Awoda

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haAwoda
Arbeitspartei
Logo der Arbeitspartei
Parteivorsitzender Jitzchak Herzog
Partei­vorsitzender Jitzchak Herzog
Gründung 21. Januar 1968
Haupt­sitz Beit Berl, Israel
Jugend­organisation Junge Garde
Aus­richtung Sozialdemokratie, Sozialistischer Zionismus
Farbe(n) Rot
Parlamentsmandate 15 von 120 (Knesset)
Mitglieder­zahl 55.000 (2013)[1]
Internationale Verbindungen Progressive Allianz

Sozialistische Internationale

Europapartei SPE (Beob.)
Website www.havoda.org.il

haAwoda (hebräisch: העבודה, deutsch: „die Arbeit“) ist eine israelische Partei. Ihr vollständiger Name lautet Mifleget haAwoda haIsra’elit (מפלגת העבודה הישראלית, dt.: Israelische Arbeitspartei). Sie wurde am 21. Januar 1968[2] unter anderem als Nachfolgepartei der Mapai gegründet. Sie ist eine zionistische Partei der linken Mitte. Die Awoda ist Mitglied der Sozialistischen Internationale. Ihre Jugendorganisation heißt Mischmeret Tse'irah schel Mifleget haAwoda (משמר נוער בתוך מפלגת העבודה).

Geschichte[Bearbeiten]

Mapai[Bearbeiten]

Die israelischen Linksparteien bis 1948

Die Mifleget Poalei Erez Jisrael (Mapai, מפא״י, dt.: Partei der Arbeiter des Erez Jisraels)[3] existierte 1930–1968. Sie wurde in den 1930er Jahren als moderatere Splittergruppe der marxistisch-zionistisch russischen Partei Poalei Tzion gegründet. In den frühen 1920er Jahren hatte die zionistische Arbeiterbewegung die Histadrut (Allgemeine Hebräische Gewerkschaft) gegründet, welche die hebräische Siedlungswirtschaft und Infrastruktur dominierte und später die Mapai zur herrschenden Kraft in der Bewegung des Zionismus machte. Sie ist ebenfalls für die Gründung von haSchomer und Hagana verantwortlich, den ersten beiden bewaffneten jüdischen Gruppen, deren Aufgabe darin bestand, die Bevölkerung und den Besitz der jüdischen Siedlungen gegen Angriffe und Raub zu verteidigen.

In den frühen 1930er Jahren kam der Arbeiterführer David Ben-Gurion an die Macht und führte die Mapai für zwei Jahrzehnte, bevor er sich nach Sede Boker zurückzog, um „die Negev-Wüste zum Blühen“ zu bringen. Unter Ben-Gurions Leitung wurde die Mapai die führende Partei im Parlament. Ben-Gurion leitete später den Unabhängigkeitskampf, nachdem er die Unabhängigkeit Israels erklärt hatte und zum ersten israelischen Premierminister gewählt worden war.

Vereinigung 1968[Bearbeiten]

Im Jahr 1968 vereinigte sich die Mapai mit Rafi und Achdut haAwoda/Po'alei Tzion zur Israelischen Arbeitspartei Awoda (העבודה).

Bis 1984 trat die Awoda bei den Knessetwahlen als Maarach (המערך, dt.: Vereinigung) an. Der Maarach war sowohl ein Wahl- als auch ein Fraktionsbündnis, dem insbesondere die Mapam-Partei als Juniorpartner angehörte. Schon zuvor, zwischen 1965 und 1968, existierte solch eine Listenverbindung als „kleiner Maarach“.

Bis 1977 gehörten alle Premierminister der Mapai beziehungsweise der Awoda an. Lange Zeit regierte sie gemeinsam mit religiösen Parteien. Größter Gegenspieler der Awoda war Menachem Begins rechtskonservative Partei Cherut (heute Likud). Im Jahr 1977, nach dem Rücktritt Jitzchak Rabins, verlor die Arbeitspartei unter ihrem neuen Führer Schimon Peres die Knessetwahlen gegen Begins Likud und musste damit erstmals in die Opposition gehen.

