Austin 1800

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Unter der Modellbezeichnung Austin 1800 verkauften der britische Automobilhersteller British Motor Corporation (BMC) und seine Nachfolger British Motor Holdings (BMH) sowie British Leyland Motor Corporation (BLMC) von 1964 bis 1975 zwei verschiedene Generationen einer viertürigen Mittelklasselimousine, die von einem 1,8 Liter großen Vierzylindermotor angetrieben wurde. Eine mit einem 2,2-Liter-Sechszylindermotor ausgestattete Variante hatte in beiden Generationen die Bezeichnung Austin 2200. Parallel zu den beiden Austin-Modellen bot der Hersteller die technisch und stilistisch identischen Versionen Morris 1800 und Morris 2200 an. Stilistisch verfremdete Versionen fanden sich schließlich unter der ebenfalls zum BMC-Konzern gehörenden Marke Wolseley.

Erste Generation: The Landcrab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: BMC ADO17
1. Generation
(ADO17)
Austin 1800 (1969)

Austin 1800 (1969)

Produktionszeitraum: 1964–1975
Motoren: 1,8 Liter Vierzylinder-Ottomotor
Länge: 4190 mm
Breite: 1690 mm
Höhe: 1400 mm
Radstand: 2690 mm
Leergewicht: 1190 kg

Die erste Generation des Austin 1800 war ein Mitglied der Modellfamilie BMC ADO17. Das stilistisch eigenwillige Fahrzeug wurde und wird im englischen Sprachraum als Landcrab (Landkrabbe) verspottet.

Innovative Konstruktionsmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger des Austin 1800 war der Austin A60 Cambridge (ADO38), eine 1959 vorgestellte viertürige Stufenhecklimousine, die eine von Pininfarina entworfene Karosserie hatte und von einem vorn längs eingebauten Vierzylindermotor mit 1,6 Litern Hubraum angetrieben wurde. Der Cambridge galt als konservative Konstruktion. Der 1800, Austins Version des ADO17, gehörte demgegenüber zu den fortschrittlichsten Mitteklassemodellen seiner Zeit.[1] Er brach mit allen wesentlichen Konstruktionsmerkmalen seines konventionellen Vorgängers. Bei seiner Konstruktion hatten die BMC-Ingenieure die Strukturmerkmale des Mini und dem Kleinwagen ADO16 (z.B. Austin 1100) auf die Mittelklasse übertrug. Zentrale Zielvorgabe all dieser Baureihen, die maßgeblich von Alec Issigonis konzipiert waren, war eine optimale Raumausnutzung. Dies führte zu ungewöhnlichen Proportionen der Karosserie. Der ADO17 hatte einen für die Mittelklasse sehr langen Radstand, der mit kurzen Überhängen kontrastierte. Mit dem ADO17 wurde der Frontantrieb in der Mittelklasse eingeführt; einzigartig in dieser Klasse war ein vorn quer eingebauter Motor, der einen kurzen Vorderbau ermöglichte. Insgesamt war der Austin 1800 zwar kürzer, aber zugleich breiter, schwerer, stärker und deutlich teurer als der Cambridge.

Karosserie und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Austin 1800 war nur als viertürige Limousine mit einem (angedeuteten) Stufenheck erhältlich. Angetrieben wurde das Auto serienmäßig von einem 1,8 Liter großen Vierzylindermotor der B-Serie von BMC, der in ähnlicher Form bereits im Sportwagen MGB eingesetzt wurde. Im Laufe der Produktionszeit gab es unterschiedliche Leistungsstufen: Anfänglich leistete der Motor 84 bhp (62 kW). Mit ihm erreichte der Austin 1800 eine Höchstgeschwindigkeit von 143 km/h. Mit einem etwas stärkeren Motor (86 bhp/63 kW) und 149 km/h Höchstgeschwindigkeit erschien 1968 der Austin 1800 Mk II. Ein Jahr später wurde zusätzlich der Austin 1800 S (und seine Entsprechung Morris 1800 Mk II S) mit 96 bhp (70,5 kW) und 159 km/h Höchstgeschwindigkeit angeboten. 1972 erschien schließlich der Austin 1800 Mk III, der das Modell Mk II ersetzte. Mit 87 bhp (64 kW) erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von 146 km/h.

Der Motor stand vorn quer. Das Getriebe lag darunter und trieb die Vorderräder an. Der Kühler stand auf der linken Seite längs zur Fahrtrichtung. Die gesamte Antriebseinheit fand vor der Vorderachse Platz. Der Austin 1800 hatte rundum einzeln aufgehängte Räder, vorn an Doppelquerlenkern und hinten an gezogenen Schwingen. Die Federelemente der Hydrolastic-Federung waren liegend eingebaut, vorn oben quer hinter dem Motor und hinten längs. Zu den technischen Neuerungen zählte ein Bremskraftregler.

