Autismus

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Ein autistischer Junge und von ihm angeordnete Gegenstände

Autismus (von griechisch αὐτός autós „selbst“) wird von der Weltgesundheitsorganisation zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gerechnet. Er wird von Ärzten, Forschern, Angehörigen und Autisten selbst als eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben, die sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Andere Forscher[1] und Autisten beschreiben Autismus als angeborenen abweichenden Informationsverarbeitungsmodus, der sich durch Schwächen in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie durch stereotype Verhaltensweisen und Stärken bei Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz zeigt.[2][3]

In den aktuellen Diagnosekriterien wird zwischen frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) und dem Asperger-Syndrom unterschieden, das sich oftmals erst nach dem dritten Lebensjahr bemerkbar macht. Zur Zusammenfassung der verschiedenen Ausprägungen und Schweregrade des Autismus dient der Begriff des Autismusspektrums, beziehungsweise der Begriff der Autismusspektrum-Störung (ASS). Genaue Abgrenzungen innerhalb des Spektrums sind oft nicht möglich, da die Übergänge zwischen verschiedenen Ausprägungen fließend sind.

Inhaltsverzeichnis

Symptome und Beschwerden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Symptome und die individuellen Ausprägungen des Autismus sind vielfältig. Sie können von leichten Abweichungen, wie Schüchternheit, bis zu schweren Behinderungen reichen.

Allen Autisten gemeinsam sind Besonderheiten im Sozialverhalten: Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zu sprechen, etwa wegen eintöniger Stimme (Prosodie), Gesagtes richtig aufzufassen, Mimik und Körpersprache einzusetzen und zu verstehen. Außerdem gehört stereotypes oder ritualisiertes Verhalten häufig zu den Besonderheiten.

Inselbegabung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Inselbegabung

Die Interessen von Autisten sind häufig auf bestimmte Gebiete konzentriert. Jedoch besitzen manche auf einem solchen Gebiet außergewöhnliche Fähigkeiten, zum Beispiel im Kopfrechnen, Zeichnen, in der Musik oder in der Merkfähigkeit. Man spricht dann von einer „Inselbegabung“. Diejenigen, die sie haben, nennt man auch Savants (Wissende). Etwa 50 Prozent der Inselbegabten sind Autisten. Andersherum ist nur ein kleiner Teil der Autisten inselbegabt.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler prägte den Begriff Autismus 1911. Er sah in ihm ein Grundsymptom der Schizophrenie – die Zurückgezogenheit in eine innere Gedankenwelt. Sigmund Freud übernahm die Begriffe „Autismus“ und „autistisch“ von Bleuler und setzte sie annähernd mit „Narzissmus“ bzw. „narzisstisch“ gleich – als Gegensatz zu „sozial“.[4]

Hans Asperger (Literatur: Asperger 1938 und 1944) und Leo Kanner (Literatur: Kanner 1943) nahmen den Begriff auf – möglicherweise unabhängig voneinander – und beschrieben ein Störungsbild eigener Art. Sie unterschieden dabei Menschen mit Schizophrenie, die sich aktiv in ihr Inneres zurückziehen, von jenen, die von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit leben. Letzteres definierte nunmehr den Begriff „Autismus“.

Kanner fasste den Begriff „Autismus“ eng, was im Wesentlichen dem heute so genannten frühkindlichen Autismus (daher: Kanner-Syndrom) entsprach. Seine Sichtweise erreichte internationale Anerkennung und wurde zur Grundlage der weiteren Autismusforschung. Die Veröffentlichungen Aspergers hingegen beschrieben „Autismus“ etwas anders und wurden zunächst international kaum wahrgenommen. Dies lag zum einen an der zeitlichen Überlagerung mit dem Zweiten Weltkrieg und zum anderen daran, dass Asperger auf Deutsch publizierte und man seine Texte jahrzehntelang nicht ins Englische übersetzte. Hans Asperger selbst nannte das von ihm beschriebene Syndrom „Autistische Psychopathie“. Die englische Psychiaterin Lorna Wing (Literatur: Wing 1981) führte seine Arbeit in den 1980er Jahren fort und benutzte erstmals die Bezeichnung Asperger-Syndrom. Erst in den 1990er Jahren erreichten die Forschungen Aspergers internationale Bekanntheit in Fachkreisen.

Formen von Autismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum sind drei Diagnosearten des Autismus gebräuchlich:

  • Der frühkindliche Autismus, auch Kanner-Syndrom; auffälligstes Merkmal neben den Verhaltensabweichungen: aufgrund des frühzeitigen Auftretens eine stark eingeschränkte Sprachentwicklung; motorische Beeinträchtigungen nur bei weiteren Behinderungen; häufig geistig behindert. Je nach geistigem Leistungsvermögen wird der frühkindliche Autismus weiter unterteilt in Low, Intermediate und High Functioning Autism (LFA, IFA und HFA). Als LFA wird im englischsprachigen Bereich der mit geistiger Behinderung einhergehende frühkindliche Autismus bezeichnet, als HFA derjenige mit normalem oder überdurchschnittlichem Intelligenzniveau. Die Unterscheidung zwischen HFA und dem nachfolgend aufgeführten Asperger-Syndrom ist noch nicht geklärt, weshalb die Begriffe teilweise auch synonym gebraucht werden.
  • Der atypische Autismus erfüllt nicht alle Diagnosekriterien des frühkindlichen Autismus oder zeigt sich erst nach dem dritten Lebensjahr. Als Unterform des frühkindlichen Autismus wird er aber differenzial-diagnostisch gegen das Asperger-Syndrom abgegrenzt.
  • Das Asperger-Syndrom (veraltet auch autistische Psychopathie oder schizoide Störung des Kindesalters) mit vor allem einer vom Zeitpunkt her altersgerechten Sprachentwicklung (nach der ICD-10 und dem DSM-IV ein Kriterium zur Diagnose – wohingegen nach Gillberg & Gillberg eine verzögerte Sprachentwicklung ein mögliches Diagnosekriterium darstellt) und einem unter formalen Gesichtspunkten korrekten Sprachgebrauch. Menschen mit Asperger-Syndrom sind häufig motorisch ungeschickt.

Im DSM-5, herausgegeben 2013, wurden alle Einzelkategorien unter die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) (autism spectrum disorders) zusammengefasst.[5] Die Begründung hierfür lautete, die Forscher gingen heute davon aus, dass es sich weniger um unterschiedliche Erkrankungen handele als um ein Kontinuum von sehr milden bis schweren Verlaufsformen einer Entwicklungsstörung, die bereits in der frühen Kindheit beginne. Bei den Symptomen wird unterschieden zwischen Defiziten in zwei Kategorien: Gestört ist erstens die soziale Interaktion und Kommunikation (zum Beispiel Blickkontakte, Fähigkeit zur Konversation oder Aufbau von Beziehungen sind schwach ausgeprägt). Zweitens sind repetitive Verhaltensweisen und fixierte Interessen und Verhaltensweisen Merkmale autistischer Störungen.[6]

frühkindlicher Autismus (LFA und HFA) Asperger-Syndrom (AS)
erste Auffälligkeiten ab dem 10.–12. Lebensmonat ab 4. Lebensjahr
Blickkontakt selten, flüchtig selten, flüchtig
Sprache in der Hälfte der Fälle das Fehlen einer Sprachentwicklung; ansonsten verzögerte Sprachentwicklung, anfangs oft Echolalie, Vertauschen der Pronomina frühe Entwicklung einer grammatisch und stilistisch hoch stehenden Sprache, oft pedantischer Sprachstil, Probleme beim Verstehen von Metaphern und Ironie
Intelligenz hauptsächlich kategorisiert als geistige Behinderung (LFA), teilweise normale bis hohe Intelligenz (HFA -> AS) normale bis hohe Intelligenz, teilweise Hochbegabung
Motorik Keine Auffälligkeiten, die auf den Autismus zurückzuführen sind. häufig motorische Störungen, Ungeschicklichkeit, Koordinationsstörungen

Einteilung nach ICD-10 und DSM-IV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autismus wird in der ICD-10, dem Klassifikationssystem für Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation, als tiefgreifende Entwicklungsstörung mit dem Schlüssel F84 aufgeführt und wie folgt unterteilt:

  • F84.0: Autismus; auch bezeichnet als: Frühkindlicher Autismus, infantile Psychose, infantiler Autismus, Kanner-Syndrom, Psychose im Kindesalter
  • F84.1: atypischer Autismus; auch bezeichnet als: Atypische Psychose im Kindesalter
    • F84.10: Autismus mit atypischem Erkrankungsalter
    • F84.11: Autismus mit atypischer Symptomatik
    • F84.12: Autismus mit atypischem Erkrankungsalter und atypischer Symptomatik
  • F84.5: Asperger-Syndrom; auch bezeichnet als: Autistische Psychopathie, schizoide Störung des Kindesalters

Manche der oben genannten alternativen Bezeichnungen sind zwar veraltet, jedoch noch heute in der ICD-10 zu finden.

Das DSM-IV, die US-amerikanische Klassifikation psychischer Störungen, führt Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung unter dem Schlüssel 299 auf. Dabei werden zwei Kategorien unterschieden:

  • 299.00: Autistische Störung
  • 299.80: Asperger-Syndrom

Atypischer Autismus kommt im DSM-IV als Diagnose nicht vor.

Frühkindlicher Autismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Frühkindlicher Autismus

Diagnosekriterien: Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im DSM-IV wird der frühkindliche Autismus den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet und durch folgende diagnostische Kriterien beschrieben:

A. Es müssen insgesamt aus 1., 2. und 3. mindestens sechs Kriterien zutreffen, wobei mindestens zwei Punkte aus 1. und je ein Punkt aus 2. und 3. stammen müssen:

  1. qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion in mindestens zwei der folgenden Bereiche:
    • ausgeprägte Beeinträchtigung im Gebrauch einer Vielzahl nonverbaler Verhaltensweisen wie beispielsweise Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik zur Steuerung sozialer Interaktionen,
    • Unfähigkeit, entwicklungsgemäße Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen,
    • Mangel an spontanen Bestrebungen, Freude, Interessen oder Erfolge mit anderen zu teilen (beispielsweise durch einen Mangel, Objekte des Interesses herzuzeigen, herzubringen oder darauf hinzuweisen),
    • Mangel an sozialer oder emotionaler Gegenseitigkeit;
  2. qualitative Beeinträchtigungen der Kommunikation in mindestens einem der folgenden Bereiche:
    • verzögertes Einsetzen oder völliges Ausbleiben der Entwicklung gesprochener Sprache (ohne den Versuch, die Beeinträchtigung durch alternative Kommunikationsformen wie Gestik oder Mimik zu kompensieren),
    • bei Personen mit ausreichendem Sprachvermögen deutliche Beeinträchtigung der Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen oder fortzuführen,
    • stereotyper oder repetitiver Gebrauch der Sprache oder idiosynkratische Sprache,
    • Fehlen entwicklungsgemäßer variierter, spontaner Rollenspiele oder sozialer Imitationsspiele;
  3. beschränkte repetitive und stereotype Verhaltens-, Interessens- und Aktivitätsmuster in mindestens einem der folgenden Bereiche:
    • umfassende eingehende Beschäftigung innerhalb eines oder mehrerer stereotyper und begrenzter Interessenmuster, wobei entweder Schwerpunkt oder Intensität der Beschäftigung abnorm sind,
    • auffällig unflexibles Festhalten an bestimmten nichtfunktionalen Gewohnheiten oder Ritualen,
    • stereotype und repetitive motorische Manierismen (beispielsweise Verdrehen, Verbiegen der oder Flattern mit den Händen oder Fingern oder komplexe Bewegungen des ganzen Körpers),
    • beharrliche eingehende Beschäftigung mit Teilen von Objekten.

