Audi 200

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Audi 200
Produktionszeitraum: 10/1979–07/1991
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Nachfolgemodell Audi 100 S4 (4A-Baureihe)

Als Ergänzung zum Audi 100 bot Audi zwischen Herbst 1979 und Sommer 1991 das weitenteils baugleiche Modell Audi 200 an.

Der Audi 200 war im Prinzip in allen Baureihen ein Audi 100 mit besserer oder sportlicherer Ausstattung und größerem Motor. Das Erscheinungsbild wurde mittels anderer Stoßstangen und Scheinwerfer und später auch Heckleuchten verändert, grundlegend anderes wie später mit dem Audi V8 gab es nicht.

Audi 200 C2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Generation
Audi 200 (1979–1982)

Audi 200 (1979–1982)

Produktionszeitraum: 10/1979–08/1982
Karosserieversionen: Limousine
Motoren: Ottomotoren:
2,1 Liter
(100–125 kW)
Länge: 4694 mm
Breite: 1768 mm
Höhe: 1389 mm
Radstand: 2677 mm
Leergewicht: 1260 kg

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heckansicht

Mit dem Typ 43 stellte Audi im Oktober 1979 den ersten Audi 200 vor. Während im Audi 100 der 2,1 Liter-Fünfzylinder-Motor (5E) der größte erhältliche Motor war, war dieser im Audi 200 die Grundmotorisierung. Ab Februar 1980 wurde der Audi 200 5T mit einem turboaufgeladenen Aggregat und 125 kW (170 PS) (Motorkennbuchstaben WJ) angeboten. Der Audi 200 5T war einzigartig, weil Audi den aufgeladenen Motor zunächst nur in diesem Modell anbot. In den USA wurde dieses Modell als Audi 5000 S Turbo verkauft.

Ursprünglich war auch eine sportliche Version mit Wankelmotor geplant, ebenfalls mit 125 kW (170 PS), von der ein paar Vorserienfahrzeuge hergestellt wurden. Schnell wurde der Wankelmotor im VW-Konzern jedoch wieder aufgegeben. Einer dieser Wagen befindet sich im Ingolstädter Audi-Museum.

Während der Audi 100 noch in diverse Ausstattungsvarianten unterteilt war (Grundmodell, L, GL, CS und CD), hatte der Audi 200 grundsätzlich die teuerste Ausstattung, die des Audi 100 CD.

Diese enthielt unter anderem Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, ein Stereo-Cassettenradio, Velourssitze und vier Rahmenkopfstützen. Mitgeliefert wurden zwei „Ruhekissen“, die mit dem Velours der Sitzbezüge überzogen waren. Der Audi 200 5E war somit eigentlich ein Audi 100 CD 5E, allerdings in sportlicherem Erscheinungsbild, das durch andere Stoffdesigns im Innenraum und eine härter abgestimmte Federung charakterisiert war. Die bei Audi heute üblichen 5-Loch-Radnaben mit dem 112 mm-Lochkreis wurden im Audi 200 1979 eingeführt.

Im Detail unterschied sich noch einiges vom Audi 100. Die seitlichen Zierleisten waren tiefer angeordnet, breiter und aus Gummi gefertigt, die Stoßstangen bestanden aus schwarzem Kunststoff mit integriertem Träger aus glasfaserverstärktem Kunststoff und wirkten wuchtiger. Die vorderen Blinkleuchten waren nicht neben den Scheinwerfern, sondern in der Stoßstange angebracht, und die Doppelscheinwerfer übernahm man vom Audi 5000. Ein breiter Spoiler schloss die Front nach unten ab. Dadurch erschien der Audi 200 imposanter als der Audi 100.

Das Schaltgetriebe der Turbo-Ausführung des Audi 200 war in den großen Gängen kürzer übersetzt als in der Basisversion Audi 200 5E. Vom Audi 100 unterschied er sich auch durch Leichtmetallspeichenräder des Herstellers Ronal und Scheibenbremsen hinten.

Als Avant wurde der Audi 200 nicht angeboten. Eine Kombiversion dieses Modells wurde in Kleinserie bei der Firma Artz hergestellt. Diese wurde auch mit Allradantrieb und dem 147 kW-Motor aus dem Audi Quattro angeboten. Im Audi 200 war erstmals als Sonderausstattung gegen Aufpreis ein Antiblockiersystem von Bosch erhältlich.

Im August 1982 wurde die Produktion des Audi 200 Typ 43 eingestellt.

Audi 200 C3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2. Generation
Audi 200 quattro 20V (1989–1991)

Audi 200 quattro 20V (1989–1991)

Produktionszeitraum: 06/1983–07/1991
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
2,1–2,3 Liter
(100–162 kW)
Länge: 4807 mm
Breite: 1814 mm
Höhe: 1422 mm
Radstand: 2687 mm
Leergewicht: 1260–1520 kg

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heckansicht

Im September 1983 präsentierte Audi einen neuen 200, der wiederum auf dem Audi 100 (Typ 44) basierte. Ab Mitte 1984 gab es vom Audi 200 auch eine Avant-Version, die bis Ende 1990 gebaut wurde.

