Auszehrung

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Auszehrung, früher auch Schwindsucht (Übersetzung von griechisch-lateinisch phthisis, von griechisch phthíein, ‚schwinden‘, ‚hinschwinden‘)[1][2] genannt, ist ein historischer medizinischer Ausdruck für eine lebensbedrohliche Abmagerung. Als ursächlich galten völlig unterschiedliche Gründe, auch „zehrende“ (konsumptive) Krankheiten[3][4][5] (vor allem Tuberkulose und Krebs). Der Begriff gilt heute als veraltet. Andere, teils ebenfalls veraltete Bezeichnungen sind Abzehrung, Darre, Phthisis, Tabes oder Consumptio.[6] Die Symptomatik wird heute meist durch Atrophie, Kachexie oder Marasmus beschrieben.

Die Verwendung des Begriffs war jedoch nicht einheitlich. 1805 definierte Friedrich Wilhelm von Hoven die Auszehrung als eine Form der Abmagerung, „… bei der keine, wenigsten keine offenbare Verletzung der Organisation zugegen ist …“,[7] die also nicht krankheitsbedingt erscheint. Im Gegensatz zur Auszehrung bezeichnete er die krankheitsbedingte Abmagerung als Schwindsucht oder Phthisis.

Auch einzelne Teile des Körpers, wie etwa das Auge konnten der Auszehrung (gemeint war damit eine Verkleinerung des Augapfels) anheimfallen, wenn es der medizinischen Lehrmeinung vergangener Jahrhunderte nach nicht ausreichend durch "Nahrungssäfte" genährt wurde, oder auch andere Ursachen zur "Verminderung der Augenfeuchtigkeit" führten, wie etwa eine Perforation des Glaskörpers, eine von der Norm abweichende Viskosität der Tränenflüssigkeit und Wunden oder Geschwüre auf der Hornhaut. Beschrieben wurde die Auszehrung des Auges folgendermaßen: "Das Auge sinkt in diesem Falle zusammen, die Iris und die Hornhaut falten sich bisweilen und die Kranken sehen kaum die Gegenstände" (Zitat von [8]).

Bis ins 19. Jahrhundert hinein bezeichnete Auszehrung Symptome mit unterschiedlichsten Ursachen. Vor allem Hunger, Mangel an Licht, Luft, Hygiene, guter Kleidung, Wärme etc. Sie war so weit verbreitet, dass Meyers Konversationslexikon noch 1888 schrieb, dass diese Ursachen "... mehr Opfer fordern als Krieg und Krankheit selbst." (Zitiert nach [6]).

Die Abnahme der Körpersubstanz betrifft entweder sämtliche Organe und Gewebe des Körpers gleichmäßig, oder sie beschränkt sich auf einzelne Teile. Eine anfangs lokale Auszehrung kann später den ganzen Körper betreffen. Gewöhnlich versteht man unter Auszehrung den Schwund und das Hinsiechen des ganzen Organismus, wie es in der natürlichen Entwicklung im hohen Alter (Senium) vorkommt bzw. in früheren Lebensperioden durch schwere Ernährungsstörungen hervorgerufen werden kann. Am Auffallendsten ist zunächst der Schwund des Fettgewebes, wodurch die Körperformen ihre Rundung verlieren, die Haut ihre Straffheit und Glätte einbüßt und das Gesicht Falten erhält. Im Frühstadium ist auch für Laien die Blässe der Haut und der Schleimhäute auffallend. Später erst stellen sich Verdauungsbeschwerden, oft allgemeine Verstimmung, Trägheit, nächtliche Schweißausbrüche, Wassersucht ein, welche mit steter Abnahme der Kräfte in langsamem Verfall und schließlich zum völligen Aufhören aller Leistungen absinken können.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/ New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 694 (schwinden, Schwindsucht).
  2. Franz Dornseiff: Die griechischen Wörter im Deutschen. Berlin 1950, S. 58.
  3. Müller J. V.: Medizinisches praktisches Handbuch der Frauenzimmerkrankheiten, Band 2, 1790, S. 85,186, hier online
  4. Hufeland C. W.: Bibliothek der practischen Heilkunde, Band 14, in der academischen Buchhandlung, 1805, S.206ff., hier online
  5. Medicinisch-chirurgische Zeitung, Verlag Rauch, 12. November 1792, S.209ff., hier online
  6. a b c Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885–1892, hier online
  7. von Hoven F. W.: Handbuch der praktischen Heilkunde, Band 2, Verlag Johann Daniel Claß, 1805, S.181, hier online
  8. Portal A.: Lehrbegriff der praktischen Wundarzneykunst: Aus dem Französischen : Mit Anmerkungen, Band 2, Verlag Fritsch, 1793, S.116, 128, hier online
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