Axel Steier

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Axel Steier (* 10. August 1975 in Neuruppin[1][2]) ist als Mitbegründer, Vorsitzender und Sprecher von Mission Lifeline e. V. bekannt, einer NGO, die sich der Seenotrettung von Migranten, insbesondere im Mittelmeer, widmet.

Steier hat drei Jahre als Rettungsassistent beim DRK in München gearbeitet. Anschließend studierte er Soziologie an der TU Dresden und gehörte zu den Schülern von Karl-Siegbert Rehberg.[3] In Dresden-Neustadt betreibt Steier einen kleinen Lebensmittelladen.

Axel Steier (2017)

Dresden-Balkan-Konvoi

Steiers Engagement für Flüchtlinge begann als spontane Idee: „Ich habe zufällig mit einem Freund im Fernsehen gesehen, wie schlimm die Situation auf dem Balkan ist. Und da es hier in Dresden gerade sehr viele rechtsradikale Demonstrationen gibt, wollte ich ein positives Zeichen setzen.“[4] Steier gehörte zu den Initiatoren des Dresden-Balkan-Konvois, der in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Umsonstladen Sachspenden für die Menschen auf der Balkanroute sammelte. Die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung war eine logistische Herausforderung. Zu den Unterstützern des Projekts gehörten die GRÜNEN-Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke, Katja Meier und Valentin Lippmann.[5]

Steier fuhr im November 2015 mit seinem Kleintransporter nach Preševo (Serbien), wo die Hilfsgüter an Notleidende ausgegeben wurden. Dann koordinierte er den nächsten Hilfskonvoi für die Menschen, die an der griechisch-mazedonischen Grenze bei Idomeni ausharrten; dafür wurden zwei Annahmestellen für Sachgüter und ein Spendenkonto eingerichtet. Der Dresden-Balkan-Konvoi passte sich mit seinen Hilfsangeboten den sich ändernden Fluchtrouten flexibel an: „Gerade als sehr kleine Organisation sind wir in der Lage, innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden reagieren zu können,“ sagte Steier einem Reporter der Dresdner Neuesten Nachrichten.[6]

Mission Lifeline

Der Dresden-Balkan-Konvoi plante im Mai 2016 parallel zu seinem Engagement in Idomeni, wo er unter anderem eine Teeküche unterhielt, den Ankauf eines Schiffs zur Seenotrettung im Mittelmeer. Die Initiative warb für diese „Mission Lifeline“ um Spenden und Bürgschaften.[7] Im Juni 2017 wurde bekannt, dass die Bundespolizei Pirna im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dresden gegen Axel Steier und Sascha Pietsch als Vorsitzendem bzw. stellvertretendem Vorsitzenden von Mission Lifeline Ermittlungen aufgenommen hatte. Beide erhielten eine Vorladung, um sich Anfang Juli zu dem ihnen vorgeworfenen „Versuch des Einschleusens von Ausländern“ zu äußern.[8] Eine Privatperson hatte Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob überhaupt ein Anfangsverdacht bestehe.[9] Die Ermittlungen wurden noch vor dem anberaumten Anhörungstermin von der Staatsanwaltschaft wieder eingestellt,[10] Mission Lifeline e. V. besaß zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Schiff.[10]

Im September 2017 bereitete sich die aus 19 Personen bestehende deutsch-spanische Crew des Rettungsschiffs in Malta auf ihren ersten Einsatz vor; Axel Steier betonte gegenüber dem MDR: „Wir statten das Schiff mit mehreren Kameras aus, um alle Einsätze zu dokumentieren, haben einen Positions-Tracker, damit unsere Route nachverfolgt werden kann und arbeiten eng mit dem MRCC in Rom zusammen.“[11] Ein zweiwöchiger Rettungseinsatz kostet jeweils 20.000 Euro; Treibstoff, Hafengebühren, Verpflegung sowie Satellitenkommunikation schlagen dabei am stärksten zu Buche.[12] Mission Lifeline kooperierte beim ersten Rettungseinsatz mit der spanischen Hilfsorganisation #MayDayterraneo.[13]

