Ausbreitungsrechnung

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Industrielle Luftverschmutzung

Als Ausbreitungsrechnung bezeichnet man Berechnungsverfahren zur Ermittlung der Ausbreitung von Luftschadstoffen in der unteren Troposphäre. In Deutschland sind die Rahmenbedingungen zu deren Durchführung durch die TA Luft geregelt. Ausbreitungsrechnungen sind vierdimensionale Prozesse in Raum und Zeit.[1]

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel sind für Prognosen über die Ausbreitung von Schad- oder Geruchsstoffen Ausbreitungsrechnungen erforderlich.[2] Die wesentlichsten Einflussfaktoren auf die Schadstoffausbreitung stellen Wind und Schichtung der Erdatmosphäre dar. Letztere ist jedoch nur unter hohem Aufwand zu messen und wird daher in der Praxis über Tages- und Jahreszeit sowie Bewölkung und Windgeschwindigkeit abgeschätzt. Als Ergebnis erhält man eine der sechs Ausbreitungsklassen „sehr stabil“, „stabil“, „indifferent-stabil“, „indifferent-labil“, „labil“ oder „sehr labil“.[3] Auf dieser Basis erfolgt die weitere Berechnung unter quasistationären Bedingungen. Als Ergebnis erhält man einen funktionalen Zusammenhang zwischen der Konzentration des Schadstoffs und der Entfernung zum Emittenten. Dabei ergeben labile Verhältnisse höhere Belastungen in näherer Umgebung und stabile Verhältnisse eine nur langsam mit der Entfernung zunehmende Belastung, die jedoch auch eine wesentlich großräumigere Verbreitung besitzt.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbreitungsrechnungen werden in der Genehmigungspraxis dazu verwendet, die Zusatzbelastungen durch eine Anlage vorherzusagen.[2] Mithilfe von Ausbreitungsrechnung und Quelltermrückrechnung können auch die von einer industriellen Anlage ausgehenden diffusen Emissionen ermittelt werden.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kai Vaupel, Julian Schelp, Ulrich Klenk, Eberhard Schmidt: Strukturelle Zusammenhänge bei der Ausbreitungsmodellierung luftgetragener Schadstoffe in der Erdatmosphäre. In: Gefahrstoffe – Reinhalt. Luft. 76, Nr. 7/8, 2016, ISSN 0949-8036, S. 299–302.
  2. a b VDI 3783 Blatt 13:2010-01 Umweltmeteorologie; Qualitätssicherung in der Immissionsprognose; Anlagenbezogener Immissionsschutz; Ausbreitungsrechnung gemäß TA Luft (Environmental meteorology; Quality control concerning air quality forecast; Plant-related pollution control; Dispersion calculation according to TA Luft). Beuth Verlag, Berlin, S. 2–3.
  3. VDI 3782 Blatt 1:2016-01 Umweltmeteorologie; Atmosphärische Ausbreitungsmodelle; Gaußsches Fahnenmodell zur Bestimmung von Immissionskenngrößen (Environmental meteorology; Atmospheric dispersion models; Gaussain plume model for the determination of ambient air characteristics). Beuth Verlag, Berlin, S. 19.
  4. VDI 4285 Blatt 3:2015-11 Messtechnische Bestimmung der Emissionen diffuser Quellen; Quantifizierung von diffusen Feinstaubemissionen aus industriellen Anlagen einschließlich landwirtschaftlicher Quellen (Determination of diffusive emissions by measurements; Quantification of diffusive emissions of fine dust from industrial plants including agricultural sources). Beuth Verlag, Berlin, S. 9.