Atlas wirft die Welt ab

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Buch. Zur Verfilmung siehe Atlas wirft die Welt ab (Film).

Atlas wirft die Welt ab oder Wer ist John Galt? (englischer Originaltitel Atlas Shrugged), ist ein 1957 erschienener Roman von Ayn Rand. Das Buch wurde im Jahr 2012 unter dem Titel Der Streik neu aufgelegt.

Der Roman erzählt die Geschichte von Dagny Taggart, Erbin einer transkontinentalen Eisenbahnlinie, die das rätselhafte Verschwinden erfolgreicher Großindustrieller zu verhindern versucht. Der eigentliche Inhalt des Romans ist Rands Entwicklung ihrer Philosophie des Objektivismus, die den Verstand zum Maß aller Dinge erklärt, Egoismus als Tugend versteht und sich für strikten Laissez-faire-Kapitalismus einsetzt. Die Frage „Wer ist John Galt?“ durchzieht den Roman als Leitmotiv und wird von den Romanfiguren immer dann gestellt, wenn es auf andere Fragen scheinbar keine Antworten gibt und die Situation hoffnungslos ist. Der Titel, wörtlich übersetzt „Atlas zuckte mit den Schultern“, ist eine Anspielung auf den griechisch mythologischen Titanen Atlas, der das Himmelsgewölbe auf den Schultern trägt – Rand stellt hier die Frage, was passieren würde, wenn die tragenden Menschen der Gesellschaft plötzlich verschwinden würden.

Rands Roman gilt in den Vereinigten Staaten als eines der einflussreichsten politischen Bücher des 20. Jahrhunderts.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Der Roman spielt in den Vereinigten Staaten der 1950er Jahre, setzt sich jedoch zunehmend durch politische Entwicklungen und Science-Fiction-Elemente von der Realität ab. Die Hauptperson des Romans ist Dagny Taggart, Erbin und Vizepräsidentin der Eisenbahngesellschaft Taggart Transcontinental. Zur Rettung der finanziell angeschlagenen Eisenbahn baut Dagny aus dem futuristischen Rearden-Metall die neue John-Galt-Linie zu den Ölfeldern von Ellis Wyatt und beginnt dabei eine Affäre mit dem seelenverwandten Stahlindustriellen Hank Rearden. Kurz darauf treibt der Besuch eines Unbekannten Wyatt dazu, seine Ölfelder niederzubrennen und spurlos zu verschwinden. Dagny entwickelt daraufhin die Theorie eines „Zerstörers“, der Unternehmer zum Aufgeben überredet, und will diesen ihrer Ansicht nach schlimmsten Feind der Menschheit zur Strecke bringen.

Währenddessen arbeitet Dagnys Bruder und Widersacher James Taggart unter dem Deckmantel sozialer Verantwortung daran, Unternehmer zu enteignen und einen sozialistischen Volksstaat einzuführen. Als die politische Situation unerträglich wird, macht sich Dagny auf die Suche nach dem Erfinder eines genialen atmosphärischen Motors, dessen Experimentalprototyp sie in der verwilderten Fabrik der Twentieth Century Motor Company gefunden hat. Durch diese Suche kommt sie einem rätselhaften Dreigestirn auf die Spur, bestehend aus ihrer Jugendliebe, dem Kupferindustriellen Francisco d'Anconia, dem Piraten Ragnar Danneskjöld und einem unbekannten Dritten, allesamt ehemalige Schüler des Philosophen Hugh Akston, die mit dem Verschwinden der Unternehmer in Verbindung stehen.

Bedeutung[Bearbeiten]

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Auf der Grundlage der fiktiven Handlung entfaltet Rand in dem Roman ihre Philosophie des Objektivismus. Rand versucht, durch die übertriebene Kontrastierung ihrer Figuren die Vorzüge des Objektivismus und die Nachteile anderer Überzeugungen darzulegen. Dabei stehen kluge, ehrliche, schöne und erfolgreiche Vertreter des Objektivismus wie Hank Rearden, Francisco d'Anconia und schließlich John Galt entscheidungsschwachen, verlogenen, hässlichen und erfolglosen Vertretern anderer Überzeugungen wie James Taggart, Reardens Ehefrau Lillian und den „Jungs in Washington“ gegenüber. Rand sieht bei dieser Kontrastierung auf der einen Seite die aufbauenden „Schaffenden“ und auf der anderen die zerstörerischen „Plünderer“. Über die Figur von Dagny versucht Rand darzulegen, dass der Weg einer noch unentschlossenen aber selbstbewussten Persönlichkeit zwangsläufig zum Objektivismus führt.

Nach dem Objektivismus sind Egoismus, Erfindergeist und Tüchtigkeit die höchsten Tugenden. Eigennützig produzierende Großindustrielle, die diese Tugenden in höchstem Maße in sich vereinigen, sind demzufolge der „Motor der Welt“, und Rand führt aus, dass das Anhalten dieses Motors zum Ende der Zivilisation führt. Aus objektivistischer Sicht sind alle staatlichen Eingriffe unmoralisch, denn sie behindern nicht nur die freie Entfaltung der Menschen, sondern sie verschlechtern auch die Versorgung der Bevölkerung mit Ressourcen, Gütern und Dienstleistungen (einschließlich Bildung und medizinischer Versorgung), deshalb ist strikter Laissez-faire-Kapitalismus die einzig legitime Staatsform.

