Atlantikfestung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Atlantikfestungen waren wichtige Küstenstädte in Frankreich, welche im Zweiten Weltkrieg im Januar 1944 – vor der Invasion der Alliierten am 6. Juni 1944 – von Hitler zu Festungen erklärt wurden. Hitler ernannte im Januar 1944 alle wichtigen Hafenstädte im Westen – nicht nur am Atlantik – zur "Festung". Dabei war es egal, ob eine solche Festungsanlage in deutscher Gewalt war oder nicht.

Es war eine von Hitler entwickelte 'fixe Idee', man könne den Vormarsch eines Gegners stoppen oder verlangsamen, indem man einen Verkehrsknotenpunkt zur 'Festung' – Fachbegriff Fester Platz – erklärte. Er erhoffte sich auch propagandistische Vorteile (Kampfmoral stärken u.ä.).

In OKW-Befehlen von Februar 1944 zur Verteidigung von Festungen wurde befohlen, 'bis zum letzten Mann', oder "bis zur letzten Patrone!" zu kämpfen und keinesfalls zu kapitulieren (Haltebefehl).

Die Festungen wurden einerseits verteidigt, um den im Atlantik eingesetzten U-Booten Operationsfreiheit zu gewährleisten, und andererseits, um die Alliierten daran zu hindern, die häufig gut ausgebauten Häfen für Nachschublieferungen zu nutzen. Die Alliierten nutzten stattdessen zunächst zwei transportable Häfen ("Mulberry").

Einige 'Atlantikfestungen' kapitulierten erst nach der Bedingungslosen Gesamtkapitulation der Wehrmacht.

Die Atlantikfestungen[Bearbeiten]

La Rochelle[Bearbeiten]

Die Festung La Rochelle hielt bis zur Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Die Festungstruppen bildeten sich aus Teilen der 265. Infanterie-Division.

Saint-Nazaire[Bearbeiten]

Die Festung Saint-Nazaire wurde ebenfalls von Teilen der 265. Infanterie-Division unter Generalleutnant Hans Junck gehalten. Die Kapitulation erfolgte erst am 11. Mai 1945, dadurch war Saint-Nazaire die letzte befreite Stadt Frankreichs.[1]

Lorient[Bearbeiten]

Die Festung Lorient (frz. "Poche de Lorient") ergab sich erst zwei Tage nach der Kapitulation der Wehrmacht am 10. Mai 1945. Festungstruppen waren Teile des XXV. Armeekorps.

Calais[Bearbeiten]

Die Festung Calais wurde bis zum 1. Oktober 1944 verteidigt. Dies geschah durch Teile der 226. Infanterie-Division.

Dünkirchen[Bearbeiten]

Die Festung Dünkirchen wurde von der 226. Infanterie-Division gehalten und erst am 9. Mai 1945 den Alliierten übergeben.

Boulogne[Bearbeiten]

Die Festung Boulogne kapitulierte am 23. September 1944.

Royan[Bearbeiten]

Die Festung Royan wurde im April 1945 von alliierten Truppen eingenommen. Letzte Kampfhandlungen gab es am 14. April 1945.

Le Verdon[Bearbeiten]

Auch Le Verdon fiel im April 1945.

Die Kanalinseln[Bearbeiten]

Die Kanalinseln blieben bis zur Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 besetzt. Die 319. Infanterie-Division war hier stationiert.

Cherbourg[Bearbeiten]

Die Festung Cherbourg kapitulierte am 26. Juni 1944, letzte Kämpfe dauerten bis zum 29. Juni an. Die 709. Infanterie-Division war hier stationiert.

Brest[Bearbeiten]

In Brest gab es eine riesige U-Boot-Reparaturwerft: Ihr Bunker hatte zehn Trockendocks für jeweils ein U-Boot sowie fünf Nassboxen mit Becken für je maximal drei U-Boote. Der Bunker hatte eine Breite von rund 330 Metern, eine Länge von 190 Metern und eine Höhe von 17 Metern. Die Decken hatten anfangs eine Dicke von 4, später von 6 Metern. Nach dem Durchbruch der alliierten Truppen bei Avranches – am 31. Juli 1944 gelang General George S. Patton der Avranches-Durchbruch – wurde Brest abgeschnitten und zur Festung erklärt. Der Stützpunkt kapitulierte nach 43-tägiger Belagerung am 18. September 1944 (Kommandant Hermann-Bernhard Ramcke).[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lars Hellwinkel: Hitlers Tor zum Atlantik: Die deutschen Kriegsmarinestützpunkte in Frankreich 1940-1945 . Ch. Links Verlag, 2012, S. 174, ISN 978-3-86153672-7
  2. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, Oldenbourg Verlag 2007, S. 486. Propagandaminister Joseph Goebbels äußerte sich enttäuscht, dass Ramcke "so wenig Gefühl für Unsterblichkeit besitzt" und nicht Suizid beging. Ramcke ging am 20. September 1944 in amerikanische Gefangenschaft.