Athenaios

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem antiken Rhetor und Grammatiker Athenaios. Für weitere Bedeutungen siehe Athenaios (Begriffsklärung)

Athenaios (griechisch Ἀθήναιος Nαυκράτιος Athḗnaios Naukrátios, lateinisch Athenaeus Naucratita, selten Naucratitus; Ende des 2./Anfang des 3. Jahrhunderts) war ein griechischer Rhetor und Grammatiker aus Naukratis in Ägypten. Athenaios lebte anfangs in Alexandria, später in der Hauptstadt Rom.

Werk[Bearbeiten]

Athenaios soll ein Werk Über die syrischen Könige verfasst haben, das nicht erhalten ist (Die Fragmente der griechischen Historiker Nr. 166). Sein Hauptwerk sind jedoch die Deipnosophistai (griechisch Δειπνοσοφισταί; deutsch Gastmahl der Gelehrten) in ursprünglich 30 Büchern, die in der Überlieferung auf 15 verkürzt sind, von denen die ersten drei nur in Auszügen erhalten sind. Nach dem literarischen Vorbild von Platons Symposion berichtet Athenaios seinem Freund Timokrates über die Teilnahme an einem mehrtägigen Gastmahl in Rom. Der Gastgeber Publius Livius Larensis und seine insgesamt 29 Gäste behandeln in Form von Tischgesprächen die altgriechischen Sitten und Gebräuche, das Alltagsleben, die politische Geschichte, zeitgenössische Kunst (unter anderem die attische Komödie) und Wissenschaft, weniger jedoch die Philosophie, der Athenaios nicht sehr zugeneigt war. Dabei werden über 700 antike Autoren zitiert, wobei die meisten davon ohne die Zitierung bei Athenaios sonst unbekannt wären. Es ist allerdings nicht immer klar, ob Athenaios die entsprechenden Werke selbst gelesen hat oder ob er teilweise aus Zwischenquellen geschöpft hat. Die Sammlung von Zitaten ist jedenfalls gerade aufgrund des Verlusts zahlreicher dieser Werke von großem Wert.[1]

Die Teilnehmer des Gastmahls sind teilweise an reale Persönlichkeiten angelehnt, wie der Gastgeber. Bei anderen Personen spielen fiktive Elemente mit hinein. Die im Werk geäußerte Kritik an Kaiser Commodus lässt vermuten, dass das Werk nach 192 entstanden ist.

Die Überlieferung stützt sich in erster Linie auf einen 1423 aus Konstantinopel nach Italien gebrachten Codex. 1514 erschien bei Aldus Manutius eine von Marcus Musurus herausgegebene Ausgabe im Druck, die 2012 einen Verkaufspreis von 45.000 Schweizer Franken erzielte.[2]

Die Standardausgabe des Textes ist die von Georg Kaibel herausgegebene. Bei der Zitierung wird meist die auf die Ausgabe von Isaac Casaubon zurückgehende Seitenzählung verwendet, die durch eine Kleinbuchstaben verwendende Abschnittszählung ergänzt wird. Der vollständige Text ist in nur einem einzigen Manuskript (A) erhalten, die Auszüge sind in zwei Manuskripten (C und E) erhalten.

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David C. Braund, John Wilkins (Hrsg.): Athenaeus And His World. Reading Greek Culture in the Roman Empire. University of Exeter Press, Exeter 2000, ISBN 0-85989-661-7.
  • Françoise Caujolle-Zaslawsky: Athénaios de Naucratis (Athénée). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 1, CNRS, Paris 1989, ISBN 2-222-04042-6, S. 644–648

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Athenaios – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. einführend Ewen Bowie: Athenaios [3]. In: Der Neue Pauly. Bd. 2 (1997), Sp. 196–199.
  2. Antiquariat Hellmut Schumann Zürich: Fine and rare books catalogue 600, S. 8-9.