Auferstehungskirche (Frankfurt-Praunheim)

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Die Auferstehungskirche von Süden

Die Auferstehungskirche ist eine barocke evangelische Saalkirche im Frankfurter Stadtteil Praunheim, Graebestraße 8–10[1]. Sie wurde 1770 bis 1773 erbaut und nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe auf Frankfurt am Main 1949 wiederaufgebaut. Die Auferstehungskirche ist ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.[2]

Lage der Kirche mit Pfarrhof um 1775

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kirche in Praunheim wurde erstmals im Jahr 1132 erwähnt. In diesem Jahr kaufte Erzbischof Adalbert von Mainz von dem Freien Gottfried von Bruch das recht. 1247 und 1251 bestand ein Streit um das Präsentationsrecht zwischen Reich und Bistum. 1286 präsentierte König Rudolf von Habsburg den Kleriker Berthold zum Pfarrer. Zu diesem Zeitpunkt schien sich die Rechtsposition des Reiches durchgesetzt zu haben. 1318 schenkte König Ludwig der Bayer das Patronatsrecht dem Stift Sankt Maria und Georg, dem späteren Sankt Leonhardsstift. Dieses hatte bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 das Patronatsrecht inne.

Graf Friedrich Magnus von Solms-Rödelheim führte 1545 die lutherische Lehre in der Grafschaft Solms-Rödelheim ein.

Die alte Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan der alten Kirche von 1760

Über den Aufbau der alten, 1748 abgebrannten Kirche sind eine Skizze von 1760 und ein Grundriss von 1760 erhalten. Die Kirche war in Ost-West-Richtung ausgerichtet und war 38 Meter lang und 10 Meter breit. Der Kirchturm befand sich im Westen vor dem Langschiff der Kirche.

Am 20. Juli 1748 rauchte ein Schreiner trotz Warnung bei Arbeiten in der alten Kirche. Bei dem folgenden Brand wurde die Kirche völlig zerstört. In den folgenden 24 Jahren fanden die Gottesdienste in der benachbarten Scheune statt. Der Wiederaufbau verzögerte sich, weil das katholische Stift den Aufbau einer lutherischen Kirche nicht unterstützte. Dagegen richtete sich eine Klage vor dem Reichskammergericht. Daneben verweigerte sich die Gemeinde der Zahlung des Zehnten. In einem Rezess wurde schließlich die Zahlung des Zehnten vereinbart, sowie – nach Abzug des Zehnten – die Zahlung weiterer 1600 Gulden durch das Stift. Wegen Kontributionen im siebenjährigen Krieg konnte das Stift jedoch nicht zahlen.

Neubau 1770/1773[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1770 und 1773 wurde im Ortskern an der Graebestraße eine barocke Saalkirche errichtet. Sie hatte einen polygonalen Chorabschluss und einen Haubendachreiter. Altar, Kanzel und Orgel waren übereinander angeordnet wie in protestantischen Predigerkirchen üblich. Am 16. September 1770 wurde der Grundstein gelegt, am 29. Juli 1771 Richtfest gefeiert, und am Sonntag Rogate im Jahr 1772 erfolgte die Einweihung. Die Kosten wurden überwiegend durch Kollekten aufgebracht, Turm und Geläut zahlte die Gemeinde Praunheim. An Weihnachten 1773 folgte die Einweihung des Geläuts.

Im Zusammenhang mit dem Neubau kam es zum Streit mit den evangelischen Einwohnern von Hausen. Diese wollten sich nicht an der Finanzierung der neuen Kirche beteiligten und bildeten eine eigene Pfarrgemeinde. Zur Finanzierung behielten sie die Pfarrwiesen in der Hausener Gemarkung. 1821 erfolgte auch Trennung der Heddernheimer Gemeinde von Praunheim.

Das Patronatsrecht ging nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 an die Stadt Frankfurt über. Gegen einmalige Zahlung wurde das Patronatsrecht mit Vertrag vom 10. Januar 1906 abgelöst. Seit 1906 gibt es daher keinen Patronatsherren mehr. Die lutherische Pfarrei von 1646 wurde 1819 zur evangelisch-unierte Pfarrei und 1927 zur evangelisch-unierten Auferstehungsgemeinde.

Der Praunheimer Friedhof umgab bis zum Jahr 1835 die Kirche, anschließend verlegte man ihn an die Haingrabenstraße.

