Atemkontrolle

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Atemkontrolle durch Gasmaske und feuchtes Fensterleder

Atemkontrolle (auch Asphyxiophilie, engl. breath control play oder erotic asphyxiation) ist eine Sexualpraktik aus dem Bereich des BDSM. Hierbei wird die Atmung des passiven Partners (Bottom) entweder erschwert oder für kurze Zeiträume gänzlich unterbunden. Diese Praktik zählt zu den gefährlichsten und extremsten Praktiken des BDSM. Ob sie noch im Bereich des SSC-Konzepts (safe, sane, consensual) liegt, ist innerhalb der Subkultur umstritten.

Die Atmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Hilfe der Atmung lassen sich verschiedene Reaktionen erzeugen, beispielsweise hilft ruhiges und tiefes Ein- und Ausatmen bei der Bekämpfung von Panik und Übelkeit. Eingeschränkte Atmung und dadurch eine Unterversorgung mit Sauerstoff erhöht den Kohlendioxidgehalt des Blutes, während die Ausschüttung von Adrenalin angeregt wird.

Praktiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technisch kann die Atmung durch Verschließen der Atemwege durch Zuhalten von Mund und Nase ohne weitere Hilfsmittel kontrolliert werden. Alltagsgegenstände wie Plastiktüten, angefeuchtete Stoffe oder Fensterleder sind ebenso möglich wie professionelles Equipment aus dem BDSM-Bereich; denkbar sind z. B. Gas- oder Latexmasken. Eine weitere Möglichkeit, die Atmung einzuschränken, besteht darin, die Bewegungsmöglichkeit des Oberkörpers einzuschränken und damit die Atemtiefe zu reduzieren. Geschehen kann dies beispielsweise durch ein Korsett, eine Brustbondage oder durch bestimmte Positionen. Eine weitere Methode besteht darin, den liegenden und fixierten Bottom teilweise oder ganz durch das Eigengewicht des aktiven Partners (Top) zu belasten, indem er sich auf den Oberkörper des fixierten Bottoms setzt oder legt.

Das Untertauchen in Wasser ist eine weitere Variante; dabei muss beachtet werden, dass der Bottom zusätzlich durch das Einatmen von Wasser gesundheitliche Schäden erleiden kann.[1] Die bewusste Einatmung von Gasen, wie z. B. Lachgas,[2] ist eine weitere Variante. Eine überaus riskante Möglichkeit ist auch das Würgen, Hängen oder Drosseln. Dabei ist neben der Gefährdung des Bottom durch die Atemkontrolle auch die Blutzufuhr zum Gehirn eingeschränkt, und es kann ein Karotissinusreflex[3] ausgelöst werden.[4] Siehe dazu auch den Artikel Würgespiel.

Gefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unerlässlich im Zusammenhang mit solchen extrem gefährlichen Praktiken sind entsprechende Kenntnisse der zugrunde liegenden anatomischen und physiologischen Gegebenheiten, aber auch der möglichen psychologischen Reaktionen, beispielsweise Panikattacken. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Einhaltung einiger Sicherheitsvorgaben, z. B. sollte der aktive Partner sich vor der Atemkontrolle über den Zustand des Bottom unterrichten, atemwegsverändernde Erkrankungen wie Asthma bronchiale oder eine COPD sollten abgeklärt werden, Telefonnummern für den Notfall, Maßnahmen der Ersten Hilfe etc. sollten ihm geläufig sein. Der Bottom sollte in der Lage sein, eine zutreffende Selbsteinschätzung abzugeben und auch eventuell bekannte zu erwartende psychische Reaktionen mit seinem Top besprechen.

Unter Sicherheitsaspekten ist Self-Bondage im Zusammenhang mit Atemkontrolle extrem problematisch und hoch gefährlich; denn dabei wird eine der wesentlichen Grundregeln des Bondage und der Atemkontrolle, „die Person niemals alleine lassen“, von vornherein verletzt. Der Wunsch, den Orgasmus durch den Sauerstoffmangel zu verstärken, hat in der Vergangenheit immer wieder zu Todesfällen geführt.[5][6][7] Beispielsweise wird der Tod des Schauspielers David Carradine darauf zurückgeführt.[8][9]

Eine 29-jährige Prostituierte ist 2016 in Wien zu einer – im Vergleich zum Strafrahmen milden – bedingten Haftstrafe wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Ihr 45-jähriger Kunde war erstickt, nachdem sie ihm den Hals vereinbarungsgemäß mit einem Schuhband eingeschnürt hatte. Der Mann hatte Erfahrung mit alleine an sich durchgeführter Atemreduktion, für die Frau war diese Praktik neu gewesen.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bill Henkin, S. Holiday: Consensual Sadomasochism. How to Talk about it and how to Do it Safely. Daedalus, San Francisco 1996, ISBN 1-881943-12-7, S. 211.
  • Patrick Califia-Rice: Sensuous Magic. A Guide to S/M for Adventurous Couples. Cleis Press, San Francisco 2001, ISBN 1-57344-130-9, S. 201–203.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. Sivaloganathan: Aqua-eroticum – A Case of Auto-Erotic Drowning. Medicine, Science and the Law 24 (4), 1984, S. 300–302.
  2. Markus A. Rothschild, Volkmar Schneider: Über zwei autoerotische Unfälle: Tödliche Lachgasnarkose und Thoraxkompression. Archiv für Kriminologie 200 3–4, 1997, S. 65–72.
  3. Th. Sigrist, K. Meier und U. Zollinger: Zum traumatischen Karotissinus-Reflextod. Beiträge zur gerichtlichen Medizin 47, 1989, S. 257–266.
  4. Dominick J. Di Maio, Vincent J.M. Di Maio: Deaths Occurring Following the Application of Choke or Carotid Holds. In: Forensic Pathology. New York 1989.
  5. F. Minyard: Wrapped to death. Unusual autoerotic death. American Journal of Forensic Medicine and Pathology 6 (2), 1985, S. 151–152.
  6. R. R. Hazelwood et al.: Autoerotic Fatalities. Lexington Books, Lexington 1983.
  7. R. Thibault, J.D. Spencer, F.W. Bishop, N.S. Hibler: An unusual autoerotic death asphyxia with an abdominal ligature. Journal of Forensic Sciences 29 (2), 1984, S. 679–684.
  8. Orloff, Brian: David Carradine Died of Accidental Asphyxiation. People, 2. Juli 2009, zuletzt abgerufen 26. September 2016.
  9. David Carradine’s Official Cause of Death was Asphyxiation. Inquisitr.com. 2. Juli 2009. Abgerufen am 28. Februar 2014.
  10. Tödlicher Sexunfall: Bedingte Haftstrafe orf.at, 26. September 2016, abgerufen 26. September 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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