Als Saugmotoren stehen Fünfzylindermotoren mit 2,1 Liter Hubraum und 100 kW (136 PS), 2,2 Liter Hubraum und 101 kW (137 PS) und schließlich ein 2,3 Liter mit 100 kW (136 PS) zur Wahl. Alle anderen Motoren sind Fünfzylinder-Turbomotoren mit 2,1 und 2,2 Liter Hubraum und Leistungen zwischen 121 bis 162 kW.

Der Audi 100 Typ 44 war mit einem Luftwiderstandsbeiwert (Cw) von 0,30 strömungsgünstiger geformt als die meisten anderen Fahrzeuge dieser Zeit, neue Probleme wie „Innenraumaufheizung“ wegen der flach geneigten Fensterscheiben wurden durch dieses Modell erstmals zur Sprache gebracht und öffentlich diskutiert.

Den Luftwiderstandsbeiwert des Audi 100 erreichte der Audi 200 wegen der geänderten Anbauteile allerdings nicht. Er wurde trotz baugleicher Karosserie mit einem Cw-Wert von 0,33 gemessen.

Auf Anfrage gab es den Audi 200 anfangs auch in einer „Behördenversion“ mit dem aus dem Audi 100 bekannten 98/100 kW-Fünfzylinder-Ottomotor.

Über einen kurzen Zeitraum (von 1988 bis 1990) wurden leistungsstärkere Motoren angeboten, die 140 kW (nur Automatik; Motorkennbuchstaben 2B) bzw. 147 kW (Motorkennbuchstaben 1B) leisteten.[1]

Sowohl in Autos mit Front- als auch mit Allradantrieb gab es handgeschaltete Fünfganggetriebe, das dreistufige Automatikgetriebe war nur in Kombination mit Frontantrieb erhältlich.

Während der Audi 100 bis zur Überarbeitung Anfang 1988 in Ausstattungsklassen unterteilt wurde (Grundmodell ohne schwarze Blende zwischen den Heckleuchten im Bereich des Kennzeichens, CC, CS (sportlich) und CD), war der Audi 200 zunächst nur mit der teuersten Ausstattung lieferbar. Später gab es das Sondermodell 200 Exclusiv mit ausgestellten Radläufen und einer noch umfangreicheren Ausstattung, unter anderem mit elektrisch verstellbaren Ledersitzen und einer Klimaautomatik. Bis zur Einführung des Audi V8 war der 200 der teuerste in Serie gebaute Audi. Der Audi 200 exclusiv kostete 1987 79.000 DM.

Die Front des Audi 200 Typ 44 ist gegenüber dem Audi 100 durch breitere Doppelscheinwerfer, serienmäßige Nebelscheinwerfer, einen großen Frontspoiler in Wagenfarbe und eine andere Motorhaube aufgewertet. Die vorderen Blinker sind wie beim Vorgängermodell 200 Typ 43 in die Stoßstange eingelassen. Die Blende zwischen den Heckleuchten ist durchgehend und in den Farben der Rückleuchten gehalten.

Der Audi 200 hatte bis zur Modellpflege Anfang 1988 einen anderen Innenraum als der Audi 100 mit anderem Armaturenbrett, besonderen Türverkleidungen und aufwendiger gepolsterten Sitzen.

Anfang 1988 bekamen Audi 200 und 100 einen optisch und ergonomisch in wesentlichen Punkten besseren Innenraum. Zudem waren im letzten Produktionsjahr wichtige Sicherheitsfeatures wie etwa ein Fahrerairbag gegen Aufpreis lieferbar.

Beim Audi 200 Typ 44 wurde in dieser Baureihe auch erstmals der permanente Allradantrieb quattro in Verbindung mit Schaltgetriebe angeboten.

Das Spitzenmodell der Baureihe war ab März 1989 der Audi 200 quattro 20V mit einem turbogeladenen 2,2-Liter-Fünfzylindermotor mit vier Ventilen pro Zylinder (Motorkennbuchstabe 3B), der auf dem Motor des Audi Quattro basiert. Die Leistung von 162 kW (220 PS) sorgt für eine Spitzengeschwindigkeit von 242 km/h (Kombi-Variante 238 km/h) und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,6 Sekunden (Kombi-Variante 6,7 Sekunden). Damit war der Audi 200 in dieser Motorvariante eine der schnellsten Serienlimousinen der damaligen Zeit (Werksangaben[2]). Im Fahrbericht der FAZ hieß es seinerzeit:[3]

„Man muß schon ganz weit oben in der Auto-Rangliste suchen, um eine ähnlich eindrucksvoll motorisierte Limousine zu finden: 246 km/h Höchstgeschwindigkeit und 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind Werte, die nur von den teuersten BMW und Mercedes erreicht, aber kaum überboten werden können.“

Audi betrieb für den Audi 200 Werbung in Form von Produktplatzierung in Filmen und Serien. So kam der Audi 200 als Fahrzeug des Chefarztes der Schwarzwaldklinik Prof. Dr. Brinkmann zum Einsatz und wurde 1987 im James-Bond-Film Der Hauch des Todes verwendet.