B. Verzögerungen oder abnorme Funktionsfähigkeit in mindestens einem der folgenden Bereiche mit Beginn vor dem dritten Lebensjahr:

  • soziale Interaktion,
  • Sprache als soziales Kommunikationsmittel oder
  • symbolisches oder Fantasiespiel.

C. Die Störung kann nicht besser durch das Rett- oder Heller-Syndrom erklärt werden.

Darüber hinaus nennt ICD-10 noch unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlafstörungen, Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen und selbstverletzendes Verhalten (Automutilation).

Die drei wichtigsten Bereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziale Interaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion zeigt sich manchmal schon in den ersten Lebensmonaten durch fehlende Kontaktaufnahme zu den Eltern, insbesondere zur Mutter. Viele Kinder mit frühkindlichem Autismus strecken der Mutter nicht die Arme entgegen, um hochgehoben zu werden. Sie lächeln nicht zurück, wenn sie angelächelt werden, und nehmen zu den Eltern keinen angemessenen Blickkontakt auf. Nichtsdestoweniger sind autistische Kinder genauso stark emotional mit ihrer Mutter verbunden wie nicht-autistische Kinder und haben genauso viel Mitgefühl wie nicht-autistische Kinder.[7][8][9] In neuerer Forschung finden sich Hinweise darauf, dass sowohl die kognitive als auch die emotionale Empathie bei Menschen mit Autismus eingeschränkt sind.[10] Kinder mit frühkindlichem Autismus zeigen zudem eine starke Objektbezogenheit, die häufig auf eine bestimmte Art von Gegenständen beschränkt ist. Ihre Aufmerksamkeit ist auf wenige Dinge, wie Wasserhähne, Türklinken, Fugen zwischen Steinplatten oder kariertes Papier gerichtet, die sie sehr stark anziehen, so dass alles andere sekundär wird und nicht oder kaum beachtet wird. Oft finden sie in Gegenständen eine normalerweise ungewöhnliche Systematik (sortieren beispielsweise die Einzelteile einer Spielzeugeisenbahn nach Größe und Farbe) oder Anwendung (beispielsweise ist ihr einziges Interesse an einem Spielzeugauto, die Räder unablässig zu drehen).

Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa jedes zweite Kind mit frühkindlichem Autismus entwickelt keine Lautsprache. Bei den anderen verzögert sich die Sprachentwicklung. Die Entwicklung der Lautsprache erfolgt oft über eine lange Phase der Echolalie, manche der betroffenen Personen kommen über diese Phase nicht hinaus. Im Kindesalter werden oft die Pronomina vertauscht (pronominale Umkehr). Sie reden von Anderen als „ich“ und von sich selbst als „du“ oder in der dritten Person. Diese Eigenart bessert sich üblicherweise im Laufe der Entwicklung. Zudem gibt es oft Probleme mit Ja/Nein-Antworten, Gesagtes wird stattdessen durch Wiederholung bestätigt. Probleme gibt es auch mit der Semantik: Wortneuschöpfungen (Neologismen) treten häufig auf. Manche Menschen mit frühkindlichem Autismus haften auch an bestimmten Formulierungen (Perseveration). Am ausgeprägtesten ist die Beeinträchtigung der Pragmatik: In der Kommunikation mit anderen Menschen haben autistische Menschen Schwierigkeiten, Gesagtes über die genaue Wortbedeutung hinaus zu verstehen, zwischen den Zeilen zu lesen. Ihre Stimme klingt oft eintönig (fehlende Prosodie).

Die Probleme in der Kommunikation äußern sich in schwieriger Kontaktaufnahme zur Außenwelt und zu anderen Menschen. Manche Autisten scheinen die Außenwelt kaum wahrzunehmen und teilen sich ihrer Umwelt auf ihre ganz individuelle Art mit. Deshalb wurden autistische Kinder früher auch Muschelkinder oder Igelkinder genannt. Die visuellen und auditiven Wahrnehmungen sind oft deutlich intensiver als bei neurologisch typischen Menschen, daher scheint als Selbstschutz eine Abschaltfunktion im Gehirn die Reizüberflutung auszublenden. Autisten haben ein individuell unterschiedlich ausgeprägtes Bedürfnis nach Körperkontakt. Einerseits nehmen manche mit fremden Menschen direkten und teils sozial unangemessenen Kontakt auf, andererseits kann auch jede Berührung für sie aufgrund der Überempfindlichkeit ihres Tastsinns unangenehm sein.

Vor diesem Hintergrund ist verstehende Kommunikation mit einem Autisten schwer. Emotionen werden oft falsch gedeutet oder gar nicht erst verstanden. Diese möglichen Probleme müssen bei der Kontaktaufnahme berücksichtigt werden und verlangen ein großes Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen.

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veränderungen ihrer Umwelt, wie zum Beispiel umgestellte Möbel oder ein anderer Schulweg, beunruhigen und verunsichern manche autistische Menschen. Manchmal geraten Betroffene auch in Panik, wenn sich Gegenstände nicht mehr an ihrem gewöhnlichen Platz oder in einer bestimmten Anordnung befinden, oder es bringt sie ein unangekündigter Besuch oder spontaner Ortswechsel völlig aus der Fassung. Handlungen laufen meist ritualisiert ab, und Abweichungen von diesen Ritualen führen zu Chaos im Kopf, denn autistische Menschen haben bei unerwarteten Veränderungen von Situationen oder Abläufen in der Regel keine alternativen Strategien.

Unter stark autistischen Menschen anzutreffende, repetitive (sich wiederholende) Stereotypien können sein: Jaktationen (Schaukeln mit Kopf oder Oberkörper), im Kreis umhergehen, Finger verdrehen, Oberflächen betasten und vereinzelt auch selbstverletzendes Verhalten wie etwa Finger blutig knibbeln, Nägel bis über das Nagelbett hinaus abkauen, Kopf anschlagen, mit Hand an Kopf schlagen, sich selbst kratzen, beißen oder anderes. Dieses selbstverletzende Verhalten hinterlässt mehr oder weniger sichtbare Spuren wie Bissspuren, Narben und verschorfte Wunden auf der Haut und an den Armen[11], die jedoch nicht zu verwechseln sind mit dem bewusst selbstverletzenden Verhalten, das typischerweise zum Spannungsabbau eingesetzt wird (etwa durch Verbrennungen oder Ritzen am Unterarm) oder – seltener – aus suizidalen Tendenzen heraus entsteht und dann ein anderes (suizidales) Verletzungsmuster aufweist.

Sich wiederholende Verhaltensweisen wirken auf alle Menschen beruhigend (wie Puppe oder Teddybär bei kleinen Kindern, die überall hin mitgenommen werden) und sind möglicherweise mehr ein Kennzeichen für starken Stress als für Autismus selbst, was die Frage aufwirft, warum Autisten oft zu viel Stress ausgesetzt sind. Positive Effekte sich wiederholender Verhaltensweisen werden zum Beispiel im Yoga benutzt, und es gibt auch auf Autismus angepassten Yogaunterricht.[12]

Hochfunktionaler Autismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treten alle Symptome des frühkindlichen Autismus zusammen mit normaler Intelligenz (einem IQ von mehr als 70) auf, so spricht man vom hochfunktionalen Autismus (High functioning Autism).[13] Diagnostisch wichtig ist hier insbesondere die verzögerte Sprachentwicklung. Gegenüber dem Asperger-Syndrom sind die motorischen Fähigkeiten meist deutlich besser.

Oftmals wird, durch die Verzögerung der Sprachentwicklung, zunächst der niedrigfunktionale frühkindliche Autismus (LFA) diagnostiziert. Es kann dann aber später eine normale Sprachentwicklung erfolgen, bei der durchaus ein mit dem Asperger-Syndrom vergleichbares Funktionsniveau erreicht wird. Viele HFA-Autisten sind deshalb als Erwachsene nicht von Asperger-Autisten zu unterscheiden, meistens bleiben die autistischen Symptome aber wesentlich deutlicher ausgeprägt als beim Asperger-Syndrom. Die Sprache muss sich dabei nicht zwangsläufig entwickeln, viele nicht sprechende HFA-Autisten können trotzdem eigenständig leben und lernen, sich schriftlich zu äußern. Internetbasierende Kommunikationsformen helfen gerade diesen Menschen, ihre Lebensqualität deutlich zu steigern.

Atypischer Autismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atypischer Autismus unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus dadurch, dass Kinder nach dem dritten Lebensjahr autistisches Verhalten zeigen (atypisches Erkrankungsalter) oder nicht alle Symptome aufweisen (atypische Symptomatik).

Autistische Kinder mit atypischem Erkrankungsalter zeigen bei den Symptomen das Vollbild des frühkindlichen Autismus, das sich bei ihnen aber erst nach dem dritten Lebensjahr manifestiert.

Autistische Kinder mit atypischer Symptomatik legen Auffälligkeiten an den Tag, die für den frühkindlichen Autismus typisch sind, jedoch die Diagnosekriterien des frühkindlichen Autismus nicht vollständig erfüllen. Dabei können sich die Symptome sowohl vor als auch nach dem dritten Lebensjahr manifestieren.

Im, vor allem in den USA gebräuchlichen, psychiatrischen Diagnosehandbuch (DSM-IV) gibt es keine Diagnose „atypischer Autismus“, dort wird stattdessen „tiefgreifende Entwicklungsstörung – nicht anders bezeichnet“ (PDD-NOS) als Diagnose verwendet. Umgangssprachlich wird PDD-NOS dort oft auch falsch nur als „tiefgreifende Entwicklungsstörung (PDD)“ bezeichnet, was nur die diagnostische Kategorie bezeichnet, aber selbst keine Diagnose ist.

Wenn atypischer Autismus zusammen mit erheblicher Intelligenzminderung auftritt, wird manchmal auch von „Intelligenzminderung mit autistischen Zügen“ gesprochen. Neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass die Annahme einer Intelligenzminderung bei Autisten mit dem Wechsler-IQ-Test verfälscht wird, und Autisten beim Ravens-Matrizentest um bis zu 30 Punkte besser abschneiden, was nicht auf weniger, sondern auf eine andere Intelligenz hindeutet (Dawson et al. 2005).