Nach einer neuerlichen Wahlniederlage 1981 bildete die Arbeitspartei 1984 mit dem Likud eine Große Koalition, die „Regierung der nationalen Einheit“, worauf Mapam den Maarach kündigte. Die Große Koalition war Namensgeber des Begriffs „Israelische Lösung“: Da Awoda und Likud nahezu gleich stark waren, wurde eine Rotation im Ministerpräsidentenamt vereinbart. Peres amtierte bis 1986 als Ministerpräsident und übergab danach an den Likud-Führer Jitzchak Schamir. Nach den Knessetwahlen 1988 wurde die Große Koalition neu aufgelegt, jedoch war Awoda nun nur noch Juniorpartner des Likud unter Schamir. Nach einem Erstarken der so genannten „Tauben“ innerhalb der Arbeitspartei zerbrach die Koalition 1990 über Fragen der Friedens- und Sicherheitspolitik. Der Versuch von Schimon Peres, danach eine Koalition mit der religiösen Schas-Partei unter seiner Führung zu bilden, scheiterte, woraufhin die Arbeitspartei wieder in die Opposition gehen musste.

1992 wurde Jitzchak Rabin gegen Schimon Peres zum neuen Parteichef der Awoda gewählt. Unter Rabin gewann die Arbeitspartei die Knessetwahlen und Rabin wurde neuer Ministerpräsident einer Koalition mit der linken Mapam-Nachfolgepartei Meretz und der religiösen Schas. Während der Wahlperiode unterzeichnete Rabin einen Friedensvertrag mit Jordanien und wirkte am Osloer Friedensprozess mit. Nach der Ermordung Rabins durch den Rechtsextremisten Jigal Amir übernahm Schimon Peres zunächst kommissarisch die Regierungsgeschäfte und führte dann eine neue Regierung bis Mai 1996 an, als er die Wahlen gegen den Likud-Politiker Benjamin Netanjahu verlor. Als Hauptursache für die verlorene Wahl gilt eine Welle von Selbstmordattentaten durch die palästinensische Terrorgruppe Hamas.

Nach dem Scheitern der Regierung Netanjahu, konnte Peres' Nachfolger als Awoda-Parteichef Ehud Barak 1999 für die Partei, die nun unter dem Namen Jisrael Achat (ישראל אחת, dt.: Ein Israel) ein Wahlbündnis mit den Kleinparteien Gescher und Meimad eingegangen war, die Direktwahlen für das Amt des Ministerpräsidenten gewinnen. Nach dem Ausbruch der al-Aqsa-Intifada verlor er 2001 eine Vertrauensabstimmung und auch die Ministerpräsidentenwahlen gegen Ariel Scharon. Bei den Wahlen zur nächsten Knesset 2003 verlor die Awoda unter Amram Mitzna gegen Scharons Likud die Position der stärksten Partei und ging in die Opposition.

Nachdem 2004 in einer Koalitionskrise die Schinui-Partei aus der Regierung ausgeschieden war, trat die Arbeitspartei erneut in eine „Regierung der nationalen Einheit“ mit dem Likud ein, Schimon Peres wurde dabei Vize-Ministerpräsident unter Ariel Scharon. Mit ihrem Eintritt in die Regierung wollte die Arbeitspartei Scharons Plan, die israelischen Siedlungen im Gazastreifen zu räumen, unterstützen. In einer Mitgliederbefragung Ende 2005, mit der der Parteichef und Spitzenkandidat für die Knessetwahl bestimmt wurde, unterlag Schimon Peres knapp seinem Herausforderer Amir Peretz. Peretz kündigte die Koalition mit dem Likud auf. Bei den Knessetwahlen 2006 erreichte die Awoda mit 19 Sitzen den zweiten Platz hinter der Neugründung Kadima, mit der sie anschließend eine Regierungskoalition einging.

