Aumenau

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Aumenau
Marktflecken Villmar
Wappen der früheren Gemeinde Aumenau
Koordinaten: 50° 24′ 12″ N, 8° 15′ 10″ O
Höhe: 129 (122–231) m ü. NHN
Einwohner: 1535 (31. Dez. 2016)[1]
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 65606
Vorwahl: 06474

Aumenau ist ein Ortsteil der Gemeinde Villmar im Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lahnbrücke

Aumenau liegt am Ostrand des Limburger Beckens, größtenteils am rechten nördlichen Ufer der Lahn, vier Kilometer nordöstlich der Kerngemeinde Villmar und 13 Kilometer östlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn.

Die Gemarkung grenzt im Süden an Langhecke, im Südwesten an Villmar, im Nordwesten an Seelbach und im Norden an einem Punkt an Falkenbach (alle Villmarer Ortsteile). Im Nordosten schließt sich Elkerhausen und im Osten Blessenbach an (beides Ortsteile von Weinbach).

Der Ort selbst erstreckt sich über den Hang des Lahntals in einem nach Südosten ausgeformten Knie des Flusses. Bei den nordwestlichen und westlichen Wohngebieten handelt es sich vor allem um Neubaugebiete, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Einige wenige Häuser liegen auf dem linken Flussufer. Beide Teile des Ortes sind durch eine Straßenbrücke über die Lahn verbunden. Am Flussufer erreicht das Gelände eine Höhe von rund 122 Metern. An seinem hoch gelegenen Nordwestrand des Orts stehen die letzten Häuser auf rund 160 Metern Höhe. Rund um das Tal der Lahn und dem bei Aumenau mündenden Rißbach steigt das Gelände deutlich an, wobei insbesondere westlich des Orts eine Hochebene ausgeformt wird. Die höchste Höhe erreicht der Untergrund mit 250 Metern Höhe auf dem „Steinigen Kopf“ in einem Waldstück an der Gemarkungsgrenze zu Seelbach im Nordwesten.

Die Aumenauer Gemarkung wird von mehreren Waldstücken auf den Gipfeln der verschiedenen Höhenzüge und größeren zusammenhängenden Landwirtschaftsflächen auf den ebeneren Abschnitten geprägt. Tendenziell ist der westliche Gemarkungsteil von der landwirtschaftlichen Nutzung dominiert, während im Osten der Wald vorherrscht, der in größere Waldgebiete des Hintertaunus übergeht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als „Villa Amana“ wurde der Ort erstmals 764 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda erwähnt und kann damit im weiten Umkreis die früheste Ersterwähnung verzeichnen. Damals gehörte der Ort zum Zentgericht Niederselters. Im 9. Jahrhundert befand sich der Ort im Einflussbereich der Konradiner. Im 14. Jahrhundert wurde Aumenau selbst zum Hauptort eines Zentgerichts, das Seelbach, Fürfurt, Blessenbach, Laubuseschbach, Wolfenhausen, Münster und Weyer umfasste. Gerichtsplatz waren die Kapelle und der Hof Nikolaus-Dernbach, die sich an der heutigen Straße nach Langhecke, am Eingang des Rißbachtals befanden. Zunächst gehörte der Zent der Grafschaft Diez an. 1366 verpfändete Graf Gerhard VII. von Diez Aumenau an die Herren von Runkel, die die Herrschaft bald ganz übernahmen. Ihren Nachfolgern, den Grafen von Wied gehörte der Ort bis 1806.

Der Ort bestand im Mittelalter aus Niederaumenau an der Stelle des heutig Ortskerns und Oberaumenau, rund einen Kilometer lahnaufwärts am linken Ufer in der heutigen Gemarkung "Schafstall". Der Ort fiel im Spätmittelalter wüst. Die erste nachweisbare Kapelle im Ort wurde 1510 geweiht. Vermutlich vor 1561 wurde die Reformation eingeführt. Ab 1624 gehörte Aumenau der Pfarrei Seelbach an. Die Kapelle Nikolaus-Dernbach wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts zur Ruine. 1819 galt auch die alte Kapelle als baufällig. Nach Reparaturen wurde sie 1854 abgerissen und eine neue Kirche erbaut. Die älteste heute vorhandene Kirche, ein historistisches Gebäude von 1903, gehört der evangelischen Kirchengemeinde. Inzwischen verfügen zudem die katholische (Baujahr 1954) und die lutherische Kirchengemeinde über jeweils eine Kirche. Die lutherische Kirchengemeinde existiert seit 1817. Ihre Kirche wurde 1952 erbaut. Katholiken kamen insbesondere als Heimatvertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg in den Ort. Sie bekamen 1954 eine eigene Kirche. 1964 errichtete die evangelische Kirchengemeinde ein Gemeindehaus.