Selbstlosigkeit, die traditionell als Tugend gilt, ist nach Rands Analyse eine der Kernursachen für das Scheitern anderer Systeme wie Sozialismus und Kommunismus. Jeder Akt selbstloser Hilfe belohnt nach Rand Bedürftigkeit statt Fähigkeit, und erzieht die Menschen dazu, faul zu sein und grundlos zu fordern, statt ihre Probleme durch Arbeit selbst zu lösen. Dies legt sie am Beispiel der Twentieth Century Motor Company dar, in der die Mitarbeiter nach Bedürftigkeit statt Fähigkeit bezahlt werden, und die sich daraufhin zu einem „wahren Horror“ entwickelt, in dem die Arbeitenden sich für die Faulen zu Tode schuften und alle einander hassen. Die objektivistische Lösung wird gegen Ende des Romans in einem Schwur zusammengefasst: „Ich schwöre, dass ich niemals zum Wohl eines Anderen leben werde und niemals von einem Anderen verlangen werde, für mein Wohl zu leben.“

Selbst die Liebe ist nach Rand alles andere als selbstlos, sondern rational begründeter Eigennutz. Der Liebende „erkauft“ sich nicht nur sexuelle, sondern auch geistige Befriedigung, indem er stets einen Partner sucht, der seiner selbst würdig ist. So fliegt Dagny Taggarts Herz denn auch immer dem Mann zu, dessen Verstand sie gerade am meisten schätzt, und der Liebesakt kommt bei ihr stets einer Inbesitznahme des Körpers des anderen gleich. Den Höhepunkt der Argumentation bildet James Taggart, der seiner strebsamen Ehefrau Cherryl nicht vermitteln kann, dass er nicht „für“ etwas, sondern „einfach nur wegen seiner selbst“ geliebt werden möchte – Cherryl kann nicht begreifen, was denn James' Selbst sein soll, wenn nicht sein Körper, Verstand, Erfolg, Worte und Taten, und bringt sich darüber selbst um.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Gefügigmachung durch Schuld oder Mitleid. So reden Hank Reardens Familie und Ehefrau ihm wegen seines seelenlosen Egoismus' und der totalen Hingabe an seine Stahlfabrik beständig ein schlechtes Gewissen ein, fahren aber gleichzeitig gierig die Früchte dieser angeblichen Unarten ein; erst als Rearden seinen Egoismus als Tugend akzeptiert, entkommt er dieser Schuldfalle und erkennt darin den Grund, warum er nicht glücklich war. In Rands Roman kontrollieren die Fähigen den geschäftlichen Verhaltenskodex, die Unfähigen jedoch den moralischen – da man jedoch nicht den Klugen die Wahl des Weges und den Dummen die Wahl des Ziels überlassen könne, fordert sie, auch die Moralvorstellungen dem Objektivismus zu unterwerfen.

Rand führt in ihrem Roman auch einige Ansichten aus, die unabhängig von den Überzeugungen des Objektivismus bestehen. So stellt sie Entscheidungsschwäche als den fundamentalen Fehler dar, der Erfolg verhindert, wenn sie das Management von Taggart Transcontinental gelähmt bangen und hoffen lässt, dass Dagny Taggart die Sache schon regeln wird. Darüber hinaus stellt sie fest, dass es unmoralisch sei, eine Entscheidung, die man selbst fällen müsse, auf jemand anderen abzuwälzen, indem sie dasselbe Management die Entscheidung über Stopp oder Weiterfahrt eines Zuges von einer Hierarchieebene zur nächsten nach unten durchreichen lässt, bis schließlich ein unqualifizierter Gleisarbeiter zur Entscheidung gezwungen wird und alle Passagiere in einem Tunnel ersticken. Dagny bekommt gegen Ende den Rat, die Gründe zu bedenken, warum die Anderen ihrer Sache so sicher seien, jedoch nicht die Tatsache, dass sie sicher seien. Und Francisco d'Anconia stellt angesichts ererbten Reichtums fest, dass Geld den Menschen nicht gut mache, sondern im Gegenteil eine Bürde sei, derer man sich würdig erweisen müsse.

Verfilmung[Bearbeiten]

Unter dem Titel Die Atlas Trilogie - Wer ist John Galt? verfilmte Paul Johansson im Jahr 2010 den ersten Teil des Buchs mit Taylor Schilling (Dagny Taggart) und Grant Bowler (Hank Rearden) in Hauptrollen, wobei er selbst die Rolle des John Galt übernahm.[2] Der Film wurde am 12. Februar 2011 in Washington auf der CPAC (Conservative Political Action Conference) erstmals öffentlich gezeigt, und lief am 15. April 2011 in den US-Kinos an.

Am 12. Oktober 2012 wurde in den USA mit Atlas Shrugged: Part II ein zweiter Teil in den Kinos veröffentlicht.

Neuübersetzung[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Books That Made a Difference in Readers' Lives
  2. "Atlas Shrugged" (2011) Internet Movie Database.