Asperger-Syndrom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Asperger-Syndrom

Das nach dem österreichischen Mediziner Hans Asperger benannte Asperger-Syndrom (AS) gilt als leichte Form des Autismus und manifestiert sich etwa vom vierten Lebensjahr an. Obwohl viele Verhaltensweisen das soziale Netz der Betroffenen, insbesondere das der nächsten Bekannten und der Familie, stark in Anspruch nehmen, gibt es nicht nur negative Aspekte des Asperger-Syndroms. Es gibt zahlreiche Berichte über das gleichzeitige Auftreten von überdurchschnittlicher Intelligenz oder auch von Inselbegabungen.[14] Leichtere Fälle von Asperger-Syndrom werden im Englischen umgangssprachlich auch als „Little Professor Syndrome“, „Geek Syndrome“ oder „Nerd Syndrome“ bezeichnet.

Soziale Interaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der schwerwiegendsten Probleme für Menschen mit Asperger-Syndrom ist die Beeinträchtigung von sozialem Interaktionsverhalten, besonders in zwei Bereichen: zum einen in einer eingeschränkten Fähigkeit, zwanglose Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen, und zum anderen Einschränkungen in Bezug auf nonverbale Kommunikation.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Asperger-Syndrom fehlt oft der Wunsch, Beziehungen zu Gleichaltrigen herzustellen. Dieser Wunsch entsteht bei ihnen normalerweise erst in der Adoleszenz, meist fehlt dann aber die Fähigkeit dazu.

Die Beeinträchtigungen im Bereich der nonverbalen Kommunikation betreffen sowohl das Verstehen nonverbaler Botschaften anderer Menschen als auch das Aussenden eigener nonverbaler Signale. Dazu zählt in einigen Fällen etwa auch die Anpassung der Tonhöhe und Lautstärke der eigenen Sprache.

Als besonders problematisch erweist sich die soziale Interaktion, da Menschen mit Asperger-Syndrom nach außen hin keine offensichtlichen Anzeichen einer Behinderung haben. So kann es geschehen, dass die Schwierigkeiten von Menschen mit Asperger-Syndrom als bewusste Provokation empfunden werden, obwohl dies nicht der Fall ist. Wenn etwa eine betroffene Person auf eine an sie gerichtete Frage nur mit Schweigen reagiert, wird dies oft als Sturheit und Unhöflichkeit gedeutet.

Im Alltag macht sich die schwierige soziale Interaktion vielfältig bemerkbar.[15] Menschen mit Asperger-Syndrom können schlecht Blickkontakt mit anderen Menschen aufnehmen oder halten. Sie vermeiden Körperkontakt wie etwa Händeschütteln. Sie sind unsicher, wenn es darum geht, Gespräche mit anderen zu führen, besonders wenn es sich um eher belanglosen Smalltalk handelt. Soziale Regeln, die andere intuitiv beherrschen, verstehen Menschen mit Asperger-Syndrom nicht intuitiv, sondern müssen sie sich erst aneignen. Daher haben Menschen mit Asperger-Syndrom oft keine oder weniger Freunde. In der Schule etwa sind sie in den Pausen lieber für sich, weil sie mit dem üblichen Umgang anderer Schüler untereinander nur wenig anfangen können. Im Unterricht sind sie in der Regel wesentlich besser im schriftlichen als im mündlichen Bereich. In der Ausbildung und im Beruf macht ihnen der fachliche Bereich meist keine Schwierigkeiten, nur der Smalltalk mit Kollegen oder der Kontakt mit Kunden. Auch das Telefonieren kann Probleme bereiten. Im Studium können mündliche Prüfungen oder Vorträge große Hürden darstellen. Da auf dem Arbeitsmarkt wohl in allen Bereichen Kontakt- und Teamfähigkeit genauso viel zählen wie fachliche Eignung, haben Menschen mit Asperger-Syndrom Probleme, überhaupt eine geeignete Stelle zu finden. Viele sind selbständig, jedoch können sie sich bei Problemen mit Kunden kaum durchsetzen. In einer Werkstatt für behinderte Menschen indes wären sie völlig unterfordert.

Die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom können durch hohe Schauspielkunst nach außen hin eine Fassade aufrechterhalten, so dass ihre Probleme auf den ersten Blick nicht gleich sichtbar sind, jedoch bei persönlichem Kontakt durchscheinen, etwa in einem Vorstellungsgespräch. Menschen mit Asperger-Syndrom gelten nach außen hin zwar als extrem schüchtern, jedoch ist das nicht das eigentliche Problem. Schüchterne Menschen verstehen die sozialen Regeln, trauen sich aber nicht, sie anzuwenden. Menschen mit Asperger-Syndrom würden sich schon trauen, sie anzuwenden, verstehen sie aber nicht und haben deshalb Probleme, damit umzugehen. Die Fähigkeit zur kognitiven Empathie (Einfühlungsvermögen) ist gar nicht oder nur schwach ausgeprägt, jedoch ist die affektive Empathie (Mitgefühl) gegenüber anderen durchaus genauso oder sogar stärker ausgeprägt als bei nicht-autistischen Menschen.[7] Menschen mit Asperger-Syndrom können sich schlecht in andere Menschen hineinversetzen und deren Stimmungen oder Gefühle an äußeren Anzeichen ablesen. Überhaupt können sie nur schwer zwischen den Zeilen lesen und nicht-wörtliche Bedeutungen von Ausdrücken oder Redewendungen verstehen.[16] Sie ecken an, weil sie die für andere Menschen offensichtlichen nonverbalen Signale nicht verstehen. Da es ihnen meist schwerfällt, Gefühle zu benennen und auszudrücken, passiert es oft, dass ihre Mitmenschen dies als mangelndes persönliches Interesse missdeuten. Auch können sie in gefährliche Situationen geraten, da sie äußere Anzeichen, die auf eine bevorstehende Gefahr – etwa durch Betrüger oder Gewalttäter – hinweisen, oft nicht richtig deuten können.

Stereotype Verhaltensmuster und Sonderinteressen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschen mit Asperger-Syndrom zeigen in ihrer Lebensgestaltung und in ihren Interessen repetitive und stereotype Verhaltensmuster. Das Leben von Menschen mit Asperger-Syndrom ist durch ausgeprägte Routinen bestimmt. Werden sie in diesen gestört, können sie erheblich beeinträchtigt werden. In ihren Interessen sind Menschen mit Asperger-Syndrom teilweise auf ein Gebiet begrenzt, auf dem sie meist ein enormes Fachwissen haben.[17] Ungewöhnlich ist das Ausmaß, mit dem sie sich ihrem Interessensgebiet widmen; für andere Gebiete als das eigene sind sie meist nur schwer zu begeistern. Da Menschen mit Asperger-Syndrom meist gut logisch denken können, liegen ihre Interessensgebiete oft im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich; die gesamte geisteswissenschaftliche Palette, aber auch andere Gebiete sind möglich.

Ritualisierte und stereotype Denk- und Wahrnehmungsleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den ritualisierten Handlungen können neben motorischen Schematismen, Stereotypien und repetitiven Sprechhandlungen auch repetitive und stereotype Formen des Denkens und der Wahrnehmung gezählt werden. Diese bestehen in der Konzentration auf einige wenige, jedoch mit großer Intensität verfolgte Spezialinteressen. Die intensive Herausbildung von Spezialinteressen führt zur Entwicklung von Inselbegabungen, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Die sogenannten Inselbegabungen sind also keine Fähigkeit, die unabhängig von den Handlungen der jeweiligen Person einfach vorhanden ist, sondern sie sind erst das Ergebnis einer langen und intensiven Beschäftigung mit einem bestimmten Gegenstandsbereich.[18] Hier bilden sich neuronale Felder und Netze von hoher lokaler Konnektivität heraus, die jedoch nur schwach durch globale Konnektivität im Gehirn mit anderen Arealen verbunden sind.[19]

Einteilung nach ICD-11 und DSM-5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2018 soll die ICD-11-Ausgabe herauskommen, um die weltweiten Diagnosestandards für Krankheiten und Verhaltensstörungen zu vereinheitlichen. Eine Einteilung in Kanner- und Asperger-Autismus wird es nicht mehr geben. Alle Arten des Autismus werden in ein Spektrum (Autismus-Spektrum-Störung (ASS)) überführt.[20][21] Für die Diagnose ASS muss man aus dem Gebiet 1 aus allen drei Bereichen ein Kriterium und aus dem Gebiet 2 zwei Kriterien erfüllen:

Gebiet 1: soziale Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1A: merkwürdige Kontaktaufnahme ODER Unfähigkeit, Gespräche aufrechtzuerhalten, ODER keine Gespräche starten
  • 1B: kaum Verwendung von Mimik und Gestik ODER Auffälligkeiten bei Blickkontakt ODER Defiziten beim Verständnis nonverbaler Kommunikation
  • 1C: Defizite bei der Aufnahme und Aufrechterhaltung von Beziehungen

Gebiet 2: Stereotypien und Rituale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2A: Stereotypien ODER repetitive Bewegungen ODER Echolalie
  • 2B: Routinen
  • 2C: Spezialinteresse
  • 2D: Hyper- bzw. Hyporeaktivität auf sensorische Reize oder andere Reize

Differentialdiagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autistische Verhaltensweisen können auch bei anderen Syndromen und Krankheiten auftreten. Von diesen muss Autismus abgegrenzt werden.

