Athabasken

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Fischcamp der Tanana am Tanana River in Alaska (1997)
Die Yellowknife-Athabasken Akaitcho und Sohn, 1821
Zwei Mädchen der Ahtna-Athabasken mit traditionellem Tragesystem
Anführer der Beaver-Athabasken mit Familie 1899
Eine Chipewyan Frau mit Kind auf der Jagd nach Bisamratten im Garson See in Saskatchewan

Athabasken bzw. Athapasken ist eine Sammelbezeichnung für die zahlreichen zerstreut lebenden indigenen Bands des nördlichen Zweiges der athapaskischen Sprachfamilie, die bis auf eine Ausnahme (Dena'ina, Meeresfischer im Cook Inlet) in den borealen Nadelwäldern, Waldtundren, Bergwäldern sowie entlang der großen Flüsse und Seen Alaskas (2005 ca. 7.000) und Nordwest-Kanadas (2005 ca. 27.000) leben.[1]

Der Name „Athapaskaw“ stammt von den südlich benachbarten Wald-Cree und bedeutet „überall ist Gras oder Rohr“ und bezieht sich auf die Region im Westen des Athabasca Lake im nördlichen Alberta.[2]

Es sind zwei große regionale Gruppen zu unterscheiden:

Dieser Nördliche Zweig der Athabaskischen Sprachfamilie gliedert sich somit in mindestens 31 Einzelsprachen, die sich zudem auf Grund der Sozialstruktur der Athabasken wiederum in zahlreiche regionale Dialekte gliedern (gesprochen von je einer Lokalgruppe). Trotz der Sprachverwandtschaft sind die Sprachen untereinander nicht verständlich. Selbst innerhalb der Einzelsprachen – die jeweils als Dialektkontinuum zu betrachten sind – schwindet die gegenseitige Verständlichkeit mit zunehmender geographischer Distanz der Gruppen erheblich.[3]

Die heute übliche Einteilung in Stammesgruppen wurde auf Grund der Sprachfamilien durch Linguisten und Anthropologen getroffen und suggeriert somit ein Selbstverständnis der Alaska Dene oder der Dene. Tatsächlich betrachteten sich benachbarte und einen verwandten Dialekt sprechende Lokalgruppen jedoch nicht als eine größere Gemeinschaft und die Athabasken hatten nie eine soziale oder politische Idee einer Nation bzw. Stammesidentität entwickelt.

Die im Südwesten der USA und Nordmexiko beheimateten Südlichen Athabasken hatten ähnliche Bezeichnungen wie die Nördlichen Athabasken (Dene) und Alaska Athabasken (Alaska Dene); die Navajo nannten sich Diné und die Apache (je nach Dialekt) Indee, Ndé oder T'Inde („Volk“).

Stammesgruppen der Athabasken[Bearbeiten]

Wie bereits erwähnt wurden die verschiedenen Gruppen der Athabasken erst durch die Europäer in größere regionale und kulturelle Stammesgruppen eingeteilt; vorher war dies den Athabasken völlig fremd, da sie durch eine traditionelle Stammesgesellschaft sowie die für alle Athabasken typische Individualität geprägt waren. Die benachbarten Athabasken erkannten sich zwar anhand der gemeinsamen Sprache als jeweils sprachlich verwandt an, jedoch entwickelten die einzelnen Stammesgruppen unterschiedliche Kulturen und bekämpften sich teilweise gegenseitig. Jede Stammesgruppe unterteilte sich wiederum in Bands und diese nochmals in kleinere Lokalgruppen.[4] Bis heute ist jedoch manchmal die Zuordnung mehrere Bands (bzw. Lokalgruppen) zu einer Stammesgruppe umstritten. Zudem werden manche – seitens der Athabasken als eigenständige Sprachen betrachtete Varietäten – von Linguisten nur als Dialekte einer gemeinsamen Sprache wahrgenommenen (z.B. das Tahltan mit den Sprachen / bzw. Dialekten: Kaska (Dene Zágéʼ), Tahltan (Dahdzege) sowie Tagish (Tā̀gish))[5]. Da die meisten Athabasken unter anglisierten Fremdbezeichnungen benachbarter – oftmals nicht-athabaskischer Völker – bekannt wurden, sind hier die meist gebräuchlichen Stammesbezeichnungen wiedergegeben sowie (in Klammern) zuerst die Eigenbezeichnungen und dahinter die Namensherkunft. (Sofern nicht anders angegeben bedeuten die Eigenbezeichnungen jeweils einfach „Volk“ oder „Menschen“).