Am 26. Juni 2018 sagte Steier, der die Lifeline auf ihrem sechsten Rettungseinsatz[14] begleitete, gegenüber epd, seit Herbst 2017 seien mehr als 900 Menschen von der Lifeline aus Seenot gerettet worden.[14]

Axel Steier schrieb auf Twitter im Januar 2023, er wünsche sich das Ende von "Rassismus" und "Abschottungspolitik", aber er fürchte, dass das nicht käme, "solange Deutschland existiere". Steier führte weiter aus, dass seine Gruppe beim Transport von Flüchtlingen nach Europa "am längeren Hebel" sitze und er mit seiner Arbeit die "Enthomogenisierung der Gesellschaft", weg von durch Steier als "Weißbrote" bezeichneten Menschen, unterstütze. Daraufhin wurde er von Hans-Georg Maaßen mit antideutschem Rassismus in Verbindung gebracht.[15]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Satzung und Freistellungsbescheid von Mission Lifeline e. V. In: mission lifeline. Archiviert vom Original am 10. September 2017; abgerufen am 28. Juni 2018.
  2. Zur Person – Axel Steier bei: Holocaust-Rede: Höcke, der unfreiwillige Flüchtlingshelfer. In: Spiegel Online. 9. Januar 2017, abgerufen am 28. Juni 2018.
  3. Mit dem Rettungsschiff vor Libyen. In: Dresdner Universitätsjournal. TU Dresden, 27. Februar 2018, S. 2, abgerufen am 28. Juni 2018.
  4. Judith Budai: Ehrenamt: Umsonstladen Hilfe muss nichts kosten. In: urbanite. 14. Dezember 2015, abgerufen am 28. Juni 2018.
  5. GRÜNE-Landtagsabgeordnete Zschocke, Meier und Lippmann unterstützen Dresden-Balkan-Konvoi. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Bündnis 90 Die Grünen im Sächsischen Landtag. Archiviert vom Original am 28. Juni 2018; abgerufen am 28. Juni 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gruene-fraktion-sachsen.de
  6. Dresden-Balkan-Konvoi startet zum 2. Mal. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 27. November 2015, abgerufen am 28. Juni 2018.
  7. Marie Zoe Vanherpe: Dresden-Balkan-Konvoi plant Projekt zur Seenotrettung im Mittelmeer. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 18. Mai 2016, abgerufen am 28. Juni 2018.
  8. Matthias Meisner: Ermittlungen gegen Dresdner Seenotretter. In: Der Tagesspiegel. 26. Juni 2017, abgerufen am 28. Juni 2018.
  9. Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen Mission Lifeline. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 27. Juni 2017, abgerufen am 28. Juni 2018.
  10. a b Keine Ermittlungen gegen Retter. In: Sächsische Zeitung online. 3. Juli 2017, abgerufen am 28. Juni 2018.
  11. Markus Weinberg: Dresdner Seenotretter erstmals mit eigenem Schiff im Einsatz. (Nicht mehr online verfügbar.) 17. September 2017, archiviert vom Original am 16. Juni 2018; abgerufen am 28. Juni 2018.
  12. Pegida-Prozess zum Jahresbeginn. In: Sächsische Zeitung online. 27. Dezember 2017, abgerufen am 28. Juni 2018.
  13. Suche nach Menschen in Seenot. In: Sächsische Zeitung online. 20. September 2017, abgerufen am 28. Juni 2018.
  14. a b Katharina Rögner: Rettungsschiff „Lifeline“ hofft weiter auf Einfahrt in Hafen. 25. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2018.
  15. Ulrich Reitz: "Die ganze Geschichte hinter dem Maaßen-Eklat" der Focus vom 25. Januar 2023