Autobahnraststätte Würenlos

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Autobahnraststätte Würenlos im Herbst 2014

Die Autobahnraststätte Würenlos liegt westlich von Zürich auf dem Gebiet der Gemeinde Würenlos im Kanton Aargau. Diese Autobahnraststätte ist eine von dreien in der Schweiz mit einem Brückenrestaurant. Sie wurde 1972 eröffnet und befindet sich an der A1/A3, einem der meistbefahrenen Autobahnabschnitte des Landes. Umgangssprachlich ist die Bezeichnung «Fressbalken» weit verbreitet, der wenig bekannte offizielle Name der Anlage lautet Shopping-Raststätte Würenlos.[1][2] Die Raststätte wird von der Bovida AG mit Sitz in Baar betrieben.[3]

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell im Swissminiatur (zeigt den Zustand vor dem Umbau)

Die Raststätte steht auf halbem Weg zwischen Baden und Dietikon an der engsten Stelle des Limmattals, in unmittelbarer Nähe der Mündung des Furtbachs in die Limmat. Das Dorfzentrum von Würenlos ist etwas mehr als einen Kilometer weiter östlich, auf der gegenüberliegenden Seite der Limmat liegt das Dorf Killwangen.

Jährlich zählt die Raststätte rund 2,3 Millionen Besucher und 1,2 Millionen Tankstopps (2010).

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vom Zürcher Architekturbüro Marti + Kast geplante Bauwerk ist 140 Meter lang, die Breite beträgt zwischen 18,6 und 36 Metern. Die Brücke spannt sich in einer Höhe von bis zu 17 Metern über die gesamte Autobahn, getragen von zwei markanten, 45 Meter hohen Pylonen (28 Meter über dem Dach). Auf zwei Etagen verteilen sich 7800 m² Geschossfläche.[4] Unter der Brücke ist jeweils im Bereich des Widerlagers je eine Tankstelle mit zugehörigem Shop integriert. Auf der Nordostseite befindet sich hinter dem Tankstellenshop zudem die Anlieferung für das gesamte Brückenbauwerk.

Nutzung und Öffnungszeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Umbau 2004 wurden die Gastronomieflächen von Mövenpick stark verkleinert und beschränkten sich auf das Mövenpick Café am Nordostende der Brücke und das Marché Restaurant in einem Teil des Obergeschosses. Beim Südwestende der Brücke entstand allerdings ein eingeschossiger Pavillonbau, in welchem von Marché als Franchisenehmer Burger King angesiedelt wurde. Insgesamt boten die drei Gastronomiebetriebe dazumal rund 500 Plätze. Der Ladenbereich umfasste nach dem Umbau 19 Lokale, darunter Filialen der Detailhandelsketten Migros, Herren Globus, Interdiscount, Import Parfumerie, Christ, k Kiosk, Läderach, Mode Bayard, Victorinox, Calida, Magic X und Naegeli Tabakfass.

Die Tankstellen werden seit Eröffnung von Gulf Oil, respektive seit Übernahme 1983 von Shell betrieben; die Tankstellenshops präsentieren sich mittlerweile als Migrolino-Standorte.

Die Geschäfte sind täglich zwölf Stunden lang geöffnet, die Tankstellen rund um die Uhr.

Parkplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Ende November 2019 beendeten Erneuerung der Raststättenanlage wurde die Anzahl verfügbarer Parkplätze auf insgesamt 560 erhöht. Zudem wurden 20 Ladestationen für Elektrofahrzeuge erstellt.[5][6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der grösste Teil des Schweizer Autobahnnetzes entstand in den 1960er und 1970er Jahren. Das Teilstück HunzenschwilNeuenhof wurde am 7. Oktober 1970 eröffnet, am 15. Oktober 1971 folgte das Teilstück Neuenhof–Zürich. Von Anfang an hatten die zuständigen Bundesbehörden den Bau einer Raststätte in Würenlos vorgesehen, 1968 leitete das aargauische Tiefbauamt ein Ausschreibungsverfahren ein. Erste Überlegungen gingen noch davon aus, im Bereich der Furtbachmündung einen Damm aufzuschütten und auf diesem die Raststätte zu errichten. Als sich der Würenloser Gemeinderat gegen diese Bauweise aussprach, entschieden sich die Planer für eine Brückenkonstruktion. Für den Tankstellenbetrieb interessierte sich Gulf Oil, während Mövenpick den Zuschlag für den Gastronomieteil erhielt. Am 4. Februar 1971 erfolgte die Gründung der Autobahnraststätte Würenlos AG, an der Gulf Oil und Mövenpick je zur Hälfte beteiligt waren.[7]

Ein Rechtsgutachten war im Oktober 1969 zum Schluss gekommen, dass der Kanton als Grundeigentümer allein für die Baugenehmigung zuständig sei und die Gemeinde Würenlos nur ein Anhörungsrecht besitze. Eine Einzonung des Gebiets sei nicht notwendig.[8] Die Dorfbevölkerung selbst wurde im Mai 1970 über das Bauvorhaben informiert, nennenswerte Opposition scheint es keine gegeben zu haben.[9] In einem Baurechtsvertrag trat der Kanton das Grundstück an Gulf Oil und Mövenpick ab, im Oktober 1970 erteilte er die Baubewilligung. Die Bauarbeiten begannen im November 1971 und dauerten rund ein Jahr.[8] Der rechtzeitige Abschluss des Projekts schien im März 1972 gefährdet, da nicht genügend Unterkünfte für das Personal bereitstanden. Einsprachen verzögerten den Bau eines Personalhauses im Dorf, so dass am südlichen Brückenkopf provisorische Pavillons aufgestellt werden mussten. Diese blieben zum Teil bis 1978 stehen.[10]

