Autobahn (Frankreich)

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Autobahnen (gelb) und autobahnähnliche Nationalstraßen (rot) in Frankreich (Stand: 2012)
Die A8 bei Gorbio.

Die Autobahnen (französisch: Autoroutes, singular Autoroute) bilden in Frankreich das nationale Fernstraßennetz und dienen neben dem überregionalen und internationalen auch dem regionalen Verkehr. Sie werden von verschiedenen Gesellschaften bewirtschaftet. Das fertiggestellte Autobahnnetz beträgt derzeit etwa 11.650 Kilometer, von denen etwa 8000 km mautpflichtig sind.

Frankreich hat nach dem National Trunk Highway System (97.355 km) der Volksrepublik China, dem Interstate Highway System (75.932 km) in den USA, dem Autobahnsystem in Spanien (16.204 km) und dem deutschen Autobahnnetz (12.993 km) das fünftlängste weltweit.

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt auf französischen Autobahnen 130 km/h, bei Niederschlag 110 km/h. Im Bereich von Großstädten existieren Höchstgeschwindigkeiten von 90 km/h oder 70 km/h.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Autostraße Frankreichs, ein Teil der Autoroute de Normandie, sollte 1940 fertiggestellt werden. Durch den Zweiten Weltkrieg verzögerte sich allerdings der Bau und der 20 km lange Abschnitt der Strecke zwischen Orgeval und Saint-Cloud wurde erst am 9. Juni 1946 eröffnet. Die offizielle Bezeichnung „Autoroute“ wurde 1955 eingeführt und bezeichnete einen speziellen Verkehrsweg, der nicht über Kreuzungen, sondern über Knotenpunkte nur für Fahrzeuge mit mechanischen Antrieben zugänglich ist. Außerdem entschied die Regierung, dass Autobahnen durch Betreibergesellschaften gebaut und nach der Inbetriebnahme mautpflichtig werden sollten. Bereits ein Jahr später entstand die erste Betreibergesellschaft Autoroute Esterel-Côte-d’Azur (ESCOTA).

1960 wurden die Planungen der Realisierung eines Autobahnnetzes mit einer Gesamtlänge von ca. 3500 km aufgenommen, davon sollten ca. 2000 km vor 1975 fertiggestellt werden. Bereits 1961 wurde der erste mautpflichtige Abschnitt im Verlauf der A 8 freigegeben. Bis 1967 wurde die 1000 km-Marke von freigegebenen Autobahnabschnitten überschritten. 1970 wurde beschlossen, dass Konzessionen auch an vollständig private Unternehmen vergeben werden dürfen. Zusätzlich wurde die Verwaltung der Autobahnen in die gegründete staatliche Behörde SEM übergeben. 1971 gab es in Frankreich sieben Autobahngesellschaften unter der Aufsicht von SEM und vier private Unternehmen. Die noch heute geltende Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen wurde 1974 festgelegt. 1981 erfolgte die Fertigstellung des 5000. Kilometers. Nach einem 1988 vorgestellten Plan sollten innerhalb von zehn Jahren weitere 2840 km realisiert werden.

1994 wurde die zweite Reform verabschiedet. Acht Betreibergesellschaften wurden in drei regionale Autobahngesellschaften zusammengefasst: der SAPRR-Konzern mit seiner Tochter „Area“, der ASF-Konzern mit seiner Tochter „Escota“ und die SANEF-Gruppe und ihr Tochterunternehmen SAPN. Der Grund dafür war die schlechte Finanzlage der kleinen Unternehmen. Außerdem erhielten die nun gegründeten Konzerne in Verträgen mit einer Laufzeit von 5 Jahren festgelegten Finanzspritzen der Regierung.

2000 erfolgte eine dritte Reform. Die drei Autobahnbetreiber wurden nun zu normalen Unternehmen, die im Einklang mit dem Unionsrecht der Europäischen Union handeln. Die Dauer der Konzessionen wurde meistens bis 2028 bzw. 2032 festgelegt. Zusätzlich wurde die Mehrwertsteuer auf die Mautsätze angewandt. Der Bau und Betrieb von neuen Autobahnabschnitten sollte nun durch eine Ausschreibung vergeben werden. Diese Änderungen führten zur Gründung zwei weiterer privaten Betreiber. Außerdem wurde auch die umstrittene Privatisierung der Betreibergesellschaften möglich.

