Atikamekw

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Die Atikamekw (auch Atihkamekw, Attikamekw, Attikamek oder Atikamek; sprich: Ah-dik-ah-meck; wörtlich: „(Volk der) Heringsmaräne“) sind eine First Nation, die im Südwesten der kanadischen Provinz Québec leben. Ihr traditionelles Stammesgebiet, das sie Nitaskinan („Unser Land“) nennen, lag und liegt im oberen Tal des Rivière Saint-Maurice ca. 300 km nördlich von Montreal. Die französischen Kolonisten übernahmen den Stammesnamen in ihrer Sprache als Têtes-de-Boule („Kugelköpfe“ oder „Rundköpfe“, womit sie ebenfalls die Fischsorte bezeichneten) und die Briten ebenso als whitefish people.[1], sie selbst bezeichnen sich als Nehiraw bzw. Nehirowisiw („Mensch“; Plural: Nehirowisiwok - „Volk“).

Die Atikamekw zählen heute ca. 7.500 Menschen. Ihre Traditionen liegen im Fischen, Jagen und Sammeln.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Sprache, das Atikamekw bzw. das Nehiromowin oder Nehirâmowin, gehört zur algonkischen Sprachfamilie und zählt hierbei zum Dialektkontinuum der Cree-Sprachen (Cree–Montagnais–Naskapi); es unterteilt sich in zwei Dialekte: Manawan-Wemotaci und Opitciwan.[2] Atikamekw bzw. Nehiromowin/Nehirâmowin nutzt zudem nur das lateinische Alphabet im Gegensatz zu anderen Cree-Sprachen, die die Silbenschrift der Cree nutzen, um ihre Sprache niederzuschreiben. Eine Besonderheit des Atikamekw ist der r-Laut, der innerhalb der Algonkin-Sprachen nur im Atikamekw vorkommt.[3] Zudem weist ihre Sprache auffällig viele Lehnwörter aus Anishinaabemowin / Ojibwemowin, der Sprache der Anishinabeg auf.

Die Muttersprache von 97 % der Atikamekw ist bis heute ihre indigene Sprache.[4][5][6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Franzosen in die Region kamen, wurden die Atikamekw zunehmend abhängig von den französischen Waren und Handelsgütern im Pelzhandel. Sie wurden allgemein als friedliches Volk betrachtet, teilten die Region mit den Innu („Montagnais“)[7] im Osten, den James Bay Cree im Norden und den Algonkin im Südosten. Jedoch hatten sie Konflikte mit den Mohawk, die sich noch durch die Rivalität um die Ressourcen und Pelze verschärften, sowie mit den Inuit im Norden, die sie zusammen mit den Innu bekämpften.

Die Atikamekw wurden zusammen mit ihren traditionellen Verbündeten, den Innu und Maliseet, von den Franzosen in Handelskriege gegen die Irokesen-Liga und Mi'kmaq hineingezogen. Immer wieder waren während der Biberkriege (1640–1701) die Irokesen in ihre Gebiete eingefallen, und hatten Frauen und Krieger in die Sklaverei entführt, als auch ihre Jagdgründe auf der Suche nach mehr Pelzen ausgeplündert. Zudem brach unter den Atikamekw eine verheerende Pockenepidemie (1670–1680) aus, die durch ihre Verbündeten, die Innu, eingeschleppt worden war. Da diese Auseinandersetzungen seitens der Irokesen mit bisher nicht gekannter Brutalität geführt wurden, töteten die Irokesen viele der geschwächten Überlebenden, so dass nur noch wenige Atikamekw die Epidemien und Kriege überlebten.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Atikamekw sind traditionell Jäger, Fischer und Sammler und gehen diesen Aktivitäten auch heute nach. Außerdem gelten sie als Rindenvolk, da sie nicht nur Körbe und andere Gefäße aus der Rinde der Papier-Birke herstellen, sondern bis heute auch Kanus aus dieser Birkenrinde herstellen. Auch das Wissen über die traditionelle Herstellung anderer Güter, wie Mokassins, Schneeschuhe und Ahornzucker, konnten sich die Atikamekw bewahren.[8]

