Atlantischer Dreieckshandel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dreieckshandel: Schematische Darstellung, Beispiel 1 (Afrika, Amerika, Europa)
Dreieckshandel: Schematische Darstellung, Beispiel 2 (Afrika, Südamerika, Nordamerika, Afrika)

Der Begriff atlantischer Dreieckshandel bezeichnet ein Erklärungsmodell für den über den Atlantischen Ozean betriebenen Warenhandel zwischen Europa, Afrika und Amerika in der Frühen Neuzeit.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff des „Dreieckshandels“ wird auch kritisch betrachtet, denn „[a]ngemessen und neutral ist dieser Terminus [..] nicht: Zum einen reiht er [..] [versklavte Personen] in eine Verwertungkette mit anderen Waren ein und bedient damit nicht nur die verachtende Logik der Kommodifizierung von Menschen, sondern verschleiert zugleich die prozessualen Ausmaße von Versklavung und deren rassistische Grundlage.“[1]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beginn des Dreieckhandels war am Ende des 17. Jahrhunderts, Anfang des 19. Jahrhunderts endet er.[Anm. 1]. Idealtypisch geht das Modell von drei Stationen des Handels aus, die eine geschlossene Kette bildeten:

Von Europa aus fuhren (im Oktober) die mit Feuerwaffen, Stahl- und Bronzebarren, grobem Tuch, Glasperlen und Manufakturwaren beladenen Schiffe an die westafrikanische Küste (Küstenabschnitt zwischen dem heutigen Kamerun und Liberia), wo die Ladung gegen Sklaven eingetauscht wurde. Die Sklaven wurden auf Sklavenmärkten von lokalen Händlern gekauft.

Danach (ab etwa Anfang Dezember) steuerten die Schiffe die Karibik an, wo vom Erlös der Sklaven landwirtschaftliche Erzeugnisse wie grober Rohrzucker, Rum und Melasse sowie Baumwolle erworben wurden.

Ab April segelten die Schiffe überwiegend mit Zuckerprodukten beladen in ihre Heimathäfen zurück, um die Ladung auf dem europäischen Markt gewinnbringend zu verkaufen. Die Schiffe kamen im europäischen Frühsommer zu Hause an.

Fahrten im Dreieckshandel dauerten (je nach Gebiet) bis zu über 500 Tage. Als Beispiel für die unterschiedliche Reisedauer der Sklavenschiffe kann auf die Leusden, einem Schiff der Niederländischen Westindien-Kompanie hingewiesen werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Handel waren portugiesische, französische, niederländische, deutsche und englische Handelskompanien beteiligt, vor allem aber die englische Royal African Company, die den verschiedenen Kolonien Sklaven verkaufte. Auch die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie war aktiv am Handel mit Sklaven beteiligt.

Tatsächlich lief ein wesentlich geringer Teil der europäischen Afrikafahrten im Rahmen des Dreieckshandels ab. Zwischen 1671 und 1807 segelten 95 Prozent der etwas über 3000 Schiffe, die von Dänemark, Norwegen und Schleswig Holstein nach Westindien gingen, auf direktem Wege in die Karibik und zurück. Von den insgesamt nur 229 bis zum Jahr 1754 unternommenen Fahrten waren noch 87 auf der Dreiecksroute verlaufen [2]. Vor 1700 war Gold und nicht Sklaven das wichtigste afrikanische Exportgut, das nach Europa gebracht wurde.


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Malte Stamm: Das Koloniale Experiment. Der Sklavenhandel Brandenburg-Preußens im transatlantischen Raum 1680-1718. Univ.-Diss., Düsseldorf 2013 (URL: http://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=26169)
  • Rosa Amelia Plumelle-Uribe: Weiße Barbarei. Vom Kolonialrassismus zur Rassenpolitik der Nazis. Rotpunktverlag, Zürich 2004, ISBN 3-85869-273-5
  • Christian Degn: Die Schimmelmanns im atlantischen Dreieckshandel. Gewinn und Gewissen. 3. unveränderte Auflage. Wachholtz, Neumünster 2000, ISBN 3-529-06148-4
  • Eberhard Schmitt (Hrsg.): Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion. Band 4: Piet C. Emmer (Hrsg.): Wirtschaft und Handel der Kolonialreiche. Beck, München 1988, ISBN 3-406-30661-6
  • Armin Fischer: Die Sklaventransporter. Das Dreiecksgeschäft zwischen Europa, Afrika und Amerika mit Zucker und Sklaven. In: Mare. Die Zeitschrift der Meere. 1, 1997, ISSN 1432-928X, S. 84–88

Französischsprachig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Raymond-Marin Lemesle: Le commerce colonial triangulaire. (XVIIIe – XIXe siècles). Presses universitaires de France, Paris 1998, ISBN 2-13-049340-8 (Que sais-je ? 3393)
  • Olivier Pétré-Grenouilleau: La traite des noirs. 2. édition corrige. Presses universitaires de France, Paris 1998, ISBN 2-13-048415-8 (Que sais-je ? 3248)
  • Jean Meyer: Esclaves et Négriers. Gallimard-Découvertes, Paris 1998, ISBN 2-07-053018-3 (Découvertes Gallimard. Histoire 11)

Englischsprachig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1807 beendete England durch ein Verbot den Sklavenhandel. Sklaverei war jedoch noch erlaubt und wurde in verschiedenen Ländern Amerikas offiziell praktiziert, bis Brasilien 1888 als letzter amerikanischer Staat mit der Lei Áurea auch dies verbot.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atlantischer Dreieckshandel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ofuatey-Alazard, Nadja (2015): Die europäische Versklavung afrikanischer Menschen, in: Arndt, Susan/Ofuatey-Alazard, Nadja (Hg.), Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutscher Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, Münster: Unrast Verlag, 2. Aufl., S.103-113// S. 112.)
  2. Bearb. v. Dieter Lohmeier: Sklaven-Zucker-Rum. Dänemark und Schleswig-Holstein im Atlantischen Dreieckshandel. Ausstellung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek vom 20. Februar bis 10. April 1994 (Schriften der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, Bd. 18), Heide/Holst. 1994.