt auf das Lateinische Alphabet:

A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z

ALBaM (hebr. אלבם) ist eine dem ATBaSch ähnliche Verschlüsselungsmethode. Das aus 22 Zeichen bestehende hebräische Alphabet wird in zwei Hälften zu je 11 Buchstaben (א-כ und ל-ת) geteilt, diese werden direkt einander zugeordnet.

Schema der Ersetzungen bei der Verschlüsselungsmethode Albam:
(Namensgebend sind auch hier die beiden ersten zu vertauschenden Buchstabenpaare: Aleph mit Lamed, Beth mit Mem.)

Aleph
א
Beth
ב
Gimel
ג
Daleth
ד
He
ה
Waw
ו
Zajin
ד
Chet
ד
Tet
ט
Jod
י
Kaph
כ ך
Lamed
ל
Mem
מ ם
Nun
נ ן
Samech
ס
Ajin
ע
Pe
פ ף
Sade
צ ץ
Koph
ק
Resch
ר
Sin
ש
Taw
ת

Die Albam-Methode entspricht in ihrer Funktionsweise der Caesar-Verschlüsselung ROT13 beim lateinischen Alphabet. Durch die Verschiebung der Zeichen um die halbe Alphabetweite sind Chiffrierung und Dechiffrierung, wie auch bei der Atbasch-Methode identisch.

Jüdische Tradition[Bearbeiten]

Atbasch, Albam und ähnliche Techniken dienten nicht primär als kryptographische Techniken, sondern waren zunächst hermeneutische Annäherungen an die heiligen Texte (vgl. auch PaRDeS und GiNaT).

Ausführlich mit diesen Verfahren unter dem Gesichtspunkt der Kryptographie befasste sich Schmuel Archevolti im 30. Kapitel seines Buches Arugat ha-Bosem [1], welches Johann Buxtorf der Jüngere ins Lateinische übersetzte und seiner Ausgabe des Kusari von Jehuda ha-Levi beigab (Ausgabe Basel 1660).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Yosef Ofer: Methods of encoding in Samuel de Archevolti's „Arugat ha-Bosem“. In: European Journal of Jewish Studies. Vol. 2, 2008, ISSN 1025-9996, S. 45–63.