Die Kultur, Traditionen und das Leben der Atikamekw werden von den sechs Jahreszeiten bestimmt: Vorfrühling, Frühling, Sommer, Herbst, Vorwinter und Winter.[9] Nach diesen Jahreszeiten richten sich die Aktivitäten und die Wanderungen auf dem Territorium. Wie auch andere indianische Völker respektieren die Atikamekw die Umwelt und die natürliche und lebendige Energie, die von ihr ausgeht: Das Feuer (den Donner), den Wind, die Luft und das Wasser. Diese Energien werden zum Beispiel bei der Jagd genutzt.[10]

Heutige First Nations der Atikamekw[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atikamekw Sipi – Conseil de la Nation Atikamekw[11]

  • Les Atikamekw de Manawan (Verwaltungssitz und Siedlung) ist Manawan („Ort, an dem Möweneier gesammelt werden“) im Reservat Communauté Atikamekw de Manawan (bis 1991 Manouane genannt) am südwestlichen Ufer des Sees Métabeskéga, ca. 115 km nordöstlich von Mont-Laurier, 86 km nördlich von Saint-Michel-des-Saints und 120 km westlich von La Tuque, der Name leitet sich vom Rivière Manouane ab, der hier seine Quelle hat, ca. 8 km², Population: 2.800 (2015)[12][13]
  • Atikamekw d'Opitciwan (Verwaltungssitz und Siedlung) ist Opitciwan („Meerengen-Strömung“) im gleichnamigen Reservat Obedjiwan 28, ca. 9 km², liegt 193 km östlich von Roberval, 1918 mussten die Atikamekw die Siedlung Kikentatc aufgrund von Überschwemmungen verlassen und nach Opitciwan umsiedeln, einer Gemeinde, die 1944 offiziell entstand und durch ein Netz von Forststraßen verbunden ist, Population: 2.800 (2015)[14][15]
  • Conseil des Atikamekw de Wemotaci (Verwaltungssitz und Hauptsiedlung) ist Wemotaci („der Berg, von dem wir Ausschau halten“) und befindet sich im Reservat Communauté de Wemotaci (bis 1997 Weymontachie 23), ca. 100 km nordwestlich von La Tuque, am Nordufer des Rivière Saint-Maurice an der Mündung des Rivière Manouane gelegen, es ist eine Enklave innerhalb der Stadt La Tuque. Das zweite Reservat, Coucoucache 24A, abgeleitet von kôkôkachi („Eule“), ebenfalls am Nordufer des Rivière Saint-Maurice sowie des Blanc-Stausees gelegen, ca. 53 km nordwestlich von La Tuque, ist unbewohnt, ca. 32 km², Population: 1.900 (2015)[16][17]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die englische Bezeichnung „whitefish“ steht für Felchen oder Maräne (Coregonus) und hat nichts mit den Weißfischen zu tun, die zu den Karpfenfischen gehören.
  2. Bonnie Dinnison / Coocoo Marthe / Lucien Ottawa / Cécile Mattawa / Robert Sarrasin: Guide orthographique de la langue atikamekw. Atikamekw Sipi, La Tuque 1997, 2. Aufl., S. 3
  3. Sprache. In: www.voyageamerindiens.com. Abgerufen am 29. Dezember 2015.
  4. Profils des Premières nations. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  5. Profils des Premières nations. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  6. Profils des Premières nations. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  7. Die Innu dürfen hierbei aber nicht mit den Inuit oder Inupiaq-Inuktitut verwechselt werden
  8. Kunsthandwerk. In: www.voyageamerindiens.com. Abgerufen am 29. Dezember 2015.
  9. Jahreszeiten. In: www.voyageamerindiens.com. Abgerufen am 29. Dezember 2015.
  10. Territorium. In: www.voyageamerindiens.com. Abgerufen am 29. Dezember 2015.
  11. Conseil de la Nation Atikamekw. In: www.atikamekwsipi.com. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  12. Manawan - erreur. In: www.manawan.com. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  13. Profils des Premières nations. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  14. Kwei! Bienvenue! In: www.opitciwan.ca. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  15. Profils des Premières nations. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  16. Wemotaci. In: www.wemotaci.com. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).
  17. Profils des Premières nations. Abgerufen am 29. Dezember 2015 (französisch).