Ende 2005 verkaufte der französische Staat nach einer europaweiten Ausschreibung für 14,8 Milliarden Euro seine Anteile an den drei wichtigsten Autobahngesellschaften. Davon wurden rund zehn Milliarden Euro in den Schuldenabbau und ca. vier Milliarden Euro in die Entwicklung der Verkehrswege verwendet. Es wurden Lizenzen zum Betrieb der Straßen für einen Zeitraum von 25 Jahren vergeben. Die Verkehrswege selbst blieben im Staatsbesitz. Den Zuschlag erhielten Einzelunternehmen und Konsortien aus dem In- und Ausland. Der Betrieb der meistens bereits mautpflichtigen Autobahnen wurde Anfang 2006 übernommen.[1][2]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die französischen Autobahnen existiert seit 1982 das heutige Nummerierungssystem. Vor die Nummer wird zur Kennzeichnung ein großer Buchstaben A gesetzt. Die entsprechende Nummer hängt mit dem geographischen Standort der Autobahn zusammen. Dieses System ist relativ konstant, jedoch gibt es zahlreiche Ausnahmen.[3]

Die Nummern A 1 bis A 20 (mit Ausnahme der A 7, A 8 und A 9) sind den im Uhrzeigersinn von Paris ausgehenden Strecken zugeordnet. In nördlicher Richtung ist dies die A 1 in Richtung Lille mit der A 2 als Abzweig Richtung Brüssel; in östlicher Richtung die A 3, die nach einigen Kilometern auf die A 1 trifft, sowie die A 4 in Richtung Reims und Straßburg. In südöstlicher Richtung verlaufen die A 5 nach Troyes und die A 6 nach Lyon mit der Verlängerung A 7 in Richtung Marseille sowie den Abzweigen A 8 nach Nizza und Genua sowie A 9 nach Montpellier und Barcelona. Von Paris aus nach Südwesten verlaufen die A 10 in Richtung Orléans und Bordeaux sowie die A 11 in Richtung Le Mans und Nantes; nach Westen die A 13 in Richtung Rouen und Caen mit der A 12 als kurze Abzweigung nach Trappes; nach Nordwesten die A 14, die nach einigen Kilometern auf die A 13 trifft sowie die A 15 nach Cergy und schließlich die A 16 in nördlicher Richtung nach Amiens, Calais bis zum Eurotunnel. Die A 19 verbindet die A 5 und die A 10 zwischen Sens und Chevilly.

Die übrigen, zweiziffrigen Nummerierungen sind nach folgendem System zugeordnet:

  • A 20 und höhere im Norden Frankreichs (mit Ausnahme der A 20);
  • A 30 und höhere im Nordosten, mit der A 39 als südlichem Ausläufer;
  • A 40 und höhere in der Region Rhône-Alpes;
  • A 50 und höhere im Südosten;
  • A 60 und höhere im Südwesten;
  • A 70 und höhere im Zentrum bzw. in der Mitte Frankreichs;
  • A 80 und höhere im Westen.

Regionale Autobahnen, die beispielsweise zwei größere Autobahnen verbinden oder Zubringerautobahnen sind, haben eine dreistellige Nummerierung. A 100 und höhere sind für Autobahnen in Île-de-France vergeben; bei Nummerierungen von A 200 aufwärts entsprechen die zwei ersten Ziffern der Lokalisierung analogen zu den zweiziffrigen, also entspricht die A 304 etwa einer „30“ im Nordosten des Landes.

Die wegweisende Beschilderung ist der deutschen recht ähnlich. Auffallend ist, dass alle Ziele grundsätzlich in Blockschrift dargestellt werden und zwei in einer Zeile stehende Ziele durch einen Bindestrich getrennt werden. Des Weiteren wird bei den am Straßenrand stehenden Entfernungstafeln die Einheit "KM" für Kilometer weggelassen.

Im Gegensatz zu den deutschen Autobahnkreuzen haben die meisten Kreuze in Frankreich keine Namen und stattdessen wird nur signalisiert, welche Autobahnen sich kreuzen. Anschlussstellen sind dagegen wie in Deutschland benannt.