Alaska Athabasken oder Alaska Dene[Bearbeiten]

Die Alaska Dene werden allgemein in elf Stammesgruppen unterteilt, von denen manche auch im angrenzenden Yukon anzutreffen sind (von Nordwesten nach Südosten):

1. Koyukon (Hut’aane / Hotana; Namensherkunft: Koyukukhotana - „Volk am Koyukuk River“, nordwestlichste Gruppe der Alaska Dene)

  • Kaiyuhkhotana (entlang des Yukon River zwischen dem Anvik River und Koyukuk River, einschließlich dem Entwässerungsgebiet des Innoko River nördlich des 63. Längengrads Nord)
  • Koyukukhotana (im Entwässerungsgebiet des Koyukuk River)
  • Yukonikhotana (im Entwässerungsgebiet des Yukon River südlich der Einmündung des Tanana River bis zur Mündung des Koyukuk River)

2. Gwich'in oder Kutchin (Dinjii Zhuu - „kleine Leute“; Namensherkunft: Gwich’in - „Bewohner einer Gegend“, nördlichste Gruppe aller Indianer, lebten meist nördlich des Polarkreises in den Nordwest-Territorien und im Yukon sowie im Nordosten Alaskas)

3. Han (Hän) (Hän Hwëch'in; Namensherkunft: Gwich'in-Wort hangʷičʼin (Hankutchin), beides: „Volk entlang des Flusses, d.h. des Yukon River“, lebten beiderseits des Yukon River im gleichnamigen Territorium und Alaska - oftmals fälschlich als eine Band der Gwich'in betrachtet)

4. Holikachuk oder Innoko (Doogh Hit’an - „Einheimische“ oder „Locals“; Namensherkunft: Xiyighelinghdi (Huligachagat), der Bezeichnung eines inzwischen aufgegeben Dorfes sowie nach ihren Stammesgebieten entlang des Middle und Upper Innoko River im Westen Alaskas - fälschlich oftmals mit den Koyukon zusammengefasst, obwohl sie kulturell den Deg Hit'an am nächsten stehen)

5. Ingalik (Deg Hit'an - „Einheimische“ oder „Locals“; Namensherkunft: Yup'ik-Wort Ingqiliq - „Jene, die Eier von Läusen haben“, „Jene, die verlaust sind“, eine Sammelbezeichnung für alle Athabasken und später für alle Indianer, wird von den Deg Hit'an als beleidigend abgelehnt, lebten entlang des Anvik River, des Innoko River, des Lower Yukon River sowie des Middle Kuskokwim River, daher in älterer Literatur auch Anvik-Shageluk Ingalik, Kuskokwim Ingalik oder Yukon Ingalik genannt - oftmals fälschlich als Kaiyuhkhotana bezeichnet)

6. Upper Kuskokwim oder Kolchan / Goltsan (Dina'ena, heute jedoch: Dichinanek' Hwt'ana - „Volk entlang des mit viel Holz gesäumten Flusses“; Namensherkunft: wurden nach ihrem Stammesgebiet entlang des Upper Kuskokwim River im Südwesten Alaskas benannt - oftmals fälschlich als McGrath Ingalik bezeichnet, obwohl ihre Sprache und Kultur den Tanana/Lower Tanana näher steht als den Deg Hit'an (Ingalik), zudem wurden sie irrtümlich auch als Tundra Kolosh / Koulischen den Tlingit zugerechnet, da im Russischen Letztere als Koloshi (Колоши) bezeichnet wurden, was auf das Sugpiaq-Alutiiq-Wort kulut'ruaq für Labret-Piercing zurückgeht)

Tanana Athabasken (je nach Sprache bzw. Dialekt: Kokht'ana, Koxt'een oder Kohtʼiin, wird meist als Sammelbegriff für drei regionale Gruppen verwendet, die verwandte Sprachen bzw. Dialekte sprechen, lebten im Flussgebiet des Tanana River im Osten von Interior Alaska sowie teilweise im angrenzenden Yukon)

7. Tanana / Lower Tanana und/oder Middle Tanana (Kokht'ana)
8. Tanacross oder Tanana Crossing (Koxt'een)
9. Upper Tanana (Kohtʼiin)

10. Tanaina (Dena'ina, einzige Gruppe der Alaska Dene, die bis zur Küste vorstieß, sich in dauerhaften Siedlungen niederließ und den Seefischfang übernahm, lebten im Gebiet des Cook Inlet - von ihnen als Tikahtnu - „Viel Wasser führender Fluss“ oder Nuti - „Salzwasser“ genannt - im südlichen Zentral-Alaska, ihr Stammesgebiet (Dena’ina Ełnena) erstreckte sich von Seldovia im Süden bis nach Chickaloon im Nordosten, von Talkeetna (K'dalkitnu) im Norden und Lime Village (Hek'dichen Hdakaq') im Nordwesten bis nach Pedro Bay im Südwesten)