Als die ultrarechte[4] Jisra'el Beitenu von Avigdor Lieberman in die Koalition aufgenommen wurde, protestierten neun Knesset-Abgeordnete, darunter der Awoda-Minister Ophir Pines-Paz, der aus Protest gegen diese Entscheidung sein Ministeramt niederlegte und aus der Regierung ausschied, gegen eine Koalition der Arbeitspartei mit Isra'el Beitenu, da diese Partei für eine strikte gesellschaftliche Trennung von Arabern und Juden eintritt und in diesem Zusammenhang eine Ausweisung arabischer Israelis ins Westjordanland fordert.[5]

Peretz wurde im Jahr 2007 sowohl als Awoda-Parteichef als auch im Amt des Verteidigungsministers von Ehud Barak abgelöst. Unter diesem verlor die Arbeitspartei bei vorgezogenen Knesset-Wahlen 2009 sechs Sitze und wurde erstmals nur viertstärkste Kraft hinter Kadima, Likud und Jisra'el Beitenu. Dennoch trat die Partei einer vom Likud geführten Regierungskoalition mit Jisra'el Beitenu und Schas bei, in der sie vier Minister, darunter mit Ehud Barak den Verteidigungsminister stellte. Die Teilnahme Awodas an dieser Koalition war parteiintern hoch umstritten, da viele die Partei als linkes Feigenblatt einer Rechtskoalition ansahen und die Erneuerung in der Opposition bevorzugt hatten, während Barak die Verantwortung der Partei für den Staat Israel betonte.[6]

Spaltung 2011[Bearbeiten]

Nachdem die Regierungsbeteiligung parteiintern immer stärkerer Kritik ausgesetzt war, erklärte Parteichef Ehud Barak am 17. Januar 2011 seinen Austritt aus der Arbeitspartei und die Gründung einer neuen "zentristischen, zionistischen und demokratischen" Knesset-Fraktion mit dem Namen Ha’Atzma’ut (Unabhängigkeit).[7][8] Barak folgten vier der zwölf verbliebenen Mitglieder der Awoda-Fraktion in die neue Parlamentspartei, welche die Regierung weiterhin stützte.[9] Baraks Schritt wurde von führenden Vertretern der Arbeitspartei als Chance eines Wiederaufbaus der Partei begrüßt.[10][11] Kurz nach dessen Bekanntgabe gaben die Awoda-Minister Jitzchak Herzog, Avischai Brawerman und Benjamin Ben-Eliezer ihren Austritt aus der Regierung bekannt[12], die nach Baraks Abspaltung aber weiterhin über eine Mehrheit in der Knesset verfügte.

Zur Nachfolgerin Baraks als Vorsitzende der Arbeitspartei wurde im September 2011 Schelly Jachimowitsch gewählt.[13] Nachdem die Partei bei der Knessetwahl im Januar 2013 nur noch fünfzehn Sitze erhielt, wurde Frau Jachimowitsch im November von Herzog abgelöst.[1]

Ideologie[Bearbeiten]

Die Mapai entstammte der sozialistischen Bewegung der „Arbeiter von Zion“ und hing der zionistisch-sozialistischen Ideologie an, wie sie von Nachum Syrkin und Ber Borochov verbreitet wurde. Während der Führung durch Ben-Gurion (30er bis 50er Jahre) konzentrierte sich die Mapai hauptsächlich auf zionistische Anliegen und sah ihr vordringlichstes Ziel in der Schaffung einer nationalen Heimstätte für Juden.

Nach der Gründung Israels wirkte die Mapai am Aufbau des neuen Staates mit, unter anderem bei der Gründung der israelischen Armee IDF (Tzahal – צה״ל), wobei sie jede andere bewaffnete Gruppe auflöste, der Gründung vieler Siedlungen, der Ansiedlung von mehr als 1.000.000 jüdischen Einwanderern und der Integration der Einwanderer in eine neue zionistische israelische Kultur.

Die Awoda entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten in manchen sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen zu einer Partei der Mitte. Sie galt als Vertreterin der aus Europa eingewanderten Mittel- und Oberschicht des Landes. Da die Friedens- und Sicherheitspolitik alles überlagert, werden ökonomische Fragen in Israel selten kontrovers diskutiert, der politische Schwerpunkt liegt in diesem Bereich somit weniger auf politischen Ideologien. Erst mit der Wahl von Amir Peretz zum Parteiführer nahmen sozialpolitische Fragen wieder größeres Gewicht ein. Peretz ist ein orientalischer Jude, der die Dominanz der etablierten europäischen Juden an der Spitze der Awoda aufbrach.

Früher stand die Awoda für eine harte Position in Verteidigungsfragen. Unter ihrer Regierung war Israel an der Sueskrise (1956), dem Sechstagekrieg und dem Jom-Kippur-Krieg beteiligt. In der Frage des palästinensisch-israelischen Konflikts nahm die Arbeitspartei seit vielen Jahren eine gespaltene Position ein.

