August von Bethmann-Hollweg

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Moritz August von Bethmann Hollweg

Moritz August von Bethmann Hollweg (* 8. April 1795 in Frankfurt am Main; † 14. Juli 1877 auf der Burg Rheineck bei Niederbreisig) war deutscher Jurist und preußischer Politiker.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bethmann Hollweg war Sohn eines der reichsten Männer des Alten Reiches, des Bankiers Johann Jakob Bethmann-Hollweg. Seine Mutter war die Susanne Elisabeth Bethmann (1763–1831), die Tochter von Johann Philipp Bethmann.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeit seines Lebens kannte er keine finanziellen Sorgen. Carl Ritter und Georg Friedrich Grotefend schulten ihn. Später studierte er in Göttingen und dann an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin, wo er vor allem von Friedrich Karl von Savigny beeinflusst wurde. Noch als Student beteiligte er sich an der Entzifferung des von Niebuhr entdeckten Veroneser Gaius.

In der Nacht auf Neujahr 1817 erlebte er seine Erweckung zum gläubigen Christen. In der Christlich-deutschen Tischgesellschaft Adolf von Thadden-Trieglaffs lernte er die Brüder Leopold, Ernst Ludwig und Otto von Gerlach und auch Ernst Senfft von Pilsach kennen und verkehrte mit dem Kronprinzen, der ihn als König später in den Adelsstand erhob. Im Jahr 1819 habilitierte er sich in Berlin und wurde 1823 ordentlicher Professor ohne Gehalt. Auf Rat Savignys hatte er den Zivilprozess als Lehrgegenstand aufgenommen. Damit begann für die Zivilprozesswissenschaft eine neue Epoche. Der Politik blieb Bethmann Hollweg fern. Die Reaktion mit ihren Demagogenverfolgungen, ihrem polizeilichen Aufseher- und Inquirententum[1] stieß ihn zurück. In den Jahren 1827/28 amtierte er als Rektor der Universität.

Im Jahr 1829 wechselte er an die Universität Bonn. Das aktive, von den Mitgliedern geprägte Leben der kleinen Bonner Gemeinde verfehlte seine Wirkung auf Bethmann Hollweg nicht, dem die reformierte Presbyterialverfassung besonders zusagte. Seine frühere, auch in seinen Berliner enzyklopädischen Vorträgen nicht überwundene Schwierigkeit, die Erscheinung der Rechtsordnung mit seiner religiös-sittlichen Weltanschauung in Einklang zu setzen, lag jetzt hinter ihm. Im Jahr 1840 erhob ihn der preußische König in den erblichen Adelsstand. Im Sommer 1842 übernahm er das Amt des Kurators und außerordentlichen Regierungsbevollmächtigten an der Bonner Universität. Im Jahr 1845 trat er in den Staatsrat ein. Bethmann Hollweg wandte jetzt seine Aufmerksamkeit mehr der politischen und kirchlichen Entwicklung zu.

Im Jahr 1848 begründete er den Deutschen Evangelischen Kirchentag, dessen Präsident er (zeitweise gemeinsam mit Friedrich Julius Stahl) bis 1872 blieb. Außerdem wurde er Präsident des von Johann Hinrich Wichern begründeten Central-Ausschusses für Innere Mission. Im Umfeld der Frankfurter Nationalversammlung freundete er sich mit Dietrich Wilhelm Landfermann an. Bethmann Hollweg versuchte wie dieser, politisch eine Position der Mitte zu vertreten: Seine ab 1852 zusammen mit Graf von der Goltz im Wochenblatt publizierte Haltung bestand in der Forderung des kontrollierten Ausbaus eines Verfassungsstaates in einem konservativ-liberalen Sinne. In den 1850er Jahren war er der Kopf der Wochenblattspartei.

Von 1849 bis 1855 war er mit kurzer Unterbrechung Mitglied der ersten und zweiten preußischen Kammer. Er galt als Haupt seiner Fraktion, die trotz geringer Anzahl an Mitgliedern durch deren geistige Bedeutung und politische Gesinnung hervorragte. Von 1858 (Beginn der Regentschaft Wilhelms I.) bis 1862 (Beginn des Ministeriums Otto von Bismarcks) war Bethmann Hollweg preußischer Kultusminister. Das Ministerium hatte seinen Sitz in der Straße Unter den Linden 4.[2] 1862 wurde er zum Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt.[3]

Als Privatier schrieb er 1863–1874 auf Burg Rheineck sein Hauptwerk Der Civilprozeß des Gemeinen Rechts in geschichtlicher Entwicklung. Der Sohn seines ältesten Sohnes Felix von Bethmann Hollweg war Theobald von Bethmann Hollweg, von 1909 bis 1917 Reichskanzler.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er heiratete 1820 in Berlin Auguste Gebser (1794–1882), eine Tochter des Oberamtmanns Johann August Theodor Gebser. Das Paar hatte zwei Söhne und drei Töchter, darunter:

  • Theodor (* 29. Dezember 1821; † 7. Juni 1886) ∞ 1870 Freda Anna Karoline von Arnim (1842–1916), Tochter des preußischen Innenministers Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg
  • Felix (* 21. Dezember 1824; † 20. Februar 1900) ∞ Isabella von Rougemont (* 3. September 1833; † 3. Juni 1908)
  • Anna Frederike Cäcilie Ida Theodora (1827–1892) ∞ Albert von Pourtalès (1812–1816)
  • Gerte Emilie Eleonore (* 14. August 1831) ∞ Hans von Mutius (* 15. August 1825; † 26. März 1883)[4], königlich preußischer Rittmeister, Eltern von Gerhard von Mutius
  • Elisabeth Agathe (* 20. April 1834; † 14. Juni 1877) ∞ Freiherr Robert von Dobeneck (* 19. Oktober 1830; † 11. November 1908)

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundriß zu Vorlesungen über den gemeinen Civilprozeß. Nicolai, Berlin 1821; 3. vermehrte Ausgabe: Grundriß zu Vorlesungen über den gemeinen und preußischen Civilprozeß. Adolph Marcus, Bonn 1832 (Digitalisat).
  • Versuch über einzelne Theile der Theorie des Civilprozesses. Nicolai, Berlin/Stettin 1827 (Digitalisat).
  • Gerichtsverfassung und Prozeß des sinkenden Römischen Reichs: Ein Beitrag zur Geschichte des Römischen Rechts bis auf Justinia. Adolph Marcus, Bonn 1834 (Digitalisat).
  • Ursprung der lombardischen Städtefreiheit: Eine geschichtliche Untersuchung. Adolph Marcus, Bonn 1846 (Digitalisat).
  • Die Reaktivierung der Preußischen Provinziallandtage. Wilhelm Hertz, Berlin 1851 (Digitalisat).
  • Zur Geschichte der Freiheit. In: Protestantische Monatsblätter für innere Zeitgeschichte. Bd. 9 u. 10, 1857/58.
  • Der Civilprozeß des Gemeinen Rechts in geschichtlicher Entwicklung. 6 Bände. Adolph Marcus, Bonn 1863-74 (Digitalisate: Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4,1).
  • Familien-Nachricht. 2 Theile. Carl Georgi, Bonn 1876/1878 (Digitalisate).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Inquirent. duden.de / Worterklärung
  2. Unter den Linden 4. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1861, Teil 2, S. 93. „Ministerium der geistlichen usw. Angelegenheiten. von Bethmann Hollweg, Staatsminister“.
  3. Mitglieder der Vorgängerakademien. Moritz August von Bethmann-Hollweg. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. Februar 2015.
  4. Grab