Der Audi 200 quattro Trans-Am, auf Basis des Audi 200 C3, war der erste von Audi eingesetzte Werksrennwagen für Rundstrecken seit den 1930er Jahren.

Der Audi 200 Typ 44 war der letzte angebotene Audi 200 in Deutschland, seine Produktion endete Mitte 1991.

Der Audi 200 im Ausland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Oktober 1990 wurde der Audi 200 bei der Tokioter Audi Motor Assembly montiert. Doch wegen der geringen Nachfrage wurde das Modell im Juli 1992 wieder vom Markt genommen. Japan war das einzige Land, in dem es den Audi 200 mit einer Rechtslenkung gab. Es war damals das einzige Audi-Modell auf dem japanischen Markt mit Rechtslenkung.

In China gab es den Audi 200 L (eine Langversion speziell für den chinesischen Markt) von der FAW-Volkswagen erst ab Februar 1996. Die Produktion des Modells wurde im Sommer 1999 eingestellt.

Modell Hubraum (cm³) Motorcode Leistung Bemerkung Variante Bauzeit
2.1 2144 WC 100 kW (136 PS) Limousine 06/1983–07/1984
2.1 Turbo 2144 KG 134 kW (182 PS) auch mit quattro Limousine, Avant 06/1983–01/1988
2.2 2226 KU 101 kW (137 PS) Limousine 08/1984–07/1985
2.2 Turbo 2226 MC 121 kW (165 PS) auch mit quattro Limousine, Avant 08/1985–07/1991
2.2 Turbo 2226 2B 140 kW (190 PS) nur Automatik Limousine 02/1988–12/1990
2.2 Turbo 2226 1B 147 kW (200 PS) auch mit quattro Limousine, Avant 02/1988–12/1990
2.2 20V Turbo quattro 2226 3B 162 kW (220 PS) Limousine, Avant 03/1989–07/1991

Produktionszahlen des Audi 200 20V[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Limousine Avant
1987 0 5 3
1988 0 31 15
1989 0 1.972 647
1990 0 2.553 905
1991 0 206 46
Summe 0 4.767 1.616

Zum 1. Januar 2015 waren laut KBA noch mindestens 521 Fahrzeuge mit den Typschlüsselnummern des Typs 200 C3 gemeldet.[4]

Audi V8 (Typ 44/4C)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Audi V8

Audi V8 (1988–1994)

Parallel zum Audi 200 gab es ab Herbst 1988 noch eine weitere Variante des Audi 100, den Audi V8 (D11), der ursprünglich die Bezeichnung Audi 300 tragen sollte und preislich noch über dem Audi 200 angesiedelt war.

Er wurde anfangs ausschließlich mit einem V8-Motor mit 3,6 Liter Hubraum und einer Leistung von 184 kW (250 PS), dem Allradantrieb Quattro sowie einem Automatikgetriebe angeboten, damit erreichte er jedoch nicht die Fahrleistungen des Audi 200 Quattro 20V.

Ab Mitte 1992 war ein 4,2 Liter (4172 cm³)-V8-Motor mit einer Leistung von 206 kW (280 PS) lieferbar.

Beim Audi V8 waren die Unterschiede zum Audi 100 an der Karosserie größer als beim Audi 200. Hierzu zählen u.a. eine komplett neu gestaltete Fahrzeugfront, ein Fahrwerk mit breiterer Spur, weiter ausgestellte Radläufe und geänderte Stoßfänger. Auch die hinteren Türen sowie die Seitenleisten unterschieden sich vom Audi 200, ferner das Kombiinstrument.

Audi wollte den V8 als eigenständiges Oberklassefahrzeug vermarkten, doch konnte dieser sich nicht gegen die Mercedes-Benz S-Klasse oder die BMW 7er-Reihe behaupten, da er trotz der erwähnten Unterschiede weiterhin als Audi 100 wahrgenommen wurde. Die Verkaufszahlen blieben trotz teurer Werbemaßnahmen weit hinter den Erwartungen zurück. Mitte 1994 lief die Produktion des V8 aus, und er wurde durch das völlig neue und eigenständige sowie deutlich größer konzipierte Modell Audi A8 abgelöst.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Audi 200 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.langzeitauto.de/de/motoren
  2. Originalprospekt Audi 200 quattro 20V, 906/1195.26.00 vom Februar 1989
  3. Gerold Lingnau: Das unverhoffte Ende der drei Turbo-Untugenden, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Dezember 1989, Nr. 282, S. T3.
  4. Bestand an Personenkraftwagen am 1. Januar 2015 nach Herstellern, Handelsnamen und ausgewählten Merkmalen. In: Statistische Mitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamtes FZ 2, 1. Januar 2015. Kraftfahrt-Bundesamt, Juli 2015, S. 11; abgerufen am 26. September 2015 (PDF).