Atterwasch

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Atterwasch
Koordinaten: 51° 56′ 3″ N, 14° 37′ 37″ O
Höhe: 55 m ü. NN
Einwohner: 241 (2008)
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 03172
Vorwahl: 035692
Atterwasch (Brandenburg)
Atterwasch

Lage von Atterwasch in Brandenburg

Atterwasch (niedersorbisch Wótšowaš) ist ein Dorf in der Gemeinde Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atterwasch befindet sich an der L 46 zwischen Kerkwitz und Schenkendöbern, etwa sechs Kilometer südwestlich von Guben entfernt. Die B 320 führt etwa zwei Kilometer nördlich am Ort vorbei. Nördlich von Atterwasch befindet sich der Schenkendöberner See und der Bach Schwarzes Fließ.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh siedelten hier Menschen. So wurden Feuersteinartefakte nördlich von Atterwasch gefunden. Südöstlich wurde ein Bestattungsplatz aus der Spätbronzezeit in den 1990er Jahren ausgegraben. Die Gründung des heutigen Dorfes erfolgte wahrscheinlich um 1235. Am 29. September 1294 erwarb der Propst Dietrich von Guben ein Großteil der Ortschaft, es war somit die erste urkundliche Erwähnung. Später ging der Besitz in das Benedektinerinnenkloster Guben über. Über weitere Besitzer ist wenig bekannt. Im Jahre 1818 lebten hier 197 Einwohner, 1871 etwa 303.

1962 wurde die LPG „Am Schwarzen Fließ“ gegründet, die sich 1972 mit der LPG Tierproduktion zusammenschloss. Weitere Zusammenschlüsse mit anderen LPG-en hatten bis 1990 als LPG Tierproduktion „Otto Thiele“ Bestand.

Am 26. Oktober 2003 wurde Atterwasch nach Schenkendöbern eingemeindet.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Schenkendöbern sind für Atterwasch fünf Baudenkmale aufgeführt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atterwascher Dorfkirche

Die Kirche und das Pfarrhaus in Atterwasch sind als Baudenkmale ausgewiesen. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Staatsarchiv in Breslau. In einem Brief des Markgrafen Dietrich aus dem Jahr 1294 wird die Kirche bereits erwähnt. Es wird angenommen, dass der Ostgiebel mit seiner rundbogigen Fenstergruppe noch aus dieser Zeit stammen könnte.[2] Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche wieder aufgebaut und 1685 erneut geweiht. Der 5-geschossige Turmanbau aus rotem Backstein stammt aus dem Jahr 1840. Die Turmspitze ist die Spitze des ehemaligen Jungfrauenklosters vor Guben.

Der Altar, ein barocker Kreuzigungsaltar, wurde 1713 aufgestellt. Seine Herkunft ist unbekannt. Die Kanzel stammt aus der Renaissance und stand vorher in der alten Stadt- und Hauptkirche von Guben. Die Treppe zur Kanzel wurde im Zuge der Aufstellung in der Atterwascher Kirche verkürzt. Die Empore ist mit Wappenschildern (Familien Grünewald und Zobeltitz) und Bibelversen geschmückt. Die Orgel wurde 1905 gebaut (Firma Grüneberg aus Stettin). Sie hat 7 Register mit 405 Pfeifen, ein Manual und ein Pedal. Im Jahr 1991 wurde sie restauriert (Firma Scheffler aus Frankfurt/Oder).[3]

Das Pfarrhaus erhielt 2016 deutschlandweit mediale Aufmerksamkeit, als der Landkreis Spree-Neiße den Abbau einer installierten Photovoltaik-Anlage anordnete, da diese sich nicht in das bestehende Denkmal-Ensemble einpasse, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Abbaggerung des Denkmals zur Vergrößerung des Tagebaus Jänschwalde geplant war.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atterwasch ist neben Kerkwitz und Grabko eines von drei Dörfern, die nach ursprünglichen Plänen von Vattenfall für den geplanten Braunkohletagebau Jänschwalde-Nord vollständig umgesiedelt und abgebaggert werden sollten. Die Einwohner der drei Orte protestierten jährlich im Januar mit einem Sternmarsch gegen die Pläne des Konzerns. Am 30. März 2017 gab der neue Eigentümer LEAG jedoch bekannt, auf die Erweiterung von Jänschwalde zu verzichten.[5]

Die geplante Devastierung der drei Orte wurde vom Dokumentarfilmer Peter Benedix in den Filmen Heimat auf Zeit (2009) und BrückenJahre (2014) thematisiert.[6]

Durch eine Biogasanlage (195 kW Leistung[7]) und mehrere Solaranlagen wird in Atterwasch mehr Strom durch erneuerbare Energien erzeugt, als das Dorf selbst verbraucht.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Atterwascher Dorfkirche, Evangelische Kirchengemeinde Region Guben, o. J.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Begründet vom Tag für Denkmalpflege 1900, Fortgeführt von Ernst Gall, Neubearbeitung besorgt durch die Dehio-Vereinigung und die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Brandenburg: bearbeitet von Gerhard Vinken und anderen, 2000, Deutscher Kunstverlag München Berlin, ISBN 3-422-03054-9, Seite 29
  • Dieter Hübener: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg. Band 16.1: Landkreis Spree-Neiße. Teil 1: Städte Forst (Lausitz) und Guben, Amt Peitz und Gemeinde Schenkendöbern. 1. Auflage. Wernersche Verlagsgesellschaft und Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, 2012, ISBN 978-3-88462-334-3, Seite 30.36.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atterwasch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  2. Dehio, Die Bezirke Cottbus und Frankfurt/Oder, Berlin 1987, S. 21
  3. Atterwascher Dorfkirche, Evangelische Kirchengemeinde Region Guben, o. J.
  4. NDR extra 3 Realer Irrsinn: Illegale Solaranlage im Braunkohlegebiet
  5. u. a. Blumenthal, Redaktion Brandenburg aktuell: Braunkohle-Tagebau Jänschwalde wird nicht erweitert. RBB, 30. März 2017, abgerufen am 30. März 2017.
  6. Drei Dörfer in der Lausitz – Peter Benedix über seinen Dokumentarfilm „BrückenJahre“. In: Film-dienst 14/2015 vom 9. Juli 2015, Seiten 24–25
  7. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1273886/
  8. http://www.niederlausitz-aktuell.de/spree-neisse/schenkendoebern/item/10738-atterwasch---vom-tagebau.html