Atorvastatin

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Strukturformel
Struktur von Atorvastatin
Allgemeines
Freiname Atorvastatin
Andere Namen

IUPAC: (3R,5R)-7-[2-(4-Fluorphenyl)-5-isopropyl- 3-phenyl-4-(phenylcarbamoyl)pyrrol-1-yl]- 3,5-dihydroxyheptansäure

Summenformel C33H35FN2O5
CAS-Nummer
  • 134523-00-5
  • 134523-03-8 (Calciumsalz)
PubChem 60823
ATC-Code

C10AA05

DrugBank DB01076
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Statine

Wirkmechanismus

HMG-CoA-Reduktase-Inhibitor

Eigenschaften
Molare Masse 558,65 g·mol−1
Schmelzpunkt
  • 159,2–160,7 °C [1]
  • 158,3 °C (Calciumsalz)[2]
  • 190,9 °C (Magnesiumsalz)[2]
  • 197,2 °C (Calciumsalz)[2]
Löslichkeit

unlöslich in Wasser (1,12 mg·l−1 bei 25 °C)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][5]
keine Gefahrensymbole
R- und S-Sätze R: 20/21/22
S: 36/37
Toxikologische Daten

> 5000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral, Calciumsalz)[6]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Atorvastatin, ein Arzneistoff aus der Gruppe der Statine, wird zur Therapie der Hypercholesterinämie eingesetzt. Im deutschsprachigen Raum wird er unter anderem unter den Namen Sortis® und Atorvalan® sowie in vielen anderen Ländern als Lipitor® vertrieben. Erstmals wurde er 1997 von der Firma Warner-Lambert in den Handel gebracht, heute allerdings von der Firma Pfizer vertrieben. Seit Mai 2012 ist der Wirkstoff erstmals als Generikum in Deutschland erhältlich.[7]

Wirkmechanismus[Bearbeiten]

Atorvastatin ist ein kompetitiver HMG-CoA-Reduktasehemmer. Die HMG-CoA-Reduktase wirkt als Katalysator bei der Reduktion des 3-Hydroxy-3-methylglutaryl-Coenzym A (HMG-CoA) zu Mevalonat, welche einen begrenzenden Schritt in der hepatischen Cholesterinsynthese darstellt.

Durch die Absenkung der Cholesterinsynthese steigern die Leberzellen die Anzahl der LDL-Rezeptoren auf der Zelloberfläche, so dass die LDL-Aufnahme in die Leberzelle erhöht und damit der LDL-Spiegel im Blut verringert wird.

Wirkstärke[Bearbeiten]

Atorvastatin galt bis Anfang 2009 als in den eingesetzten Dosierungen stärkstes Statin auf dem deutschen Markt und ist etwa zwei- bis dreimal so stark wie Simvastatin (10 mg Atorvastatin entsprechen etwa 20–30 mg Simvastatin).[8] Stärker als Atorvastatin ist das auf dem deutschen Markt seit Januar 2009 verfügbare Rosuvastatin.[9] Ab dem 8. Mai 2012 werden zusätzlich die Wirkstärken 30 und 60 mg von Generikaunternehmen angeboten, diese ermöglichen eine individuelle Therapieeinstellung für jeden Patienten, so dass das Risiko möglicher Nebenwirkungen minimiert werden kann.[10]

Nebenwirkungen[Bearbeiten]

Atorvastatin kann u. a. Störungen des Magen-Darmtraktes (Durchfall, Verstopfung, Blähungen), Müdigkeit, Muskelschmerzen sowie Kopf- und Gelenkschmerzen verursachen.[11] Zu den schwerwiegenden, wenn auch seltenen, Nebenwirkungen gehören toxische Myopathien, die tödlich verlaufen können.[12]
Neuere Studien zeigen ein erhöhtes Diabetes mellitus-Risiko durch Statine, wenn auch das Nutzen-Risiko-Verhältnis offenbar günstig ist. [13]

Marktbedeutung/Therapievorteile[Bearbeiten]

Weltmarkt[Bearbeiten]

Atorvastatin hatte 2008 auf dem weltweiten Statinmarkt einen Marktanteil von ca. 40–50 %. 2008 erbrachte es dem Unternehmen Pfizer einen Umsatz von 12,4 Milliarden Dollar.[14] 2011 ist Atorvastatin auf Platz 1 der weltweit umsatzstärksten Medikamente, mit einem Umsatz von 12,264 Milliarden Dollar.[15]