11. Ahtna (Hwt’aene; Namensherkunft: Ahtna, Ahtena oder Atnatana bedeutet „Eis-Menschen“, da sich ihr Stammesgebiet (Atna Nenn') entlang des Copper River (Atna River) und dessen Nebenflüssen im Südosten Alaskas - von ihnen 'Atna' tuu „Fluss der Ahtna“ genannt - erstreckte, bedeutet ihr Stammesname „Volk am 'Atna' River, d.h. des Copper River“)

  • Lower Ahtna (Atnahwt’aene)
  • Central Ahtna oder Middle Ahtna (Dan’ehwt’aene)
  • Western Ahtna (Tsaay Hwt’aene)
  • Upper Ahtna (Tatl’ahwt’aene)


Zudem teilt man auf Grund kultureller Adaption an die jeweilige „Landschaft / Umwelt“ (Klima, Topographie, Flora und Fauna), der Ressourcennutzung (Landnutzung, Größe und räumliche Verteilung der Bevölkerung sowie Siedlungstypen) der Sozialstrukturen (Soziale Beziehungen, Ökonomie sowie Herrschaft und Autorität) und der hieraus sich entwickelnden jeweiligen Kulturellen Identität (Spiritualität und Soziale Regeln) sowie der daraus entstandenen/beeinflussten kulturellen Produkte (Jagd-, Waffen- sowie Handwerks-Techniken, „Wissenschaften“ und Kunst) die Alaska Dene nochmals in zwei regionale/kulturelle Gruppen ein:

  • Südliche Alaska Athabasken (Southern Alaskan Athabaskans) bzw. Südliche Alaska Dene: die Dena'ina und Ahtna, da sie kulturell stark den südlich lebenden Tlingit sowie anderen Völkern gleichen.
  • Zentrale Alaska Athabasken (Central Alaskan Athabaskans) bzw. Binnen-Athabasken (Interior Athabaskans): alle übrigen Alaska Dene, da sie kulturell stark entweder von den Yupik und Iñupiat Eskimo im Norden und Nordwesten oder von den Nördlichen Athabasken bzw. Dene - z.B. den Chipewyan (Dënesųłiné) und North und South Slavey - im Westen beeinflusst waren.

Dene und/oder Nördliche Athabasken[Bearbeiten]

Dene[Bearbeiten]

Die heutige Bezeichnung Dene hat zwei Bedeutungen und wird dementsprechend unterschiedlich verwendet; meist (und im engeren Sinn) wird der Begriff Dene nur für fünf (nach anderer Definition sechs) athabaskisch-sprachigen Bands in Denendeh („Land der Dene“, dem heutigen Nordwest-Territorium) und Nunavut sowie einigen Teilen von Manitoba, Alberta im Norden Kanadas benutzt:

