Autoreisezug

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Linien der Autoreisezüge im Jahr 2017
110 348 mit Autozug in der Jubiläumsparade 150 Jahre deutsche Eisenbahn in Nürnberg
Ein Autoreisezug von München nach Dortmund in Ingolstadt

Ein Autoreisezug, abgekürzt ARZ oder AZ, ist eine Zuggattung des Schienenpersonenfernverkehrs. Hierbei handelt es sich um spezielle Reisezüge, die von bestimmten Eisenbahngesellschaften auf längeren Reisestrecken angeboten werden. Neben Personen befördern sie in speziellen Autoreisezugwagen auch die Personenkraftwagen beziehungsweise Motorräder der mitreisenden Passagiere.

Einsatzbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoreisezüge werden für den Transport von Bahnreisenden und ihren Fahrzeugen über längere Strecken eingesetzt. Transportmöglichkeiten sind für diverse Fahrzeugtypen (Motorrad bis Wohnmobil) vorhanden. In der Regel verfügen die Züge zusätzlich zu den normalen Reisezugwagen über Liege-, Schlaf- und Speisewagen. Autoreisezüge verbinden die Metropolen meist über Nacht mit beliebten Ferienregionen, sodass man ausgeruht am nächsten Morgen an seinem Zielort ankommt. Vereinzelt wurden auch Tagesverbindungen zwischen Ballungszentren angeboten. Durch wenige Zwischenstopps wird eine hohe Reisegeschwindigkeit erreicht. Es gibt auch normale Reisezüge, die in einem bestimmten Abschnitt Autotransportwagen mitführen. Je nach Betreiber und Strecke ergeben sich Besonderheiten der Einsatzbereiche; beispielsweise Kurzstrecken für Tunneltransporte.[1][2] Im Gegensatz zur Autoverladung bleiben die Reisenden nicht in ihren Fahrzeugen sitzen.

Autoreisezüge von und nach Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoreisezüge 2016 / 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Oktober 2016 beendete die Deutsche Bahn nach Jahrzehnten des Betriebes ihr Engagement im Bereich Autoreisezüge. Dennoch wird es 2017 in Deutschland durch vier Anbieter Autoreisezüge von, in und nach Deutschland geben.

Die ÖBB bieten seit dem 11. Dezember 2016 in Verbindung mit ihren Nachtzügen (EuroNight bzw. nightjet) mehrmals die Woche (nach Wien täglich) Fahrten mit Autoreisezugwagen von Hamburg-Altona und Düsseldorf Hbf jeweils nach Wien Hbf und Innsbruck Hbf an. In Gegenrichtung existiert ein analoges Angebot.

Die Nürnberger Bahntouristikexpress GmbH [3] hat von der Deutschen Bahn den Autoreisezug Hamburg-AltonaLörrach in Eigenregie übernommen und führt diesen traditionsreichen Autoreisezug weiter. Dieser ist der einzig verbliebene ganzjährig bewirtschaftete Autoreisezug in und aus Deutschland. [4] Zur Erstfahrt am 16. Dezember 2016 von Hamburg-Altona nach Lörrach transportierte der so genannte „BTE AutoReiseZug“ ca. 40 Fahrzeuge mit 80 Personen.[5]

Saisonale Züge ab Hamburg-Altona werden auch unter der Bezeichnung Urlaubs-Express [6] nach Lörrach, München Ost, Villach und Verona angeboten.

Hinzu kommen saisonale Autoreisezüge der Euro-Express Sonderzüge GmbH & Co. KG, die in den Sommermonaten zwischen Düsseldorf Hbf und Verona (ab Mai 2017) sowie zwischen Düsseldorf Hbf und Livorno (ab Juli 2017) fahren werden. Diese Züge verkehren in enger Kooperation mit dem niederländischen Unternehmen Treinreiswinkel (dt.: Bahnreiseladen), die Züge ab Düsseldorf stellen für die Niederländer einen vollwertigen Ersatz dar für die 2015 eingestellten niederländischen Autoreisezüge.

Geschichte deutscher Autoreisezüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurden Autoreisezüge zum 1. April 1930 als Auto-Gepäck-Verkehr von der Deutschen Reichsbahn eingeführt. Dabei wurde das Auto aufgegeben und in einem separaten Zug auf herkömmlichen Flachwagen oder Rungenwagen zum Zielbahnhof befördert. In den 1940er Jahren wurden Pläne für doppelstöckige, geschlossene Autotransportwagen entwickelt, die durch die Umstände des fortgeschrittenen Zweiten Weltkrieges nicht mehr umgesetzt wurden.[7] Die Idee an sich war jedoch bereits deutlich älter. Bereits zu Beginn des Eisenbahnzeitalters gab es Ideen, Kutschen direkt auf Bahnwaggons zu verladen, um das Umsteigen am Bahnhof einzusparen; eine Idee, die sich aber nicht durchsetzte.[8]

Autotransportwagen DDm915

1956 griff die damalige Deutsche Bundesbahn das Konzept des Autoreisezuges auf und baute dazu spezielle, doppelstöckige, geschlossene Autotransportwagen der Bauart DPw4ümg-56. Diese waren mit einer exzentrischen Drehscheibe ausgestattet und ließen sich im Prinzip an jeder Laderampe mit acht Autos beladen.[9] Am 25. Juni 1956 wurde die erste ARZ-Verbindung „Auto im Reisezug“ zwischen Hamburg und Chiasso angeboten und viermal pro Woche bedient. 1956 wurden dabei 930 Autos befördert.[7] Ab 1961 wurden offene doppelstöckige Autoverladewagen des Typs Offehss 68 (später Laeqrss 545, dreiachsige Doppelwagen[10]) und ab 1969 vierachsige des Typs DDm915 gebaut, die über Stirnrampen beladen werden. Zwischen den Wagen sind Überfahrbrücken vorhanden.[11] Bis 1973 wurde die Zahl der Autozugrelationen auf 163 Verbindungen gesteigert. Im Jahr der ersten Ölkrise (1973) wurde mit 185.500 transportierten Fahrzeugen ein Höchstwert erreicht.[7]

Das Autozug-Angebot der Deutschen Bundesbahn umfasste 1988 insgesamt 2.929 Autozüge sowie 484 D-Züge mit Autobeförderung. Damit wurden 93 Verbindungen erschlossen, davon 26 innerdeutsch (einschließlich Berlin) und 61 international. Dazu wurden 19 Verladestellen im Bereich der DB und eine Station in Berlin betrieben. Im Ausland wurden 18 Zielbahnhöfe angefahren. 1987 nutzten rund 397.000 Reisende mit etwa 145.000 Pkw und Motorrädern das Angebot. Damit wurden die Grenzkosten knapp gedeckt.[12] So wie andere Züge des Fernverkehrs trugen auch Autozüge Namen, zum Beispiel AZ 1306/07 „Schwarzwald“, AZ 1316/17 „Timm Kröger“, AZ 1358/59 „Brandenburger Tor“ oder AZ 1384/85 „Autotraum“. In den 1990er Jahren wurden noch Verbindungen nach Griechenland und in die Türkei angeboten, beispielsweise 1994 der AE 13193 von Köln-Deutz (tief) nach Istanbul (Fahrzeit 21h 50min), der AE 13273 von Berlin-Wannsee nach Istanbul (Fahrzeit 27h 48min) und der AE 13291 „Optima-Express Chalkidiki“ von München Ost nach Thessaloniki (Fahrzeit 29h 30min).

Auch die Deutsche Reichsbahn hatte Autoreisezüge im Angebot. Bekannt war die internationale Verbindung Dresden-NeustadtBudapest Keleti pu.

Logo der DB Autozug im Jahr 2011

Seit 1996 bis 2013 betrieb die Deutsche Bahn die Züge unter der Bezeichnung Autozug und verwendete dafür neben Liegewagen die Doppelstockschlafwagen der Bauarten 171.X und 172.X sowie Schlafwagen der Bauart 173.1. Fast alle internationalen Autozug-Verbindungen der DB verfügen über einen Speisewagen. In den Jahren 2007 und 2008 hat die Bahn in Deutschland ihr Angebot an Verbindungen sehr stark ausgedünnt. 2009 wurden nochmals weitere Verbindungen aufgegeben. Im September 2013 wurde die DBAutoZug GmbH, Dortmund, mit der DB Fernverkehr AG, Frankfurt am Main, verschmolzen. Ab dem Sommerfahrplan 2014 wurden im innerdeutschen Verkehr nur noch die Strecken Hamburg–Hildesheim–München und Hamburg–Hildesheim–Lörrach betrieben. Von diesen zwei Verbindungen abgesehen waren Autozugreisen mit der Deutschen Bahn bis zur kompletten Einstellung nur noch zu internationalen Zielen möglich.[13]

Im Juli 2014 kündigte die Deutsche Bahn an, das Autoreisezugangebot bis 2017 einzustellen.[14] Das Angebot war zuletzt unrentabel; auf einen Euro Umsatz kamen im Jahr 2013 rund 1,40 Euro Kosten im Autoreiseverkehr.[15] Die Auslastung der Züge lag in den letzten Jahren in der Hochsaison bei knapp über 60 Prozent, in den restlichen Monaten bei rund 30 Prozent.[15] Am 29. Oktober 2016 bewegte die Deutsche Bahn zum letzten Mal einen Autoreisezug.[16]

Autoreisezüge von und nach Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb Österreichs bieten die ÖBB drei tägliche Automitnahmeverbindungen an, die alle in Kombinationen mit den ÖBB nightjets (EuroNight-Züge) des Unternehmens laufen: von Graz nach Feldkirch, von Villach nach Feldkirch sowie von Wien nach Feldkirch. Diese Angebote werden komplementiert durch internationale Automitnahmen mehrmals die Woche nach Hamburg-Altona und Düsseldorf, jeweils von Innsbruck und Wien aus. Die Züge verkehren auch in umgekehrter Richtung. Zusätzlich bieten die ÖBB in den Sommermonaten Fahrten von Wien aus nach Verona und Livorno an.

Der Optima Express ist ein Autoreisezug vom österreichischen Villach aus nach Edirne in der Türkei, der von der deutschen Firma Optima Tours GmbH aus München angeboten wird. Das Angebot ist saisonal, beginnt im April und endet im November.

Internationale Angebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Autoreisezüge hat sich in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen reduziert:

  • Mit der Privatisierung von Eisenbahngesellschaften geht eine Konzentration auf «Kerngeschäfte» einher, wozu die Autoreisezüge meist nicht gezählt werden.
  • Autoreisezüge weisen oft nur eine saisonale Nachfrage auf, wodurch ein wirtschaftlicher Rollmaterialeinsatz erschwert wird.
  • Das Geschäft der Autoreisezüge ist eng mit den Nachtzügen verbunden, die von den Eisenbahnunternehmen eingestellt wurden, in der Hoffnung, Reisende würden stattdessen die neuen schnellen Tagesverbindungen benützen.

Das dichteste Netz von Autoreisezügen besteht und bestand in Europa:

  • Belgien: auto-train Betrieb 2003 eingestellt
  • Finnland: CarTrain
  • Frankreich: AutoTrain (umfangreiches Netz)
  • Griechenland: Agenturbetrieb
  • Großbritannien: Motorail (Betrieb von 1955 bis 2005)
  • Italien: Viaggiare con auto al seguito (auch: Travelling with car on board) bis 2011
  • Niederlande: Motorail/Autotrein derzeit eingestellt, aktiv: autoslaaptrein (drei Relationen)
  • Schweiz: Autoreisezug (SBB-Angebote eingestellt)
  • Serbien: (Jugoslawien) PREVOZ PRAĆENIH AUTOMOBILA
  • Slowakei: Autovlak
  • Tschechien: Autovlak
  • Türkei: Agenturbetrieb

Auf anderen Kontinenten gibt oder gab es folgende Angebote:

Terminals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einfahrt zum Autozug-Terminal im Bahnhof Berlin-Wannsee
Verladegleis für Autoreisezüge, Neu-Isenburg

Die Bahnhöfe, auf denen Verlademöglichkeiten für die Autoreisezüge bereitgehalten werden, heißen Terminalbahnhof oder Terminal.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DB Station & Service betreibt nationale Terminals in folgenden Bahnhöfen: Düsseldorf, Hamburg-Altona, München Ost[17] und Lörrach. Derzeit stillgelegte Terminals sind Berlin-Wannsee und Hildesheim.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ÖBB betreiben Terminals in Feldkirch, Graz Hbf, Innsbruck Hbf, Villach Hbf sowie Wien Hbf. Ein inzwischen geschlossenes und nicht mehr in Betrieb befindliches Terminal liegt im Bahnhof Schwarzach-St. Veit.

Sonstiges Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Terminals (Auswahl), die in Europa betrieben werden:

Beförderungstarife[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beförderungstarife lassen sich im Internet abfragen. Die Preisgestaltung variiert stark, abhängig von Buchungstagen und Sonderangeboten. Der Fahrpreis für eine Person ist meist im Preis enthalten (Ausnahme Fahrzeugmitnahme).

  • Tarifbeispiel 2008 Düsseldorf–Villach (ca. 930 km), einfache Strecke: Standard-PKW von 9 Euro (Anhang[18]: Besonderes Preisangebot „Schnellbucher-Fahrzeugmitnahme für 9,00 Euro“) bis 264 Euro

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Transport of vehicles by rail – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Autoreisezug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tunneltransporte in der Schweiz
  2. Eurotunnel nach Großbritannien
  3. http://www.bahntouristikexpress.de
  4. http://www.abendblatt.de/hamburg/altona/article207741965/Bahn-stellt-Autozug-Verbindung-deutlich-frueher-ein.html
  5. Südkurier / dpa: Erster privater Autoreisezug fährt von Hamburg nach Lörrach, abgerufen am 16. Dezember 2016
  6. http://www.urlaubs-express.de/
  7. a b c Thomas Siefer: Das Auto auf der Bahn – Gedanken über den Autoreisezug (ARZ). In: R. Kracke (Hrsg.): Eisenbahn auf neuen Wegen – Forschung und Innovation für den Schienenverkehr der Zukunft (Wissenschaftliche Arbeiten, Nr. 30), Institut für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -betrieb der Universität Hannover, Hannover, 1987.
  8. Ralf Roth: Zwischen Wettbewerb und Abhängigkeit: Ein langes und kompliziertes Verhältnis von Straße und Schiene mit vielen fehlgeschlagenen Innovationen. In: Christoph Siepermann, Michael Eley (Hrsg.): Logistik – gestern, heute, morgen. Festschrift für Richard Vahrenkamp zur Vollendung des 65. Lebensjahres. Berlin 2011, 15-42, 34f.
  9. Horst J. Obermayer/J. Deppmeyer: Taschenbuch Deutsche Reisezugwagen (Deutsche Bundesbahn). Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1978, ISBN 3-440-04589-7, Seite 190
  10. Horst J. Obermayer: Taschenbuch Deutsche Güterwagen. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1980, ISBN 3-440-04855-1, Seite 126
  11. Horst J. Obermayer/J. Deppmeyer: Taschenbuch Deutsche Reisezugwagen (Deutsche Bundesbahn). Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1978, ISBN 3-440-04589-7, Seite 193
  12. Anke-Petra Becker: Der Ferienverkehr im Schienenpersonenfernverkehr. In: Die Bundesbahn, 9/1988, S. 797–800.
  13. http://www.dbautozug.de/autozug/service_und_faqs/buchungsoeffnung_sommer.html
  14. Deutsche Bahn stellt Autozüge ein. Handelsblatt, 4. Juli 2014, abgerufen am 5. Juli 2014 (html, deutsch).
  15. a b Martin U. Müller: Zug nach Nirgendwo. In: Der Spiegel. 25. November 2013, abgerufen am 13. August 2017.
  16. Abschiedsfahrt mit dem Autozug. Süddeutsche.de. 29. Oktober 2016. Abgerufen am 30. Oktober 2016.
  17. Strecke Hamburg-München saisonal via train4you Vertriebs GmbH. Abgerufen am 24. Januar 2017 (deutsch).
  18. Beförderungsbedingungen für die Benutzung von Zügen des Produktes DB Autozug (PDF-Datei; 220 kB)