Atzelgift

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Atzelgift
Atzelgift
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Atzelgift hervorgehoben

Koordinaten: 50° 42′ N, 7° 50′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Hachenburg
Höhe: 285 m ü. NHN
Fläche: 2,74 km2
Einwohner: 620 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 226 Einwohner je km2
Postleitzahl: 57629
Vorwahl: 02662
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 205
Adresse der Verbandsverwaltung: Gartenstraße 11
57627 Hachenburg
Website: www.atzelgift.blogspot.de
Ortsbürgermeisterin: Claudia Kohlhaas
Lage der Ortsgemeinde Atzelgift im Westerwaldkreis
Karte
Blick über Atzelgift

Atzelgift ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz, die der Verbandsgemeinde Hachenburg angehört. Atzelgift ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Westerwald, im Naherholungsgebiet „Kroppacher Schweiz“ zwischen den Oberzentren Koblenz (60 km), Limburg (49 km) und Siegen (38 km). Das nächstgelegene Mittelzentrum ist die Stadt Hachenburg. Durch den 287 m hoch gelegenen Ort fließt die Kleine Nister. Nordwestlich von Atzelgift liegt Limbach, im Nordosten Luckenbach und im Südwesten Streithausen.

Zu Atzelgift gehört der Wohnplatz Atzelgifter Mühle.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1396 wurde Atzelgift erstmals in einer Urkunde als Hatzelgufte erwähnt. Über Atzelguft hat sich der Name zu „Atzelgift“ entwickelt. Der Name leitet sich von Atzel (Elster) und Guft (Rufen, Geschrei) ab und bezeichnet einen abgelegenen Ort, „wo die Elstern rufen“. Falsch ist jedoch die Legende von einem Graf Atzel und der Mitgift seiner Tochter.

1579 hatte Atzelgift neun und 1793 zwanzig Häuser. Von der industriellen Vergangenheit des Ortes zeugen noch die Überreste der Ölmühlen, eine davon etwa 100 m westlich des Ortsrandes an der Kleinen Nister. Sie war noch 1819 in Betrieb; zu sehen ist heute nur noch der Wassergraben, der etwa 100 m bachaufwärts von der Kleinen Nister abzweigt. Eine weitere ehemalige Ölmühle lag ca. 500 m westlich von Atzelgift, die um 1870 erbaut worden sein muss; Mühlengraben und Standort der Mühle sind im Gelände noch auszumachen. Davon hat sich lediglich der Flurname „Bei der Ollichsmüll“ erhalten.

Nordwestlich des Ortes befanden sich mehrere Eisenerzgruben; am südöstlichen Ortsrand an der Kleinen Nister stand ursprünglich eine Eisenhütte, welche die in den umliegenden Gemarkungen vorhandenen Eisenerze verwertete; sie war noch 1686 in Betrieb. Die Flurnamen „Im Hammer“ und „Auf dem Hüttenstück“ weisen auf diese Eisenverarbeitung hin. An die Stelle der Eisenhütte wurde 1697 eine Mühle gebaut; diese wurde allerdings 1909 abgebrochen und eine neue Mühle errichtet, die heute nur noch zur Stromerzeugung dient.[4]

Dorfmoderation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Herbst 2017 beteiligt sich die Gemeinde an einer „Dorfmoderation“, um die Attraktivität des Dorfes zu steigern.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 123
1835 167
1871 202
1905 294
1939 325
1950 323
Jahr Einwohner
1961 392
1970 488
1987 563
1997 626
2005 667
2018 620

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atzelgift ist mehrheitlich katholisch, gehört zur Pfarrgemeinde „Maria Himmelfahrt Hachenburg“ und dort zum Kirchort Marienstatt. Die evangelischen Christen haben mit der 1951 eingeweihten Gustav-Adolf-Kapelle in Luckenbach ihren Gottesdienstraum in der Kirchengemeinde Kroppach.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Atzelgift besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Atzelgift
Blasonierung:Schrägrechts geteilt von Silber und Grün; vorne eine Elster, hinten ein achtspeichiges goldenes Mühlrad, beschaufelt über den Achsen und in der unteren Radhälfte.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atzelgift liegt im Naherholungsgebiet „Kroppacher Schweiz“. Im Waldstück „Hardt“ entlang der Kleinen Nister befindet sich der 1965 eingeweihte Ehrenhain für die Gefallenen der Gemeinde in den beiden Weltkriegen, die anlässlich der 600-Jahrfeier 1996 errichtete Waldkapelle, und 40 m über der Kleinen Nister ein Gipfelkreuz, aufgestellt 2005 anlässlich des Weltjugendtages in Köln und dem Besuch von Danziger Jugendlichen in Atzelgift. Sehenswert sind die "Heuzeroth-Linde" in der Ortsmitte (Naturdenkmal) und die Überreste einer alten Motte in der Nähe der evangelischen Kapelle.

Sehenswert in der Umgebung von Atzelgift sind die Zisterzienser-Abtei Marienstatt, die mittelalterliche Stadt Hachenburg und die Westerwälder Seenplatte. Eine Unterkunftsmöglichkeit bietet das Hotel Birkenhof.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen sind die von der Kirmesjugend Atzelgift 1967 e. V. organisierte Winterkirmes im Januar und die Sommerkirmes am ersten Juniwochenende. Daneben gibt es den von der SG Atzelgift/Nister ausgerichteten REWE-Cup in Hachenburg,  im August ein vom Hönerverein e. V. veranstaltetes Bachfest an der Kleinen Nister und am zweiten Adventswochenende einen Weihnachtsmarkt.[7]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atzelgift ist Standort der Grundschule Atzelgift-Streithausen, die von Kindern aus Luckenbach, Atzelgift, Streithausen und Limbach besucht wird. Im Nachbarort Luckenbach befindet sich der katholische Don Bosco-Kindergarten. Die „Realschule plus“ mit Fachoberschule in Hachenburg sowie das Private Gymnasium der Zisterzienser-Abtei Marienstatt sind die nächstgelegenen weiterführenden Schulen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atzelgift besitzt eine Anschlussstelle an die L 288, die von der B 62 in Betzdorf über Hachenburg und Westerburg nach Hessen führt. Südlich des Ortes verläuft die B 414 von Altenkirchen (Westerwald) über Hachenburg nach Driedorf (Hessen) und die B 413, die von Hachenburg nach Bendorf am Rhein führt. Anschlüsse an Bundesautobahnen befinden sich in Freudenberg, Wilnsdorf und Herborn (A 45 DortmundGießen) sowie in Ransbach-Baumbach (BAB 3, Niederlande – Ruhrgebiet – Köln – Rhein-Main-Gebiet – Ostbayern – Österreich), etwa 25 Kilometer entfernt.

Der nächstgelegene ICE-Halt ist der Bahnhof Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über ein großes Gewerbegebiet mit einigen mittelständischen Unternehmen, wie etwa einem Spezialisten für Verschleißteile, einer Zimmerei und einer Werbetechnikfirma. Daneben befindet sich im Ort unter anderem ein Möbelhaus.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rockband Herrenmagazin benannte ihr Debütalbum nach dem Ort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atzelgift – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz - Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Januar 2018[Version 2019 liegt vor]. S. 47 (PDF; 2,2 MB).
  4. Landschaftsmuseum Westerwald Hachenburg (Hrsg.): Westerwälder Beiträge 1. 1981, S. 40 ff.
  5. [1]
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  7. Gemeinde Atzelgift: Vereine. In: Gemeinde Atzelgift. Abgerufen am 29. Juni 2018.