  • Chipewyan (Denésoliné oder Dënesųłiné - „Volk des kargen, öden Landes“); Namensherkunft: Wetcipwayi Wiyiniwuk bzw. Cīpwayān (ᒌᐘᔮᐣ) - ‘People wearing Pointed Skins’ aus der Cree-Sprache der feindlichen Woodland Cree, womit sie auf den typischen Schnitt und Stil der Chipewyan-Parkas hinwiesen (abgel. aus cīpwāw (ᒌᐚᐤ) - ‘to be pointed’ und wayān (ᐘᔮᐣ) - „Haut“ oder „Fell“ zu Cīpwayān)[6]. (Das algonkin-sprachige Volk der in den USA meist Chippewa genannten Anishinabe (Ojibwe) hat trotz der Ähnlichkeit des Namens nichts mit den Chipewyan zu tun)
  • Yellowknives (T'atsaot'ine - „Volk des Wasser-Auswurfs“, einer bildlichen Umschreibung des im Fluss vorkommenden Kupfers oder Acha'otinne - „Waldland-Volk“. Namensherkunft: europäische Pelzhändler nannten sie Yellowknife („Gelbmesser“), Red Knife („Rotmesser“) oder Red Indians („Rote Indianer“) oder Copper Indians („Kupfer-Indianer“), da diese Kupfermesser benutzten, deren Klingen rot-gelblich schimmerten sowie der Coppermine River und Yellowknife River in ihrem Stammesgebiet reich an diesem Metall waren. Fälschlich unter ihrer Chipewyan-Bezeichnung Tandzán-hot!ínne - „Jene, die am schmutzigen See leben“ als eine regionale Chipewyan Großgruppe betrachtet, jedoch betrachteten sich die Yellowknife als eigenständige Ethnie mit wiederum mehreren Bands und Lokalgruppen und waren meist den Chipewyan äußerst feindlich gesonnnen)
  • Dogrib (Tłįchǫ bzw. Tåîchô - „Hunderippe“ oder Tłįchǫ Done - „Hunderippen-Volk“; Namensherkunft: Adaption ihrer Eigenbezeichnung ins Englische)
  • North Slavey (Dene wá, die weniger von Fischfang als von der Jagd in den Wäldern und Tundren der Berge und Ebenen lebenden Bands nannten sich Ɂehdzo Got’ı̨ne - „Fallensteller-Volk“, heute zumeist jedoch Sahtú Dené / Sahtu Dene - „Volk am Great Bear Lake“, unterteilten sich nochmals in vier regionale, kulturelle sowie unterschiedliche Dialekte sprechende Gruppen)
    • Hare(skin) Dene (K'ahsho Got'ine / K'áshot' Got'ine - „Volk mit großen Pfeilspizen“ oder K'a so Got'ine / Katoo Got'ine - „Volk der großen Weiden“, Namensherkunft: (Hare(skin) Dene ist vermutlich eine Falschübersetzung von Gahwié Got'ine - „Kaninchen(Fell)-Volk“, da sie gewebte Kleidung aus Schneehasen-Fellen trugen))
    • Mountain Slavey (Mountain Dene) (Shita Got'ine / Shúhtagot'ine - „Volk inmitten der Berge“)
    • Willow Lake Dene (K'áálǫ Got'ine - „Volk am Willow Lake“)
    • Sahtú Dene (Great Bear Lake Dene) (Sahtú Got'ine/Sahtúot'ine/Sahtú Dene - „Volk am Great Bear Lake“, entwickelten ab 1850 eine eigenständige Identität als Sahtúot'ine oder Sahtú Dene, nachdem während des Pelzhandels K'ahsho Got'ine Bands, die Satihot'in und Et'at'in regional bands der Dogrib (Tłįchǫ) sowie einige Shita Got'ine, Gwich’in und South Slavey bei Déline (Fort Franklin) am Sahtú (Great Bear Lake) bevorzugt zum handeln kamen. Bald gab es Heiraten unter den Mitgliedern der verschiedenen Dene Bands und gemeinsame Siedlungen rund um das Fort sowie am Seeufer wurden errichtet. Ihr Dialekt weist große Einflüsse des Dogrib (Tłįchǫ Yatiì) auf)
  • South Slavey (heute Dene Tha' -„Wahres Volk“ in Alberta sowie Deh Cho Dené / Deh Cho Dene - „Volk am großen Fluss, d.h. am Mackenzie River“ im Nordwest-Territorium)

Die Gwich’in oder Kutchin (Dinjii Zhuh - „kleine Leute“) werden - obwohl sowohl in Alaska als auch im Yukon und Nordwest-Territorium ansässig - meist als Alaska Dene betrachtet, da sie zusammen mit dem Hän (Häɬ goɬan) bzw. Hänkutchin der Hän (Hän Hwëch'in) die sprachliche Untergruppe „Kutchin-Han“ der Nördlichen Athabaskischen Sprachen bilden.

Nördliche Athabasken[Bearbeiten]

Fasst man den Begriff Dene weiter (dies geschieht vermehrt in neuerer Fachliteratur sowie seitens der assoziierten Ethnien) werden zudem folgende Bands und Stammesgruppen ebenfalls als Dene betrachtet, meist werden diese jedoch zum Unterschied zu den oben aufgeführten Dene Nördliche Athabasken oder (oftmals in Kanada) einfach Athabasken genannt (dieser Begriff kann wiederum die oben aufgeführten Bands der eigentl. Dene mit einschließen). Sie bewohnten vor allem die Nadelwälder der kanadischen Kordilleren. Ihre Wohngebiete reichten im Süden jedoch bis in die Laubwälder und Waldsteppen der sogenannten Parklands und zu einem kleinen Teil in die Nördlichen Plains westlich und südlich der eigentl. Dene in Yukon, British Columbia, Alberta und Saskatchewan:

