Axel Reitz

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Axel Reitz als Redner auf einer Kundgebung im April 2005 in Essen

Axel W. Reitz (* 10. Januar 1983 in Dormagen) ist ein deutscher ehemaliger Aktivist aus dem Spektrum der neonazistischen Freien Kameradschaften.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Axel Reitz (zweiter von rechts vorne)

Axel Reitz begann seine politische Laufbahn als Mitglied der Jungen Union,[1][2] wurde kurze Zeit darauf aber Mitglied der Jungen Nationaldemokraten und der NPD selbst. [3] Später gründete er mit Siegfried Lutz die Kameradschaft Köln, welche nachher in Kameradschaft Walter Spangenberg umbenannt wurde und damit fortan den Namen eines ermordeten SA-Mannes trug.[4] Nach dem Tod von Lutz übernahm Reitz 1999 die Führung der Organisation und war im Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS) aktiv.[5] [6] Der KDS hatte bis zu dessen Sturz 2002 Kontakte zum Regime Saddam Husseins, den Axel Reitz als „orientalische Variante Adolf Hitlers“ ansah.[7] Laut dem Rechtsextremismusforscher Richard Gebhardt war Reitz zudem Mitinitiator des Aktionsbüros Westdeutschland.[8]

Riehs, Reitz und Worch 2004 in Köln

Axel Reitz wurde von Christian Worch, mit dem er persönlich bekannt ist, protegiert.[9] Bei Kundgebungen im gesamten Bundesgebiet traten beide oft zusammen als Redner auf. Reitz zeichnete zudem für die Anmeldung der Veranstaltungen verantwortlich und fungierte als Netzwerker.[7] Im Bundestagswahlkreis Erftkreis I erhielt er bei der Wahl 2009 als parteiloser Kandidat der NPD 1,5 % der Erststimmen.[10][11] Gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger bezeichnete er sich selbst als „Berufsdemonstrant“.[7] Im Mai 2012 wurde die Kameradschaft Walter Spangenberg verboten.[12]

Anfang März 2013 gab Reitz bei einem Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer des Aktionsbüros Mittelrhein bekannt, dass er seine politischen Aktivitäten eingestellt habe und auch nicht wieder aufzunehmen beabsichtige, da er sich damit in eine „politische und persönliche Sackgasse“ begeben habe.[1]

In einem am 16. Februar 2016 veröffentlichten Beitrag im neurechten Online-Magazin Blaue Narzisse berichtet Axel Reitz über seinen gescheiterten Versuch, der „gemäßigt rechten Partei“ Alternative für Deutschland beizutreten. Von seinen „totalitären, freiheitsfeindlichen und extremistischen Gedankengängen“ habe er sich hingegen „emanzipieren und letztlich lossagen“ können.[13]

Konflikte mit dem Gesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits als 14-Jähriger wurde Reitz von einem Richter wegen Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen verwarnt.[14] Es folgten Bestrafungen wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Diebstahl. Durch Urteil des Landgerichts Bochum vom 9. September 2005 wurde Reitz zudem wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, weil er auf einer Kundgebung antisemitisch gegen den Bau einer Synagoge agitiert hatte.[15] Da aufgrund des Schuldspruchs eine vorherige Bewährungsstrafe von einem Jahr wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz (Uniformverbot) widerrufen wurde, erhöhte sich die Haftdauer auf insgesamt zwei Jahre und neun Monate. Nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haft wurde der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt und Reitz im April 2008 entlassen.[16]

Am 13. März 2012 wurde Reitz erneut inhaftiert, da er das von der Staatsanwaltschaft Koblenz als kriminelle Vereinigung eingestufte Aktionsbüro Mittelrhein unterstützt haben soll.[17] Knapp zwei Monate später wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen.[12] Weil er gegenüber den Behörden ausgesagt haben soll, wird er von Teilen der Neonazi-Szene im Internet bedroht.[18]

Der seit 1989 für den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz tätige V-Mann Johann Detlef Helfer war auf Reitz angesetzt worden.[19] In einem Interview mit dem ZDF hilft Reitz die Rolle des Informanten aufzuklären und berichtet unter anderem, dass der Geheimdienstmann zeitweise die Kölner Kameradschaft geführt habe.

Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reitz bekundete in seiner Jugend, auf dieser Erde alleine Adolf Hitler zu glauben, und zitierte den NSDAP-Funktionär Robert Ley (1937):

„Wir glauben, daß der Nationalsozialismus der allein seligmachende Glaube für unser Volk ist. Wir glauben, dass es einen Herrgott im Himmel gibt, der uns geschaffen hat […]. Und wir glauben, dass dieser Herrgott uns Adolf Hitler gesandt hat, damit Deutschland für alle Ewigkeit ein Fundament werde. Heil Hitler.“[20]

Als 16-Jähriger äußerte er im Rahmen eines Kampftags gegen die Reaktion:

„Diejenigen, die uns über Jahre hinweg bekämpft haben, uns aus der Arbeit gedrängt und ins Gefängnis gebracht haben, die werden eines Tages auf den Marktplatz gestellt und erschossen.“[7]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Schran: Nebenan der braune Sumpf - Neonazis, ihre Mitläufer und Drahtzieher, 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der „Hitler von Köln“ steigt aus - 30-Jähriger sieht sein Leben in einer Sackgasse. Rhein-Zeitung, 1. März 2013, abgerufen am 2. März 2013.
  2. Ein Neonazi von nebenan. Kölner Stadt-Anzeiger, 24. September 2005, abgerufen am 7. April 2013.
  3. Redner mit dickem Vorstrafenregister. Soester Anzeiger, 9. Februar 2011, abgerufen am 2. März 2013.
  4. Freie Kameradschaft Köln. Soester Anzeiger, 28. Dezember 2007, abgerufen am 2. März 2013.
  5. Michael Klarmann 2007: „Kameradschaften als Strategieelement“, Bundeszentrale für Politische Bildung
  6. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 1999, S. 100
  7. a b c d Ein Neonazi von nebenan. Kölner Stadtanzeiger, 24. September 2005, abgerufen am 2. März 2013.
  8. Richard Gebhardt, Rosen auf den Weg gestreut: Deutschland und seine Neonazis, PapyRossa Verlag 2007, S.77
  9. Uwe Backes und Eckhard Jesse, Extremismus & Demokratie, Band 20, Bouvier Verlag 2008, S. 212
  10. Wahlergebnis Erftkreis I
  11. Johannes Radke (Der Tagesspiegel, 10. Oktober 2007): Extremismus: Links hören, rechts denken,
    Alexander Voelkel (derwesten.de, 1. Juni 2009): NPD-Landtagskandidat: "Hitler von Köln" kandidiert im Siegerland,
    Fabian Weissbarth (Die Zeit, 31. März 2010): Störungsmelder: Berliner wollen Naziaufmarsch am 1. Mai verhindern,
    Ulrich Hagmann, Birgit Kappel (Report München, Bayerischer Rundfunk, 26. Juli 2010): Region in Angst: Wie Rechtsextreme Bürger terrorisieren
  12. a b Razzia bei „Spangenberg“-Nazis. taz, 10. Mai 2012, abgerufen am 23. Februar 2013.
  13. DIE GRENZEN DER FREIHEIT Blaue Narzisse Dienstag, 16 Februar 2016 14:34 von Axel Reitz
  14. Der "Hitler von Köln" will raus aus der rechten Szene. Rhein-Zeitung, 3. August 2012, abgerufen am 2. März 2013.
  15. die tageszeitung: Axel Reitz im Knast, 29. Juli 2006
  16. Reitz, Axel. Netz gegen Nazis, abgerufen am 2. März 2013.
  17. 24 Neonazis bei Großrazzia verhaftet. Kölner Stadtanzeiger, 13. März 2012, abgerufen am 2. März 2013.
  18. Rechte Szene spekuliert über Reitz. Kölner Stadtanzeiger, 10. Juli 2012, abgerufen am 2. März 2013.
  19. Geheimdienst-Informant soll in Mordserie verwickelt sein. Archiviert vom Original am 14. Juni 2015, abgerufen am 20. Oktober 2015.
  20. ZDF-Sendung „Frontal21“ vom 8. Oktober 2002