Atomschach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Atomschach ist eine Schachvariante.

Atomschach ist identisch mit dem Standard-Schach mit einer Ausnahme, die das Schlagen betrifft. Während im Standard-Schach der schlagende Stein den Platz des geschlagenen einnimmt, werden im Atomschach beide Steine vom Brett genommen, weil jeder Schlagfall eine atomare Explosion auslöst. Darüber hinaus weitet sich diese auf alle benachbarten Felder aus. Jede Figur (mit Ausnahme der Bauern) auf den orthogonal oder diagonal angrenzenden Feldern wird ebenfalls vom Brett genommen, dabei wird nicht zwischen Schwarz und Weiß unterschieden. Wird z. B. von einer weißen Figur eine schwarze Figur geschlagen und auf einem angrenzenden Feld steht eine weiße Figur, wird diese ebenfalls vom Brett genommen.[1] Ein Bauer wird nur dann vom Brett genommen, wenn er am Schlagvorgang direkt beteiligt ist, also entweder die schlagende oder die geschlagene Figur ist.

Statt mit dem Mattsetzen des Königs wie im Schach wird die Atomschach-Partie meist dadurch beendet, dass eine Figur neben dem König geschlagen wird. Denn wie die anderen Figuren wird er von der Explosion getroffen. In der Regel, d. h. bei den auf den gängigen Internetplattformen Internet Chess Club und FICS gespielten Versionen, kann der König auch direkt geschlagen werden, der Begriff des Schachgebots existiert nicht explizit, da ein Angriff auf den König auch direkt mit Explodieren des gegnerischen Königs und sofortigem Gewinn beantwortet werden kann, wenn es die Stellung erlaubt.

Da das Spiel insgesamt wesentlich schneller ist, hat Weiß von Anfang an eine sehr starke Initiative. Daher ist Schwarz in den meisten Eröffnungen lange nur damit beschäftigt, die direkten Angriffe des Weißen abzuwehren. So kann er zum Beispiel schon nach dem Zug 1. Sf3 praktisch nur mit f6 oder e5 antworten. Der Anzugsvorteil des Weißen ist in dieser Hinsicht deutlich größer als im Standard-Schach. Es gibt zahlreiche Eröffnungen, die Schwarz in mehreren Situationen nur einen einzigen Zug erlauben, der die Stellung hält. Dennoch ist bisher keine Eröffnungsvariante bekannt, die Weiß bei korrektem Spiel von Schwarz einen erwiesenen Vorteil sichert und auch für den Weißspieler gibt es zahlreiche Fallstricke in der Eröffnungsphase.

Atomschach kann im Internet auf sogenannten Schachservern gespielt werden (siehe auch: Free Internet Chess Server).

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer dem beschriebenen Atomschach gibt es noch einige Varianten, etwa eine Variante, bei der für die Bauern keine Sonderregeln existieren.

Lars Döring beschreibt eine Variante, in der zwar die Bauern, aber nicht der König durch einen Schlag auf einem benachbarten Feld vernichtet werden. Der Anzugsvorteil von Weiß ist dadurch erheblich kleiner. Der König darf in dieser Variante auch selbst schlagen, wodurch die in der Umgebung stehenden Figuren vernichtet werden, er selbst aber nicht. Er darf jedoch eine gedeckte Figur nicht schlagen, auch wenn die deckende Figur durch den Schlag vernichtet würde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung des Atomschachs ist nicht genau bekannt. Die Regeln stellte Klaus Knopper 1995 für den German Internet Chess Server an der Uni Kaiserslautern zusammen. Mehrere vom Atomschach unabhängige Schachvarianten tragen ebenfalls die englische Bezeichnung Atomic Chess. Sie sind jedoch weniger verbreitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Atomschach. Auf: schachecke.de.