Avranches

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Dieser Artikel beschreibt die französische Gemeinde. Zum Earl of Chester siehe Richard d’Avranches, 2. Earl of Chester.
Avranches
Wappen von Avranches
Avranches (Frankreich)
Avranches
Region Basse-Normandie
Département Manche
Arrondissement Avranches (Unterpräfektur)
Kanton Avranches (Chef-lieu)
Koordinaten 48° 41′ N, 1° 21′ W48.684444444444-1.356944444444499Koordinaten: 48° 41′ N, 1° 21′ W
Höhe 7–108 m
Fläche 4,50 km²
Einwohner 7.950 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 1.767 Einw./km²
Postleitzahl 50300
INSEE-Code
Website http://www.ville-avranches.fr/
Fassade der Kirche Notre-Dame-des-Champs

Avranches [aˈvʀɑ̃ʃ] ist eine französische Stadt mit 7950 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Manche in der Region Basse-Normandie. Avranches ist Verwaltungssitz des Arrondissements Avranches.

Geografie[Bearbeiten]

Avranches liegt am südlichen Ende der Cotentin-Halbinsel an der Europastraße E401, die Caen mit der Bretagne verbindet. Von Avranches ist es möglich, den Mont-Saint-Michel zu sehen, auf dem St. Aubert, Bischof von Avranches im achten Jahrhundert die erste Kapelle errichten ließ. Hier mündet der Fluss Sée in die Bucht von Mont-Saint-Michel und somit in den Ärmelkanal.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Altertum lebte im Gebiet von Avranches die gallische Völkerschaft (civitas) der Abrincatui.[1] Avranches war vielleicht schon seit Ende des 4. Jahrhunderts Bischofssitz, sicher bezeugt ist dieses aber erst für das Jahr 511. Im Mittelalter war Avranches der Hauptort der Vizegrafschaft Avranches, der Grenzregion zwischen der (späteren) Normandie und der Bretagne, die bis zum Jahr 936 zur Bretagne gehörte und in diesem Jahr an das Herzogtum Normandie abgetreten wurde.

Heinrich II. tat in Avranches am 21. Mai 1172 Buße für den Mord von Thomas Becket, und hat hier den Kompromiss von Avranches mit der Kirche geschlossen.

Nach der Verbindung der Normandie mit Frankreich im Jahre 1204 erhob König Louis IX. Avranches zur königlichen Stadt. Da sich Ludwig IX. (genannt Ludwig der Heilige) gern in Avranches aufhielt, ließ er die Stadtmauern um die „Bonne Ville“ verstärken.

Während der französischen Revolution wurde das Bistum Avranches säkularisiert; später kam sein Gebiet zum Bistum Coutances. Dieses änderte am 12. Juli 1854 seinen Namen auf Coutances (-Avranches).

Am 6. Juni 1944, (D-Day) zu Beginn der Landungsoperation der Alliierten in der Normandie (Operation Neptune), wurde Avranches, wie einige andere Städte der Region, heftig bombardiert. Es gab viele Opfer und ein großer Teil der Stadt wurde zerstört. Erst gut sieben Wochen später, am 31. Juli 1944, gelang General George S. Patton der Avranches-Durchbruch.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Notre-Dame-des-Champs Anfangs stand hier eine kleine Kirche, die der Jungfrau Maria geweiht war. Im 19. Jahrhundert wurde sie, wegen des demographischen Wandels und des immer stärker praktizierten Glaubens nach der Revolution zu klein. An gleicher Stelle wurde die heutige errichtet. Der Grundstein wurde im Jahr 1863 gelegt. Im Jahr 1892 wurde sie vom Bischof von Coutances, Abel-Anastase Germain, geweiht. Im Zweiten Weltkrieg, in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1944 geriet sie durch Bombardierung in Brand und das Gewölbe stürzte ein. Nach dem Wiederaufbau wurden dann ab 1962 wieder Gottesdienste gefeiert. Die Kirche ist keine Kathedrale, auch wenn dies der Baustil vermuten lässt.

Avranches im Départements Manche war bis 1790 Bischofssitz. Bis zur Revolution gab es die Kathedrale Saint-André. Während der Revolution wurde sie zerstört und nicht wieder aufgebaut. Sie befand sich neben der heutigen Sous-Préfecture. (siehe Bischöfe vom Avranches)

Scriptorial[Bearbeiten]

In der umgebauten Burg/ Verteidigungsanlage am Place d'Estouteville wurde ein modernes Museum errichtet. Hier werden Manuskripte und Frühdrucke aufbewahrt und z.T gezeigt, die aus der Abtei Mont Saint Michel gemäß einem Dekret der Revolutionsverwaltung 1791 der Stadt Avranche übergeben wurden und mit weiteren Manuskripten, die bereits vorhanden waren und aus anderen umliegenden Kirchen während dieser Zeit hierher verbracht wurden, zu einer der bedeutendsten Manuskriptbibliotheken Frankreichs vereint wurden. In dem neu errichteten Museum werden die Herstellung der Schreibmaterialien und das Schreiben der Manuskripte sowie Wissenswertes zur Einbandkunst gezeigt, als Höhepunkt dann wechselnd geschätzte 20-30 früh/mittelalterliche Originalmanuskripte im klimatisierten Raum. In Zusammenarbeit mit der Universität von Caen werden die Bücher wissenschaftlich ausgewertet und in einer virtuellen Bibliothek im Internet präsentiert. Weiter Informationen: [1]. Zusammen mit der sich imRathaus der Stadt befindlichen alten Stadtbibliothek, die ca 13500 alte Bücher und Drucke des 16. - 19. Jhdts. beinhaltet, gehört Avranche mit zu den bedeutendsten buchhistorischen Städten Europas.

Parks[Bearbeiten]

Gegenüber der Kirche Notre Dame des Champs befindet sich der Jardin des Plantes, von dessen Westseite man die Bucht des Mont-Saint-Michel überblicken kann.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Avranches unterhält Städtepartnerschaften mit Saint-Gaudens (Frankreich), Saint Helier auf Jersey, Crediton in Großbritannien und seit 1963 mit Korbach in Hessen (Deutschland).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Max Ihm, Abrincatui, in: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), Bd. I,1, 1893, Sp. 111.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Avranches – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien