Autologes Conditioniertes Plasma

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Bei Autologem Conditionierten Plasma (ACP) handelt es sich um thrombozytenreiches Plasma, welches aus Eigenblut durch Zentrifugation gewonnen wird und die Regeneration bei zahlreichen orthopädischen Erkrankungen und Eingriffen unterstützen kann.

Beschreibung[Bearbeiten]

Bei einer wachsenden Zahl an orthopädischen Behandlungen (z. B. Sehnen- und Bandverletzungen, Muskelfaserrisse, Arthrose) finden Eigenblutprodukte zunehmendes Interesse. Bei dieser Art der Therapie unterstützen körpereigene Wirkstoffe, die sogenannten Wachstumsfaktoren, die Heilung.

Definition[Bearbeiten]

Bei Autologem Conditionierten Plasma (ACP) handelt es sich um körpereigenes (autologes) Blutplasma, welches durch einen speziellen Herstellungsprozess konditioniert, d.h. von den restlichen Blutbestandteilen (z. B. Erythrozyten) weitgehend getrennt und konzentriert wird. Das ACP ist ein thrombozytenreiches Plasma (PRP - plättchenreiches Plasma). PRP ist eine allgemeine Bezeichnung für ein durch ein Trennverfahren aus Vollblut gewonnenes Plasma mit einer (im Vergleich zu Vollblut) erhöhten Zahl an Thrombozyten. Hauptbestandteile des ACP sind Thrombozyten (Blutplättchen) sowie zahlreiche Wachstumsfaktoren, die bei dem Heilungsprozess eine wichtige Rolle spielen. Im Unterschied zu anderen thrombozytenreichen Plasmapräparaten zeichnet sich ACP durch eine niedrige Konzentration an weißen Blutkörperchen (z. B. neutrophile Granulozyten) aus, die in hoher Konzentration den Heilungsvorgang behindern können.[1][2]

Herstellung[Bearbeiten]

Das ACP wird aus Eigenblut gewonnen. Dafür wird eine kleine Menge Blut (10-15ml) analog einer Blutuntersuchung aus der Armvene entnommen. In einem zweiten Schritt wird mittels einer Zentrifuge das ACP von den restlichen Blutbestandteilen abgetrennt. Hierfür reicht eine kurze Zentrifugation bei geringer Umdrehungszahl aus. Im nächsten Schritt kann das ACP als transparenter Überstand abgenommen werden. Hersteller wie z.B. Arthrex bieten dafür spezielle Spritzensysteme an, mit denen man das Blut aus dem Patienten gewinnt, konditioniert und schließlich wieder in die zu behandelnde Region injiziert. Dabei verbleibt das Blutprodukt während des gesamten Prozesses in dem Spritzensystem, was eine höchstmögliche Sicherheit gegenüber Kontaminationen bietet.

Anwendung[Bearbeiten]

Bei Verletzungen des Bewegungsapparates, der Bänder und Sehnen, aber auch bei Muskelverletzungen oder Sehnenentzündungen kann die Heilung durch ACP unterstützt werden. Bei Tests im Labor wurde ein signifikanter Anstieg der Zellteilungsaktivität von Muskel-, Sehnen- und Knochenzellen nachgewiesen[3]. Weiterhin konnte in zahlreichen klinischen Studien die Wirksamkeit von ACP bei verschiedenen Anwendungsgebieten gezeigt werden.[4] [5]

Indikationsbeispiele – akut[Bearbeiten]

  • Bandverletzung, u.a. Kreuzband, Bänder des Sprunggelenks
  • Fraktur
  • Muskelfaser- und Meniskusverletzung
  • Sehnenverletzung, u.a. Achillessehne, Rotatorenmanschette

Indikationsbeispiele – chronisch[Bearbeiten]

  • ACP kann auch außerhalb der Orthopädie, z. B. in der Wundheilung oder der plastischen Chirurgie eingesetzt werden
  • Arthrose, Knorpelschaden
  • Plantarfaszienreizung
  • Sehnenreizung, u.a. Patellarsehne
  • Subakromialsyndrom
  • Tendinopathie, u.a. Achillessehne, Ellbogen.

Wirkung[Bearbeiten]

Der Heilungsprozess eines verletzten Gewebes durchläuft eine komplexe Serie von körpereigenen Vorgängen. Eine Schlüsselrolle dabei spielen die Wachstumsfaktoren, die diese komplexen Prozesse initiieren bzw. regulieren. Viele dieser Wachstumsfaktoren werden aus Thrombozyten freigesetzt, die sich im Blut befinden und bei einer Verletzung aktiviert werden. Da bei einer Verletzung oder Entzündung Zellen bzw. Gewebe zerstört wird, werden Wachstumsfaktoren wie z. B. Platelet Derived Growth Factor (PDGF), Transforming growth factor (TGF), Fibroblasten-Wachstumsfaktor (bFGF) und Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) freigesetzt, die an zellulären Prozessen beteiligt sind, die die Heilung unterstützen und in Zusammenhang mit Wachstum von Geweben stehen[6][7][8][9]. So leiten sie die Proliferation und Differenzierung verschiedener Zelltypen (z. B. Osteoblasten und Chondroblasten) ein[10], fördern die Matrixbildung durch Kollagen- und Proteoglykanproduktion und stimulieren die Angiogenese. Dem gegenüber steht die durch Leukozyten/Neutrophile gesteuerte Immunantwort, die am Abbau von geschädigtem Gewebe beteiligt ist und mittels freien Radikalen (Radical Oxygen Species, ROS), Proteasen und antimikrobiellen Peptide, möglichen Infektionen entgegenwirkt. Diese bergen jedoch das biologische Potential, darüber hinaus gesundes Gewebe zu schädigen[11]. Durch die Gabe von ACP am Wirkungsort wird eine erhöhte Thrombozytenkonzentration (2-3 fach gegenüber Vollblut)bei fast vollständiger Abwesenheit von Neutrophilen appliziert, wodurch die körpereigene Heilung d.h. Bildung von Blutgefäßen, neuen Zellen und Gewebe unterstützt und schmerzhafte Entzündungsvorgänge gehemmt werden[12].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mazzocca, Augustus D.; Platelet-Rich Plasma Differs According to Preparation Method and Human Variability; In: J Bone Joint Surg Am. 2012; 94:308-16
  2. Sundman, Emily A.; Growth Factor and Catabolic Cytokine Concentrations Are Influenced by the Cellular Composition of Platelet-Rich Plasma; In: Am J Sports Med PreView August 16, 2011
  3. Mazzocca, Augustus D.; The Positive Effects of Different Platelet-Rich Plasma Methods on Human Muscle, Bone, and Tendon Cells; Am J Sports Med 2012; 40:1742-49
  4. Cerza F, et al: Comparison Between HyaluronicAcid and Platelet-Rich Plasma, Intra-articular Infiltration in the Treatment of Gonarthrosis. The American Journal of Sports Medicine, online published on October 25, 2012
  5. Deans VM, Miller A, Ramos J: A Prospective Series of Patients with Chronic Achilles Tendinopathy Treated with Autologous-conditioned Plasma Injections Combined with Exercise and Therapeutic Ultrasonography. The Journal of Foot and Ankle Surgery. 2012; 51(6): 706-710
  6. Andia, Isabel; Basic Science: Molecular and Biological Aspects of Platelet-Rich Plasma Therapies; Oper Tech Orthop 2012; 22:3-9
  7. Borzini P, Mazzucco L: Tissue Regeneration and in Loco Administration of Platelet Derivates: Clinical Outcomes, Heterogeneous Products, and Heterogeneity of Effector Mechanisms. Transfusion. 2005; 45: 1759-1767.
  8. Edwards D, et al: Transforming Growth Factor Beta Modulates the Expression of Collagenase and Metalloproteinase Inhibitor. The EMBO Journal. 1987; 6(7): 1899-1904.
  9. Lynch S, et al: Role of Platelet-derived Growth Factor in Wound Healing: Synergistic Effects with other Growth Factors. Proc. Natl. Acad. Sci. USA. 1987; 84: 7696-7700.
  10. Graziani F, et al: The In Vitro Effect of Different PRP Concentrations on Osteoblasts and Fibroblasts. Clin Oral Implant Res. 2006; 17(2): 212-219.
  11. Andia, Isabel; Basic Science: Molecular and Biological Aspects of Platelet-Rich Plasma Therapies; Oper Tech Orthop 2012; 22:3-9
  12. Andia, Isabel; Basic Science: Molecular and Biological Aspects of Platelet-Rich Plasma Therapies; Oper Tech Orthop 2012; 22:3-9

Weblinks[Bearbeiten]