  • Tutchone oder Tutchonekutchin (je nach Dialekt: Dan oder Dän, meist bezeichneten sie sich jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Huč’an oder Ku Dän - „Volk von “; Namensherkunft: mit Dechan to hot'yan - „Volk, das in den Wäldern lebt“ wurden in ihrer Sprache ursprünglich Tutchone im Stewart River Valley bezeichnet - „Tutchone“ bzw. Wood Indians oder Stick Indians ist dann als Stammesbezeichnung für alle Gruppen übernommen worden,[7] ihr Stammesgebiet umfasste das von den Oberläufen des Alsek und Yukon Rivers (Chu Nìikwän) geprägten Plateaus sowie entlang des Tatshenshini Rivers (Shäwshe Chù) im Südwesten des Yukon-Territoriums sowie im Nordwesten British Columbias, begrenzt im Südwesten vom Küstengebirge und Saint Elias Mountains sowie im Nordosten von der Selwyn Range - trotzt der vormals gebräuchlichen Stammesbezeichnung als Tutchonekutchin gehören sie nicht den Gwich'in (Kutchin) an; kulturell sowie sprachlich unterscheidet man zwei große Gruppen - die Northern Tutchone nördlich / nordöstlich des Lake Laberge sowie die Southern Tutchone südlich / südwestlich)
  • Tagish (Tā̀gish kotʼīnèʼ - „Volk vom Tagish Lake“, lebten in der Region des Tagish Lake - von ihnen Tā̀gish - „das Eis (des Frühlings) bricht“ genannt - und des Marsh Lakes sowie entlang des Yukon River (Tahgàh Cho) im Yukon-Territorium im Nordwesten von Kanada, später jedoch unter dem Einfluss der kulturell und politisch mächtigeren Tlingit - deren Sprache sie auch übernahmen - betrachteten sie sich als regionale Stammesgruppe der Tlingit mit Tagish-Vorfahren und bezeichneten sich als Tagish Ḵwáan)
  • Tahltan (Tāłtān, betrachten sich als erste Bewohner des Stikine River, ihr Stammesgebiet umfasste ca. 242.163 km² im Nordosten von British Columbia, es reichte vom Küstengebirge ostwärts bis in die tiefer gelegenen borealen Nadelwälder in Yukon im Norden, im Osten bis zu den (nach den Kaska Dena benannten) Cassiar Mountains und umfasste im Süden die Oberläufe des Nass River und Skeena River; weitere wichtige Flüsse waren der Iskut River, Klappan River und Dease River)
  • Kaska Dena (Gudanéʼ)
  • Tsetsaut (Wetaɬ bzw. Wetalth)
  • Sekani (Tsek’ene)
  • Chilcotin (Tsilhqot'in - „Volk des blauen Wassers“ oder „Volk entlang des Flusses“, ihr Name leitet sich aus ihrer gleichnamigen Sprache ab: Tsilh - „blau“, qo - „Wasser“ und t'in - „Volk“)
  • Carrier (Dakelh)
  • Sarcee (Tsuu T'ina)
  • Beaver (Tsattine)

Kultur[Bearbeiten]

Die Athabasken waren seit jeher nomadische Jäger und Sammler oder halbnomadische Fischer und bildeten den gesamten Westteil des subarktischen Kulturareales. Der Wald bot den Indianern reichlich Nahrung: Waldkaribus, Waldbisons, Hirsche und Elche. Entlang der Flüsse wurde rege Fischfang betrieben. Durch den Handel mit den Europäern wurde die Pelztierjagd im 18. Jahrhundert zur Basis ihrer Wirtschaft. Die herrscherlosen und basisdemokratisch organisierten Athabasken streiften in kleinen, egalitären Verwandtschaftsgruppen durch die Nadelwälder und Tundren ihrer Heimat.[2]

„Einige Dene sagen, daß die Erde unser Körper ist. Andere sagen, sie ist ein großer Selbstbedienungsladen. […]“

George Blondin, Déne-Indianer aus Kanada[9]

Der Alltag dieser im hohen Norden lebenden Menschen wurde früher vor allem durch die Umwelt- und Klimaverhältnisse geprägt, denen man sich möglichst gut anpassen musste, um gut zu leben. Die wichtigsten Materialien zur Herstellung von Kleidung und Gebrauchsgegenständen waren Leder, Pelze und Birkenrinde, aus der vor allem Behälter und Kanus hergestellt wurden. Die Behausungen bestanden früher aus konischen Zelten (ähnlich den Tipis der Prärie-Indianer) im Südosten und Pultdach-Zelten im Nordwesten, die mit Fell oder Rinde gedeckt waren. Dort kamen auch noch Blockhäuser und Erdhütten hinzu. Die längste Zeit des Jahres herrschte Winter. Als Transportmittel waren den athabaskischen Völkern Hundeschlitten in der Regel funbekannt (im Gegensatz zu den benachbarten Yupik und Iñupiat Eskimo); sie nutzten bei ihren langen Fußwanderungen die Hunde nur zur Jagd, zum Schutz ihrer Lager sowie als Packtiere. Dies stellten auch die ersten Pelzhändler und Forscher Mitte des 19. Jhd. fest, als sie entlang des Yukon River weiter ins Landesinnere von Alaska und Kanada vorstießen. Nur die kulturell stark von den Yupik beeinflussten Ingalik und Holikachuk sowie die Koyukon nutzten Hundeschlitten, vermutlich hatten sie diese Technik von den Iñupiat oder Yupik gelernt. Die anderen, einschließlich der Gwich'in, Tanana, Ahtna sowie der übrigen Athabasken, zogen ihre Schlitten oder Toboggans (kufenlose Schlitten) per Hand.[10] Wahrscheinlich führten die Athabasken in Nordamerika den Rahmenschneeschuh ein, zumindest haben sie ihn am vollkommensten entwickelt. Dieser ermöglicht ihnen auch bei hohem Schnee die Jagd auf Großwild. In den schneefreien Monaten diente vor allem das Kanu als Fortbewegungsmittel.

