August Hermann Francke (Tibetologe)

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August Hermann Francke (* 5. November 1870 in Gnadenfrei, Schlesien; † 16. Februar 1930 in Berlin; häufig auch als August Hermann Franke oder Hermann Franke genannt) war ein deutscher Missionar, Sprachforscher und Tibetologe.[1]

Leben[Bearbeiten]

Franckes Eltern waren der Kaufmann und Inhaber der Färberei J. Haag in Gnadenfrei August Herrmann Francke (1838–1898) und Charlotte Susanne Francke, geb. Beyer (1842–1890).

Francke besuchte im Anschluss an die Lateinschule das Lehrerseminar der Herrnhuter Brüdergemeine in Niesky (Oberlausitz), wo er zum Dienst als Lehrer und Missionar ausgebildet wurde. Schon während seiner Lehrerjahre in Kleinwelka (Sachsen) zeigte sich seine ungewöhnliche linguistische Begabung. In dieser Zeit erlernte er die dort noch lebendige niedersorbische Sprache (Wendisch) und beschäftigte sich mit Sanskrit und Altnordisch.

Nach einem Ergänzungsstudium in Fairfield/Manchester[2] wurde er zum Missionsdienst im westlichen Himalaya berufen, wo er von 1896 bis 1910 auf den Stationen Leh, Khalatse und Kyelang tätig war. 1897 heiratete Francke Anna Theodora Weiz († 1945).

Francke arbeitete anfangs vor allem an der Bibelübersetzung, zunächst ins klassische Tibetisch. Er erwarb sich jedoch auch umfangreiche Kenntnisse der regionalen Dialekte und übertrug das Markus-Evangelium in die Bunan-, Manschad-, Tinan-, Dardi- und Ladakh-Sprachen. 1906 wurde er aufgrund dieser Arbeiten, die ihn bis an sein Lebensende beschäftigten, zum Ehrenmitglied der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft ernannt.[3]

Ab 1904 gab Francke die erste Zeitung in tibetischer Sprache heraus. Nachdem Francke bereits 1900 auf eine lebendige Tradition der Gesar-Sage[4] gestoßen war, und damit auf eine Hauptquelle für die Erforschung der vorbuddhistischen Religion, bereiste er in den Jahren 1909 und 1910 im Auftrag der britisch-indischen Regierung die Grenzen Tibets zu archäologischen Zwecken. 1914 veröffentlichte er seine Sammlung tibetischer Fels-Inschriften in Antiquities of Indian Tibet. Im selben Jahr bereiste er im Auftrag des Münchener Museums erneut sein altes Forschungsgebiet. Ebenfalls 1914 fertigte er für die Göttinger Wissenschaftliche Gesellschaft (R. Otto) eine Übersetzung der Bonpo-Schriften an.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte zu einem Ende seiner Arbeiten in Tibet. 1916 kehrte Francke aus indischer Gefangenschaft nach Deutschland zurück. Im Krieg war er als Dolmetscher eingesetzt und geriet erneut in Gefangenschaft, aus der er 1919 zurückkehrte. Er ließ sich in Gnadenberg (Schlesien) nieder. Hier bearbeitete er neben Aufträgen des British Museums und der Münchener und Hamburger Institute zunächst hauptsächlich die gZermyig-Handschriften der Berliner Staatsbibliothek. 1922 habilitierte er sich an der Berliner Universität für Tibetisch. 1925 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor.

Durch die Strapazen der Gefangenschaft im heißen Indien und der kalten serbischen Winter war Franckes Gesundheit angeschlagen. Er verstarb am 16. Februar 1930 in Berlin.

Schriften[Bearbeiten]

  • A Lower Ladakhi Version of the Kesar Saga. (Bibliotheca India Work No. 168) Calcutta 1905–1941.
  • Der Frühlings- und Wintermythus der Kesarsage. Beiträge zur Kenntnis der vorbuddhistischen Religion Tibets und Ladakhs. (Mémoires de la Société Finno-Ougrienne XV) Osnabrück 1968 (Reprint; Originalausgabe 1902).

Literatur[Bearbeiten]

Hans-W. Jannasch: Franke, August Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 345 f. (Digitalisat)..

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieser Artikel basiert auf Hans-W. Jannasch: Franke, August Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 345 f. (Digitalisat)..
  2. So laut Hans-W. Jannasch: Franke, August Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 345 f. (Digitalisat).. Womöglich ist der Stadtteil Fairfield der Stadt Liverpool gemeint.
  3. Hans-W. Jannasch: Franke, August Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 345 f. (Digitalisat). spricht von „Ehrenbürgerschaft“.
  4. Bei Hans-W. Jannasch: Franke, August Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 345 f. (Digitalisat).: „Kesar“.

Weblinks[Bearbeiten]