Aurel von Szily

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Aurel von Szily (* 1. Juni 1880 in Budapest; † 13. September 1945 ebenda) war ein ungarisch-deutscher Augenarzt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aurel Szilys Vater Adolf Szily[1] war Augenarzt und Leiter des jüdischen Hospitals in Budapest, er wurde 1902 geadelt. Aurel von Szily ging in Budapest zur Schule und studierte ab 1898 Medizin an der Universität Budapest und in Freiburg (Breisgau). Nach der Promotion 1905 war er zwanzig Jahre an der Freiburger Universitätsklinik beschäftigt und wurde dort 1913 zum außerordentlichen Professor ernannt. Im Ersten Weltkrieg war er in Kriegslazaretten eingesetzt und veröffentlichte 1918 den Atlas der Kriegsaugenheilkunde. Er erhielt das Badische Kriegsverdienstkreuz und das Eiserne Kreuz II. Klasse. 1924 wechselte er nach Münster an die neugegründete Augenklinik. Von Szily wurde 1927 als Nachfolger Wilhelm Uhthoffs Schriftleiter der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 appellierte er in nationalkonservativer Verkennung des Nationalsozialismus noch im April 1933 an die Ärztekollegen im Ausland, „der von dunklen Elementen ins Werk gesetzten lächerlichen Lügenpropaganda gegen das deutsche Volk“[2] entgegenzutreten. Er wurde Ende 1935 zwangsweise in den Ruhestand versetzt, im August 1937 emeritiert. Auch die Schriftleitung der Monatsblätter für Augenheilkunde verlor er. Im September 1939 musste er mit seiner Familie nach Ungarn auswandern.

Der in Ungarn herrschende Antisemitismus verhinderte die Berufung an die Budapester Universität oder an eine Klinik. Im Deutschen Reich wurde ihm im November 1941 die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen, er verlor die Beamtenpension und sein Vermögen in Deutschland wurde beschlagnahmt. Er entkam der 1944 vom Eichmann-Kommando, ungarischen Faschisten und willfährigen Ungarn organisierten Judenverfolgung in Budapest. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er am 1. September 1945 zum Professor an der Universität Budapest berufen. Der Ruf zurück nach Münster erreichte ihn nicht mehr, er verstarb am 13. September 1945. Er ist auf dem Kerepesi temető begraben.

Ein Stolperstein erinnert seit dem 28. März 2012 in Münster an seine Vertreibung.

Er war mit Margarete Eissler (* um 1885, † 3. Oktober 1929) verheiratet, sie hatten den Sohn Clemens (* 1912) und die Tochter Gabriele (* 1915). Margarete von Szily starb 1929 und wurde an ihrem Geburtsort Wien bestattet.[3] In zweiter Ehe war von Szily seit 1932 mit Walburga Freiin von Spiegel (* 1888) verheiratet. Sie wurde 1949 aus Ungarn ausgewiesen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Histiogenetische Untersuchungen, J. F. Bergmann, Wiesbaden 1907.
  • Über das Entstehen eines fibrillären Stützgewebes im Embryo und dessen Verhältnis zur Glaskörperfrage, J. F. Bergmann, Wiesbaden 1908.
  • Die Anaphylaxie in der Augenheilkunde, Enke, Stuttgart 1914.
  • Atlas der Kriegsaugenheilkunde. Sammlung der kriegsophthalmologischen Beobachtungen und Erfahrungen aus der Universitäts-Augenklinik in Freiburg i. Br. Enke, Stuttgart 1918.
  • Erkrankungen der Tränenwege, der Linder, der Binde-, Leder- und Hornhaut, Thieme, Leipzig 1924.
  • Schilddrüse und Auge, Grill, Budapest 1937.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gisela Möllenhoff, Rita Schlautmann-Overmeyer : Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945. Biographisches Lexikon. Westfäl. Dampfboot, Münster 1995, ISBN 3-929586-48-7.
  • Jens Martin Rohrbach: Augenheilkunde im Nationalsozialismus, Schattauer, Stuttgart 2007.
  • Hans Joachim Küchle: Aurel von Szily. Leben und Wirken, Münster 1981.
  • Julius Virnyi: Zum Gedenken an Aurel von Szily, flurgespräche, Universität Münster, 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Kraus Reprint, Nendeln 1979, ISBN 3-262-01204-1 (Nachdr. d. Ausg. Czernowitz 1925). Band VI, S. 77
  2. zitiert nach: Gisela Möllenhoff ; Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945. Biographisches Lexikon, S. 467.
  3. Margarete von Szilys Grabmal in Wien stammt von Eduard Hauser