  • ADHS: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist vom Asperger-Syndrom nur schwierig zu unterscheiden, wenn die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne begleitende Impulsivität und Hyperaktivität auftritt und zusätzlich durch sie entstandene soziale Defizite vorliegen. Es ist deshalb im konkreten Fall zu untersuchen, ob die Ablenkung von innen heraus (Autismus) oder durch Außenreize (ADHS) erfolgt.
  • Angelman-Syndrom: Das Angelman-Syndrom ist oberflächlich gesehen dem frühkindlichen Autismus sehr ähnlich. Es ist aber eine Veränderung auf dem 15. Chromosom und lässt sich genetisch nachweisen.
  • Bindungsstörung: Bei der Bindungsstörung ist das Sprachvermögen – anders als beim atypischen und frühkindlichen Autismus – intakt. Eine Abgrenzung zu hochfunktionalem Autismus und Asperger-Syndrom kann im Einzelfall schwierig sein. Der Anamnese kommt hier eine wichtige Rolle zu. Neuropsychologische Tests sind eine weitere Grundlage einer klaren Differenzierung. Allerdings ist Autismus keine Bindungsstörung, und autistische Menschen sind nicht in ihrer emotionalen Bindung gestört, auch wenn sie Beziehungen vielleicht untypisch gestalten (Gernsbacher et al., Science 2006).
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung: Manche Autoren sehen vor allem bei Frauen Parallelen zur Borderline-Persönlichkeitsstörung, bei der ebenfalls die Empathiefähigkeit beeinträchtigt sei und nonverbale Signale schwerer erkannt würden. Anders als Autisten verfolgen Borderline-Patienten jedoch selten ausgeprägte Spezialinteressen oder zeigen besonders rationales Denken; Autisten wiederum leiden nicht an den ausgeprägten Stimmungsschwankungen, die sich bei Borderlinern meist finden.[22]
  • Fragiles-X-Syndrom: Das Fragiles-X-Syndrom wird durch einen genetischen Defekt ausgelöst, der mit entsprechenden Analysemethoden eindeutig nachgewiesen und vom Autismus unterschieden werden kann.
  • Heller-Syndrom: Das Heller-Syndrom zählt wie ASS zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen nach ICD-10. Es bewirkt einen allgemeinen Interessenverlust an der Umgebung, Stereotypien und motorische Manierismen. Das Sozialverhalten ähnelt dem eines Autisten.
  • Hörbehinderung: Eine Hörbehinderung kann auf den ersten Blick auch (Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit) bei Kindern mit Autismus verwechselt werden, weil das Kind auf laute Geräusche oder Ansprache nicht reagiert und weil sich die Sprachentwicklung verzögert. Ein Hörtest oder Hörscreening (bei Kindern regelmäßig vor der Einschulung durchgeführt) verschafft Klarheit.
  • Autistisches Verhalten: bei psychischem Hospitalismus, Kindesmisshandlung und Verwahrlosung unterscheidet sich vom Autismus dadurch, dass dieser primär, also von Geburt an, auftritt. Die typischen Verhaltensweisen werden bei Autisten nicht durch falsche Erziehung, mangelnde Liebe, Misshandlung oder Verwahrlosung ausgelöst. In jenen Fällen verschwindet das autistische Verhalten bei Besserung der äußeren Umstände wieder, wohingegen Autismus nicht heilbar ist.
  • Magersucht: Bei Magersucht (Anorexia nervosa) können rigide Essgewohnheiten und soziale Isolation auftreten, die an hochfunktionalen Autismus oder Asperger-Syndrom erinnern. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Autismus ist, dass bei Magersucht beide Symptome nur zeitlich begrenzt auftreten und nach Behebung der Ursache wieder verschwinden. Gillberg stellte jedoch bereits 1994 in einer epidemiologischen Studie fest, dass bei 6 von 51 Fällen von Anorexia nervosa im frühen Erwachsenenalter ein Asperger-Syndrom vorlag.[23]
  • Mutismus: Mutismus ist im Gegensatz zu Autismus seelisch bedingt und äußert sich ausschließlich als Sprachstörung und nicht – wie es bei Autismus der Fall ist – als Entwicklungsstörung. Es wird zwischen totalem Mutismus (der Patient spricht trotz funktionell vorhandener Sprechfähigkeit überhaupt nicht) und selektivem bzw. elektivem Mutismus (Spracheinsatz von Personen und Situationen abhängig) unterschieden.
  • Rett-Syndrom: Das Rett-Syndrom zählt wie ASS zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen nach ICD-10. Es hat seine Ursache in einer bestimmten Enzephalopathie und zeigt typischerweise Symptome von Autismus und eine Ataxie.
  • Schizoide Persönlichkeitsstörung: Bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung tritt im Gegensatz zu atypischem und frühkindlichem Autismus keine Intelligenzminderung auf. Eine Abgrenzung zu hochfunktionalem Autismus und Asperger-Syndrom kann im Einzelfall schwierig sein. Hierbei ist die Anamnese wichtig, denn der Autismus bzw. das Asperger-Syndrom besteht bereits seit dem Kindesalter.[24] Ein weiteres Abgrenzungsmerkmal ist die ausgeprägte Affektverflachung schizoider Menschen.[25] Ferner können neuropsychologische Testverfahren Klarheit verschaffen.
  • Schizophrenie: Schizophrenie unterscheidet sich im Wesentlichen durch das Auftreten von Halluzinationen, Wahn und Ich-Störungen, die bei Autismus nicht vorkommen. Im Unterschied zur einfachen Schizophrenie (Schizophrenia simplex) besteht der Autismus bzw. das Asperger-Syndrom bereits seit dem Kindesalter.
  • Stummheit, Aphasie: Stummheit, Aphasie oder eine sonstige Form von Sprachentwicklungsverzögerung kann bei Kindern auf den ersten Blick autistisches Verhalten vortäuschen, weil die sprachliche Äußerung fehlt. Das normale Sozialverhalten der Personen differenziert die Stummheit allerdings vom Autismus bzw. vom Asperger-Syndrom.
  • Urbach-Wiethe-Syndrom: Das Urbach-Wiethe-Syndrom ist eine sehr seltene neurologische Störung, die zu Hautveränderungen, Schleimhautveränderungen (Heiserkeit) und zu Schwierigkeiten bei der Kommunikation und im Sozialverhalten führt. Die Betroffenen haben Probleme, beispielsweise Gesichtsausdrücke anderer Menschen zu interpretieren und Gesprächen zu folgen. Die gleichzeitig auftretenden Haut- und Schleimhautveränderungen differenzieren die Störung vom Autismus. Eine genetische Untersuchung kann Klarheit verschaffen.
  • Zwangserkrankungen: Bei Menschen, die an Zwangshandlungen leiden, sind die Sozial- und Kommunikationsfähigkeiten in der Regel nicht beeinträchtigt. Im Gegensatz zu an einer Zwangsstörung Erkrankten erleben Autisten ihre Routinen nicht als gegen ihren Willen aufgedrängt, sondern sie schaffen ihnen Sicherheit und sie fühlen sich mit ihnen wohl (ich-synton). Einige Menschen mit Asperger-Syndrom erfüllen hingegen die Kriterien der zwanghaften Persönlichkeitsstörung, eine Differentialdiagnose ist im Allgemeinen aber auch hier möglich.[26]

Begleitende Störungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit Autismus können verschiedene begleitende (komorbide) Störungen auftreten:

  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) heißen Konzentrationsprobleme, die aufgrund leichter Ablenkbarkeit durch Außenreize entstehen und mit Impulsivität und Hyperaktivität gekoppelt sein können.
  • Depressionen, Psychosen, Phobien, posttraumatische Belastungsstörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, Schlafstörungen: bleibt die autistische Störung lange Zeit unerkannt und unbehandelt, können sich verschiedenartige zusätzliche Störungen wie ein Fächer ausbreiten. Dies ist auch der Grund, warum eine frühe Diagnose so wichtig ist.
  • Epilepsie, bezeichnet ein Krankheitsbild mit mindestens zwei wiederholt spontan auftretenden Krampfanfällen, die nicht durch eine vorausgehende erkennbare Ursache hervorgerufen wurden.
  • Prosopagnosie (Gesichtsblindheit): Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen. Manche Menschen mit Autismus nehmen Menschen und Gesichter wie Gegenstände wahr. In jüngsten Untersuchungen wurde festgestellt, dass manche Menschen mit Autismus die visuellen Informationen beim Betrachten von Personen und Gesichtern in einem Teil des Gehirns verarbeiten, der eigentlich für die Wahrnehmung von Objekten zuständig ist. Ihnen fehlt dann die intuitive Fähigkeit, Gesichter im Bruchteil einer Sekunde zu erkennen und Ereignissen zuzuordnen.
  • Tourette-Syndrom ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die durch das Auftreten von Tics charakterisiert ist.
  • Tuberöse Sklerose, eine genetische Erkrankung, die mit Fehlbildungen und Tumoren des Gehirns, Hautveränderungen und meist gutartigen Tumoren in anderen Organsystemen einhergeht und klinisch häufig durch epileptische Anfälle und kognitive Behinderungen gekennzeichnet ist.

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rote Linie: Zunahme der Autismusdiagnosen. Schuljahre 1992 bis 2003 in den USA, Steigerung in % relativ zu 1992. Blaue Linie: Zunahme aller Behinderungen.

Eine Analyse von 11.091 Interviews von 2014 durch das National Center for Health Statistics der USA ergab eine Häufigkeit (Lebenszeitprävalenz) des ASS von 2,24 % in der Altersgruppe 3-17 Jahre, 3,29 % bei Jungen und 1,15 % bei Mädchen.[27]

Eine Übersicht von 2015 zeigte, dass die Zahlen zur Geschlechterverteilung wegen methodischer Schwierigkeiten stark variierten. Das Verhältnis männlich-weiblich betrage jedoch mindestens 2:1 bis 3:1, was auf einen biologischen Faktor in dieser Frage hindeute.[28]

Autismus der 6- bis 17-Jährigen in den USA. Prävalenz je 1000 Einwohner von 1996 bis 2007.

Die Zahl der Autismus-Fälle scheint in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen zu sein. Das Center for Disease Control (CDC) in den USA gibt einen Anstieg der Fälle von Autismus um 57 % zwischen 2002 und 2006 an. 2006 war 1 von 110 Kindern im Alter von 8 Jahren von Autismus betroffen. Obwohl bessere und frühere Diagnostik eine Rolle spielt, kann laut CDC nicht ausgeschlossen werden werden, dass ein Teil des Anstiegs auf eine tatsächliche Erhöhung der Fälle zurückzuführen ist.[29]

Früher gab es den Verdacht, dass Umweltgifte oder Impfstoff-Zusätze Autismus auslösen können. Die US-Gesundheitsbehörde FDA betrachtet diese Hypothesen jedoch seit 2006 als widerlegt.

Folgende Faktoren spielen bei der Zunahme der Fallzahlen in jüngerer Zeit eine Rolle:

  • Der häufigere Besuch von Kindergärten und die frühere Einschulung der Kinder erhöhen die Chance, dass Autismus entdeckt wird.
  • Eltern beobachten heute aufmerksamer, ob sich ihre Kinder „normal“ entwickeln. Früher brachte man oft ein Kind erst dann zum Arzt, wenn es auffällig spät sprechen lernte.
  • Die Definition von Autismus ist verbreitert worden, so dass mehr Kinder als autistisch diagnostiziert werden.
  • In der Vergangenheit wurde Autismus oft unter kindliche Schizophrenie oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingeordnet.

Folgen und Komplikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autismus kann die Entwicklung der Persönlichkeit, die Berufschancen und die Sozialkontakte erheblich beeinträchtigen. Der Langzeitverlauf einer Störung aus dem Autismusspektrum hängt von der individuellen Ausprägung beim einzelnen Patienten ab. Die Ursache des Autismus kann nicht behandelt werden. Möglich ist lediglich eine unterstützende Behandlung in einzelnen Symptombereichen.

Andererseits sind viele Schwierigkeiten, über die autistische Menschen berichten, durch Anpassungen der Umwelt vermeidbar oder verminderbar. Beispielsweise berichten manche von einem Schmerzempfinden für bestimmte Tonfrequenzen. Solchen Menschen geht es in einem reizarmen Umfeld deutlich besser. Eine autismusgerechte Umwelt zu finden bzw. herzustellen ist deshalb ein wesentliches Ziel.

Kommunikationstraining für Autisten sowie für deren Freunde und Angehörige kann für alle Beteiligten hilfreich sein und wird beispielsweise in Großbritannien von der National Autistic Society angeboten und wissenschaftlich weiterentwickelt. Eine zunehmende Zahl von Schulen, Colleges und Arbeitgebern speziell für autistische Menschen demonstriert den Erfolg, Autisten in autismusgerechten Umfeldern leben zu lassen.