Deutschland[Bearbeiten]

Auf dem deutschen Markt lag der Marktanteil Ende 2003 bei etwa 50 %. Anfang 2004 trat eine Gesundheitsreform in Kraft, die für alle Statine einen Festbetrag vorgab. Die Firma Pfizer beschloss, die Preise für Sortis nicht an die Festbeträge anzupassen, so dass seitdem bei der Verordnung von Sortis® eine höhere Zuzahlung für die Patienten anfiel. Begründet wurde diese Maßnahme seitens des Herstellers mit wirtschaftlichen Gründen im internationalen Zusammenhang. Infolge dieser Aktion sank nach Kassenangaben der Marktanteil der zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordneten Sortis-Packungen in Deutschland 2005 auf unter 5 Prozent. Der Marktanteil bei den privaten Krankenkassen betrug im gleichen Zeitraum über 50 Prozent.[16] Am 7. Mai 2012 lief der Patentschutz für Atorvastatin aus; seit dem 8. Mai 2012 ist der Wirkstoff damit frei für Generikaanbieter. Da laut Studie mehr als 50 % der Patienten, die sich bereits in Therapie z. B. mit Simvastatin befinden, einen nicht ausreichend gesenkten LDL- und Gesamtcholesterinspiegel besitzen, ist Atorvastatin für Kassenpatienten mit einer besseren Wirksamkeit zu einem ähnlichen Preis eine Alternative.[17]

Handelsnamen[Bearbeiten]

Monopräparate

Sortis (D, A, CH), Atoris (D) sowie weitere Generika (D, A, CH) [18][19][20]

Kombinationspräparate

Caduet (A, CH) sowie weitere Generika (D, A, CH)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Atorvastatin. In: DrugBank
  2. a b c V. M. Sonje, L. Kumar, V. Puri, G. Kohli, A. M. Kaushal, A. K. Bansal: Effect of counterions on the properties of amorphous atorvastatin salts. In Eur. J. Pharm. Sci. 44 (2011) S. 462–470, doi:10.1016/j.ejps.2011.08.023.
  3. a b Datenblatt Atorvastatin calcium salt trihydrate, ≥98% (HPLC) bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 10. Februar 2013 (PDF).
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. Safety Data Sheet for ATORVASTATIN Calcium – Seqchem 25. Juli 2008.
  6. Atorvastatin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 30. Mai 2014.
  7. Ifap Arzneimittelnews: Basics GmbH bringt das erste generische Atorvastatin-Präparat auf den Markt, abgerufen am 2. März 2012.
  8. P. Jones et al.: Comparative dose efficacy study of atorvastatin versus simvastatin, pravastatin, lovastatin, and fluvastatin in patients with hypercholesterolemia (the CURVES study). Am J Cardiol. 1. März 1998; 81 (5): S. 582–587; PMID 9514454.
  9. Anton F. H. Stalenhoef et al.: A COmparative study with rosuvastatin in subjects with METabolic Syndrome: results of the COMETS study Eur Heart J. Dezember 2005;26 (24): S. 2664–2672 Volltext (HTML) Volltext (PDF; 264 kB), PMID 16143705.
  10. Ifap: Stand: 8. Mai 2012
  11. MedLine Plus Arzneimittelinformation (engl.).
  12. MedWatch-Meldung zur IMNM: HMGCoA reductase inhibitor (statin) drugs- Risk of immune-mediated necrotizing myopathy (IMNM) Label Changes (Oktober 2012)
  13. N. Sattar et al.: Statins and risk of incident diabetes: a collaborative meta-analysis of randomised statin trials., Lancet Online 17. Februar 2010
  14. ROUNDUP: Branchenprimus Pfizer greift im Geschäft mit Generika an, finanzen.net 19. März 2009.
  15.  Fabian Weber, Gottfried Sedelmeier: 200 umsatzstarke Medikamente. In: Nachrichten aus der Chemie. 61, Nr. 5, Mai 2013, ISSN 14399598, S. 528–529, doi:10.1002/nadc.201390162.
  16. B. Hibbeler: Statine: Marktanteil von Sortis sinkt. In: Deutsches Ärzteblatt 2005, 102 (12): A-792/B-668/C-624 (Online-Version).
  17. Law et al. BMJ 2003; 326: S. 1423.
  18. Rote Liste Online, Stand: August 2009.
  19. Arzneimittelkompendium der Schweiz, Stand: August 2009.
  20. AGES-PharmMed, Stand: August 2009.


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