Autofiktion

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Autofiktion bezeichnet in der Literaturkritik als Gattung eine Autobiografie, in die fiktionale Handlungsebenen verwoben sind.

Die Bezeichnung für diese (natürlich auch schon früher eingesetzte) Mischerzähltechnik wurde von dem französischen Schriftsteller und Kritiker Serge Doubrovsky geprägt, er sprach von autofiction (andere Autoren verwenden ego-fiction) zum Bezeichnen der Verbindung zweier eigentlich unvereinbarer narrativen Formen: Autobiographisches und Fiktionales. Ein häufiges Stilmerkmal ist der Wechsel vom Ich-Erzähler in die dritte Person, obwohl üblicherweise die Einheit von Autor, Erzähler und Hauptfigur bestehen bleibt.

Literarische Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung der Autofiktion wird meist mit der zeitgenössischen französischen Literatur in Verbindung gebracht, neben Doubrovsky sind das u.a. Christine Angot, Marguerite Duras, Guillaume Dustan, Alice Ferney, Annie Ernaux, Hervé Guibert, Amélie Nothomb, Olivia Rosenthal, Anne Wiazemsky, Édouard Louis und Vassilis Alexakis. Auch Cathérine Millet verwendete in ihren 2001 auf deutsch erschienenen Erinnerungen Das sexuelle Leben der Catherine M.[1] die Technik der Autofiktion, um ihre sexuellen Erfahrungen in der französischen Swingerszene zu schildern.

Auch die autobiographischen Erinnerungen der deutschtürkischen Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar beschreiben ebenso realistisch wie phantastisch Erlebnisse einer Migrantin, ohne dass man "gezwungen wäre, (...) diese als Lebensbeschreibung der Autorin zu lesen."[2]

Die junge japanische Autorin Hitomi Kanehara setzt diese Technik ebenfalls in ihren Romanen ein, von denen einer den Originaltitel Ōtofikushon (オートフィクション, 2005) trägt (die Übersetzung von Sabine Mangold heißt allerdings Obsession, erschienen 2008).

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept der Autofiktion bleibt jedoch problematisch. Der Schweizer Schriftsteller Ivan Farron hebt in einem Artikel in der NZZ[3] hervor, dass gerade seine Unschärfe und seine „Zweideutigkeiten“ diesen Begriff so viel Konjunktur erleben lassen. Zudem sei inzwischen von praktischem jedem Autobiographisches zu erwarten, da die Entscheidung, was veröffentlicht und gelesen wird, praktisch ausschließlich vom "Markt" getroffen werde: "Weniger die literarische Qualität zählt bei solchen Büchern als vielmehr ihr Potenzial, eine unmittelbare Kommunikation mit dem Lese- bzw. Fernsehpublikum aufzubauen, eine Identifikation, die als kathartisch erlebt wird."

Farron weist in demselben Artikel auch auf den Fall von Serge Doubrovsky selbst hin, der in seinem Buch Le livre brisé von 1989 seine Eheprobleme thematisiert und seine Frau Ilse als depressiv und alkoholkrank beschrieben hatte. Als Ilse Doubrovsky Selbstmord beging, rief vor allem die Publikation des Buchs einen "jener Miniskandale hervor, nach denen die literarische Welt süchtig ist".

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das sexuelle Leben der Catherine M, Goldmann, München 2001, übersetzt von Gaby Wurster; als Taschenbuch ebd. 2003 ISBN 3-442-45543-X
  2. Johannes Berning: Schreiben im Kontext von Schule, Universität, Beruf und Lebensalltag. LIT Verlag Münster, 2006, ISBN 978-3-8258-9260-9, S. 98 f. (google.de [abgerufen am 11. Oktober 2017]).
  3. Ivan Farron: Autofiktion - ein Begriff und seine Zweideutigkeit(en): Die Fallen der Vorstellungskraft | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Mai 2003, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 11. Oktober 2017]).