Die autistischen Syndrome gehören nach dem (deutschen) Schwerbehindertenrecht zur Gruppe der psychischen Behinderungen. Nach den Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht beträgt der Grad der Behinderung bei der leichten Form (beispielsweise Typ Asperger, HFA) 50 bis 80, ansonsten 100 Grad der Behinderung.

Beim frühkindlichen und atypischen Autismus bleibt eine Besserung des Symptombilds meist in engen Grenzen. Etwa 10–15 % der Menschen mit frühkindlichem Autismus erreichen im Erwachsenenalter eine eigenständige Lebensführung. Der Rest benötigt in der Regel eine intensive, lebenslange Betreuung und eine geschützte Unterbringung.

Über den Langzeitverlauf beim Asperger-Syndrom gibt es noch keine Studien. Hans Asperger selbst nahm einen positiven Langzeitverlauf an (Lit.: Asperger 1944, S. 132f.). In der Regel lernen Menschen mit Asperger-Syndrom im Laufe ihrer Entwicklung, ihre Probleme – abhängig vom Grad ihrer intellektuellen Fähigkeiten – mehr oder weniger gut zu kompensieren. Der britische Autismusexperte Tony Attwood vergleicht den Entwicklungsprozess von Menschen mit Asperger-Syndrom mit der Erstellung eines Puzzles. Mit der Zeit bekommen sie die einzelnen Teile des Puzzles zusammen und erkennen das ganze Bild. So können sie das Puzzle (oder Rätsel) des Sozialverhaltens lösen (Lit.: Attwood 2005, S. 224). Schließlich können Menschen mit Asperger-Syndrom einen Status erreichen, in dem ihre Störung im Alltag nicht mehr auffällt.

Es existiert eine Reihe von Büchern über autistische Menschen. Der Neurologe Oliver Sacks und Psychologe Torey L. Hayden haben Bücher über ihre Patienten mit Autismus und deren Lebensweg veröffentlicht. An Büchern, die von Autisten selbst geschrieben wurden, sind insbesondere die Werke der US-amerikanischen Tierwissenschaftlerin Temple Grandin, der australischen Schriftstellerin und Künstlerin Donna Williams, der US-amerikanischen Erziehungswissenschaftlerin Liane Holliday Willey und des deutschen Schriftstellers und Filmemachers Axel Brauns bekannt.

Schule, Ausbildung, Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Welche Schule für Menschen mit Autismus geeignet ist, hängt von Intelligenz, Sprachentwicklung und Ausprägung des Autismus beim Einzelnen ab. Sind Intelligenz und Sprachentwicklung normal ausgeprägt, können Kinder mit Autismus eine Regelschule besuchen. Andernfalls kann der Besuch einer Förderschule in Betracht gezogen werden.

Hinsichtlich Ausbildung und Beruf muss ebenfalls der individuelle Entwicklungsstand des Einzelnen berücksichtigt werden. Sind Intelligenz und Sprachentwicklung normal ausgeprägt, können ein reguläres Studium oder eine reguläre Berufsausbildung absolviert werden. Andernfalls kann etwa eine Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Frage kommen. In jedem Fall ist es für die Integration und das Selbstwertgefühl autistischer Menschen wichtig, einer Tätigkeit nachgehen zu können, die ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen entspricht.

Problematisch kann der Einstieg ins reguläre Berufsleben werden, da viele Autisten die hohen sozialen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt nicht erfüllen können. Verständnisvolle Vorgesetzte und Kollegen sind für Menschen mit Autismus unerlässlich. Wichtig sind außerdem geregelte Arbeitsabläufe und überschaubare Sozialkontakte.

In einem ökologischen Weltbild geht es darum, dass sehr unterschiedliche Menschen, die in einem Ökosystem zusammenleben (im Falle des Menschen einem sozio-ökonomischen Ökosystem) passende Nischen finden, in denen sie gut zurechtkommen. Eine autismusgerechte Umwelt zu finden bzw. herzustellen ist daher ein wesentliches Ziel, beispielsweise spezialisierte Schulen. In den USA gibt es Zentren, die erwachsenen Autisten Arbeitsplätze vermitteln, gegebenenfalls in Kombination mit betreutem Wohnen.[30] Die dänische Zeitarbeitsfirma Specialisterne demonstriert den Erfolg, Autisten in autismusgerechte Umfelder zu vermitteln. Der richtige Arbeitsplatz für Autisten, der besondere Eigenarten der Autisten berücksichtigt, kann schwieriger zu finden, aber oft auch sehr erfüllend sein. Spezialisierte Berufsberatungen für das Autismusspektrum gibt es kaum, da für Autisten in Deutschland die Integrationsämter zuständig sind. Die dänische Firma plant, auch in anderen Ländern etwa in Datenbankführung oder Computerprogrammierung zu vermitteln – Berufsfelder u. a., in denen oft speziell begabte Menschen mit Autismus sogar besser als andere sein können. Derart lässt sich etwa ein phänomenales Zahlengedächtnis einsetzen – stets ohne geräuschvolles Großraumbüro und mit mäßiger Arbeitszeit usw. Ende 2011 wurde in Berlin die Firma Auticon gegründet. Sie hat sich darauf spezialisiert, die oft enormen Begabungen von Menschen mit Asperger-Autismus zum Beispiel in der Qualitätskontrolle von Software zu nutzen.[31] Die israelischen Streitkräfte setzen Autisten bevorzugt bei der Auswertung von Luftfotos ein.[32]

Der britische Psychologe Attwood schreibt über die Diagnose von leicht autistischen Erwachsenen, dass diese teilweise gut zurechtkommen, wenn sie etwa einen passenden Arbeitsplatz gefunden haben, aber im Fall von Krisen – etwa durch Arbeitslosigkeit – von ihrem Wissen über das Asperger-Syndrom zur Bewältigung von Krisen profitieren.[33]

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von der individuellen Entwicklung wird ein Plan aufgestellt, in dem die Art der Behandlung einzelner Symptome festgelegt und aufeinander abgestimmt wird. Bei Kindern wird das gesamte Umfeld (Eltern, Familien, Kindergarten, Schule) in den Behandlungsplan einbezogen. Angebote für Erwachsene sind vielerorts erst im Aufbau begriffen.[34]

Einen Überblick über Anwendungen, Therapien und Interventionen hat die englische National Autistic Society veröffentlicht.[35] Eine Auswahl von Behandlungsmethoden soll im Folgenden kurz vorgestellt werden. Einen Überblick bietet Lit.: Poustka 2004, S. 52–61. Weiterführende Informationen enthält Lit.: Weiß 2002.

Zur Behandlung bei Erwachsenen liegt eine umfassende Übersicht von 2013 durch die Freiburger Autismus-Studiengruppe vor.[36]

Verhaltenstherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verhaltenstherapie ist in der Autismustherapie die am besten wissenschaftlich abgesicherte Therapieform. Zu den Wirkfaktoren der Verhaltenstherapie bei Autimus liegt eine umfassende Studie von 2014 vor.[37] Ziel ist es, einerseits störende und unangemessene Verhaltensweisen wie übermäßige Stereotypien oder (auto)aggressives Verhalten abzubauen und andererseits soziale und kommunikative Fertigkeiten aufzubauen. Im Prinzip wird dabei so vorgegangen, dass erwünschtes Verhalten durchgängig und erkennbar belohnt wird (positive Verstärkung). Verhaltenstherapien können entweder ganzheitlich oder auf einzelne Symptome ausgerichtet sein.

Die Angewandte Verhaltensanalyse (Applied Behavior Analysis, ABA) ist eine ganzheitlich ausgerichtete Therapieform, die in den 1960er Jahren von Ivar Lovaas entwickelt wurde. Diese Therapieform ist auf die Frühförderung ausgerichtet. Zunächst wird anhand einer Systematik festgestellt, welche Fähigkeiten und Funktionen das Kind bereits besitzt und welche nicht. Hierauf aufbauend werden spezielle Programme erstellt, die das Kind befähigen, die fehlenden Funktionen zu erlernen. Die Eltern werden in die Therapie einbezogen. Die Verfahrensweisen von ABA basieren im Wesentlichen auf Methoden des operanten Konditionierens. Hauptbestandteile sind Belohnung bei richtigem Verhalten und Löschung bei falschem Verhalten. Lernversuche und -erfolge sowie erwünschtes Verhalten werden möglichst direkt verstärkt, wobei primäre (angeborene) Verstärker (wie Nahrungsmittel) und sekundäre (erlernte) Verstärker (wie Spielzeug) eingesetzt werden, um erwünschtes Verhalten zu belohnen. In den 1980er Jahren wurde ABA durch Jack Michael, Mark Sundberg und James Partington weiterentwickelt, indem auch die Vermittlung sprachlicher Fähigkeiten einbezogen wurde. Es gibt zurzeit in der Bundesrepublik Deutschland nur zwei Institute, die diese Therapie anbieten.

Ein weiteres ganzheitlich orientiertes pädagogisches Förderkonzept ist TEACCH (Treatment and Education of Autistic and related Communication-handicapped Children), das sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene mit Autismus richtet. TEACCH ist darauf ausgerichtet, die Lebensqualität von Menschen mit Autismus zu verbessern und sie anzuleiten, sich im Alltag zurechtzufinden. Zentrale Annahmen des Konzeptes sind, dass Lernprozesse durch Strukturierung und Visualisierung bei Menschen mit autistischen Merkmalen eingeleitet werden können (Lit.: Häussler, 2005).

Elterntraining[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eltern autistischer Kinder erleben nachweislich signifikant mehr Stress als Eltern von Kindern mit anderen Abweichungen oder Behinderungen. Eine Reduzierung des Stresses der Eltern zeigt deutliche Besserungen im Verhalten ihrer autistischen Kinder. Es gibt starke Hinweise für einen Zusammenhang zwischen der Stressbelastung der Eltern und den Verhaltensproblemen ihrer Kinder, unabhängig von der Schwere des Autismus. Verhaltensprobleme der Kinder zeigen sich nicht vor, sondern auch während erhöhter Stressbelastung der Eltern[38]. Die National Autistic Society hat das „NAS EarlyBird“ Programm entwickelt, ein dreimonatiges Trainingsprogramm für Eltern, um sie auf das Thema Autismus effektiv vorzubereiten.[39]

Medikamentöse Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medikamentöse Behandlung der Begleitsymptome wie beispielsweise Angst, Depressionen, Aggressivität oder Zwänge mit Antidepressiva (etwa SSRI), atypischen Neuroleptika oder Benzodiazepinen kann eine Komponente im Gesamtbehandlungsplan sein,[40] bedarf jedoch besonderer Vorsicht und aufmerksamer Beobachtung, denn nicht selten verschlimmern sie bei falscher Anwendung die Symptome, statt sie zu mildern. Mit besonderer Vorsicht ist bei der Gabe von Stimulanzien, wie sie bei Hyperaktivität (ADHS) verschrieben werden, vorzugehen, da sie bei vorhandenem Autismus und der hier häufig vorkommenden Überempfindlichkeit auf Reize der Sinnesorgane letztere noch verstärken können. Die Wirksamkeit von Methylphenidat (Ritalin) ist bei Autisten reduziert (ca. 50 statt 75 Prozent der Patienten), 10 mal häufiger seien unerwünschte Nebenwirkungen wie z.B. Reizbarkeit oder Schlafstörungen.[41] Zu beachten ist ferner, dass Reizüberempfindlichkeiten unabhängig von Autismus auftreten können. Ein konkreter Bezug zu Autismus wird bei einzelnen Stimulanzien nicht im Beipackzettel genannt.