BMC fertigte drei Serien des Austin 1800, die sich in erster Linie durch Modifikationen im Bereich der Motorisierung voneinander unterschieden.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Austin 1800 erhielt bei seiner Vorstellung viel Lob von der Presse. 1965 war er Auto des Jahres in Europa. Ungeachtet dessen war er wie seine Schwestermodelle von Morris und Wolseley am Markt nicht erfolgreich. BMC hatte auf eine Jahresproduktion von 200.000 Fahrzeugen (für die gesamte ADO17-Reihe) gehofft, tatsächlich ließ sich nur etwa 20 Prozent davon realisieren. In elf Jahren entstanden insgesamt 221.000 Exemplare des Austin 1800 und des Schwestermodells 2200. Damit war der Austin die erfolgreichste Variante der ADO17-Baureihe. Der technisch und stilistisch identische Morris, der eineinhalb Jahre nach dem Austin auf den Markt kam, wurde nur 105.000 Mal gefertigt. Der mangelnde Erfolg des Modells führte dazu, dass BMC das Vorgängermodell Austin Cambridge, das der Austin 1800 eigentlich ablösen sollte, bis 1971 parallel im Programm behielt.

Exportnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einigen Exportmärkten erhielten die in Großbritannien hergestellten Austin 1800 abweichende Bezeichnungen. In Belgien und in den Niederlanden wurde das Auto als Austin Balanza bezeichnet, in Australien als Austin Freeway und Dänemark als Austin Windsor (1964 bis 1966). Letzter wurde ab 1966 durch den Morris 1800 ersetzt, der in Dänemark die Verkaufsbezeichnung Morris Monaco erhielt.

Zweite Generation: The Wedge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: BMC ADO71
2. Generation
(ADO71)
Austin 1800 (1975)

Austin 1800 (1975)

Produktionszeitraum: 1975
Motoren: 1,8 Liter Vierzylinder-Ottomotor
Länge: 4460 mm
Breite: 1730 mm
Höhe: 1400 mm
Radstand: 2670 mm
Leergewicht: 1160 kg

Die zweite Generation des Austin 1800 war ein Mitglied der Baureihe BMC ADO71. Sie wurde unter dieser Bezeichnung nur von März bis September 1975 angeboten.

Die ersten Überlegungen zu einem neuen Mittelklassemodell gingen auf das Jahr 1975 zurück. Aufgrund der Erfahrungen mit dem ADO17 entschied sich die Unternehmensleitung zu einer Positionierung des neuen Modells in einem geringfügig höheren Marktsegment, sodass es mit dem Vauxhall Victor bzw. Opel Rekord, dem Peugeot 504 oder dem Ford Granada konkurrierte. Unter Beibehaltung des Antriebskonzepts des ADO17 gestaltete Harris Mann eine völlig neue, betont keilförmige Karosserie, die für den Beinamen The Wedge (der Keil) verantwortlich war. The Wedge war eine viertürige Schräghecklimousine. Wie schon das Vorgängermodell, hatte es keine große Heckklappe, sondern nur einen kleinen Kofferraumdeckel, der unterhalb der Heckscheibe angeschlagen war. Die Motorisierung übernahm The Wedge von den Vorgängermodellen, d. h., es war wiederum ein 1,8 Liter großer Vierzylinder- und ein 2,2 Liter großer Sechszylindermotor erhältlich.

Zunächst folgte BLMC erneut dem Konzept des Badge Engineering, sodass das neue, im März 1975 vorgestellte Mittelklassemodell als Austin, als Morris und als Wolseley angeboten wurde. Die Austin- und die Morris-Versionen erhielten wiederum die Modellbezeichnungen 1800 und 2200; stilistische Abweichungen gab es nur im Bereich des Kühlergrills und der Leuchteinheiten.

Nachdem BLMC allerdings die bis dahin getrennten Händlernetze von Austin und Morris im Sommer 1975 zusammengefasst hatte, wurden eigenständige Modelle für diese Marken überflüssig. Im September 1975 wurden daher der Austin 1800 und der 2200 sowie die baugleichen Morris-Modelle eingestellt. Ab Oktober 1975 wurden die Fahrzeuge einheitlich unter der neu eingeführten Marke Princess verkauft. Der Princess entsprach stilistisch dem bisherigen Austin 1800.

Der Princess bzw. sein stilistisch identischer Nachfolger Princess 2 blieb bis 1981 im Programm. Der Nachfolger, der eine deutlich überarbeitete Karosserie trug, erschien wieder unter der Marke Austin und trug die Modellbezeichnung Ambassador. Er wurde nur zwei Jahre lang produziert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Culshaw & Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895−1975. Veloce Publishing PLC, Dorchester 1997, ISBN 1-874105-93-6
  • Graham Robson: The Cars of BMC. Motor Racing Publications Ltd., 2. Auflage 1999, ISBN 1899870415

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Entwicklungsgeschichte des ADO17 auf der Internetseite www.aronline.co.uk (abgerufen am 28. Juli 2016).