Synagoge (Augsburg)

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Blick auf den überkuppelten Zentralbau der Synagoge
Innenansicht des Tempelraumes (1919)

Die Augsburger Synagoge dient als Kultuszentrum für die jüdische Gemeinde in Augsburg. So feiert die Israelitische Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben dort jeden Freitagabend und jeden Samstagmorgen den Schabbat.[1] Erbaut wurde die Synagoge zwischen 1914 und 1917 nach den Entwürfen der Architekten Landauer und Lömpel in der Halderstraße unweit des Königsplatzes. Durch die Reichspogromnacht und die später durchgeführten alliierten Luftangriffe wurde auch die Synagoge in Augsburg in Mitleidenschaft gezogen. Erst 1963 konnte ein kleiner Teil der Synagoge wieder von der Gemeinde genutzt werden. Zwischen 1974 und 1985 wurde die Synagoge schließlich vollständig wiederhergestellt. Seit der 1985 erfolgten Wiedereröffnung beherbergt sie auch das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben.[2]

Das Erscheinungsbild der Synagoge ist geprägt von Elementen des Jugendstils in Verbindung mit neobyzantinischen und orientalisierenden Details. Als bemerkenswert gilt zudem die Kombination von traditionellen Formen des landschaftsgebundenen Bauens mit einer modernen Konstruktion.[3] Sie stellt ein herausragendes Beispiel des „neu-jüdischen“ Synagogentyps im Geist des Reformjudentums dar[4] und dokumentiert das Selbstbewusstsein der Augsburger Juden, die zum Zeitpunkt des Neubaus seit zwei Generationen gleichberechtigt in der Stadt lebten.[5] Sowohl der Zentralbau als auch die vorgelagerten Gemeindebauten sind als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baulücke
Ausschnitt Stadtplan Augsburg 1905

Bauplatz im Stadtplan von 1905

Die jüdische Gemeinde in Augsburg war gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch den Zuzug aus den Landgemeinden stark angewachsen, sodass die vorhandenen Räumlichkeiten der Synagoge in der Wintergasse trotz mehrerer Um- und Anbauten nicht mehr ausreichend waren. 1896 erfolgte daher die Gründung eines Synagogenbauvereins. Mit Hilfe der gesammelten Spendengelder gelang dem Verein 1903 der Erwerb des ehemaligen Degmairschen Gartengutes in der Halderstraße. 1911 erfolgte dann die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs für den Neubau der Synagoge. Die Architekten Fritz Landauer (1883–1968) und Heinrich Lömpel (1877–1951) gingen als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Am 30. April 1914 fand die Grundsteinlegung für den dringend benötigten Neubau statt. Aufgrund des Ersten Weltkrieges gerieten die Arbeiten jedoch ins Stocken und konnten erst 1917 abgeschlossen werden.[6] Die neue Synagoge wurde am 4. April 1917 feierlich eröffnet.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 verschafften sich Nationalsozialisten Zutritt zur Synagoge und zerstörten Teile der Inneneinrichtung. Zudem wurde der Tempelraum in Brand gesetzt. Die herbeigerufene Feuerwehr löschte das Feuer jedoch rasch wieder, da man ein Übergreifen auf die angrenzenden Bebauung befürchtete. Männer der Gestapo untersuchten anschließend den Brandort und äußerten umgehend den Verdacht, dass jüdische Gemeindemitglieder das Feuer selbst entzündet hätten.[7]

Aufgrund der in der Nacht entstandenen Schäden war eine Nutzung durch die jüdische Gemeinde unmöglich geworden. In die vorgelagerten Gemeindebauten wurden mehrere städtische Einrichtungen, wie etwa die Wohlfahrtsstelle oder die Kleiderkammer, einquartiert. Die Synagoge diente jedoch auch als Sammellager für Deportationen jüdischer Familien aus Schwaben. Ab 1941 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nutzen die städtischen Bühnen den Tempelraum als Kulissenlager. Die beiden Gemeindebauten wurden ab 1942 von der NS-Volkswohlfahrt und einem Luftwaffen-Gaustab in Anspruch genommen. Zugleich war auf der Spitze der Kuppel eine Flak-Stellung untergebracht.

Nach dem Krieg dauerte es viele Jahre, bis die Synagoge wieder ihrem ursprünglichen Nutzen zugeführt werden konnte. Die sogenannte „Kleine Synagoge“ wurde ab dem 15. Dezember 1963 wieder von der jüdischen Gemeinde genutzt. In den Jahren von 1974 bis 1985 erfolgte dann die Wiederherstellung der übrigen Synagoge (offizielle Einweihung am 1. September 1985) unter dem langjährigen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben, Julius Spokojny.[8]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synagoge besteht aus mehreren Gebäudeteilen. Der Zentralbau mit dem Tempelraum liegt etwas zurückversetzt und wird durch zwei symmetrisch angeordneten Gemeindebauten von der Halderstraße abgetrennt. Zwischen den Gemeindebauten liegt eine Eingangshalle mit drei Durchgangsbögen. Die Gemeindebauten sind durch zwei Seitentrakte mit dem Zentralbau verbunden. Der östlich gelegene Seitentrakt beinhaltet den Trausaal und die Werktagssynagoge. Im gegenüberliegenden westlichen Seitentrakt befindet sich eine Vorhalle mit Garderobe und Davidbrunnen zur rituellen Handwaschung. Mittig liegt der begrünte Innenhof mit Sphinxbrunnen.

Im Grundriss stellt sich der Zentralbau als gleicharmiges Kreuz dar. Die Mitte des Zentralbaus ist mit einer Stahlbetonkuppel bedeckt. Seitlich schließen sich vier kurze Satteldächer daran an, die von insgesamt vier steinernen Löwen eingerahmt werden. Der im Inneren gelegene Tempelraum ist nach Osten orientiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gernot Römer: Augsburg. Einst Vorbild der modernen Synagogen-Baukunst. In: Willi Jasper, Julius H. Schoeps (Hrsg.): Deutsch-jüdische Passagen. Europäische Stadtlandschaften von Berlin bis Prag. Hoffmann und Campe, Hamburg 1996, S. 21–31.
  • Sabine Klotz: Fritz Landauer (1883–1968). Leben und Werk eines jüdischen Architekten. (= Schriften des Architekturmuseums Schwaben, Bd. 4.) Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2001.
  • Die Augsburger Synagoge – ein Bauwerk und seine Geschichte / The Augsburg Synagogue – A Building and its History hrsg. im Auftrag der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben von Benigna Schönhagen in Zusammenarbeit mit Tatjana Neef zum 25-jährigen Jubiläum der Wiedereinweihung der Augsburger Synagoge und der Eröffnung des Jüdischen Kulturmuseums, Augsburg 2010.
  • Benigna Schönhagen: Augsburg. Die Synagoge. Orte jüdischer Geschichte und Kultur. hrsg. vom Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Haigerloch 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Synagoge (Augsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gebetszeiten der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben – Augsburg
  2. Günther Grünsteudel, Günter Hägele, Rudolf Frankenberger (Hrsg.): Augsburger Stadtlexikon. 2. Auflage. Perlach, Augsburg 1998, ISBN 3-922769-28-4
  3. Synagoge « Jüdisches Kulturmuseum Augsburg Schwaben. In: jkmas.de. Abgerufen am 10. August 2016.
  4. Sabine Klotz: Fritz Landauer – Leben Und Werk jüdischen Architekten. Reimer, 2001, ISBN 978-3-496-01247-4 (books.google.com).
  5. Michael Brenner, Sabine Ullmann: Die Juden in Schwaben. Walter de Gruyter, 2013, ISBN 978-3-486-71513-2 (books.google.com).
  6. Tempel im neuen Zentrum der Stadt, Artikel in der Augsburger Allgemeinen vom 30. April 2014
  7. Karl Filser: Hakenkreuz und Zirbelnuß. Himmer Verlag, Augsburg 1983, ISBN 3-921706-02-5, S. 44.
  8. Stadt Augsburg. In: augsburg.de. Abgerufen am 29. Oktober 2015.

Koordinaten: 48° 21′ 56″ N, 10° 53′ 31″ O