Augustin Rösch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Augustin Rösch SJ (* 11. Mai 1893 in Schwandorf; † 7. November 1961 in München), Provinzial, war ein deutscher Jesuitenpater, der im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv war. Rösch war beim Kreisauer Kreis aktiv, hatte Verbindungen zu den Attentätern des 20. Juli 1944 und Kontakte zum katholischen Widerstand.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rösch besuchte von 1899 bis 1903 die Volksschule in Schwandorf, anschließend bis 1908 das Königliche Humanistische Gymnasium in Rosenheim. Nach dem Umzug seiner Familie nach Freising besuchte er bis zum Schulabschluss das dortige Erzbischöfliche Knabenseminar. Im Alter von 18 Jahren trat Rösch anschließend dem Jesuitenorden bei. Während des Ersten Weltkriegs wurde er zur Infanterie eingezogen und war unter anderem bei der Schlacht um Verdun eingesetzt. Nach dem Krieg studierte Rösch Philosophie und Theologie und empfing 1925 die Priesterweihe.

In der Jesuitenschule Stella Matutina (Jesuitenkolleg) in Feldkirch war er ab 1928 Generalpräfekt und später Rektor. Ab 1935 bekleidete er das Amt des Provinzials der Oberdeutschen Provinz der Jesuiten. Durch die antikonfessionelle Ausrichtung der Nationalsozialisten geriet Rösch wiederholt mit diesen in Konflikt. Er versuchte erfolglos, die Schließung katholischer Häuser, wie das Kolleg St. Blasien durch die Nazis zu verhindern. Er trat regelmäßig für verfolgte Ordensbrüder ein, kümmerte sich insbesondere um inhaftierte Priester im KZ Dachau und forderte die Erhaltung kirchlicher Rechte.

1941 lernte er Helmuth James Graf von Moltke kennen und kam dadurch zum Kreisauer Kreis. Zwei Jesuiten – Alfred Delp und Lothar König – brachte er 1942 zu dieser Gruppe. Im Kreisauer Kreis arbeitete Rösch konfessionelle und kulturpolitische Konzepte aus, um die geplante Neuordnung Deutschlands nach einem Sturz der Machthaber auf eine möglichst breite christlich-bürgerliche Basis zu stellen.

Nach dem Attentat des 20. Juli 1944 tauchte er unter und versteckte sich zuerst in Kloster Moosen, dann bei einer Bauernfamilie in Hofgiebing. Nach der Entdeckung durch die Gestapo wurde Rösch am 11. Januar 1945 verhaftet. Der Bauer Wolfgang Meier, der ihn untergebracht hatte, wurde – ebenso wie dessen beiden Söhne und seine Tochter – ins KZ Dachau verschleppt. Rösch selbst kam im Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße in Haft und wurde dort schwer misshandelt. Kurz vor der Erstürmung Berlins durch die Rote Armee wurde er am 25. April 1945 freigelassen.

Nach Kriegsende war er von 1947 bis 1961 Landesdirektor der Caritas in Bayern. Als Vertreter der Wohltätigkeitsorganisationen war er von der Gründung im Dezember 1947 bis zu seinem Tod Mitglied des Bayerischen Senats.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Augustin Rösch, Roman Bleistein (Hrsg.): Kampf gegen den Nationalsozialismus. 1985, ISBN 3-7820-0516-3.
  • Hans Niedermayer: Augustin Rösch: ein Mann des Widerstands im Dritten Reich. Jahresbericht Dom-Gymnasium, Freising, 1994/95, S. 8–24.
  • Roman Bleistein: Augustin Rösch. Leben im Widerstand. Biographie und Dokumente. 1998. In: Theologische Literaturzeitung, Ausgabe 125, Frankfurt a. Main 2000, ISBN 3-7820-0794-8, S. 182–184.
  • Albrecht A. Gribl/ Dieter Vogel (Hg.), Das Isental, Vilsbiburg 2008.
  • Roman Bleistein: Rösch, Augustinus. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 737 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]