Ergänzende Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögliche ergänzende Methoden sind etwa Musik-, Kunst-, Massagetherapie, ebenso wie Reit- und Delfintherapie oder der Einsatz von Therapierobotern (Keepon) oder Echolokationslauten (Dolphin Space). Sie können die Lebensqualität steigern, indem sie positiv auf Stimmung, Ausgeglichenheit und Kontaktfähigkeit einwirken. Das zeigt 2008 etwa ein umfassender wissenschaftsjournalistischer Bericht über zwei eigene autistische Kinder – mit Hund.[42]

Verfahren ohne Wirksamkeitsnachweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere bekannte Maßnahmen sind Festhaltetherapie, Gestützte Kommunikation und Daily-Life-Therapie. Diese Maßnahmen „sind im Kontext der Behandlung des Autismus entweder äußerst umstritten und unglaubwürdig oder deren Annahmen und Versprechungen wurden durch wissenschaftliche Untersuchungen im Wesentlichen widerlegt“. (Lit.: Poustka 2004, S. 59)

  • Die Festhaltetherapie wurde 1984 von der US-amerikanischen Kinderpsychologin Martha Welch entwickelt und von Jirina Prekop im deutschen Sprachraum verbreitet. Ansatzpunkt bei dieser Therapie ist die nicht dem aktuellen Stand der Autismusforschung entsprechende Annahme, dass der Autismus eine emotionale Störung sei, die durch negative Einflüsse in der frühesten Kindheit hervorgerufen werde. Das betroffene Kind habe kein Urvertrauen aufbauen können. Bei der sehr umstrittenen Festhaltetherapie[43] soll durch Festhalten des Kindes der Widerstand gegen Nähe und Körperkontakt gebrochen und so das Urvertrauen nachträglich entwickelt werden. Bedenklich bei der Festhaltetherapie „ist nicht nur die manchmal äußerst dramatisch und fast gewalttätig anmutende Vorgehensweise, sondern auch die dem Konzept mehr oder weniger zugrundeliegende These, dass das frühe Urvertrauen vom Kind nicht erworben werden konnte. Dies wird häufig von Eltern im Sinne einer persönlichen Schuld am Sosein ihres autistischen Kindes interpretiert“ (Lit.: Remschmidt 2002, S. 80).
  • Bei der Methode Gestützte Kommunikation benutzt die Person mit Autismus (gestützte Person) mit körperlicher Hilfestellung durch eine assistierende Person (Stützer) eine Kommunikationshilfe (Buchstabentafel, Kommunikationstafel, Computertastatur u.ä.). Durch diese gemeinsame Bedienung entsteht ein Text, dessen Autorenschaft der gestützten Person zugeschrieben wird. Die Stützer werden in Seminaren in die Gestützte Kommunikation eingeführt. Kritik an der Methode entzündet sich u. a. daran, dass in Blindversuchen nachgewiesen werden konnte, dass der Stützer den Schreiber unbewusst und unbeabsichtigt beeinflusste, so dass der Stützer und nicht die gestützte Person Urheber des Textes ist.
  • Die Daily-Life-Therapie wurde erstmals 1964 in Japan angewandt. Dabei wird von der Grundhypothese ausgegangen, dass ein hohes Angstniveau bei Menschen mit Autismus durch körperliche Anstrengung beseitigt werden kann. Körperliche Anstrengung führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Endorphinen, die schmerzlindernd oder schmerzunterdrückend (analgetisch) wirken.

Des Weiteren gibt es verschiedene „biologisch begründete“ Therapiemethoden – etwa die Behandlung mit dem Darmhormon Sekretin –, unter Verwendung hoher Dosen von Vitaminen und Mineralien oder mit besonderen Diäten. Auch hier fehlen bisher Wirksamkeitsnachweise, so dass von diesen Maßnahmen abgeraten wird (Lit.: Poustka 2004, S. 59)

Mögliche Ursachen von Autismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögliche Ursachen oder Auslöser von Autismus werden heute auf unterschiedlichen Gebieten erforscht. Die noch bis in die 1960er Jahre vertretene These, Autismus entstehe aufgrund der emotionalen Kälte der Mutter (ehemaliger Terminus der sogenannten „Kühlschrankmutter“), durch lieblose Erziehung, mangelnde Zuwendung oder psychische Traumata, gilt heute als widerlegt.

Aktuelle Erklärungsansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genetische Faktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genetischen Ursachen des Gesamtbereichs des Autismusspektrums haben sich als äußerst vielfältig und hochkomplex erwiesen.[44] In einer Übersicht von 2011 wurden bereits 103 Gene und 44 Genorte (Genloci) als Kandidaten für eine Beteiligung identifiziert, und es wurde vermutet, dass die Zahlen weiter stark steigen würden.[45] Es wird allgemein davon ausgegangen, dass die immensen Kombinationsmöglichkeiten vieler genetischer Abweichungen die Ursache für die große Vielfalt und Breite des Autismusspektrums sind.[46]

Spiegelneuronen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2013 gab es widersprüchliche Hinweise zu der Hypothese, dass Systeme von Spiegelneuronen bei Menschen mit Autismus möglicherweise nicht hinreichend funktionstüchtig seien.[47][48] In einer Metaanalyse von 2013 wurde dann festgestellt, dass es wenig gebe, das die Hypothese stütze und dass das Datenmaterial eher mit der Annahme vereinbar sei, dass die absteigende (Top-down-)Modulierung sozialer Reaktionen bei Autismus atypisch sei.[49]

Abweichungen im Verdauungstrakt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Verdauungsstörungen im Zusammenhang mit ASS oft beschrieben wurden, gibt es bis heute (Stand November 2015) keine zuverlässigen Daten zu einer möglichen Korrelation oder gar einem möglichen ursächlichen Zusammenhang - weder in die eine noch die andere Richtung.[50][51][52]

Vermännlichung des Gehirns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theorie, dass eine Vermännlichung des Gehirns (Extreme Male Brain Theory) durch einen hohen Testosteronspiegel im Mutterleib ein Risikofaktor für ASS sein könnte, wurde in neueren Studien gezielt untersucht, konnte jedoch nicht bestätigt werden.[53][54]

Atypische Konnektivität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DT-MRI) ermöglicht eine Rekonstruktion von Nervenbahnen im Gehirn (Traktografie).

2004 entdeckte eine Forschergruppe um Marcel Just und Nancy Minshew an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (USA) die Erscheinung der veränderten Konnektivität (großräumiger Informationsfluss, engl. connectivity) im Gehirn bei den Gruppendaten von 17 Probanden aus dem Asperger-Bereich des Autismusspektrums. Funktionelle Gehirnscans (fMRI) zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe sowohl Bereiche erhöhter als auch Bereiche verminderter Aktivität, sowie eine verminderte Synchronisation der Aktivitätsmuster verschiedener Gehirnbereiche. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse entwickelten die Autoren erstmals die Theorie der Unterkonnektivität (underconnectivity) für die Erklärung des Autismusspektrums.[55]

Die Ergebnisse wurden relativ schnell in weiteren Studien bestätigt, ausgebaut und präzisiert, und das Konzept der Unterkonnektivität wurde entsprechend fortentwickelt.[56][57] Bezüglich anderer Theorien wurde es nicht als Gegenmodell, sondern als übergreifendes Generalmodel präsentiert. In den folgenden Jahren nahm die Anzahl der Studien zur Konnektivität bei Autismusspektrum explosionsartig zu.

Dabei wurde neben eher globaler Unterkonnektivität häufig auch eher lokale Überkonnektivität gefunden. Letztere wird allerdings – gestützt auf Kenntnisse der frühkindlichen Gehirnentwicklung bei Autismus – eher als Überspezialisierung und nicht als Steigerung der Effektivität verstanden. Um beide Erscheinungen zu berücksichtigen, wird das Konzept nun atypische Konnektivität genannt. Es zeichnet sich ab (Stand: Juli 2015), dass es sich als Konsensmodell in der Forschung etabliert.[58][59] Dies gilt auch, wenn der Asperger-Bereich des Autismusspektrums für sich betrachtet wird.[60] Die beim Autismusspektrum vorliegende atypische Konnektivität wird verstanden als Ursache des hier beobachteten besonderen Verhaltens, wie etwa bei der Erfassung von Zusammenhängen zwischen Dingen, Personen, Gefühlen und Situationen.

In diesem Zusammenhang stehen auch mehrere Studien, die kognitive Stärken autistischer Menschen belegen und die daher die Frage aufwerfen, ob eher von einer unterschiedlichen anstatt von einer defekten Wahrnehmung zu sprechen sei. So hätten Autisten nicht etwa eine niedrigere, sondern stattdessen eine andere Intelligenz als nicht autistisch diagnostizierte Menschen[61] und zeigten eine Reihe von kognitiven Stärken gegenüber nichtautistischen Personen.[62]

Widerlegte Erklärungsansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schäden durch falsche Impfung/Impfstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es taucht immer wieder das Gerücht auf, Autismus könne durch Impfungen etwa gegen Mumps, Masern oder Röteln verursacht werden, wobei eine im Impfstoff enthaltene organische Quecksilberverbindung, das Konservierungsmittel Thiomersal (engl.: Thimerosal), als auslösende Substanz verdächtigt wird. Derlei Berichte entbehren jedoch „jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, so unterscheidet sich die Häufigkeit von Autismus nicht bei geimpften und ungeimpften Kindern.“ (Lit.: Poustka 2004, S. 60). Durch verschiedene Studien ist der Zusammenhang zwischen Thiomersal enthaltenden Impfstoffen und Autismus mittlerweile widerlegt.[63][64][65][66][67][68] Ungeachtet dessen ist heute in der Regel in Impfstoffen kein Thiomersal mehr enthalten.[69] Eine Abnahme der Anzahl der Neuerkrankungen war erwartungsgemäß in Folge nicht zu beobachten – eine weitere Schwächung der „Autismus-durch-Impfung“-Hypothese.[70]

Die Annahmen, dass Autismus eine Folge von Impfschäden sein soll, ging auf eine Veröffentlichung von Andrew Wakefield in der Fachzeitschrift The Lancet 1998 zurück.[71] 2004 wurde bekannt, dass Wakefield vor der Veröffentlichung von Anwälten, die Eltern Autismus-betroffener Kinder vertraten, 55.000 £ an Drittmitteln erhalten hatte.[72] Diese suchten Verbindungen zwischen Autismus und der Impfung, um Hersteller des Impfstoffes zu verklagen. Die Gelder waren weder den Mitautoren noch der Zeitschrift bekannt gewesen. Daraufhin traten zehn der dreizehn Autoren des Artikels von diesem zurück.[73] Im Januar 2010 entschied die britische Ärztekammer (General Medical Council), dass Wakefield „unethische Forschungsmethoden“ angewandt hatte und seine Ergebnisse in „unehrlicher“ und „unverantwortlicher“ Weise präsentiert wurden. The Lancet zog daraufhin Wakefields Veröffentlichung vollständig zurück.[74] In der Folge wurde im Mai 2010 auch ein Berufsverbot in Großbritannien gegen ihn ausgesprochen.[75]