Pfarrer und Lehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Gründung der Gemeinde bis 1857 war meist der Pfarrer eng mit der Funktion des Schulmeisters verbunden. Das Gehalt würde von den Bürgern Zuteil der Orts gezahlt. Weitere einnahmen waren:

  • Sammlung an hohen Feiertage
  • Freiheit vom Hirtenlohn für eine Kuh und ein Schwein
  • Für das des Klingelbeutels 7 Schilling das Jahr.
  • Für das Läuten und Stellen der Uhr mtl. 1 Reichstaler
  • von jedem Praunheimer Bauern 3 Laib Brot
  • Von jedem Einzelnen 3 Albus
  • In Hausen von jedem Untertan 2 Laib Brot
  • In Heddernheim von jedem ev. Untertan 1 Batzen
  • Von jedem Kind jährl. 1 Gulden (fl) Schulgeld
  • Von jedem Kind in Winter die Schulscheite (Brennholz)
  • Von jeder Kindtaufe 2 bis 4 Batzen
  • Von jeder Hochzeit einen halben Gulden
  • Von jeder Beerdigung eines Erwachsen ein halben Kreuzer; von ein Kind 20 Kreuzer
  • Den sogenannten Glockensichting zu 2 Fuder und über 40 Garben Korn und 2 Fuder und Garben Weizen

Im Jahre 1850 ist eine Aufstellung bekannt, das die Lehrerbesoldung 424 fl.; die Kirchendienerbesoldung 41 fl 5 Kreuzer = 266 Taler = 798 D Mark = 400 € Nach einer Aufstellung der kurhessischen Regierung geb es 1831 1148 Lehrerstellen. 65 Stellen über 200 Taler; 109 Stellen 150 bis 200 Taler; 86 Stellen 125 bis 150 Taler; 143 Stellen 100 bis 125 Taler und 706 Stellen bis 100 Taler. Daraus ergibt sich, dass die Praunheimer Schulstelle zu den am besten dotieren in ganz Kurhessen gehörten. Ab dieser Zeit würde von der Preußischen Regierung die Besoldung auf 250 Taler festgelegt. 1869 wurde der Zweitlehrer mit 225 Taler angesetzt, bekam aber nur 175 Taler. 1894 1700 Mark bzw 900 Mark. Ein Jahr später wurde beiden um 100 Mark erhöht.[3]

Kriegszerstörung und Neuaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1945 bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main durch Fliegerbomben zerstört. Die Auferstehungskirche wurde als eine der ersten Frankfurter Kirchen nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut und am 5. Juni 1949 eingeweiht. Bis zum Wiederaufbau nutzte die Auferstehungsgemeinde die katholische Christ-König-Kirche mit.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Plänen der Bauverwaltung des Evangelischen Gemeindeverbands entstand ein Gebäude mit unverputzten Natursteinfassaden, dessen Abmessungen und äußeres Erscheinungsbild der Vorgängerkirche entsprachen. Für das Innere der Kirche wurde eine schlichte Gestaltung gewählt.

Ausstattung und Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1980 wurden die Einbauten aus Holz in den historischen Farben Rot und Grün angelegt. Zwei Buntglasfenster nach Entwürfen von Willi Petri wurden 1990 eingesetzt. Der Kronleuchter und zwei Holzschnitzereien sind Geschenke aus Polen als Dank für von der Gemeinde dorthin organisierte Hilfstransporte in den 1980er Jahren. Den Altar schuf Hans Steinbrenner 2003 aus Muschelkalk.

Im Jahr 1996 erhielt die Auferstehungskirche – finanziert durch Spenden der Gemeindeglieder – eine neue Orgel, erbaut von der Orgelbauwerkstatt Karl Schuke in Berlin. Die Orgel hat 17 Register, verteilt auf zwei Manuale und ein Pedal. Sie besitzt eine mechanische Tontraktur und eine mechanische Registeranlage. Insgesamt stehen 1004 Pfeifen in der Orgel.

Das Orgelgehäuse greift die Farben und den Rhythmus der Ornamente an der Emporenbrüstung auf und setzt sie fort. Die Orgel wird in Gottesdiensten genutzt – zusätzlich gibt es jährlich eine Reihe von Orgelkonzerten. Näheres zur Disposition der Schuke-Orgel findet sich auf der Website der Gemeinde.[4]

Von den drei Glocken stammt eine aus dem Jahr 1840 von der Gießerei Bach, die beiden anderen wurden 1954 von Friedrich Wilhelm Schilling hergestellt.