Die so genannte „Tauben-Fraktion“ um ursprünglich Jossi Beilin, Amram Mitzna, Avraham Burg und Juli Tamir unterstützte uneingeschränkt Friedensverhandlungen mit den Palästinensern und ist zur Räumung der meisten israelischen Siedlungen bereit. Anhänger dieser Richtung kritisieren mit Nachdruck die Vorgehensweise der Israelischen Armee gegen die Palästinenser, etwa die gezielten Tötungen von Führern der Terrororganisationen. Im Jahr 2003 spaltete sich eine kleine Gruppierung um Beilin und Jael Dajan von der Awoda ab, um später zusammen mit Meretz eine neue Linkspartei mit dem Namen Meretz-Jachad (Sozialdemokratisches Israel) zu bilden.

Die so genannte „Pragmatiker-Fraktion“ der Arbeitspartei um ursprünglich Schimon Peres, Ophir Pines-Paz, Chaim Ramon und Benjamin Ben Eliezer unterstützte die Idee von Verhandlungen mit den Palästinensern im Fall der Beendigung des Terrors und des Austauschs der derzeitigen palästinensischen Führung durch eine Regierung, welche nicht mit gewalttätigen Gruppierungen in Verbindung steht. Schimon Peres und Chaim Ramon verließen 2006 jedoch die Awoda und schlossen sich der Kadima an.

Parteivorsitzende der Mapai und der Awoda[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Myron J. Aronoff: Power and ritual in the Israel Labor Party : a study in political anthropology, Rev. & expanded ed., Armonk, NY [u.a.] : Sharpe, 1993
  • Efraim Inbar: "The decline of the Labour party" in: Israel Affairs, Vol. 16, No. 1, January 2010, 69–81
  • Neill Lochery: The Israeli Labour Party. In the Shadow of the Likud; Reading 1997.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Awoda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Peter Münch: Mr. Ausgleich, Süddeutsche Zeitung, 23. November 2013, S. 10
  2. Mordecai Naor: Eretz Israel, Könemann, Köln, 1998, ISBN 3-89508-594-4, Seite 394
  3.  Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Israel. In: Informationen zur Politischen Bildung. Heft 278, Franzis´print & media, Bonn 2008, ISSN 0046-9408, Von der zionistischen Vision zum jüdischen Staat, S. 9.
  4. Bettina Marx: Ein Minister als strategische Bedrohung (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung (ARD, 30. Oktober 2006); Arbeitspartei bleibt in der israelischen Regierung (NZZ, 29. Oktober 2006); Olmert: Koalition mit Ultrarechten ändert Israels Nahostpolitik nicht (Der Standard, 30. Oktober 2006)
  5. Mazal Mualem: Labor MK: Lieberman's entry into gov't would mark 'black day'; Jack Khoury, Yoav Stern: Labor's Arab members vow to 'settle score' over partnership with Lieberman; Akiva Eldar: So much for another kind of olive harvest (alle drei in: Ha'aretz, 27. Oktober 2006)
  6. https://www.faz.net/s/Rub2F3F4B59BC1F4E6F8AD8A246962CEBCD/Doc~E344D0093DAFD43459BFA02877AC23C28~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html
  7. http://news.theage.com.au/breaking-news-world/israels-barak-quits-labour-and-forms-new-party-20110118-19u8q.html
  8. http://www.haaretz.com/news/national/ehud-barak-quits-labor-to-form-centrist-zionist-and-democratic-party-1.337493
  9. http://www.haaretz.com/news/national/labor-mks-welcome-barak-s-departure-as-chance-to-rebuild-party-1.337494
  10. http://www.haaretz.com/news/national/labor-mks-welcome-barak-s-departure-as-chance-to-rebuild-party-1.337494
  11. http://www.freitag.de/politik/1104-ein-wundert-ter-k-me-gelegen
  12. http://www.haaretz.com/labor-ministers-bolt-coalition-after-barak-resigns-from-party-1.337530?localLinksEnabled=false
  13. Jachimowitsch neue Avoda-Chefin Israelnetz.com, 21. September 2011, abgerufen am 12. Mai 2012