Ausbildungsskala

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Ausbildungsskala der FN
Gleichgewicht

Durchlässigkeit

Ausbildungsskala oder „Skala der Ausbildung“ bezeichnet beim Reiten eine Übersicht wichtiger Punkte, die bei der Ausbildung des Pferdes zu beachten sind. Festgelegt wird die Ausbildungsskala durch die FN in den „Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1“.

Punkte der Ausbildungsskala[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das übergeordnete Ziel der Ausbildungsskala, und damit der Ausbildung, ist ein durchlässiges Pferd, also ein Pferd das in körperlicher und psychischer Hinsicht zu einem angenehmen, gehorsamen und vielfältig ausgebildeten Reitpferd ausgebildet wurde. Ausbilden ist kein Abrichten oder Dressieren, sondern eine systematische Gymnastizierung. Ein Pferd ist durchlässig, wenn es die Hilfen des Reiters zwangslos und gehorsam annimmt.

Basis der Skala ist die Zwanglosigkeit − die physische und psychische Entspannung −, die in jedem Stand der Ausbildung erhalten bleiben muss, um die volle Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit des Pferdes zu erhalten. Ein Verlust der Zwanglosigkeit hat meist auch einen Verlust des Taktes, immer den Verlust der Losgelassenheit zur Folge.

Die Skala ist weniger als eine fest abgegrenzte chronologische Folge als vielmehr als ein Ineinandergreifen der Ausbildungschritte zu sehen. Zur Reihenfolge der einzelnen Schritte gibt es erhebliche Diskussionen. So entwickelt die iberische Reitschule den Schwung aus der Versammlung (zur logischen Herleitung vgl. z.B. Peter Spohr: Die Logik in der Reitkunst), während z.B. Reiner Klimke und andere die Losgelassenheit als grundlegend für den Takt ansehen.

In der überarbeiteten Version der „Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1“ im Jahr 2012 wurde die Ausbildungsskala um den Punkt „Gleichgewicht“ erweitert.[1]

Geschichte der Ausbildungsskala[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Skala der Ausbildung entwickelte sich aus der für die Kavallerie gültigen Heeresdienstverordnung (HDV) 1912, in der Ausgabe von 1937, wobei der Begriff „Skala der Ausbildung“ erst in den 1950er Jahren geprägt wurde. Es nannte sich dort Ziele und Grundsätze der Dressur, gekoppelt an einen detaillierten Ausbildungsplan, der z.B. für acht Wochen ein Reiten ohne Zügel vorsah. Dann war die Reihenfolge der Ausbildungsstufen eine andere. In der HDV waren die Ausbildungsstufen folgendermaßen definiert:

  • Gewöhnung an das Reitergewicht
  • Takt, Losgelassenheit
  • Entwicklung der Schubkraft und des Ganges. Anlehnung
  • Geraderichten
  • Durchlässigkeit, Beizäumung
  • Entwicklung der Tragkraft. Versammlung
  • Entstehung der Aufrichtung
  • Gebrauchshaltung (Sie bildet die Regel)
  • Dressurhaltung (darf ... nur kurze Zeit gefordert werden)

Der Vorläufer der heutigen Skala der Ausbildung findet sich dann bei Siegfried von Haugk: "Die Ausbildung der Rekruten im Reiten" bei Mittler und Sohn 1940. Herr Haugk definiert die Reihenfolge, hier Ziele der Dressur genannt, im Anhang für Reitlehrer S. 104ff. entsprechend der heutigen Ausbildungsskala.

Ohne Berücksichtigung des Ausbildungsplans der HDV 12/37, insbesondere der darin enthaltenen no goes, ist die Skala der Ausbildung relativ weit interpretierbar. Dieselbe wird daher oftmals unberechtigt, als Begründung für individuelle dressursportliche Variationen, des in der HDV vorgesehenen Ausbildungsgangs, herangezogen. Es ist korrekterweise nicht möglich,im System der absoluten Beizäumung am Zügel der HDV 12/12 zu reiten, diese Form der Reiterei aber dann, mit der aus der HDV 12/37 entnommen Skala der Ausbildung (Ziele der Dressur), zu begründen.

Westernreiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die EWU (Erste Westernreiter Union Deutschland e. V.) hat für das deutsche Westernreiten eine ähnliche Ausbildungsskala erarbeitet und veröffentlicht.

  • Takt
  • Losgelassenheit
  • Nachgiebigkeit
  • Aktivierung der Hinterhand
  • Geraderichten
  • Absolute Durchlässigkeit

Die teilweisen Unterschiede zur klassischen Skala sind dabei noch umstritten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richtlinien für Reiten und Fahren, Bd. 1. 18. Auflage. FN-Verlag, 2005, ISBN 978-3885422624.
  • Die Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. 5. Auflage. FN-Verlag, 2006, ISBN 3-88542-324-3.
  • Die Skala der Ausbildung, Schöffmann Britta. 2. aktualisierte Auflage. Kosmos- Verlag, 2006, ISBN 978-3-440-10785-0.
  • Reitvorschrift (R.V) Vom 18. August 1937, H.Dv.12, Spezialausgabe Pferdebörse, Scholten Verlag
  • Die Ausbildung der Rekruten im Reiten, Siegfried von Haugk, Mittler und Sohn, 1940

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grundausbildung von Reiter und Pferd - Neuheiten