Aufnahmebereich

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Der Aufnahmebereich des Mikrofonsystems ist in der Stereoaufnahmetechnik derjenige Aufnahmewinkel (Gesamtwinkel) – von der Mikrofonanordnung oder dem Mikrofonsystem aus gesehen –, in dem sich die Schallquellen befinden und der bei der Wiedergabe genau auf die Stereobasis aus der Richtung der Lautsprecher L und R abgebildet wird. Es ist der maximale Abbildungsbereich des Klangkörpers zwischen den Lautsprechern.

Einstellung[Bearbeiten]

Der Aufnahmebereich des Mikrofonsystems sollte gerade so eingestellt sein, dass das Klanggeschehen bei ausgedehnten Instrumentengruppen voll erfasst wird; nicht größer und nicht kleiner. Bei wenig ausgedehnten Klangquellen wie z. B. ein oder zwei Soloinstrumenten, die im Allgemeinen nicht auf der vollen Basis abgebildet werden sollen, wird der Aufnahmebereich größer als die Ausdehnung der Solisten gewählt. Außerhalb des Aufnahmebereichs nimmt das Mikrofonsystem ebenfalls Schall auf. Häufig wird der Aufnahmebereich zu groß gewählt, wobei das Klangbild dann zu schmal auf der Stereobasis abgebildet wird.

Erklärung über Lichtkegel[Bearbeiten]

Eine Taschenlampe kann etwas zum Verständnis des unsichtbaren Aufnahmebereichs beitragen. Wenn man bei einer Taschenlampe vorne am Reflektor dreht, dann lässt sich damit der Lichtkegel verändern. Man kann den Lichtkegel der Taschenlampe variieren und auf klein einstellen und damit einen bestimmten Winkelbereich von L bis R beleuchten oder man kann ihn auch größer einstellen. Jedes Mikrofonsystem hat dagegen einen ganz bestimmten festen, unsichtbaren Aufnahmebereich, der in der Vorstellung einige Ähnlichkeit mit dem sichtbaren Lichtkegel einer Taschenlampe hat.

Ohne Messhilfsmittel ist nicht zu erkennen, welchen Aufnahmebereich ein bestimmtes Mikrofonsystem hat. Dagegen ist die Größe eines Taschenlampen-Lichtkegels sofort zu erkennen. Um das Zustandekommen des Aufnahmebereiches zu verdeutlichen (hier wird der Analogie zur Lichtintensität wegen nur die Intensitätsstereofonie betrachtet), kann man sich nun zwei verschiedenfarbig leuchtende, direkt übereinander positionierte Taschenlampen vorstellen, z.B. eine rote und eine blaue, von denen die rote nach links und die blaue nach rechts leuchtet. Die Leuchtkegel sollen weit und diffus begrenzt sein, etwa der Winkelabhängigkeit eines Mikrofones mit Nierencharakteristik nahekommend. In dieser Analogie würde ein Mikrofon, an Stelle einer der Taschenlampen, eine Schallquelle umso lauter aufnehmen, je heller die vorgestellte Taschenlampe die Schallquelle bescheint. In der Intensitätsstereofonie wird daher die Richtung einer Quelle durch Lautstärkeunterschiede zwischen den Kanälen abgebildet, in unserem Taschenlampenbild entspricht das der (Misch-)Farbe, mit der die Quelle beleuchtet wird. Nun wird alles, was violett beleuchtet wird, in einer entsprechenden Aufnahme mittig geortet werden, rot beleuchtete Bereiche erschienen links, blaue rechts. Bei einem kleinen Winkel zwischen den Lampen, also einer großen Überlappung der Lichtkegel, wird der violette Bereich sehr breit sein, und die roten und blauen Bereiche werden erst sehr weit außen beginnen. Daher ist der Bereich, der auf die ganze Stereobasis abgebildet wird -- wo also die Schallrichtung über die zwei Lautsprecher geortet werden kann --, breit. Wenn man andererseits die Mikrofone bzw. im Bild die Lampen in einem größeren Winkel auseinander gedreht werden, dann wird der violette Bereich schmäler, und daher wird der Winkelbereich der Schallrichtungen, der auf die ganze Stereobasis abgebildet wird, enger.

Zusammengefasst: Ein Vergrößern des Achsenwinkels verkleinert den Aufnahmebereich, ein Verkleinern des Achsenwinkels vergrößert den Aufnahmebereich,

Der Aufnahmebereich eines jeden Mikrofonsystems kann berechnet oder nachgeschlagen werden.[1] Für häufig verwendete Mikrofonanordnungen sollte der jeweilige Aufnahmebereich bekannt sein.

