August Heinrich Sieberg

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August Heinrich Sieberg (* 23. Dezember 1875 in Aachen; † 18. November 1945 in Jena) war ein deutscher Geophysiker. Er forschte vor allem auf dem Gebiet der Erdbeben und entwickelte eine Erdbebenskala wie auch eine Tsunami-Skala.

Wissenschaftlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg war Sieberg nach einer Ausbildung als Architekt Angehöriger der International Seismological Association (ISA), der heutigen International Association of Seismology and Physics of the Earth’s Interior, sowie der Deutschen Seismologischen Station in Straßburg. Darüber hinaus gehörte Sieberg unter anderem mit Karl Erich Andrée, Gustav Angenheister, Immanuel Friedländer, Beno Gutenberg, Franz Kossmat, Gerhard Krumbach, Karl Mack, Ludger Mintrop, Peter Polis, und Emil Wiechert zu den Gründungsmitgliedern der am 19. September 1922 in Leipzig gegründeten Deutschen Seismologischen Gesellschaft, der heutigen Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft.

Nach dem Krieg und dem Verlust von Straßburg ging Sieberg 1923 mit Oskar Hecker nach Jena und wurde dort zunächst unter Hecker Assistent an der neu gegründeten Reichszentrale für Erdbebenforschung, dem Vorgänger des heutigen Geodynamischen Observatoriums Moxa. 1932 wurde Sieberg als Nachfolger von Hecker Leiter des Instituts, das kurz vor seinem Tod der Friedrich-Schiller-Universität Jena angegliedert wurde. Im Jahr 1933 wurde August Sieberg zum Mitglied der Leopoldina gewählt.[1] 1939 trat er dem Bulgarischen Seismologischen Dienst in Sofia als externes Mitglied bei.[2]

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Seismologe beschäftigte er sich mit der Zusammenstellung von Erdbebenkatalogen und der geographischen Verteilung von Erdbeben. Weitere Forschungsgebiete waren Tektonik und die Analyse makroseismischer Daten. Sieberg war sich darüber im Klaren, dass die Beschaffenheit des Untergrundes und die Bauweise einen starken Einfluss auf die bei einem Erdbeben entstehenden Schäden haben, und war sehr interessiert an den gesellschaftlichen Auswirkungen von Erdbeben.[2]

1912 führte Sieberg die zwölfteilige Mercalli-Cancani-Sieberg-Skala als Weiterentwicklung der Mercalll-Cancani-Skala ein. Die Skala ist so aufgebaut, dass jede Skaleneinteilung etwa der doppelten horizontalen Grundbeschleunigung der vorherigen entspricht.

1927 entwickelte er die Sieberg-Skala, eine sechsteilige Skala zur Beurteilung der Stärke von Tsunamis auf der Grundlage ihrer Auswirkungen auf Menschen, Gebäude und Natur, die 1962 von Nicholas Ambraseys in der Form der Sieberg-Ambraseys-Skala an die üblichen zwölfteiligen Erdbebenskalen angepasst wurde. 1939 publizierte er den ersten Erdbebenkatalog von Deutschland und angrenzenden Gebieten.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1904: Handbuch der Erdbebenkunde. F. Vieweg und Sohn, Braunschweig
  • 1914: Einführung in die Erdbeben- und Vulkankunde Süditaliens. G. Fischer, Jena
  • 1922: Die Verbreitung der Erdbeben auf Grund neuerer makro- und mikroseismischer Beobachtungen und ihre Bedeutung für Fragen der Tektonik. G. Fischer, Jena
  • 1923: Geologische, physikalische und angewandte Erdbebenkunde. G. Fischer, Jena
  • 1927: Geologische Einführung in die Geophysik: Für Studierende der Naturwissenschaften, des Ingenieurwesens und des Bergbaus, sowie zum Selbststudium. G. Fischer, Jena
  • 1932: Erdbebengeographie. Handbuch der Geophysik, Bd. 4, Lfg. 3, Borntraeger, Berlin
  • 1933: Erdbebenforschung und ihre Verwertung für Technik, Bergbau und Geologie. G. Fischer, Jena
  • 1937: Beiträge zur erdbebenkundlichen Bautechnik und Bodenmechanik. Veröffentlichungen der Reichsanstalt für Erdbebenforschung in Jena

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliedseintrag von August Sieberg bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 12. Februar 2016.
  2. a b Paskaleva et al. 2007, s. Quellen