Nr. Nominal Gewicht(kg) Jahr
1 d1 200 1954
2 h1 250 1840
3 a1 500 1954

Chronik der Auferstehungsgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Pfarrhaus inklusive Gemeindebüro (abgerissen 2013)
  • 1997: Der Evangelische Regionalverband (ERV) teilt der Gemeinde mit, dass der Unterhalt für Gemeinde- und Jugendhaus selbst zu tragen ist.
  • 2000: Erste Gespräche mit dem ERV zwecks Umnutzung der beiden Gebäude und des Grundstücks.
  • 2007: Der ERV sagt der Wicherngemeinde und Auferstehungsgemeinde eine Machbarkeitsstudie für die Graebestrasse 8 zu.
  • 2008: Der ERV fordert die Auferstehungsgemeinde dazu auf, bis Ende 2010 ein tragfähiges Konzept zu erstellen, da Gespräche mit der Wicherngemeinde erfolglos waren. Es soll eine Flächenreduktion um 66 % nach der EKHN-Verordnung geben.
Neues Gemeindehaus inklusive Gemeindebüro (erbaut 2014)
  • 2010: Im März beauftragt der Kirchenvorstand die Auferstehungsgemeinde mit einer erneuten Machbarkeitsstudie. Diese findet im Juli bei der Gemeindeversammlung große Zustimmung. Das Bauvolumen beträgt 1,5 Millionen Euro.
  • 2011: Der ERV schreibt einen Wettbewerb aus.
  • 2012: Im März wird der Entwurf vom Architekten Ferdinand Heide einstimmig angenommen.
  • 2012: Im Oktober zieht der Pfarrer Hoffmann um. Die Bauzeit für den Innenausbau soll ein Jahr betragen.
  • 2013: Genehmigung von Abriss und Neubau. Im Mai zieht das Gemeindebüro in das Gemeindehaus um. Anschließend wird das Gemeindehaus für einen Graffiti-Workshop und von der Freiwilligen Feuerwehr Praunheim zu Übungen genutzt.
  • 2013: Am 15. Juni beginnt der Abriss, unter dem Haus werden Reste eines römischen Brunnen gefunden.
  • 2013: Nach 80 Tagen ist der Rohbau fertig, und am 7. Oktober findet das Richtfest statt.
  • 2014: Ende Juni ist der Innenausbau fertig, und das Gebäude wird an den Kirchenvorstand übergeben.
  • 2014: Mitte Oktober werden Küche sowie Pfarr- und Gemeindebüro eingerichtet.
  • 2014: 2. November ist die Einweihungsfeier und wird der Öffentlichkeit übergeben.[5]

Pfarrhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit wann das Pfarrhaus in unmittelbarer Nähe stand, ist nicht gesichert. Es wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und 1949 wieder aufgebaut. 1950 wurde ein kleiner Anbau errichtet, der erst Gemeindesaal später Gemeindebüro war. 2013 wurde das Pfarrhaus abgerissen und an seiner Stelle ein neues Gemeindehaus errichtet.

Jugendclub – Gemeindehaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiter in Richtung Praunheimer Brücke schließt sich der Jugendclub der Auferstehungsgemeinde an. Direkt nebenan befindet sich das alte Gemeindehaus. Die letztgenannten Gebäude werden abgerissen und das Grundstück dem Regionalverband zur Verwertung in Erbpacht überlassen. Es werden dort Wohnhäuser errichtet.

Das Gebäude des Jugendclubs wurde bis 1973 als Kindergarten genutzt, bevor dieser in die Jean-Albert-Schwarz-Straße umzog.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Auferstehungskirche (Frankfurt-Praunheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Internetseite der Auferstehungsgemeinde

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Proescholdt und Jürgen Telschow: Frankfurts evangelische Kirchen im Wandel der Zeit, Frankfurter Societätsverlag, 2011, ISBN 978-3-942921-11-4, S. 162–163
  • Evangelische Auferstehungsgemeinde Frankfurt am Main – Praunheim Einweihung des neuen Gemeindehauses Sonntag, 2. November 2014
  • Heinz Schomann, Volker Rödel, Heike Kaiser: Denkmaltopographie Stadt Frankfurt am Main. Überarbeitete 2. Auflage, limitierte Sonderauflage aus Anlass der 1200-Jahr-Feier der Stadt Frankfurt am Main. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7973-0576-1 (Materialien zum Denkmalschutz in Frankfurt am Main 1), S. 691
  • Alfred Hansmann: 1200 Jahre Praunheim, 2004, ISBN 3-00-013189-2, S. 78–82
  • Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ev. Auferstehungskirche In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flur 7, Flurstück 46/11
  2. Ev. Auferstehungskirche auf der Webseite Kulturdenkmäler in Hessen
  3. Bilder zur Praunheimer Geschichte Frankfurter Sparkasse 1822
  4. Disposition der Schuke-Orgel (Memento des Originals vom 16. September 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/auferstehung-ffm.ekhn.de
  5. Evangelische Auferstehungsgemeinde Frankfurt am Main - Praunheim Einweihung des neuen Gemeindehauses Sonntag, 2. November 2014

Koordinaten: 50° 9′ 0,1″ N, 8° 37′ 23,3″ O