Aubagne

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Aubagne
Wappen von Aubagne
Aubagne (Frankreich)
Aubagne
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département Bouches-du-Rhône
Arrondissement Marseille
Kanton Aubagne (chef-lieu)
Gemeindeverband Métropole d’Aix-Marseille-Provence
Koordinaten 43° 17′ N, 5° 34′ OKoordinaten: 43° 17′ N, 5° 34′ O
Höhe 74–701 m
Fläche 54,90 km2
Einwohner 45.290 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 825 Einw./km2
Postleitzahl 13400
INSEE-Code
Website www.aubagne.fr

Altstadt von Aubagne

Aubagne ist eine französische Gemeinde mit 45.290 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Bouches-du-Rhône, in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aubagne befindet sich zwischen Aix-en-Provence (nördlich), Toulon (östlich) und Marseille (westlich). Die Stadt wird vom Fluss Huveaune durchquert, in den hier mehrere Seitenbäche einmünden.

Die Altstadt liegt auf einer Anhöhe an der Mündung des Merlançon in die Huveaune. Diese strategisch günstige Lage erlaubte es, die Verkehrswege von Marseille und Aix-en-Provence nach Toulon zu kontrollieren. Zudem waren die Einwohner dort vor den Hochwassern der Huveaune und ihrer Zuflüsse geschützt, und die Stadt war leichter zu verteidigen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens im 11. Jahrhundert siedelten sich Menschen aus dem Tal auf der Anhöhe an.[1] Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort als „Albanea“ im Jahr 1005.[2]

Damals gehörte Aubagne zur Grafschaft Provence und wurde mit dem Königreich Arles 1032 Teil des Heiligen Römischen Reichs (Deutscher Nation). 1035 lassen sich im Ort drei religiöse Kultstätten nachweisen: Die Kirche Saint-Pierre sowie die Kapellen Saint-Mitre und Saint-Michel, deren Land Geschenke der Marseiller Vicomtes waren, unterstanden der dortigen Abtei Saint-Victor.

1005 wurde der Ort noch als „Villa“ (Dorf) erwähnt, 1064 bereits als „Castrum“ (befestigte Höhensiedlung) bezeichnet. Aus dieser Zeit, die von Spannungen zwischen der Kirche und den Marseiller Vicomtes geprägt war, stammen Spuren einer Burg und einer hölzernen Befestigungsanlage. Im 12. Jahrhundert wurde eine steinerne Stadtmauer angelegt, im Jahr 1210 ist eine dreibogige Brücke über die Huveaune belegt.

Anfang des 14. Jahrhunderts gewährte Grundherr Bertrand II. des Baux Aubagne eine begrenzte Autonomie. Der aus zehn Männern des Ortes gebildete Rat war u. a. für die Polizei, die Justiz, Wasser, Gesundheit und Wege sowie die Gottesdienste zuständig. In diese Zeit fiel eine kurze Periode das Wachstums und Wohlstands.

Ab 1343 wurde Aubagne in einen Krieg um die Nachfolge Robert von Anjous hineingezogen, dessen rechtmäßige Erbin Johanna I. in die Provence geflohen war. 1346 erhielt die Kirche daher einen Turm, der als Wachturm dienen sollte. 1357 nahmen die Soldaten Philipps II. von Tarent die Stadt ein und plünderten sie. 1348 wurde Aubagne erstmals, und in den folgenden Jahren wiederholt, von der Pest heimgesucht.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aubagne lag an den Nationalstraßen 8 (Aix-en-Provence–Marseille–Toulon) und 96 (Pont-de-l’EtoileChâteau-Arnoux-Saint-Auban). Beide wurden mittlerweile zu Departementsstraßen herabgestuft. Heute befindet sich die Stadt innerhalb eines Straßendreiecks, das von den Autobahnen A 50, A52, A 501 und A 502 gebildet wird.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof

Die Stadt hat einen Bahnhof an der zweigleisigen elektrifizierten Hauptbahn von Marseille nach Ventimiglia. Er wurde mit dem ersten Abschnitt dieser Strecke von Marseille nach Aubagne durch die Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) am 20. Oktober 1858 eröffnet. Im folgenden Jahr ging die weiterführende Strecke bis Toulon in Betrieb. 1868 kam eine eingleisige Nebenbahn nach Valdonne-Peypin hinzu, die später bis La Barque-Fuveau verlängert wurde. Ihre geplante Fortführung vom Bahnhof Aubagne nach Norden wurde nicht realisiert. Seit 1967 wird die Strecke nicht mehr befahren, sie wurde jedoch offiziell nicht stillgelegt.

Ein zweiter Bahnhof im Stadtgebiet war Camp-Major an der Hauptbahn nach Marseille. Er wurde 1962 geschlossen.

Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cours du Maréchal-Foch mit Wagen des ersten Straßenbahnbetriebs, um 1917
Moderner Straßenbahntriebwagen in Aubagne
Uhrenturm

Ab 1905 existierte in Aubagne ein Straßenbahnbetrieb mit zwei Linien. 1950 wurden die Züge teilweise durch Omnibusse ersetzt und verkehrten nur noch in der Hauptverkehrszeit, 1958 verkehrte die vorerst letzte Straßenbahn in der Stadt.

2009 wurde der Bau einer neuen Straßenbahn vorbereitet, die Teil des kostenlosen Nahverkehrs werden sollte. Deren erster Abschnitt zwischen dem Quartier du Charrel und dem wurde am 30. August 2014 eröffnet.[3] Etappenweise sollten bis 2019 weitere Streckenabschnitte hinzukommen, nach einer Änderung der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat wurden die Planungen jedoch gestoppt. Nach einem politischen Wechsel in der Regionalregierung wurde 2019 zumindest der Plan, die Straßenbahn über die ehemalige Bahnstrecke Aubagne–La Barque nach La Bouilladisse zu verlängern, wiederaufgenommen.[4]

Finanziert wird der öffentliche Personennahverkehr im Wesentlichen durch die Abgabe „Versement transport“, welche von Arbeitgebern erhoben wird, wenn sie mehr als neun Beschäftigte haben.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aubagne ist die Heimatstadt des Schriftstellers Marcel Pagnol, der auch als Dramaturg und Regisseur gewirkt hat. Viele seiner Geschichten spielen in den Landschaften der Umgebung, beispielsweise im Garlaban-Massiv. Ein weiterer berühmter Sohn der Stadt ist Alain Bernard, der 1983 in Aubagne geboren wurde. Der Rekordschwimmer gewann u. a. bei den Europameisterschaften 2008 in Eindhoven zweimal Gold und bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking Gold, Silber und Bronze in verschiedenen Disziplinen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aubagne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aubagne au fil des siècles bei aubagne.fr, abgerufen am 19. März 2019
  2. Aubagne au Moyen-Âge: Une ville mystérieuse bei aubagne.fr, abgerufen am 19. März 2019
  3. RailBusiness Newsletter vom 2. September 2014
  4. Blickpunkt Straßenbahn 2/2019, S. 123
  5. Fremdenlegion in Aubagne. Frankreich-Süd, 13. Dezember 2014, abgerufen am 14. Februar 2018.
  6. Jan-Niklas Jäger: Liberté, égalité, mobilité! taz-Blogs, 3. Januar 2011, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 14. Februar 2018.
  7. Décret n° 2014-271 du 27 février 2014 portant délimitation des cantons dans le département des Bouches-du-Rhône publiziert im JORF und auf Légifrance (französisch).