Aulus Cornelius Celsus

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Lithografisches Phantasieporträt des Celsus (1865)

Aulus Cornelius Celsus (* um 25 v. Chr.; † um 50 n. Chr.) war ein römischer Enzyklopädist und einer der wichtigsten Medizinschriftsteller seiner Zeit. Umstritten ist, ob Celsus selbst als Arzt tätig war. Über sein Leben ist wenig bekannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

De medicina, Ausgabe von 1528

Celsus’ großes, während der Herrschaftszeit des Kaisers Tiberius zwischen 25 und 35 n. Chr. verfasstes enzyklopädisches Werk Artes umfasste die „Künste und Wissenschaften“ Landwirtschaft, Rhetorik und Medizin, wahrscheinlich auch Kriegswesen, Philosophie und Rechtslehre. Davon ist nur der Teil über die Heilkunst (De Medicina) vollständig erhalten, die übrigen Teile sind verschollen oder nur fragmentarisch aus Zitaten späterer Autoren bekannt.

In der rationellen Darstellung der Medizin orientiert sich Celsus hauptsächlich an den Lehren des griechischen Arztes Hippokrates. Celsus steht in der Tradition der alexandrinischen Schule. Er war der erste, der zahlreiche medizinische Ausdrücke aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzte, daher wird er auch als medicorum Cicero bezeichnet.[1]

Die noch heute gültigen vier Zeichen der lokalen Entzündung wurden erstmals von Celsus beschrieben: Tumor (Schwellung), Calor (Überwärmung), Rubor (Rötung), Dolor (Schmerz).[2] Galenos (129–215 n. Chr.) fügte als fünftes Merkmal die Functio laesa (Funktionseinschränkung) hinzu.

Der medizinische Teil der Enzyklopädie umfasst acht Bücher:

  • Buch 1 gibt eine Geschichte der Medizin,
  • Buch 2 behandelt die allgemeine Pathologie,
  • Buch 3 die einzelnen Krankheiten,
  • Buch 4 diejenigen der Körperteile,
  • Buch 5 und 6 die Pharmakologie,
  • Buch 7 die Chirurgie und
  • Buch 8 die Knochenbehandlung.

In Buch 7 (Kap. 26,3 C) beschreibt Celsus unter anderem die von dem Arzt Ammonios, genannt „der Steinschneider“, erfundene Zertrümmerung eines Blasensteins in der Harnblase unter Verwendung eines in die Blase eingeführten Hakens.

Bedeutung im Mittelalter und der Renaissance[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Enzyklopädie des Celsus wurde im Mittelalter weitgehend durch das entsprechende Werk Plinius des Älteren verdrängt. Da der Teilabschnitt De medicina jedoch Themen behandelt, die von Plinius in seiner Naturgeschichte teilweise nur kursorisch abgedeckt wurden, wurde diese Passage des Werkes weiter überliefert.[3] Die Teilschrift war bis ins 10. Jahrhundert im Abendland bekannt, im hohen und späten Mittelalter aber verschollen. Erst 1426 wurde sie durch Guarino da Verona wiederentdeckt. Sie wurde 1478 in Venedig gedruckt. Celsus galt neben Galen als eine der wichtigsten Quellen für medizinische Erkenntnisse der Antike und der hippokratisch begründeten rationellen Medizin. Erst mit der Rezeption des Paracelsus (um 1500 – para hier fälschlicherweise verstanden als „gegen“, „darüber hinaus“, nachdem Paracelsus einige Theorien des Celsus verwarf und eine experimentelle Medizin bevorzugte) wurden die Vorstellungen der Viersäftelehre der Hippokratiker und damit des Celsus und des Galen zunehmend als überholt angesehen.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Marx (Hrsg.): A[uli] Cornelii Celsi Quae supersunt (= Corpus medicorum graecorum. Band 1). Teubner, Leipzig/Berlin 1915.
  • Aulus Cornelius Celsus: De medicina/Die medizinische Wissenschaft. Eingeleitet, übersetzt und kommentiert von Thomas Lederer. 3 Bände. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2016.
  • Aulus Cornelius Celsus: Über die Arzneiwissenschaft in acht Büchern. Übersetzt und erklärt von Eduard Scheller, nach der Textausgabe von Daremberg neu durchgesehen von Walter Frieboes. 2. Auflage. Braunschweig 1906 (Nachdruck: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967).
  • Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst – Ausgewählte Texte. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 978-3-15-009305-4: Aulus Cornelius Celsus: Die Medizin. Buch I (aus dem Vorwort, §§ 1–11: CML I, S. 17,1–19,3; §§ 23–26: CML I, S. 21, 12–32), Buch VII (Kapitel 26,3 C [CML I, S. 350, 21–28], und Kapitel 12,1 [CML I, S. 327,9–328,19]).
  • Walter George Spencer (Hrsg.): Celsus, De Medicina. Loeb, Cambridge 1935–1938 (lateinisch und englisch)
  • Werner Albert Golder (Hrsg.): Celsus und die antike Wissenschaft. De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-044165-9 (lateinische Texte mit deutscher Übersetzung)
  • Philippe Mudry: La Préface du De Medicina de Celse. Texte, traduction et commentaire. Institut Suisse, Rom 1982 (= Bibliotheca Romana Helvetica. Band 19).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihm zu Ehren trägt der Celsus Peak in der Antarktis seinen Namen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Baader: Überlieferungsprobleme des A. Cornelius Celsus. In: Forschungen und Fortschritte. Band 34, 1960, S. 215–218.
  • Bernadette Puech: Celsus (Aulus Cornelius). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 2, CNRS Éditions, Paris 1994, ISBN 2-271-05195-9, S. 257–259.
  • Christian Schulze: Celsus. Olms, Hildesheim 2001.
  • Heinrich Schipperges: Celsus, Aulus Cornelius. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 235.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. auch Alf Önnerfors: Das medizinische Latein von Celsus bis Cassius Felix. In: Wolfgang Haase, Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band II, 37/1, Berlin/New York 1993, S. 227–392.
  2. Cels. 3,10,3.
  3. Kai Brodersen: Ein abgeschlossenes Sammelgebiet? Neufunde paganer lateinischer Literatur aus der Antike. In: Gymnasium. Band 118, 2011, S. 29–42, hier S. 33 f.