In der Freizeit war und ist den Athabasken Gesang und Tanz sehr wichtig: Es gibt ein sehr weitreichendes Liedgut zu allen Themen des Lebens. Früher waren die Lieder zudem eine Möglichkeit zur Wissensvermittlung an die Kinder, die bereits sehr früh mit der Musik konfrontiert wurden. Bei den Athabasken Alaskas kannte man zudem den Potlatch, ein rituelles Geschenkfest bei großen Zusammenkünften, das von den Nordwestküstenkulturen übernommen wurde.[3] Ein über die Grenzen Kanadas hinaus bekannter athabaskischer Musiker ist Jerry Alfred von den Selkirk-Tutchone.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts nimmt die Assimilation der Athabasken durch die moderne Gesellschaft immer mehr zu. Zu Anfang des 21. Jahrhunderts sprechen noch rund 50 Prozent der Dené ihre Muttersprachen, die jedoch zum Teil vom Verschwinden bedroht sind.[1]

Sozialstrukturen[Bearbeiten]

Junge Athabaskenfrau aus Talkeetna mit traditionellen Kleidungsstücken

Das soziale Leben ist seit jeher von drei Prinzipien bestimmt:[3]

Der erste Grundsatz war Pragmatismus. Die Größe der Gruppen musste sich zwangsläufig an den zur Verfügung stehenden Ressourcen orientieren, die im hohen Norden räumlich und zeitlich sehr unterschiedlich waren. War nur wenig Nahrung vorhanden, lebten die Athabasken in lokalen Gemeinschaften (engl. local bands) bzw. Familiengruppen, die aus einer oder mehreren matrilokalen und matrilinearen Großfamilien bestanden. (Hier bildeten wiederum die stark kulturell und sozial von den Yupik geprägten Holikachuk und Ingalik eine Außnahme). War genügend Nahrung vorhanden, bildeten mehrere Lokalgruppen eine regionale Band (siehe auch: Wildbeuter-Horde). Noch größere Lager wurden errichtet, wenn Zeremonien, Feiern und ähnliches stattfanden. Dennoch waren die Territorien selbst der kleinsten Gruppen genau festgelegt.

Das zweite Prinzip hieß Verwandtschaft. In der Regel waren in einer Lokalgruppe oder Band die Mitglieder untereinander in irgendeiner Weise verwandt. Zur Vermeidung von Inzest gehörten Männer und Frauen jedoch unterschiedlichen Clans an, die durch unterschiedliche Totems (Gruppenabzeichen) voneinander abgegrenzt wurden. Das Totem war nach Tieren und Pflanzen (aber auch Bergen, Flüssen, Quellen und ähnlichem) benannt und stellte überdies eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zu diesen her. Da sie glaubten, dass jeder Clan von einer gemeinsamen Stammmutter bzw. einem gemeinsamen Ahnen (dies konnten auch Tiere und Naturerscheinungen sein) abstammen würde, erlaubten ihre Heiratsregeln keine Heiraten innerhalb des gleichen Clans und waren tabu. Hierdurch waren sie gezwungen, ihre zukünftigen Ehepartner außerhalb ihres eigenen Clans innerhalb ihrer Band oder Stammesgruppe oder unter ebenfalls in matrilineare Clans organisierten benachbarten Völkern zu suchen, so dass diese gegenseitigen exogamen Heiraten zwischen zwei (oder mehreren) Gruppen zur Grundlage umfassender Allianzen zwischen (wie bei den Athabasken und Tsimshian sogar ethnisch und sprachlich) verschiedenen Völkern wurden (siehe Frauentausch). Für diese Völker war nicht die sprachliche oder ethnische Abstammung vom Bedeutung, sondern die Zugehörigkeit zum Clan der Mutter. Da alle Stämme glaubten, die Clans seien untereinander verwandt, konnten sie in Not- oder Kriegszeiten auch auf Hilfe von Clanmitgliedern benachbarter Stämmen setzen. Die Mitglieder eines Clans betrachteten sich somit als Blutsverwandte mit einer gemeinsamen Stammmutter bzw. Ahnen.