Die Anlage, die 25 Millionen Franken gekostet hatte, wurde im November 1972 in Betrieb genommen. Am 24. November fand eine Präsentation für 200 geladene Gäste und Journalisten statt, die offizielle feierliche Eröffnung am 1. Dezember.[11] Damals war die Anlage in Würenlos die grösste über eine Autobahn gespannte Raststätte Europas.[12] Bald etablierte sich die Bezeichnung «Fressbalken», die sich bis heute hält. Eine ausführliche literarische Würdigung erhielt die Raststätte in dem 1975 erschienenen Roman Niemand ist eine Insel von Johannes Mario Simmel.[2] Mit einem finanziellen Aufwand von 23 Millionen Franken wurde die Autobahnraststätte im Jahr 2004 umgebaut. Dabei vergrösserte man die Fläche der Ladengeschäfte auf Kosten des Gastronomiebereichs. Die für die 1970er Jahre typische orange-braune Farbgebung der Fassade ersetzte man durch einen neuen weiss-blauen Anstrich.[13] 2008/09 war der Parkplatz der Raststätte an Wochenenden ein schweizweit bekannter Treffpunkt der Tuning-Szene, bis die Polizei mit mehreren Grosskontrollen weitere nächtliche Treffen unterband.[14]

Mit Vertrag vom 24. Oktober 2011 beschloss die «Shell (Switzerland) AG» als Rechtsnachfolgerin der 1983 übernommenen Gulf Oil, den Ausstieg aus der Beteiligung an der Raststätte. An der Generalversammlung vom 19. Juni 2012 wurde das Aktienkapital neu strukturiert; in diesem Rahmen wurde einerseits eine Kapitalherabsetzung mittels Vernichtung von 500 Namenaktien und 456 Namenpartizipationsscheinen vorgenommen, andererseits wurden die ausstehenden 2544 Namenpartizipationsscheine in Namenaktien gewandelt.[15] Mitte 2017 wurde bekannt, dass die «Bovida Real Estate AG» mit Sitz in Baar ZG die Raststätte rückwirkend per 1. April 2017 übernommen hat.[16] Nach dem Verkauf der Raststätte wurde am 2. November 2017 eine weitere Kapitalherabsetzung vorgenommen, wobei 2894 Namenaktien vernichtet und zurückbezahlt wurden; Ende Februar 2018 wurde die mittlerweile funktionslose «Autobahn-Raststätte Würenlos AG» in «Actria AG» umbenannt, der Unternehmenszweck geändert und der Sitz nach Teufen AR verlegt.[15]

Unter den neuen Eigentümern wurde die Raststätte zwischen Ende September und Ende November 2019 für rund 10 Millionen Franken erneuert. Hervorgehoben wurden die Erneuerung von Böden, Decken und Beleuchtung, der erstmalige Einbau zweier Rolltreppen zwischen den beiden Publikumsgeschossen, die Erneuerung des Aussenspielplatzes, der Ausbau auf 560 Parkplätze und die Inbetriebnahme von zwanzig Ladestationen für Elektrofahrzeuge.[17] Zudem baut die Coop Genossenschaft ihre Rolle als Ankermieterin des Gastronomie- und Shoppingbereichs weiter aus, so sind die Eröffnung eines vierten Marché-Formats, sowie einer Coop-Filiale im Frühjahr 2020 angekündigt; der Ausbau erfolgt auf Kosten der Filiale der Migros Aare und der Herrenbekleidungsfiliale von Globus.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roman Würsch: Würenloser Blätter. Hrsg.: Kulturkreis Würenlos. Würenlos 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Autobahnraststätte Würenlos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Rupf: Soll man den «Fressbalken» besser «Essbalken» nennen? In: Aargauer Zeitung. 26. Januar 2011, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  2. a b Vom «Fressbalken» zum Schwebebalken. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. Dezember 2004, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  3. Claudia Laube: Der «Fressbalken» in Würenlos bekommt 20 E-Ladestationen. In: luzernerzeitung.ch. 5. Mai 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019.
  4. Würenloser Blätter. S. 3.
  5. Christian Kolbe: Fressbalken: Chefin zeigt die umgebaute Raststätte Würenlos. In: blick.ch. 29. November 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019.
  6. Elektromobilität: Wunschlos glücklich in Würenlos. In: gofast.swiss. 2. Dezember 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019.
  7. Würenloser Blätter. S. 8–10.
  8. a b Würenloser Blätter. S. 14.
  9. Würenloser Blätter. S. 11.
  10. Würenloser Blätter. S. 16.
  11. Würenloser Blätter. S. 16–17.
  12. Würenloser Blätter. S. 12.
  13. Teileröffnung der Mövenpick-Autobahnraststätte. (PDF; 117 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Mövenpick, 20. Juli 2004, archiviert vom Original am 6. September 2018; abgerufen am 19. Oktober 2014.
  14. Schocktherapie für die Autotuner. In: Aargauer Zeitung. 7. Juli 2009, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  15. a b Eintrag «Actria AG», ehemals «Autobahn-Raststätte Würenlos AG» im Handelsregister des Kantons Appenzell-Ausserrhoden
  16. «Fressbalken» hat einen neuen Besitzer – und der schwärmt von der Lage der Raststätte. In: Badener Tagblatt. 3. Juli 2017, abgerufen am 12. Dezember 2019.
  17. Das wird alles neu beim «Fressbalken». In: blick.ch, 14. Oktober 2019, abgerufen am 12. Dezember 2019.
  18. Sie macht den Fressbalken zum Freshbalken. In: blick.ch, 29. November 2019, abgerufen am 12. Dezember 2019.

Koordinaten: 47° 26′ 18,9″ N, 8° 20′ 51″ O; CH1903: 668559 / 254594