Axel A. Weber

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Axel A. Weber

Axel Alfred Weber (* 8. März 1957 in Kusel) ist ein deutscher Ökonom, Professor und Bankmanager, seit dem 3. Mai 2012 Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS Group AG. Darüber hinaus ist er Mitglied der Group of Thirty. Als Präsident der Deutschen Bundesbank vom 30. April 2004 bis zum 30. April 2011 war Axel A. Weber eine der Schlüsselfiguren während der Euro-Krise, als die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion drohte.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1976 nahm Weber das wirtschafts-, sowie das verwaltungswissenschaftliche Studium an der Universität Konstanz auf, das er mit einem Diplom in Volkswirtschaftslehre 1982 abschloss.[1]

In den danach folgenden sechs Jahren (von 1982 bis 1988) arbeitete Axel A. Weber als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl „Geld und Währung“ an der Universität-Gesamthochschule Siegen[1] und promovierte im Jahr 1987 zum Dr. rer. pol. 1988 folgten wissenschaftliche Aufenthalte als Gastdozent am Queen Mary College der Universität London[1] und am Center for Economic Research der Katholieke Universiteit Brabant in Tilburg.[1]

Nach seiner Rückkehr im Jahre 1989 nach Siegen[1], wurde er dort wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Wirtschaft.[1]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrstuhl- und Expertentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Habilitation an der Universität Siegen bekam er 1994 den Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Bonn und wechselte 1998 zur Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2001 bis 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Internationale Ökonomie an der Universität zu Köln inne. Axel A. Weber war Mitglied des Hochschulrats der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Universität Siegen.

Von 2002 bis 2004 war Axel A. Weber Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Rat der Wirtschaftsweisen). Ausserdem gehörte er seit Oktober 2002 dem Sachverständigenausschuss der Deutschen Bundesbank an und war im Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Präsident der Deutschen Bundesbank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2004 wurde der parteilose Weber auf Vorschlag von Bundesfinanzminister Hans Eichel als Nachfolger des zurückgetretenen Ernst Welteke zum neuen Präsidenten der Deutschen Bundesbank ernannt. Die Wahl stieß in der Öffentlichkeit auf ein positives Echo, unter anderem bei Wirtschaftsvertretern und bei Oppositionspolitikern. Mit seiner Ernennung zum Präsidenten der Bundesbank schied Weber aus dem Sachverständigenrat aus, da die Mitglieder des Rates weder einer (gesetzgebenden) Körperschaft des Bundes, noch dem Öffentlichen Dienst (Ausnahme: Hochschullehrer, Forschungsinstitut) angehören dürfen.

Von 2004 bis 2011 war Weber Mitglied des Rates der Europäischen Zentralbank, Verwaltungsratsmitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Gouverneur des Internationalen Währungsfonds für Deutschland, sowie Mitglied der G7- und G20-Minister und -Gouverneure.[2]

Rolle in der Bankenkrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Krise am US-amerikanischen Subprime-Markt (Subprime-Krise) begann im Sommer 2007 eine Banken- und Finanzkrise. Noch am 2. August 2007, drei Tage nach Bekanntwerden der massiven Probleme bei der IKB Deutsche Industriebank, veröffentlichte die Bundesbank folgende Erklärung als „Pressenotiz“:

  1. Befürchtungen bezüglich einer Bankenkrise in Deutschland entbehren jeder Grundlage. Die Probleme der IKB sind institutsspezifischer Natur. Sie wurden durch den Beistand der KfW wirkungsvoll aufgefangen.
  2. Das Engagement deutscher Kreditinstitute am amerikanischen Immobilienmarkt ist überschaubar und insgesamt begrenzt. Es konzentriert sich auf Anlagen mit hoher Bonität.
  3. Der in einigen Medienberichten hergestellte Vergleich der aktuellen Wirtschaftslage zur Bankenkrise 1931 ist völlig abwegig.[3]

Dafür wurde Weber später von vielen Seiten kritisiert, denn in der Folge fanden durchaus „Rettungsaktionen“ für deutsche Banken statt, wie für IKB Deutsche Industriebank, Sachsen LB, WestLB, Hypo Real Estate (HRE) und Commerzbank.

Rücktritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2011 erklärte Weber seinen Rücktritt zum 30. April 2011 – und damit ein Jahr vor dem Ende seiner regulären Amtszeit .[4] Sein Nachfolger als Bundesbankpräsident wurde Jens Weidmann. Dieser Schritt erfolgte mitten im Poker um die Nachfolge des scheidenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet. Bis dahin galt Weber lange Zeit inoffiziell als Kandidat der Bundeskanzlerin Angela Merkel für das Amt des EZB-Präsidenten.[5] Statt Weber wurde Mario Draghi, ein ehemaliger Vizepräsident von Goldman Sachs, im November 2011 EZB-Präsident. Die Gründe für den plötzlichen Rücktritt Webers wurden der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben.