Der Achsenwinkel (gesamter Öffnungswinkel) zwischen den Mikrofonen und auch die jeweilige Richtcharakteristik verändert die Pegeldifferenz Δ L je nach Schalleinfallswinkel und die Mikrofonbasis verändert die Laufzeitdifferenz Δ t je nach Schalleinfallswinkel.

Außer vom Achsenwinkel ist der Aufnahmebereich auch von der Mikrofonbasis, also dem Abstand der Mikrofonmembranen abhängig: Ein Vergrößern der Mikrofonbasis verkleinert den Aufnahmebereich und umgekehrt. Der Aufnahmebereich verhält sich also gegenläufig zu Mikrofonbasis und zu Achsenwinkel.[2][3]

Berechnung[Bearbeiten]

Zur Berechnung der Hörereignisrichtung für Äquivalenzstereofonie kann mit dem Excel-Programm der Aufnahmebereich festgestellt werden.[4]

Häufig wird in diesem Zusammenhang auf die Williams-Kurven hingewiesen, die auf geringfügig andere psychoakustische Rechenwerte für die Laufzeitdifferenz Δ t und die Pegeldifferenz Δ L zurückgreifen, die mit Marracasklicken und Sprachsignalen im reflexionsarmen Raum gefunden wurden.

Die Aufnahme[Bearbeiten]

Bevor eine Aufnahme gemacht wird, sollte eine gewisse Vorstellung vorhanden sein, wie der Klangkörper auf der Lautsprecherbasis klingen und abgebildet werden soll: Orchesterbreite, Orchestertiefenstaffelung, Festlegen eines Vordergrunds, Näheeindruck, Räumlichkeit, Klangfarbe und vieles mehr. Das Stereo-Hauptmikrofonsystem muss ausgewählt werden und der Aufnahmebereich (Aufnahmewinkel) muss von seinem für den Klang bedeutsamen Aufstellungsort aus eingestellt werden. Dazu sind die verschiedenen Mikrofonsysteme mit ihren unterschiedlichen Parametern zu kennen und besonders die jeweils fest zu einem Hauptmikrofonsystem dazugehörende Größe des unsichtbaren Aufnahmebereichs.

Während der sichtbare Ausdehnungsbereich des Klangkörpers – der allein vom Abstand des Stereomikrofonsystems zum Orchester und der Breite des Orchesters abhängt – leicht zu erkennen ist, kann der unsichtbare Aufnahmebereich des Mikrofonsystems nicht so einfach festgestellt werden. Seine Größe kann nur durch Hörtests festgestellt oder durch Berechnung der Hörereignisrichtung vorausgesagt werden. Dazu muss der Tonverantwortliche einiges über die Lautsprecher-Stereofonie wissen und die psycho-akustischen Werte der Laufzeit- und der frequenzneutralen Pegeldifferenzen in etwa kennen, die für die Lokalisation von Phantomschallquellen auf der Stereo-Lautsprecherbasis benötigt werden.

Generell gilt die Forderung, dass der Aufnahmebereich eines Mikrofonsystems dem Winkel, unter dem der Klangkörper zu „sehen“ ist, entsprechen soll. Abweichungen führen dazu, dass entweder der Klangkörper nicht voll erfasst wird oder umgekehrt der ganze Klangkörper bei der Wiedergabe nur auf die Mitte zwischen den Lautsprechern konzentriert wird.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Dickreiter, Volker Dittel, Wolfgang Hoeg, Martin Wöhr (Hrsg.), Handbuch der Tonstudiotechnik, 8., überarbeitete und erweiterte Auflage, 2 Bände, Verlag: Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2014, ISBN 978-3-11-028978-7 oder e-ISBN 978-3-11-031650-6
  • Thomas Görne: Tontechnik. 1. Auflage, Carl Hanser, Leipzig 2006, ISBN 3-446-40198-9
  • Thomas Görne: Mikrofone in Theorie und Praxis. 8. Auflage, Elektor-Verlag, Aachen 2007, ISBN 978-3-89576-189-8

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufnahmebereich wichtige Werte (PDF; 67 kB)
  2. Der Aufnahmebereich, wichtige berechnete Werte (PDF; 34 kB)
  3. Aufnahmebereich-Kurven (Nieren) (PDF; 290 kB)
  4. Hörereignisrichtung-Aequivalenzmikrofone (MS Excel; 26 kB)