Aufruf der Kulturschaffenden

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Joseph Goebbels: Aufruf der Kulturschaffenden. Ausschnitt aus Völkischer Beobachter vom 18. August 1934

Der Aufruf der Kulturschaffenden, ein von Joseph Goebbels formuliertes Manifest[1], erschien am 18. August 1934 im Völkischen Beobachter, dem Parteiorgan der NSDAP, am Vorabend der Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs. Mit diesem Plebiszit sechs Wochen nach dem sogenannten Röhm-Putsch und zwei Wochen nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg wollte sich die Regierung Hitler die von ihr bereits am 1. August 1934 beschlossene Vereinigung der Ämter des Staatsoberhauptes (Reichspräsident) und des Regierungschefs (Reichskanzler) in der Person Adolf Hitlers vom Volk bestätigen lassen.

Die Zeitungsmitteilung lautet:

Aufruf der Kulturschaffenden
Berlin, 17. August.
Die unterzeichneten Persönlichkeiten richten folgenden Aufruf an die Öffentlichkeit:
Volksgenossen, Freunde!
Wir haben einen der Größten deutscher Geschichte zu Grabe geleitet. An seinem Sarg sprach der junge Führer des Reiches für uns alle, und legte Bekenntnis ab für sich und den Zukunftswillen der Nation.
Wort und Leben setzte er zum Pfand für die Wiederaufrichtung unseres Volkes, das in Einheit und Ehre leben und Bürge des Friedens sein will, der die Völker verbindet. Wir glauben an diesen Führer, der unseren heißen Wunsch nach Eintracht erfüllt hat.
Wir vertrauen seinem Werk, das Hingabe fordert jenseits aller krittelnden Vernünftelei, wir setzen unsere Hoffnung auf den Mann, der über Mensch und Dinge hinaus in Gottes Vorsehung gläubig ist.
Weil der Dichter und Künstler nur in gleicher Treue zum Volk zu schaffen vermag, und weil er von der gleichen und tiefsten Überzeugung kündet, dass das heiligste Recht der Völker in der eigenen Schicksalsbestimmung besteht, gehören wir zu des Führers Gefolgschaft.
Wir fordern nichts anderes für uns, als was wir anderen Völkern ohne Vorbehalte zugestehen, wir müssen es für dieses Volk, das deutsche Volk, fordern, weil seine Einheit, Freiheit und Ehre unser aller Not und Wille ist.
Der Führer hat uns wiederum aufgefordert, in Vertrauen und Treue zu ihm zu stehen. Niemand von uns wird fehlen, wenn es gilt, das zu bekunden.

Unterzeichner waren Werner Beumelburg, Ernst Barlach, Rudolf G. Binding, Hans Friedrich Blunck, Verleger Alfred Bruckmann, Richard Euringer, Professor Emil Fahrenkamp, Erich Feyerabend, Gustav Frenssen, Wilhelm Furtwängler, Professor Dr.Eberhard Hanfstaengl, Gustav Havemann, Erich Heckel, Professor Eugen Hönig, Heinz Ihlert, Hanns Johst, Georg Kolbe, Erwin Kolbenheyer, Werner Krauß, Franz Lenk, Heinrich Lersch, Professor Karl Lörcher, Architekt Walter March, Agnes Miegel, Börries Freiherr von Münchhausen, Emil Nolde, Paul Pfund, Hans Pfitzner, Professor Dr. Wilhelm Pinder, Mies van der Rohe, Professor Dr. h .c. Paul Schultze-Naumburg, Hermann Stehr, Richard Strauss, Joseph Thorak, Generalintendant Heinz Tietjen, Oberbürgermeister Dr. Weidemann, Arnold [Adolf ?] Weinmüller.[2]

Die Volksabstimmung erbrachte Hitler am 19. August 1934 eine deutliche Mehrheit von 89,9 %.

Von Goebbels und Hitler wurden 1944 folgende Unterzeichner des Aufrufs auf die sogenannte Gottbegnadeten-Liste gesetzt:Hanns Johst[3], Georg Kolbe[4], Erwin Guido Kolbenheyer[5], Agnes Miegel[6], Hans Pfitzner[7], Josef Thorak[8], Hans Friedrich Blunck, Gustav Frenssen, Wilhelm Furtwängler, Werner Krauß, Börries Freiherr von Münchhausen, Paul Schultze-Naumburg und Richard Strauss.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gudula Mayr: Review of Peter Paret, An Artist against the Third Reich: Ernst Barlach, 1933–1939. H-Artist, H-Net Reviews. October, 2003. https://www.h-net.org/reviews/showpdf.php?id=8281
  2. Völkischer Beobachter, Ausgabe A/Norddeutsche Ausgabe. Jg. 47, Nr.230 vom 18. August 1934. Landesbibliothek Oldenburg, Sign. GE III 1 D 327
  3. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 285.
  4. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 326.
  5. Ernst Klee: Kulturlexikon 2007, S. 326.
  6. Ernst Klee: Kulturlexikon 2007, S. 409.
  7. redok.de
  8. Gerald Lehner, ORF.at