Atzelgift

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Atzelgift
Atzelgift
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Atzelgift hervorgehoben
Koordinaten: 50° 42′ N, 7° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Hachenburg
Höhe: 285 m ü. NHN
Fläche: 2,74 km2
Einwohner: 614 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 224 Einwohner je km2
Postleitzahl: 57629
Vorwahl: 02662
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 205
Adresse der Verbandsverwaltung: Gartenstraße 11
57627 Hachenburg
Webpräsenz: www.atzelgift.blogspot.de
Ortsbürgermeisterin: Claudia Kohlhaas
Lage der Ortsgemeinde Atzelgift im Westerwaldkreis
Karte
Blick über Atzelgift

Atzelgift ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Hachenburg an. Atzelgift ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Westerwald, im Naherholungsgebiet „Kroppacher Schweiz“ zwischen den Oberzentren Koblenz (60 km), Limburg (49 km) und Siegen (38 km). Das nächstgelegene Mittelzentrum ist die Stadt Hachenburg. Durch den 287 m hoch gelegenen Ort fließt die Kleine Nister. Nordwestlich von Atzelgift liegt Limbach, im Nordosten Luckenbach und im Südwesten Streithausen.

Zu Atzelgift gehört der Wohnplatz Atzelgifter Mühle.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1396 wurde Atzelgift erstmals in einer Urkunde als Hatzelgufte erwähnt. Über Atzelguft hat sich der Name zu „Atzelgift“ entwickelt. Der Name leitet sich von Atzel (Elster) und Guft (Rufen, Geschrei) ab und bezeichnet einen abgelegenen Ort, „wo die Elstern rufen“. Falsch ist jedoch die Legende von einem Graf Atzel und der Mitgift seiner Tochter.

1579 hatte Atzelgift neun und 1793 zwanzig Häuser. Von der industriellen Vergangenheit des Ortes zeugen noch die Überreste der Ölmühlen, eine davon etwa 100 m westlich des Ortsrandes an der Kleinen Nister. Sie war noch 1819 in Betrieb; zu sehen ist heute nur noch der Wassergraben, der etwa 100 m bachaufwärts von der Kleinen Nister abzweigt. Eine weitere ehemalige Ölmühle lag ca. 500 m westlich von Atzelgift, die um 1870 erbaut worden sein muss; Mühlengraben und Standort der Mühle sind im Gelände noch auszumachen. Davon hat sich lediglich der Flurname „Bei der Ollichsmüll“ erhalten.

Nordwestlich des Ortes befanden sich mehrere Eisenerzgruben; am südöstlichen Ortsrand an der Kleinen Nister stand ursprünglich eine Eisenhütte, welche die in den umliegenden Gemarkungen vorhandenen Eisenerze verwertete; sie war noch 1686 in Betrieb. Die Flurnamen „Im Hammer“ und „Auf dem Hüttenstück“ weisen auf diese Eisenverarbeitung hin. An die Stelle der Eisenhütte wurde 1697 eine Mühle gebaut; diese wurde allerdings 1909 abgebrochen und eine neue Mühle errichtet, die heute nur noch zur Stromerzeugung dient.[4]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde Atzelgift, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 123
1835 167
1871 202
1905 294
1939 325
1950 323
Jahr Einwohner
1961 392
1970 488
1987 563
1997 626
2005 667
2016 614

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atzelgift ist mehrheitlich katholisch geprägt und gehört zur Pfarrgemeinde „Maria Himmelfahrt Hachenburg“ und dort zum Kirchort Marienstatt. Die evangelischen Christen haben mit der 1951 eingeweihten Gustav-Adolf-Kapelle in Luckenbach ihren Gottesdienstraum in der Kirchengemeinde Kroppach.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Atzelgift besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Atzelgift
Blasonierung:Schrägrechts geteilt von Silber und Grün; vorne eine Elster, hinten ein achtspeichiges goldenes Mühlrad, beschaufelt über den Achsen und in der unteren Radhälfte.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist die alte Linde in der Ortsmitte (Naturdenkmal).

Die Überreste einer alten Motte in der Nähe der Kapelle am Nistersteg, das Gipfelkreuz oberhalb von Atzelgift sowie der Ehrenhain.

Weitere Attraktionen in der Umgebung von Atzelgift sind die Zisterzienser-Abtei Marienstatt, die mittelalterliche Stadt Hachenburg und die Westerwälder Seenplatte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atzelgift ist Standort der Grundschule Atzelgift-Streithausen, die von Kindern aus Luckenbach, Atzelgift, Streithausen und Limbach besucht wird. Im Nachbarort Luckenbach befindet sich der katholische Don Bosco-Kindergarten. Die „Realschule plus“ mit Fachoberschule in Hachenburg sowie das Private Gymnasium der Zisterzienser-Abtei Marienstatt sind die nächstgelegenen weiterführenden Schulen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atzelgift besitzt eine Anschlussstelle an die L 288. Südlich des Ortes verlaufen die B 414 von Altenkirchen (Westerwald) über Hachenburg nach Driedorf (Hessen) und die B 413, die von Hachenburg nach Bendorf am Rhein führt. Die nächsten Autobahnanschlussstellen befinden sich in Siegen, Wilnsdorf und Herborn an der A 45 DortmundGießen, etwa 25 Kilometer entfernt.

Der nächstgelegene ICE-Halt ist der Bahnhof Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rockband Herrenmagazin benannte ihr Debütalbum nach dem Ort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atzelgift – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz - Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Januar 2018, S. 47 (PDF; 2,2 MB).
  4. Landschaftsmuseum Westerwald Hachenburg (Hrsg.): Westerwälder Beiträge 1. 1981, S. 40 ff.
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen