August Diehl

August Diehl (* 4. Januar 1976 in West-Berlin) ist ein deutscher Schauspieler.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]August Diehl stammt aus einer Künstlerfamilie. Er ist der Sohn des Schauspielers Hans Diehl (1940–2024); seine Mutter ist Kostümbildnerin. Sein jüngerer Bruder Jakob Diehl (* 1978) ist Komponist und Schauspieler. Bis zu seinem siebten Lebensjahr wuchs Diehl auf einem Bauernhof ohne Strom in der Auvergne in Frankreich auf.[1]
Diehl war von 1999 bis 2016 mit der Schauspielerin Julia Malik verheiratet. Er spielte mit ihr zusammen im Mai 2008 bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen.[2] Im Mai 2009 wurde ihr erstes Kind, eine Tochter, in Berlin geboren. Ihr zweites Kind, ein Junge, wurde 2012 geboren.
Schauspielkarriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Abitur an einer Waldorfschule[3] studierte Diehl an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin Schauspiel.[4] Diehls Vorbilder sind die Schauspieler Gert Voss, mit dem er zusammen spielte, und Robert De Niro.[5]
Seine erste Filmarbeit, die Hauptrolle als Computerhacker Karl Koch im Kinofilm 23 – Nichts ist so wie es scheint aus dem Jahr 1998, brachte ihm Bekanntheit und den Deutschen Filmpreis als bester Darsteller ein. Es folgten zahlreiche weitere Filmrollen sowie Theaterarbeiten an den großen deutschsprachigen Bühnen, für die er weitere Auszeichnungen erhielt. In dem Filmdrama Was nützt die Liebe in Gedanken (Kinostart: November 2004) basierend auf der Steglitzer Schülertragödie 1927 spielte er, an der Seite von Daniel Brühl, die Rolle des 19-jährigen Oberschülers Günther Scheller.
In Quentin Tarantinos Oscar-prämiertem Film Inglourious Basterds hatte Diehl 2009 eine größere Rolle als SS-Sturmbannführer Dieter Hellstrom. Im amerikanischen Actionthriller Salt, der im August 2010 in die Kinos kam, ist Diehl als Ehemann der von Angelina Jolie gespielten Hauptfigur zu sehen.
Neben seinen Hauptrollen in den deutschen Kinofilmen Die kommenden Tage (2010) und Wer wenn nicht wir trat Diehl 2011 auch im Musikvideo zu Herbert Grönemeyers Single Schiffsverkehr auf.
Seit 2009 ist Diehl in der Band „hands up-excitement!“[6] als Gitarrist aktiv.

Mit Beginn der Spielzeit 2013/2014 ist August Diehl Ensemblemitglied am Burgtheater Wien.
Im Jahr 2019 verkörperte Diehl in Terrence Malicks Filmdrama Ein verborgenes Leben den österreichischen Landwirt und Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter. In der sechsteiligen TV-Serie Die Neue Zeit (Erstausstrahlung: September 2019) über die Gründerjahre des Staatlichen Bauhauses in Weimar übernahm er die Rolle des Architekten und Bauhausgründers Walter Gropius, der eine für die Serie erfundene Liebesbeziehung mit der Kunststudentin Dörte Helm (Anna Maria Mühe) führt.[7]
August Diehl ist Mitglied der Deutschen Filmakademie.[8] Er lebt in Berlin.
Theater
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- 1997: Nach Hause, Regie: Lore Stefanek (Maxim-Gorki-Theater, Berlin)
- 1998: Don Carlos, Regie: Reiner Heise (Maxim-Gorki-Theater, Berlin)
- 1998: Höllenangst, Regie: Lore Stefanek (Maxim-Gorki-Theater, Berlin)
- 1998–1999: Gesäubert von Sarah Kane, Regie: Peter Zadek, mit Ulrich Mühe, Susanne Lothar, Uwe Bohm (Hamburger Kammerspiele)
- 1999: Das Leben – ein Traum, Regie: Michael Gruner (Stadttheater Dortmund)
- 2000: Die Möwe von Tschechow, Regie: Luc Bondy, mit Gert Voss, Jutta Lampe, Johanna Wokalek (Burgtheater Wien)
- 2001: Roberto Zucco von Koltes, Regie: Klaus Michael Grüber (Akademietheater Wien)
- 2001–2003: Der Jude von Malta, Regie: Peter Zadek, mit Gert Voss, Ignaz Kirchner, Uwe Bohm (Burgtheater Wien)
- 2003: Ödipus auf Kolonos, Regie: Klaus Michael Grüber, mit Bruno Ganz, (Burgtheater Wien in Koproduktion mit den Wiener Festwochen)
- 2003–2005: Don Karlos von Schiller, Regie: Laurent Chétouane (Hamburger Schauspielhaus)
- 2006: Zur schönen Aussicht von Ödön von Horváth, Regie: Martin Kušej (Hamburger Schauspielhaus)
- 2008: Ein Mond für die Beladenen von Eugene O’Neill, Regie: Frank Hoffmann, mit Hans Diehl, Julia Malik, Marc Limpach und Marco Lorenzini (Ruhrfestspiele Recklinghausen)
- 2009: Major Barbara von George Bernard Shaw, Regie: Peter Zadek (Schauspielhaus Zürich)
- 2012: Prinz Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin von Heinrich von Kleist, Regie: Andrea Breth (Burgtheater Wien in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen)
- 2013: Hamlet von William Shakespeare, Regie: Andrea Breth (Burgtheater Wien)
- 2014: Das Geisterhaus von Isabel Allende, Bühnenfassung von Antú Romero Nunes und Florian Hirsch unter Verwendung der Übersetzung von Anneliese Botond, Regie: Antú Romero Nunes (Akademietheater Wien)
- 2016: Diese Geschichte von Ihnen von John Hopkins, Regie: Andrea Breth (Akademietheater Wien)
- 2018: Eines langen Tages Reise in die Nacht von Eugene O’Neill, Regie: Andrea Breth (Burgtheater Wien)
- 2020: Drei Mal Leben von Yasmina Reza, Regie: Andrea Breth (Berliner Ensemble)
- 2025: Der Schneesturm von Wladimir Sorokin, Regie: Kirill Serebrennikow (Koproduktion Düsseldorfer Schauspielhaus, Salzburger Festspiele und KIRILL & FRIENDS Company)
- 2025: Hamlet/Fantômes nach William Shakespeare, Regie und Text: Kirill Serebrennikow (Produktion Théatre du Châtelet Paris mit KIRILL & FRIENDS Company)
Filmografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1998: 23 – Nichts ist so wie es scheint
- 1998: Entering Reality
- 1999: Die Braut
- 1999: Poppen (Kurzfilm)
- 2000: Kalt ist der Abendhauch
- 2000: Hilflos
- 2000: Der Atemkünstler
- 2001: Love the Hard Way
- 2002: Tattoo
- 2002: Haider lebt – 1. April 2021
- 2003: Anatomie 2
- 2003: Lichter
- 2003: Birkenau und Rosenfeld (La petite prairie aux bouleaux)
- 2004: Was nützt die Liebe in Gedanken
- 2004: Der neunte Tag
- 2004: Feuer in der Nacht (Live übertragener Fernsehfilm)
- 2004: Mouth to Mouth
- 2005: Kabale und Liebe
- 2005: Wattläufer
- 2006: Slumming
- 2006: Ich bin die Andere
- 2007: Die Fälscher
- 2007: Freischwimmer
- 2007: Nichts als Gespenster
- 2008: Herrn Kukas Empfehlungen
- 2008: Buddenbrooks
- 2008: Dr. Alemán
- 2008: Anonyma – Eine Frau in Berlin
- 2009: Inglourious Basterds
- 2010: Wenn einer von uns stirbt, geh ich nach Paris (Erzählerstimme)
- 2010: Salt
- 2010: Die kommenden Tage
- 2011: Wer wenn nicht wir
- 2011: Schiffsverkehr (Musikvideo von Herbert Grönemeyer)
- 2012: Wir wollten aufs Meer
- 2012: Confession (Confession d’un enfant du siècle)
- 2012: Die Abenteuer des Huck Finn
- 2013: Layla Fourie
- 2013: Nachtzug nach Lissabon (Night Train to Lisbon)
- 2013: Frau Ella
- 2013: The Husband
- 2015: Dirk Ohm – Illusjonisten som forsvant
- 2015: En mai, fais ce qu’il te plaît
- 2016: Close to the Enemy (Fernsehserie)
- 2016: Schwarzer Diamant (Diamant noir)
- 2016: Allied – Vertraute Fremde (Allied)
- 2017: Der junge Karl Marx (Le jeune Karl Marx)
- 2018: Parfum (Fernsehserie)
- 2018: Kursk
- 2018: Vidocq – Herrscher der Unterwelt (L’Empereur de Paris)
- 2019: Ein verborgenes Leben (A Hidden Life)
- 2019: The Last Vermeer
- 2019: Die Neue Zeit (Fernsehserie)
- 2021: Plan A – Was würdest du tun?
- 2021: The King’s Man: The Beginning (The King’s Man)
- 2021: München – Im Angesicht des Krieges (Munich: The Edge of War)
- 2022: Der Parfumeur
- 2022: Der Räuber Hotzenplotz
- 2023: Der Pass (Serie, Staffel 3)
- 2024: Der Meister und Margarita (Мастер и Маргарита)
- 2024: Madame Sidonie in Japan
- 2024: Bonhoeffer
- 2025: Herz aus Eis (La tour de glace)
- 2025: Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa
- 2025: Das Verschwinden des Josef Mengele
Hörbücher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2004: Der Clan der Otori – Das Schwert in der Stille (als Takeo)
- 2004: Der Clan der Otori – Der Pfad im Schnee
- 2005: Der Clan der Otori – Der Glanz des Mondes
- 2008: In Plüschgewittern von Wolfgang Herrndorf
- 2013: Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf
- 2013: Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque
- 2014: Hafenlichter von Jens Eisel[9]
- 2016: Jakob der Lügner von Jurek Becker
- 2017: Die Terranauten von T.C. Boyle, Der Hörverlag, München
Hörspiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1998: Einzeldarstellerpreis beim Schauspielschultreffen in München
- 1998: Bayerischer Filmpreis als Bester Nachwuchsschauspieler für 23
- 1999: Auszeichnung der Zeitschrift Theater heute als Nachwuchsschauspieler des Jahres für seine Rolle als Robin in der Theaterinszenierung Gesäubert von Peter Zadek
- 1999: Deutscher Filmpreis als Bester Hauptdarsteller für 23
- 2000: Nestroy-Nominierung als Bester Nachwuchs
- 2000: Deutscher Shooting Star des europäischen Films
- 2000: O.E. Hasse-Preis für 1998/1999
- 2001: Alfred-Kerr-Darstellerpreis des Berliner Theatertreffens für die Rolle des Kostja in Die Möwe
- 2001: Ulrich-Wildgruber-Preis
- 2004: Undine Award als Bester jugendlicher Hauptdarsteller in einem Kinospielfilm für seine Rolle als Günther in Was nützt die Liebe in Gedanken
- 2005: Preis der deutschen Filmkritik als Bester männlicher Hauptdarsteller 2004 für Was nützt die Liebe in Gedanken
- 2005: DIVA-Award als Bester Schauspieler des Jahres (Jurypreis) für Was nützt die Liebe in Gedanken
- 2005: Nominierung für den Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller für Der neunte Tag
- 2011: Nominierung für den Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller für Wer wenn nicht wir
- 2014: Emder Schauspielpreis im Rahmen des Internationalen Filmfests Emden-Norderney
- 2014: Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie „Bester Schauspieler“ als Hamlet am Wiener Burgtheater
- 2014: Preis der deutschen Schallplattenkritik für Einlesung von Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur
- 2019: International Actors Award beim Film Festival Cologne
- 2020: BZ Kulturpreis
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Manfred Hobsch, Ralf Krämer, Klaus Rathje: Filmszene D. Die 250 wichtigsten jungen deutschen Stars aus Kino und TV. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-511-2, S. 95 ff.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über August Diehl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- August Diehl bei IMDb
- August Diehl bei filmportal.de (mit Fotogalerie)
- August Diehl bei der Agentur Die Agenten
- Timo Stein: „Vielleicht müssen wir bald gegen uns selber auf die Straße gehen“ – Interview mit August Diehl. In: Cicero vom 3. Oktober 2011
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ August Diehl im Munzinger-Archiv, abgerufen am 15. März 2025 (Artikelanfang frei abrufbar)
- ↑ Kerstin Halstenbach: Das Spielfreude-Gen. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 27. April 2008, abgerufen am 8. März 2013.
- ↑ Annabel Wahba: Das Jahr des August Diehl. In: Die Zeit. 27. November 2008, abgerufen am 4. Januar 2013.
- ↑ August Diehl bei Filmmakers, abgerufen am 10. Oktober 2023
- ↑ Sendung „Gero von Boehm begegnet: August Diehl“, ausgestrahlt am 7. April 2008, 22:25 auf 3sat
- ↑ hands-up-excitement.de
- ↑ August Diehl in „Die Neue Zeit“: Reden über das Frauenbild am Bauhaus. In: kurier.at. Abgerufen am 13. Januar 2020.
- ↑ August Diehl. In: deutsche-filmakademie.de. Deutsche Filmakademie, abgerufen am 6. März 2019.
- ↑ Popshot: Rezension zum Hörbuch. 30. September 2014, abgerufen am 2. Oktober 2014.
- ↑ ENTHÜLLT. Abgerufen am 25. Januar 2021.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Diehl, August |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 4. Januar 1976 |
| GEBURTSORT | Berlin |