Im Dezember 2013 erklärte Weber in einem „Zeit“-Interview, er sei zurückgetreten, weil er mit der neuen Geldpolitik in Europa nicht einverstanden gewesen sei und Beschlüsse vertreten musste, die er nicht für richtig gehalten habe.[6] Zeitgleich nannte EZB-Präsident Draghi in einem „Spiegel“-Interview deutsche Sorgen wegen der Folgen der Euro-Rettungspolitik „perverse Angst“.[7]

Weiterer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weber lehrte und forschte zunächst ein Jahr lang als Gastprofessor an der Booth School of Business der University of Chicago.[8]

Am 3. Mai 2012 wurde er zum Präsidenten des Verwaltungsrats der Schweizer Großbank UBS gewählt, wo er Kaspar Villiger ablöste.[9] Er erhielt eine Antrittsprämie von gut vier Millionen Schweizer Franken in bar und Aktien. Sein Amtsvorgänger erklärte, die Zahlung habe auch damit zu tun, dass Weber auf die in der Schweiz übliche Zahlung für die Altersvorsorge „in mehrfacher Millionenhöhe“ verzichtet habe und zu einem in Deutschland nicht üblichen Einjahresvertrag bereit gewesen sei.[10]

Außerdem ist Weber seit 2012 Vorsitzender des Governance and Nominating Committee und seit 2013 Vorsitzender des Corporate Culture and Responsibility Committee. Im November 2014 wurde er in den UBS-Group-AG-Verwaltungsrat gewählt und ist zugleich Verwaltungsratspräsident der UBS AG und der UBS Group AG.

Tätigkeiten und Interessenbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 ist Weber Mitglied des European Financial Services Roundtable.[11] Anfang 2013 wurde er Mitglied der Group of Thirty in Washington, D.C.[12] Im November desselben Jahres wurde Axel Weber zum Verwaltungsratsmitglied des Swiss Finance Council (SFC), einer neugegründeten Lobbyorganisation von UBS und Credit Suisse gewählt.[13] SFC ist in Brüssel mit einer Niederlassung präsent.[14]

Seit 2014 ist Weber Verwaltungsratsmitglied der Schweizerischen Bankiervereinigung.[15] Er ist Mitglied des Stiftungsrates vom Avenir Suisse[16] und des Beirates des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich[17]. Des Weiteren ist er seit 2012 Verwaltungsratsmitglied und seit Oktober 2016 Verwaltungsratsvorsitzender des Institute of International Finance[18], Verwaltungsratsmitglied der International Monetary Conference [19] und seit November 2016 Kuratoriumsvorsitzender des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Axel A. Weber hält weitere Mandate:

  • Mitglied des Beirats Zukunft Finanzplatz
  • Mitglied des European Financial Services Round Table
  • Mitglied der European Banking Group
  • Mitglied des International Advisory Panel der Monetary Authority of Singapore
  • Mitglied des Beirats des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich
  • Mitglied der Trilateral Commission[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009 Ehrendoktorwürde der Universität Konstanz.[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Axel A. Weber. In: munziger.de. Munziger-Archiv GmbH, abgerufen am 25. Februar 2017.
  2. NZZ Konferenz: Networking Guide: Swiss International Finance Forum 2015, S. 19.
  3. Pressenotiz der Bundesbank vom 2. August 2007 (PDF)
  4. Regierungssprecher: Weber scheidet zum 30. April aus dem Amt
  5. Kanzlerin Merkel – Richtlinienkompetenz? Fehlanzeige!, Handelsblatt 11. Februar 2011
  6. „Wir waren im Dauereinsatz“, Die Zeit, 29. Dezember 2013 (S. 32)
  7. Der Spiegel 1/2014 (S. 20ff.): „Diese perverse Angst“
  8. Senior Fellow Axel Weber IFK-CFS, 30. Dezember 2015.
  9. 99 Prozent Aktionärsstimmen – Axel Weber mit Glanzresultat zur UBS, Basler Zeitung, 3. Mai 2012
  10. handelsblatt.com: Antrittsprämie für Weber in der Kritik
  11. European Financial Services Round Table, abgerufen am 30.August 2015.
  12. Mario Draghis verschwiegene Freunde focus.de. Abgerufen am 30. Dezember 2015.
  13. SFC About Us Swiss Finance Council. Abgerufen am 25. November 2015.
  14. Standbein in Brüssel: UBS und Credit Suisse gründen Swiss Finance Council, nzz.ch vom 28. November 2013.
  15. Grossbanken-Präsidenten nehmen Einfluss auf Bankiervereinigung finews.ch. Abgerufen am 25. November 2015.
  16. avenir suisse > Organe (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.avenir-suisse.ch, avenir suisse, abgerufen am 30.August 2015
  17. UBS Globale Themen, abgerufen am 25. November 2015
  18. IIF Board Elects Axel A. Weber as New Chairman, IIF, abgerufen am 2. November 2016.
  19. NZZ Konferenz: Networking Guide: Swiss International Finance Forum 2015, S. 19.
  20. CV Axel Weber
  21. WIWI: Ehrenpromotionen. In: www.wiwi.uni-due.de. Abgerufen am 10. September 2016.
  22. Pressemitteilung der Universität Konstanz (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aktuelles.uni-konstanz.de, abgerufen am 18. April 2010.