Schulort war zunächst Seelbach als Sitz des Kirchspiels. Ab 1805 gab es Schulunterricht in Aumenau und spätestens 1819 ein festes Gebäude für die Schule. 1835 wurde ein Schulhaus erbaut. Die heutige Schule war 1912 fertiggestellt.

1862 erhielt der Ort einen Bahnhof der Lahntalbahn, dem kurz darauf noch eine zweite Verladestation folgte, was einen wirtschaftlichen Aufschwung auslöste. Die Bahnstrecke machte 1878 den Bau der ersten Lahnbrücke nötig. 1928 entstand die jetzige Brücke. 1907 erhielt der Ort fließendes Wasser. 1924 war der gesamte Ort an das Stromnetz angeschlossen, 1925 wurde eine Turn- und Gemeinschaftshalle errichtet. 1979 wurde ein neuer Friedhof fertiggestellt. 1980 entstand ein neuer Sportplatz 1989 daneben die „Eichelberghalle“ als Gemeinschaftshalle, an der 1999 ein Kindergarten errichtet wurde.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 1. Februar 1971 den Zusammenschluss der Gemeinden Aumenau und Villmar im Oberlahnkreis zu einer Gemeinde mit dem Namen Villmar.[2]

Am 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Aumenau in die Gemeinde Villmar eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Aumenau unterstand im Überblick:[4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1830 sind 330 Einwohner verzeichnet. Für 1843 ist die Bevölkerung in 357 Evangelische, sechs Katholiken und 17 Juden eingeteilt. 1905 war eine Einwohnerzahl von 654 und 1939 von 825 erreicht. Trotz der Verluste durch den Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl durch den Zuzug Heimatvertriebener bis 1946 auf 1234 Menschen an. 1970 waren es 1252 und bis 1987 stieg die Zahl weiter auf 1431 Einwohner.

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[4]

Aumenau: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1961
Jahr     Einwohner
1834
  
375
1840
  
391
1846
  
426
1852
  
486
1858
  
550
1864
  
622
1871
  
602
1875
  
578
1885
  
601
1895
  
654
1905
  
712
1910
  
733
1925
  
825
1939
  
1.234
1946
  
1.235
1950
  
1.199
1956
  
1.207
1961
  
1.252
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Juni 1964 wurde der Gemeinde Aumenau im damaligen Oberlahnkreis, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Grün ein silberner Wellensparren, begleitet von drei silbernen Blüten mit goldenen Butzen (2:1).[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort verfügt über einen Männergesangverein (gegründet 1862), einen Frauenchor (1907), einen Turn- und Sportverein (1896), einen Spielmanns- und Fanfarenzug (1964), die Freiwillige Feuerwehr (1932, seit 5. Oktober 1972 mit Jugendfeuerwehr), einen Heimat- und Verkehrsverein (1961), einen Reit- und Fahrverein (1989), eine Kyffhäuser-Kameradschaft (1957), einen Tennisverein (1960) gemeinsam mit Langhecke, den Schützenverein „Diana“ (1963) und eine Ortsgruppe des VdK.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Villmar: Einwohnerzahlen HW, abgerufen im Januar 2017
  2. Bekanntgabe von Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden durch den Hessischen Minister des Innern vom 20. Januar 1971 (StAnz. S. 248, 250) Seite 18 der tif-Datei 6,2 MB, Nr. 34 der Bekanntgabe
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 373.
  4. a b Aumenau, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 26. Januar 2017)
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 8. Juni 1964 (StAnz. S. 774) Seite 2 der tif-Datei 4,7 MB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aumenau – Sammlung von Bildern