Visual snow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Augenrauschen)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Visual snow ist ein visuelles Phänomen, welches von Betroffenen wie anhaltendes Bildrauschen im gesamten Gesichtsfeld wahrgenommen wird: Es besteht aus vielen kleinen Punkten, die rasant flimmern, ähnlich dem Rauschen eines analogen Fernsehers. Diese Beschreibung wurde namensgebend für das Erkrankungsbild, das über diese umschriebene visuelle Störung hinausgeht. Vereinzelt wird der Begriff visual snow mit optischen Phänomenen der Migräneaura begrifflich in Verbindung gebracht.[1] Eine Studie aus dem Jahr 2013 kommt zu der Erkenntnis, dass es sich hierbei um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt.[2]

Diagnosekriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Krankheitsbild von anhaltenden Auren einer Migräne abzugrenzen, erfolgten Untersuchungen mit einer genauen klinischen Charakterisierung, Erfassung von Begleiterkrankungen und Krankheitsverläufen bei einer größeren Patientengruppe. Basierend darauf wurden folgende Diagnosekriterien postuliert.[3]

Vorgeschlagene Diagnosekriterien des Krankheitsbildes visual snow
A Visual snow: dynamische, kontinuierlich vorhandene kleine Punkte im gesamten binokularen Gesichtsfeld, welche länger als 3 Monate andauern
B Vorhandensein von mindestens zwei weiteren visuellen Symptomen der folgenden vier Kategorien
I Palinopsie (Trugbilder von Objekten, die sich kurz zuvor im Gesichtsfeld befunden haben). Zumindest eines der folgenden: Nachbilder (sich von retinalen Nachbildern unterscheidend) oder „trailing“ (Spuren) bewegter Objekte
II Ausgeprägte entoptische Phänomene. Zumindest eines der folgenden: exzessive Floaters in beiden Augen (fliegende Mücken), „self-light“ des Auges (farbige Wolken, Strudel, Wellen), spontane Photopsie (Wahrnehmung von Blitzen, Funken, Sternchen), oder exzessives Blaufeld-Phänomen (Wahrnehmung unzähliger winziger, sich rasch bewegender Punkte bei Blick in helles blaues Licht, wie z. B. den Himmel)
III Photophobie (Lichtempfindlichkeit)
IV Nyktalopie (beeinträchtigtes Dämmerungssehen)
C Die Symptome stimmen nicht mit typischer visueller Migräneaura überein
D Die Symptome lassen sich nicht besser durch andere Störungen erklären

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Studie aus dem Jahr 2014 wurde festgestellt, dass Betroffene eine erhöhte Aktivität im Gyrus lingualis, einem Areal im Gehirn, aufweisen.[4] Zuvor waren keine Informationen über eine mögliche Genese bekannt.

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit gibt es noch keine standardisierte Therapie. In Einzelfällen können Antikonvulsiva oder Antidepressiva wirksam sein.[5] Außerdem wird das Tragen von getönten Brillen empfohlen.[6]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jäger HR, Giffin NJ, Goadsby PJ: Diffusion- and perfusion-weighted MR imaging in persistent migrainous visual disturbances. Cephalalgia. 2005 May;25(5):323-32. PMID 15839846
  2. Christoph Schankin, Farooq Maniyar, Jan Hoffmann, Denise Chou, Peter Goadsby: Clinical characterization of "visual snow" (Positive Persistent Visual Disturbance). In: The Journal of Headache and Pain. February 2013.
  3. Schankin, CJ, Maniyar, FH, Digre, KB, Goadsby, PJ (2014) ‘Visual snow’ – a disorder distinct from persistent migraine aura, Brain doi:10.1093/brain/awu050
  4. Christoph J. Schankin, Farooq H. Maniyar, Till Sprenger, Denise E. Chou, Michael Eller, Peter J. Goadsby: The Relation Between Migraine, Typical Migraine Aura and "Visual Snow". In: Headache: The Journal of Head and Face Pain. 54, Nr. 6, 1. Juni 2014, ISSN 1526-4610, S. 957–966. doi:10.1111/head.12378.
  5. Schankin CJ, Viana M, Goadsby PJ (2016) Persistent and Repetitive Visual Disturbances in Migraine: A Review., In: Headache doi:10.1111/head.12946
  6. Jenny L. Lauschke a,b, Gordon T. Plant c, Clare L. Fraser (2015) Visual snow: A thalamocortical dysrhythmia of the visual pathway?, In: Journal of Clinical Neuroscience 28 (2016) 123–127 doi:10.1016/j.jocn.2015.12.001

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!