Zeichen zur Frequenzanzeige des Verkehrsfunkes

Verkehrszeichen geben an, unter welcher Frequenz die Radiostation verfügbar ist, der für die Strecke relevante Verkehrsinformationen sendet.

Maut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mautstelle auf der A 2.
Péage de Dole-Choisey auf der A 39.

Autobahnen in Frankreich werden von verschiedenen Gesellschaften bewirtschaftet. Die Mauthöhe ist nicht einheitlich festgelegt, sie variiert beginnend ab ca. 6 €/100 km. Einzelne Abschnitte werden deutlich höher bemautet (z. B. A 36 zwischen Voujeaucourt und L’Isle-sur-le-Doubs im Jahr 2010: 16 km für 3,30 € = 20,62 €/100 km). Bei größeren Städten (u.a. Paris, Lyon) gibt es mautfreie Umgehungen. Im Elsass wird auf der A 35 parallel zu Deutschland keine Maut erhoben. Aufgrund der Lkw-Maut in Deutschland hat sich ein Teil des LKW-Verkehrs im Oberrheintal ins Elsass verlagert.

Betreibergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mautpflichtigen Autobahnen in Frankreich werden von den Betreibern auf der Grundlage einer Konzession verwaltet, die von der Regierung für den Bau und Betrieb von einem entsprechenden Abschnitt gewährt wird. Betreiber werden auch als Konzessionäre (frz.: concessionaires) bezeichnet.

Im Moment werden die Autobahnen in Frankreich von folgenden Betreibergesellschaften verwaltet:

Netzentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 1996 1997 1998 1999
Länge in km 00.036 00.063 00.152 00.634 01.512 03.113 04.814 05.886 06.874 08.217 08.509 08.843 09.293 09.560
Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Länge in km 09.721 10.014 10.220 10.376 10.500 10.779 10.830 10.942 11.010 11.168 11.376 11.418 11.446 11.594

Quelle:[4]

Raststätten und Service[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raststätten werden auf Vorwegweisern früh angezeigt. Das gilt auch für Rastplätze. Diese verfügen stets über Toiletten; bisweilen sind auch zusätzliche Einrichtungen wie etwa Sitzgelegenheiten für ein Picknick oder ein Spielplatz für Kinder vorhanden. Auch diese werden üblicherweise durch Verkehrszeichen zuvor angezeigt.

Dieses Schild zeigt an, dass ein Rastplatz mit Sitzgelegenheiten zur Verfügung steht
...oder ein Spielplatz

Bei Beginn eines Autobahnabschnitts und in unregelmäßigen Abständen erfolgt die Anzeige von mehreren Raststätten gleichzeitig zum Zweck der Anzeige der Tankmöglichkeiten und der aktuellen Treibstoffpreise. Die Autobahntankstellen sind durchgehend, auch nachts, geöffnet. Auf neueren Autobahnen hat man Raststätten errichtet, die gleichzeitig von beiden Fahrtrichtungen angefahren werden können. Neben teuren Servicebereichen ist oft ein etwas günstigerer SB-Bereich vorhanden. Raststätten werden in modernem, typisch französischem Design gestaltet und spiegeln oft regionale Besonderheiten architektonisch oder in Bezug auf das Warenangebot wider.

Boulevard périphérique[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boulevard péripherique bei der Porte de la Muette
  • Der Boulevard périphérique (kurz auch BP) ist eine in den Jahren 1954 bis 1973 ringförmig um Paris gebaute Stadtautobahn, die bis zu fünf Fahrstreifen pro Fahrtrichtung aufweist und häufig überlastet ist. Er leitet den Verkehr um Paris und in die Stadt hinein.
  • Vom Standpunkt der Klassifikation ist der boulevard périphérique eine simple Kommunalstraße (voie communale).
  • Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist 70 km/h (normalerweise: Schnellstraßen (voie express) 110 km/h, Autobahnen 130 km/h). Die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt an Werktagen dagegen nur 43 km/h.

Liste der Autobahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Autoroutes in Frankreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Autobahn-Verkauf bringt Frankreich 14,8 Milliarden Euro (14. Dezember 2005)
  2. Umstrittene Entscheidung: Frankreich verkauft Autobahnen für 14,8 Milliarden Euro (14. Dezember 2005)
  3. Nomenclature des autoroutes françaises (französisch)
  4. Évolution du kilométrage des autoroutes françaises (französisch)