So hatten z.B. die zu den Nördlichen Athabasken zählenden Wet’suwet’en, Babine und Dakelh das Clansystem der benachbarten Tsimshian-sprachigen Gitxsan, Nisga’a und Tsimshian übernommen und unterteilten sich ebenfalls in mehrere Clans; die Wet’suwet’en: Gilseyhu (Großer Frosch Clan), Laksilyu (Kleiner Frosch Clan), Gitdumden (Wolf / Bären Clan), Laksamshu (Fireweed Clan), Tsayu (Biber Clan), die Babine: Likh c’ibu (Bären Clan), Likh tsa mis xu (Biber Clan), Jilh tsekh xu (Frosch Clan) und Gilanton (Karibu Clan) sowie die Dakelh: Likh ji bu (Bären Clan), Gilhanten (Karibu Clan), Jihl tse yu (Frosch Clan) und Likh sta Mis yu (Biber Clan).

Der dritte soziale Grundsatz war Individualität. Jeder konnte seine Band-Zugehörigkeit frei wählen, sofern es dort Verwandte gab. Dieses Prinzip verhinderte unter anderem Streitigkeiten und sorgte für den Zusammenhalt der Band.

Trotz dieser Prinzipien, die eine völlige Isolation der Lokalgruppen verhinderte, bildeten sich überall abweichende Gewohnheiten, Bräuche, Dialekte und Überzeugungen heraus. So betrachteten sich die Athabasken nie als ein Volk, höchstens als verwandte Ethnien.[11]

Glaube[Bearbeiten]

James Teit, Medizinmann der Tahltan-Athabasken, ca. 1932

Die ursprüngliche Religion der Athabasken war animistisch: der Glaube, das alle Lebewesen und auch einige unbelebte Naturobjekte beseelt, bzw. von Geistern (Yega) bewohnt sind. Diese Yegas galten als sehr mächtig und mussten durch korrektes Verhalten (z. B. bei der Jagd) und Opfergaben wohl gestimmt werden. Prinzipiell wurden Tiere rituell verehrt. Verstöße gegen die Sitten hatten möglicherweise die Rache der Geister zur Folge, die sich in Krankheiten, Not und Elend äußern konnte. In solchen Fällen wurden bestimmte Beschwichtigungszeremonien durchgeführt. Half das nichts, musste ein Medizinmann oder eine Medizinfrau zu Rate gezogen, um die Geister zu beschwören und zu besänftigen.[3][1]

Offiziell sind fast alle Athabasken heute Christen. In Alaska fand die Missionierung bereits durch die Russen statt, so dass die dortigen Indianer in der Regel orthodoxe Christen sind.[12][13] In Kanada begann die Christianisierung in der Pelzhandelszeit, unter anderem auch, um den Handel für die Europäer abzusichern. Aufgrund der extrem dünn besiedelten Wohngebiete der Athabasken erreichten die Missionare die Menschen nur sporadisch, so dass die religiöse Praxis bis heute noch mehr oder weniger viele Elemente des traditionellen Glaubens enthält (siehe auch: Synkretismus).

Erforschung und Aufzeichnung[Bearbeiten]

Beaver-Athabasken vor ihrem Tipi

Die Geschichte der Athabasken ist wenig bekannt, da erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts ernsthafte Versuche gemacht wurden, sie zu erforschen. Noch mehr gilt dies für die an archäologischen Funden arme Vorgeschichte ihres Siedlungsgebiets, die erst seit den 1970er Jahren allmählich erhellt wird.[14] Seit ca. 1000 v.Chr. sind die Athabasken im Einzugsgebiet des Mackenzie River nachweisbar. Ihnen voraus (seit etwa 3000 / 2000 v.Chr.?) geht der archäologische Tayee Lake-Komplex im Süden Yukons.[15]

Um 1770 stießen Pelzhändler zum Lake Athabasca vor, wo sie mit Gruppen der Athabasken in Verbindung traten, u.a. mit den Beaver, Slave, Dogrib und Gwich'in.