Die amerikanische Food and Drug Administration hat im September 2006 einen Zusammenhang zwischen Autismus und Impfstoffen als unbegründet abgewiesen.[76]

Während die Hypothese, dass ein Zusatz von Thiomersal in Impfstoffen das Risiko von ASS erhöhen könnte, als vielfach widerlegt gilt, ist der mögliche Einfluss anderweitiger - umweltbedingter - erhöhter Aufnahme von Quecksilber auf das ASS-Risiko aufgrund widersprüchlicher Untersuchungsergebnisse noch umstritten.[77][78]

Auties und Aspies[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausprägungen von Autismus umfassen ein breites Spektrum. Verständlich ist, dass sich manche Menschen mit einer starken Ausprägung des Autismus eine Heilung wünschen (nicht alle von ihnen tun dies). Viele Erwachsene mit leichter Ausprägung des Autismus haben gelernt, mit ihren autistischen Eigenarten zurechtzukommen. Sie wünschen sich vielfach keine Heilung ihres Autismus, sondern die Akzeptanz durch ihre Mitmenschen. Auch sehen sie Autismus nicht als etwas von ihnen Getrenntes, sondern als integralen Bestandteil ihrer Persönlichkeit.

Die australische Künstlerin und Kanner-Autistin Donna Williams hat in diesem Zusammenhang den Begriff Auties eingeführt, der sich entweder speziell auf Menschen mit Kanner-Autismus oder allgemein auf alle Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung bezieht. Von der US-amerikanischen Erziehungswissenschaftlerin und Asperger-Autistin Liane Holliday Willey stammt die Bezeichnung Aspies für Menschen mit Asperger-Syndrom. Die Psychologen Tony Attwood und Carol Gray richten in ihrem Essay Die Entdeckung von „Aspie“[3] den Blick auf positive Eigenschaften von Menschen mit Asperger-Syndrom. Die Begriffe Auties und Aspies wurden von vielen Selbsthilfeorganisationen von Menschen im Autismusspektrum übernommen.

Um dem Wunsch vieler Autisten nach Akzeptanz durch ihre Mitmenschen Ausdruck zu verleihen, feiern einige seit 2005 jährlich am 18. Juni den Autistic Pride Day. Der Kampfbegriff der Autismusrechtsbewegung – „Neurodiversität“ (neurodiversity) – bringt die Idee zum Ausdruck, dass eine untypische neurologische Entwicklung ein normaler menschlicher Unterschied sei, der ebenso Akzeptanz verdiene wie jede andere – physiologische oder sonstige – Variante des Menschseins.

Autismusforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Wissenschaftler kritisieren, dass in der Autismusforschung positive Forschungsergebnisse über Autismus oft ignoriert werden.

So erforscht die Autistin Michelle Dawson die Natur autistischer Intelligenz.[79]

In der Grundlagenforschung wurde bei der visuellen Wahrnehmung von Autisten ein überscharfer Aufmerksamkeitswinkel festgestellt, der in seiner Schärfe (sharpness) stark mit der Schwere der autistischen Symptome korrelierte,[80] sowie eine erhöhte Empfindlichkeit für visuelle Feinkontraste.[81]

Psychologieprofessorin Morton Gernsbacher (Mutter eines autistischen Kindes und ehemalige Präsidentin der US-amerikanischen Association for Psychological Science) schreibt regelmäßig über voreingenommene negative Autismusforschung und setzt sich für das Autism Acceptance Project ein.[82][83]

Dinah Murray hat auf der Autism2006 AWARES Conference einen Artikel über die problematische Definition von Autismus als Dysfunktion geschrieben. Sie geht dabei auf deren Ursachen ein und macht auf positive Forschungsergebnisse zum Autismus aufmerksam.[84]

Eine Gruppe von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Freien Universität Berlin arbeitet seit einigen Jahren in einem bundesweit einmaligen Projekt gemeinsam mit Menschen mit Autismus und Asperger-Syndrom in der Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK)[85] an der Erforschung des Autismus, wobei die Entscheidung über die Relevanz der jeweiligen Fragestellung aus der Perspektive der autistischen Menschen getroffen wird, die aktiv in die Planung, Durchführung und Auswertung von Forschungsprojekten eingebunden sind. Durch das Publizieren der Resultate werden Erkenntnisse über das Autismusspektrum der breiten Öffentlichkeit bzw. spezifischen Adressaten (wie Lehrern, Mitarbeitern der Arbeitsagenturen) zugänglich gemacht und Stigmatisierung wird begegnet.

Aktuelle Ergebnisse der internationalen Autismusforschung werden auf der seit 2007 jährlich stattfindenden Wissenschaftlichen Tagung Autismus-Spektrum (WTAS) vorgestellt. Diese Tagung ist mit Gründung der Wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus-Spektrum (WGAS)[86] 2008 auch deren wesentliches Organ.

Ein besonderes Forschungszentrum im deutschsprachigen Raum ist das Universitäre Zentrum Autismus Spektrum (UZAS) in Freiburg.[87]

Rechtssituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barrierefreiheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine UN-Studie erkennt die kulturelle Eigenart von Autisten, barrierefrei online Gemeinschaften zu bilden, als im Rahmen der Menschenrechte gleichwertig an: „Here, the concept of community should not be necessarily limited to a geographic and physical location: some persons with autism have found that support provided online may be more effective, in certain cases, than support received in person.“[88]

Autisten haben das Recht auf barrierefreie fernschriftliche Kommunikation. Das kann beispielsweise einer Entscheidung des Bundessozialgerichts vom 14. November 2013 entnommen werden, die von der Enthinderungsselbsthilfe von Autisten für Autisten erstritten wurde.[89]

Bis 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autisten galten bislang als Schwerbehinderte mit einem GdB (Grad der Behinderung) zwischen 50 und 100. Nach den Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit (AHG) im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht Teil 2 SGB IX wurde bei autistischen Kindern bis zum 16. Lebensjahr Hilflosigkeit angenommen, ggf. auch darüber hinaus.[90]

Seit 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Geltung ab 23. Dezember 2010:[91][92]

1) Grad der Behinderung: „Eine Behinderung liegt erst ab Beginn der Teilhabebeeinträchtigung vor. Eine pauschale Festsetzung des GdS (Grad der Schädigungsfolgen) nach einem bestimmten Lebensalter ist nicht möglich.

Bei tief greifenden Entwicklungsstörungen (insbesondere frühkindlicher Autismus, atypischer Autismus, Asperger-Syndrom)

  • ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 10–20,
  • mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 30–40,
  • mit mittleren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 50–70,
  • mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 80–100.

Die Kriterien der Definitionen der ICD-10 German Modification (GM) Version 2010 müssen erfüllt sein. Soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integrationsfähigkeit in Lebensbereiche (wie zum Beispiel Regel-Kindergarten, Regel-Schule, allgemeiner Arbeitsmarkt, öffentliches Leben, häusliches Leben) nicht ohne besondere Förderung oder Unterstützung (zum Beispiel durch Eingliederungshilfe) gegeben ist oder wenn die Betroffenen einer über das dem jeweiligen Alter entsprechende Maß hinausgehenden Beaufsichtigung bedürfen. Mittlere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche nicht ohne umfassende Unterstützung (zum Beispiel einen Integrationshelfer als Eingliederungshilfe) möglich ist. Schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche auch mit umfassender Unterstützung nicht möglich ist.“

2) Hilflosigkeit: „Bei tief greifenden Entwicklungsstörungen, die für sich allein einen GdS von mindestens 50 bedingen, und bei anderen gleich schweren, im Kindesalter beginnenden Verhaltens- und emotionalen Störungen mit lang andauernden erheblichen Einordnungsschwierigkeiten ist regelhaft Hilflosigkeit bis zum 18. Lebensjahr anzunehmen.“

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinofilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Folgenden eine Liste von Filmen, die Autismus als zentrales Thema behandeln:

Fernsehserien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke von historischer Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neurobiologie des Autismusspektrums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. O. Maximo, E. J. Cadena, R. K. Kana: The implications of brain connectivity in the neuropsychology of autism. In: Neuropsychology review. Band 24, Nummer 1, März 2014, S. 16–31, doi:10.1007/s11065-014-9250-0, PMID 24496901, PMC 4059500 (freier Volltext) (Review).
  • R. A. Müller, P. Shih, B. Keehn, J. R. Deyoe, K. M. Leyden, D. K. Shukla: Underconnected, but how? A survey of functional connectivity MRI studies in autism spectrum disorders. In: Cerebral cortex (New York, N.Y. : 1991). Band 21, Nummer 10, Oktober 2011, S. 2233–2243, doi:10.1093/cercor/bhq296, PMID 21378114, PMC 3169656 (freier Volltext) (Review).