Im Jahre 1908 reiste der Anthropologe Robert Lowie nach Kanada, um die Lebensweise der Chipewyan zu erforschen und eventuell deren Geschichte zu rekonstruieren. Signifikant ist, dass Lowie nicht in der Lage war, mehr als nur Legenden herauszufinden. Im Nachhinein sagte Lowie: „Wissenschaftlich gesehen, war es der unfruchtbarste Forschungstrip meiner Karriere.“

Heutige Situation[Bearbeiten]

Kinder der Sarcee-Athabasken bei einer Parade. Die Sarcee waren historisch das nördlichste Volk der Präriekulturen

Athabasken leben heute weniger in Reservaten, sondern meist in Städten. Dennoch gibt es immer noch zahlreiche abgelegene Dörfer mit vorwiegend athabaskischen Einwohnern. Subsistenzorientierte Jagd und Sammelwirtschaft sowie die kommerzielle Pelztierjagd spielen dort bei manchen Gruppen immer noch eine wichtige Rolle.[16]

Athabasken haben als Indianer das Privileg einer freien Sozialversicherung sowie eigene Vertretungen, sogenannte Native Corporations, die eingeschränkt eigene Gesetze erlassen können. Dies hat zur Folge, dass manche Native Corporations das Glücksspiel legalisiert haben, obwohl es in dem Staat, in dem sie sich befinden, verboten ist. Dies und die Tatsache, dass sich zahlreiche erdölreiche Ländereien im Besitz von Native Corporations befinden, hat manchen zu Wohlstand verholfen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hunters of the Northern Forest. Time-Life, Alexandria (Virginia, USA) 1995, ISBN 0-8094-9570-8.
  • Der große Bildatlas Indianer. aus dem Engl. übers. von Werner Petermann, Orbis, München 1995, ISBN 3-572-00770-4. (engl. Originalausgabe: Colin F. Taylor, William C. Sturtevant: The Native Americans. Salamander Books, London, ISBN 0-86101-523-1)
  • Wendell H. Oswalt: This Land was Theirs. A Study of the North American Indian. 2. Auflage. Wiley, New York u. a. 1973, ISBN 0-471-65717-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Willi Stegner (Hrsg.): TaschenAtlas Völker und Sprachen. 1. Auflage. Klett-Perthes, Gotha 2006, ISBN 3-12-828123-8, S. 219.
  2. a b Hartmut Motz: Sprachen und Völker der Erde – Linguistisch-ethnographisches Lexikon. 1. Auflage. Band 2, Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2007, ISBN 978-3-86634-368-9. S. Motz.
  3. a b c d Introduction to Athabascans (Dené). Alaska Native Knowledge Network, University of Alaska, Fairbanks (USA), abgerufen am 18. April 2015.
  4. Werner Petermann (Übersetzer): Der große Bildatlas Indianer (engl. Originalausgabe: The Native Americans. Salamander Books, London). Orbis, München 1995, ISBN 3-572-00770-4, S. 182–191.
  5. Krauss und Golla 1981 und Mithun 1999
  6. Edward S. Curtis: The North American Indian, Bd. 18: The Chipewyan. The Western woods Cree. The Sarsi, Classic Books Company 1928, S. 3.
  7. Northern Tutchone Dictionary - Introduction
  8. die Handelsmonopole der Chilkat Tlingit (Jilḵáat Ḵwáan) durch den Chilkoot Pass sowie der White Pass (Dead Horse Trail) wurden 1870 durch die US-Armee und 1890 durch den Chilkat Pass durch amerikanische Händler - bis dahin hatten die Tlingit mitunter auch mit militärischer Gewalt jeweils direkte Handelskontakte zwischen den Athabasken und den Europäern an der Nordwestküste verhindert; sie untersagten ihren athabaskischen Handelspartnern - den trading chiefs - zur Küste zum Handeln zu kommen.
  9. Stimmen der Erde. Raben, BMAG (Hg.) Big Mountain Aktionsgruppe e.V.: München 1993, S. 42.
  10. die Innu und Naskapi sowie Cree der Subarktis nutzten ebenfalls den Toboggan – einen von Hunden oder dem Jäger gezogenen kufenlosen Schlitten – als Transportmittel.
  11. Phyllis Ann Fast: Northern Athabascan Survival. University of Nebraska Press, 2002, S. 3 ff.
  12.  Jörg R. Mettke: Russlands Kolonie in Amerika. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2004, S. 90–93 (online).
  13. Uwe Klußmann: Für eine Handvoll Dollar. In: Spiegel Geschichte. 1/2012, S. 99.
  14. Siehe die Datierungsversuche von J. P. Cook, R. A. McKennan, „The Athapaskan Tradition: A View from Healy Lake.” Paper presented to Athapaskan Conference, Museum of Man, Ottawa, March 1971.
  15. Handbook of North American Indians, Smithsonian Institute Washington DC, 1978–2001, ISBN 0-16-050400-7, vol. 5: Arctic. S. 133ff.
  16. Barry M. Pritzker: A Native American Encyclopedia. History, Culture and Peoples. Oxford University Press, New York 2000, ISBN 0-19-513877-5, S. 491, 495.