Einführungs- und Ratgeberliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tony Attwood: Asperger-Syndrom. Wie Sie und Ihr Kind alle Chancen nutzen: das erfolgreiche Praxis-Handbuch für Eltern und Therapeuten. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005 (englisches Original 1998), ISBN 3-8304-3219-4.
  • Vera Bernard-Opitz: Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS): Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Eltern und Lehrer, Stuttgart, Kohlhammer 2007, ISBN 3170198343.
  • Dieter Ebert, Thomas Fangmeier, Andrea Lichtblau, Julia Peters, Monica Biscaldi-Schäfer, Ludger Tebartz van Elst: Asperger-Autismus und hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen. Ein Therapiemanual der Freiburger Autismus-Studiengruppe. Hogrefe Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8409-2501-6.
  • Anne Häussler: Der TEACCH-Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus - Einführung in Theorie und Praxis. Borgmann, 2005, ISBN 3-938187-05-0.
  • Joan Matthews und James Williams: Ich bin besonders! Autismus und Asperger. Das Selbsthilfebuch für Kinder und ihre Eltern. Trias, Stuttgart 2001, ISBN 3-89373-668-9.
  • Fritz Poustka u. a.: Ratgeber autistische Störungen. Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher. Hogrefe, Göttingen u. a. 2004, ISBN 3-8017-1633-3.
  • Fritz Poustka u. a.: Autistische Störungen. Hogrefe, Göttingen u. a. 2004, ISBN 3-8017-1632-5. In: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie, Bd. 5.
  • Helmut Remschmidt: Autismus: Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen, 5., aktualisierte Auflage, München, Beck 2012, ISBN 3406643477.
  • Katja Rohde: Ich Igelkind. Botschaften aus einer autistischen Welt. 5. Auflage, Nymphenburger, München 2008, ISBN 3-485-00826-5.
  • Brita Schirmer: Elternleitfaden Autismus. Wie Ihr Kind die Welt erlebt. Mit gezielten Therapien wirksam fördern. Schwierige Alltagssituationen meistern. Trias, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8304-3331-6.
  • Judith Sinzig: Frühkindlicher Autismus, Berlin, Springer-Verlag 2011, ISBN 3642130712.
  • Kristin Snippe: Autismus. Wege in die Sprache. Schulz-Kirchner-Verlag, Idstein 2013, ISBN 978-3-8248-0999-8.
  • Peter Vermeulen: Das ist der Titel: Über autistisches Denken. Bosch & Suykerbuyk, Arnhem 2009, ISBN 978-90-79122-03-5.
  • Siegfried Walter: Autismus. Erscheinungsbild, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Persen, Horneburg 2001, ISBN 3-89358-809-4.
  • Michaela Weiß: Autismus. Therapien im Vergleich. Ein Handbuch für Therapeuten und Eltern. Edition Marhold, Berlin 2002, ISBN 3-89166-997-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Autismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Autie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tony Attwood: Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom. Alle Fragen – alle Antworten. TRIAS, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-3392-7.
  2. Library of Parliament (Canada), Final Report on: The Enquiry on the Funding for the Treatment of Autism (2007): A. Definition of Autism
  3. a b Carol Gray und Tony Attwood: Die Entdeckung von „Aspie“, 1999. (PDF; 29 kB)
  4. Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse. GW XIII, S. 73f
  5. Anna M. Ehret, Matthias Berking: DSM-IV und DSM-5: Was hat sich tatsächlich verändert? In: Verhaltenstherapie. 23, 2013, S. 258–266, doi:10.1159/000356537, (freier Volltext).
  6. DSM-5 Autism Spectrum Disorder, 299.00 (F84.0), Diagnostic Criteria, abgerufen am 3. Dezember 2015.
  7. a b K. Rogers et al.: Who Cares? Revisiting Empathy in Asperger Syndrome. In: Journal of Autism and Developmental Disorders. 12. August 2006. PMID 16906462
  8. Gernsbacher et al.: Autism and Deficits in Attachment Behavior. In: Science. 25. Februar 2005. PMID 15731426. S. 1201–1203
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  10. Grove, R., Baillie, A., Allison, C., Baron-Cohen, S., & Hoekstra, R. A. (2014). The latent structure of cognitive and emotional empathy in individuals with autism, first-degree relatives and typical individuals. Molecular autism, 5(1), 42. [1]
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  12. Yoga for Children with Autism Spectrum Disorders
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  16. Digby Tantam: Asperger Syndrome in adulthood. In: Uta Frith: Autism and Asperger syndrome, 1991, S. 147–183.
  17.  Mandy Roy u. a.: Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter. In: Dtsch Arztebl Int. Nr. 106(5), 2009, S. 59–64 (Artikel); englische Version: M. Roy, W. Dillo, H. M. Emrich, M. D. Ohlmeier: Asperger's syndrome in adulthood. In: Deutsches Ärzteblatt international. Band 106, Nummer 5, Januar 2009, S. 59–64, doi:10.3238/arztebl.2009.0059, PMID 19562011, PMC 2695286 (freier Volltext) (Review).
  18. Brita Schirmer: Das Kommunizieren lernen. Besonderheiten im Kommunikationsverhalten von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung und therapeutische Konsequenzen. In: unterstützte kommunikation & forschung 1: Hirnforschung und Autismusspektrumsstörung. Von Loeper, Karlsruhe 2011, S. 21–25.
  19. Diagnose-Technik: Hirnscan verrät Autismus binnen 15 Minuten. In: Spiegel Online. 11. August 2010, abgerufen am 27. Dezember 2014.
  20. ICD-11 Beta Draft, abgerufen August 2015
  21. ÄNDERUNG DER DIAGNOSEKRITERIEN FÜR AUTISMUS IM ICD 11 - WAS BEDEUTET DAS FÜR UNS AUTISTEN? (Memento vom 27. Februar 2014 im Internet Archive) In: auticare.de
  22.  Mandy Roy, Wolfgang Dillo, Hinderk M. Emrich, Martin D. Ohlmeier: Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter. In: Deutsches Ärzteblatt. 106, Nr. 5, Deutscher Ärzte-Verlag, 30. Januar 2009, S. 59-64, doi:10.3238/arztebl.2009.0059.
  23. Helmut Remschmidt: Autismus. C.H.Beck, 2008, ISBN 978-3-406-57680-5, S. 56. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
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  29. Catherine Rice: Prevalence of Autism Spectrum Disorders --- Autism and Developmental Disabilities Monitoring Network, United States, 2006 CDC
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  31. Thomas Gith: Perfekte Fehlersucher (Archiv). In: deutschlandradiokultur.de. 30. Oktober 2013, abgerufen am 27. Dezember 2014.
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  33. Dinah Murray u. a.: Coming Out Asperger. Diagnosis, Disclosure and Self-Confidence. Jessica Kingsley Publishers, London u. Philadelphia, 2006, ISBN 1-84310-240-4; S. 32–52
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  35. About Autism. The National Autistic Society, abgerufen am 16. Dezember 2014 (englisch).
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  38. Evaluation of Early Intervention (MS PowerPoint; 2,2 MB)
  39. NAS EarlyBird
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  41. Luise Poustka: Psychopharmakologie bei Autismus Spektrum Störungen. Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim. Ulm, 2012
  42. Umfassender wissenschaftsjournalistischer Bericht über zwei eigene autistische Kinder mit Hund 9/2008 (Memento vom 24. Oktober 2009 im Internet Archive)
  43. Georg Feuser über die Festhaltetherapie
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  45. C. Betancur: Etiological heterogeneity in autism spectrum disorders: more than 100 genetic and genomic disorders and still counting. In: Brain research. Band 1380, März 2011, S. 42–77, doi:10.1016/j.brainres.2010.11.078, PMID 21129364 (Review).
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  57. M. A. Just, V. L. Cherkassky, T. A. Keller, R. K. Kana, N. J. Minshew: Functional and anatomical cortical underconnectivity in autism: evidence from an FMRI study of an executive function task and corpus callosum morphometry. In: Cerebral cortex (New York, N.Y.: 1991). Band 17, Nummer 4, April 2007, S. 951–961, doi:10.1093/cercor/bhl006, PMID 16772313, PMC 4500121 (freier Volltext).
  58. R. A. Müller, P. Shih, B. Keehn, J. R. Deyoe, K. M. Leyden, D. K. Shukla: Underconnected, but how? A survey of functional connectivity MRI studies in autism spectrum disorders. In: Cerebral cortex (New York, N.Y. : 1991). Band 21, Nummer 10, Oktober 2011, S. 2233–2243, doi:10.1093/cercor/bhq296, PMID 21378114, PMC 3169656 (freier Volltext) (Review).
  59. J. O. Maximo, E. J. Cadena, R. K. Kana: The implications of brain connectivity in the neuropsychology of autism. In: Neuropsychology review. Band 24, Nummer 1, März 2014, S. 16–31, doi:10.1007/s11065-014-9250-0, PMID 24496901, PMC 4059500 (freier Volltext) (Review).
  60. D. E. Welchew, C. Ashwin, K. Berkouk, R. Salvador, J. Suckling, S. Baron-Cohen, E. Bullmore: Functional disconnectivity of the medial temporal lobe in Asperger’s syndrome. In: Biological psychiatry. Band 57, Nummer 9, Mai 2005, S. 991–998, doi:10.1016/j.biopsych.2005.01.028, PMID 15860339.
  61. M. Dawson, L. Mottron u. a.: Superior performance of autistics on RPM and PPVT relative to Wechsler scales provides evidence for the nature of autistic intelligence. Poster presented at the International Meeting for Autism Research, Boston, MA, 2005.
  62. L. Mottron, M. Dawson u. a.: Enhanced perceptual functioning in autism: an update, and eight principles of autistic perception. In: Journal of autism and developmental disorders. Band 36, Nummer 1, Januar 2006, S. 27–43, ISSN 0162-3257. doi:10.1007/s10803-005-0040-7. PMID 16453071. (Review).
  63. T. Verstraeten, R. L. Davis u. a.: Safety of thimerosal-containing vaccines: a two-phased study of computerized health maintenance organization databases. In: Pediatrics. Band 112, Nummer 5, November 2003, S. 1039–1048, ISSN 1098-4275. PMID 14595043.
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  66. Eric Fombonne u. a.: Pervasive developmental disorders in Montreal, Quebec, Canada: prevalence and links with immunizations. In: Pediatrics, 118. Jg., Nr. 1, 2006, PMID 16818529, S. e139–50 (PDF, 584 kB).
  67. M. Shevell, E. Fombonne: Autism and MMR vaccination or thimerosal exposure: an urban legend? In: The Canadian journal of neurological sciences. Le journal canadien des sciences neurologiques. Band 33, Nummer 4, November 2006, S. 339–340, ISSN 0317-1671. PMID 17168157.
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  78. K. Yoshimasu, C. Kiyohara, S. Takemura, K. Nakai: A meta-analysis of the evidence on the impact of prenatal and early infancy exposures to mercury on autism and attention deficit/hyperactivity disorder in the childhood. In: Neurotoxicology. Band 44, September 2014, S. 121–131, doi:10.1016/j.neuro.2014.06.007, PMID 24952233 (Review).
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  81. L. Kéïta, J. Guy, C. Berthiaume, L. Mottron, A. Bertone: An early origin for detailed perception in Autism Spectrum Disorder: biased sensitivity for high-spatial frequency information. In: Scientific reports. Band 4, 2014, S. 5475, doi:10.1038/srep05475, PMID 24993026, PMC 4081897 (freier Volltext).
  82. P. Basu: Experts question prevalent stereotypes about autism, 02.2006
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  84. Dinah Murray: Kultur und Ignoranz. Website des Netzwerks Autismus-Kultur, 24. Oktober 2006. Abgerufen am 22. September 2014.
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  86. Wissenschaftliche Gesellschaft Autismus-Spektrum (WGAS) abgerufen am 1. Dezember 2015.
  87. Universitäres Zentrum Autismus Spektrum (UZAS) – Freiburg abgerufen am 1. Dezember 2015.
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  89. Enthinderungsselbsthilfe von Autisten für Autisten (und Angehörige) BSG stärkt Anspruch von Autisten auf barrierefreie Kommunikation. In: enthinderung.de. 3. Dezember 2013, abgerufen am 27. Dezember 2014.
  90. BMAS:Versorgungsmedizinische Grundsätze, Zugriff am 2. Mai 2009, PDF, 986 KB.
  91. http://www.buzer.de/: Dritte Verordnung zur Änderung der Versorgungsmedizin-Verordnung (3. VersMedVÄndV)Vorlage:§§/Wartung/buzer („Autistische Syndrome“ stehen in Artikel 1, 2. a) ), Zugriff am 18. Januar 2011 (Volltext).
  92. Juris: Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) inkl. GdS-Tabelle („Autistische Syndrome“ stehen in der Anlage zu § 2, Teil B, Nr. 3.5), Zugriff am 18. Januar 2011 (Volltext).
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